Behandlungsfehler: Hilfe und Unterstützung

Wie viele Behandlungsfehler in Deutschland passieren, kann nicht konkret beantwortet werden. Vermutlich ist die Dunkelziffer sehr hoch. Die Ergebnisse verschiedener Studien lassen darauf schließen, dass auf jeden entdeckten Behandlungsfehler 30 unentdeckte Behandlungsfehler kommen – eine enorme Zahl.

Natürlich arbeiten Ärztinnen und Ärzte sorgfältig, engagier und gewissenhaft. Aber Fehler können im hektischen Alltag, der durch hohe Verantwortung geprägt ist, durchaus passieren. Behandlungsfehler äußern sich viel fältig, beispielsweise der Verlust des Geruchssinns nach einer Operation, absichtliche Fehldiagnosen oder vergessene Operationsinstrumente. Wenn so ein Behandlungsfehler passiert, haben die Betroffenen oft mit schweren gesundheitlichen Folgen zu kämpfen. Gleichzeitig herrscht in der Regel Verunsicherung, welche Schritte nun eingeleitet werden sollten. Wir haben die wichtigsten Informationen zum Thema Unterstützung und Hilfe bei vermuteten Behandlungsfehlern für Sie zusammengestellt.

Wie erkenne ich einen Behandlungsfehler?

Behandlungsfehler werden oft auch als Kunstfehler bezeichnet. Der Begriff zeigt schon, wie ein Behandlungsfehler grundsätzlich definiert wird – eine Behandlung, die nicht nach den Regeln der ärztlichen Kunst durchgeführt wurde. Allerdings ist es schwierig, einen Behandlungsfehler zweifelsfrei zu identifizieren und damit auch ahnden zu können. Denn wenn eine Behandlung nicht den gewünschten Erfolg bringt, liegt nicht zwingend ein Behandlungsfehler vor.

Wie wird ein Behandlungsfehler definiert? Nach dem Patientenrechtgesetz aus dem Mai 2013 wird unter einem Behandlungsfehler die Verletzung des medizinischen fachlichen Standards, der zum Zeitpunkt der Behandlung anerkannt ist, verstanden. Grundsätzlich wird zwischen einfachen und groben Behandlungsfehlern unterschieden:

  • Der einfache Behandlungsfehler liegt vor, wenn von diesem fachärztlichen Standard abgewichen wird. Darunter kann beispielsweise eine falsche Medikamentengabe, die nicht zu den Symptomen passt, fallen. Die Beweislast liegt bei den betroffenen Patientinnen und Patienten. Das heißt, Sie müssen den einfachen Behandlungsfehler nachweisen und zudem belegen, dass dieser Fehler ursächlich für die medizinischen Folgen, unter denen Sie leiden, ist.
  • Der grobe Behandlungsfehler liegt vor, wenn das ärztliche Verhalten eindeutig gegen gesicherte medizinische Erkenntnisse oder bewährte ärztliche Behandlungsregeln verstößt und Fehler begangen werden, die aus objektiver Sicht nicht mehr verständlