Ärztliche Behandlungsfehler

Ärztinnen und Ärzte, ob im Krankenhaus oder in einer Praxis, leisten jeden Tag enorm viel für unsere Gesellschaft. Verantwortung, Belastung und Zeitdruck sind hoch – deswegen passieren auch Fehler, die eigentlich nicht passieren dürfen, weil es um die Gesundheit von Menschen geht. Schließlich ist die Gesundheit unser höchstes Gut.

Unterlaufen ärztliche Behandlungsfehler, können die Betroffenen unter schweren medizinischen Folgen leiden. Deswegen gibt es bei nachgewiesenen ärztlichen Behandlungsfehlern die Möglichkeit, Schadenersatz zu erhalten.

Da es kein Recht auf Linderung von Schmerzen oder Heilung von Krankheiten gibt, ist es schwierig, einen Behandlungsfehler zu erkennen und nachzuweisen. Alle Menschen müssen aber nach dem aktuell gültigen medizinischen Standard behandelt werden. Diesem fachärztlichen Standard kommt große Bedeutung zu, wenn geklärt werden muss, ob ein ärztlicher Behandlungsfehler vorliegt.

Wie werden ärztliche Behandlungsfehler definiert?

Wer sich in Behandlung begibt, erwartet also zurecht fundierte medizinische Expertise. Zum fachärztlichen Standard, auf den Sie ein Anrecht haben, gehören:

  • Anamnese: Erhebung der Krankheitsgeschichte,
  • Befunderhebung: umfassende Untersuchung,
  • Diagnose: Feststellen der Krankheit,
  • Therapie: Behandlung der Krankheit sowie
  • Nachsorge: Nachbehandlung.

Ärztliche Behandlungsfehler können in jedem dieser Bereiche passieren.

  • Befunderhebungsfehler: Der Befunderhebungsfehler steht am Anfang einer Behandlung. Mit diesem Begriff wird der ärztliche Fehler beschrieben, dass die nötigen Untersuchungen nicht durchgeführt werden, sodass kein korrekter Befund möglich ist.
  • Diagnoseirrtum: Nicht jede falsche Diagnose ist ein ärztlicher Behandlungsfehler. Werden die aufgetretenen Symptome nicht ausreichend in die Diagnose einbezogen oder nicht vertretbar interpretiert, handelt es sich durchaus um ärztliches Fehlverhalten.
  • Therapiefehler: Auch Therapiefehler sind schwierig zu erkennen. Wenn beispielsweise eine Chemotherapie den Krebs nicht aufhalten kann, handelt es sich nicht sofort um einen Behandlungsfehler. Grundsätzlich muss die gewählte Therapie geeignet sein, die vorliegende Krankheit zu behandeln. Zudem muss die Therapie mit dem geringsten Gesundheitsrisiko gewählt werden.
  • Mangelnde therapeutische Information: Sie müssen von ärztlicher Seite umfassend über Diagnose, Therapie und mögliche Nebenwirkungen informiert werden. Erst durch die sorgfältige therapeutische Information erhalten Sie die Chance, sich therapiegerecht zu verhalten. Dazu zählt auch die Erläuterung, wie und wie oft Sie die verordneten Medikamente einnehmen müssen. Werden Sie nicht ausreichend informiert, kann ein ärztlicher Behandlungsfehler vorliegen.
  • Organisationsfehler: Vor allem in Krankenhäusern kommt es zu Organisationsfehlern, beispielsweise wenn keine OP-Betten vorgehalten werden.

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Einfache und schwere ärztliche Behandlungsfehler

Für die Ermittlung der Höhe des Schadenersatzes ist es relevant, ob es sich um einen einfachen oder um einen groben ärztlichen Behandlungsfehler handelt. Je schwerwiegender der Fehler, desto mehr Schmerzensgeld können Sie erwarten.

  • Die Bedeutung des fachärztlichen Standards wurde bereits beschrieben. Er ist auch wichtig bei der Beurteilung eines einfachen Behandlungsfehlers: Wird von diesem Standard abgewichen, liegt ein einfacher ärztlicher Behandlungsfehler vor. Wie aber wird der fachärztliche Standard ermittelt? Hier helfen die in der fachärztlichen Ausbildung vermittelte Vorgehensweise, die aktuell durchgeführte Praxis, ärztliche Leitlinien oder fachärztliche und wissenschaftliche Literatur. Die Beweislast liegt bei den Betroffenen. Das bedeutet: Patientinnen und Patienten müssen einerseits selbst nachweisen, dass ein ärztlicher Behandlungsfehler vorliegt, andererseits aber auch, dass dieser Fehler ursächlich für die negativen Folgen der Behandlung ist.
  • Ein grober Behandlungsfehler ist ein solches Abweichen vom medizinischen Standard, bei dem eindeutig gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln oder gesicherte medizinische Erkenntnisse verstoßen wird und das aus objektiver ärztlicher Sicht nicht mehr verständlich erscheint, weil er einem Arzt schlechterdings nicht unterlaufen darf, wie unter anderem der BGH festgestellt hat. Hier liegt die Beweislast beim ärztlichen Personal.
Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Wie viele ärztliche Behandlungsfehler passieren in Deutschland?

Eine allgemein gültige Zahl der ärztlichen Behandlungsfehler gibt es nicht, da es keine dafür zuständige zentrale Stelle gibt. Auch die durchgeführten Behandlungsfehlerverfahren können nur ein Anhaltspunkt sein, da die Dunkelziffer vermutlich sehr hoch ist.

Über 14.000 Behandlungsfehlergutachten zählt der Medizinische Dienst der Krankenkassen, MDK, jährlich. Die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärzteschaft geben eine Zahl von 22.000 vermuteten Behandlungsfehlern an. Laut verschiedener Studien kommen aber auf jeden entdeckten und nachgewiesenen ärztlichen Behandlungsfehler 30 Fehler, die nicht als solche identifiziert werden.

Ich vermute, Opfer eines ärztlichen Behandlungsfehlers geworden zu sein – was tun?

Sammeln Sie zunächst alle relevanten Informationen und erstellen Sie ein Gesprächsprotokoll. Wenn der ärztliche Behandlungsfehler vor Gericht verhandelt wird, können diese Dokumente sehr nützlich sein. Beantragen Sie Einsicht in Ihre Patientenakte, Sie haben ein Recht auf die Kopie. Am besten wenden Sie sich schriftlich an das Krankenhaus oder die Arztpraxis und setzen eine Frist. Notieren Sie zudem detailliert, wie die Behandlung abgelaufen ist, mit wem Sie gesprochen und von wem Sie untersucht wurden.

Denkbar ist auch, den Verdacht mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin zu besprechen. Hierfür ist aber ein Mindestmaß an Vertrauen nötig, das bei einem vermuteten ärztlichen Behandlungsfehler oft erschüttert wurde. Dann kann auch eine zweite medizinische Meinung ratsam sein.

Erfolgreich einen Pflegegrad-Widerspruch stellen

Krankenkassen dürfen ebenfalls zu Behandlungsfehlern informieren und Sie bei den Schadenersatzansprüchen unterstützen. In der Regel beauftragen sie den MDK mit der Erstellung eines fachärztlichen Gutachtens.

Die Landesärztekammer für Ihr Bundesland kann Ihnen Adressen mit zuständigen Einrichtungen der Ärzteschaft geben. Für das Thema der ärztlichen Behandlungsfehler wurden Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen eingerichtet. Jeder individuelle Fall wird eingehend geprüft. Ziel ist aber immer eine außergerichtliche Einigung.

Die unabhängige Patientenberatung informiert Sie auch anonym, sie ist bundesweit tätig, unabhängig und kostenfrei. Das Angebot gibt es auch in türkischer, arabischer und russischer Sprache.

Wenn Sie eine Rechtschutzversicherung haben, sollten Sie diese frühzeitig informieren. Denn wenn in einem Verfahren über ärztliche Behandlungsfehler entschieden wird, kann das nicht nur eine langwierige, sondern auch eine teure Angelegenheit sein. Beachten Sie unbedingt die Verjährungsfristen. Es gilt eine Frist von drei Jahren mit Ablauf des Jahres, in dem der ärztliche Behandlungsfehler bemerkt wurde. Wann der Fehler unterlaufen ist, spielt eine untergeordnete Rolle. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass Folgen von Behandlungsfehlern auch sehr viel später auftreten können.

Auch wir von Dr. Weigl & Partner beraten Sie kompetent zum Thema ärztliche Behandlungsfehler. Uns ist wichtig, dass alle Betroffenen zumindest eine finanzielle Unterstützung erhalten. Dieses Recht steht Ihnen zu!

Wir haben ein deutschlandweit tätiges Netzwerk von Fachärztinnen und Fachärzten aufgebaut, das auch in Ihrer Nähe tätig ist. Mit unserem Team erarbeiten wir fundierte fachärztliche Gutachten für die sichere Identifikation von Behandlungsfehlern.

Unser Team berät Sie gerne kostenlos und unverbindlich zum Thema Hilfe bei Ärztlichen Behandlungsfehlern oder auch bei allen anderen Themen der Pflege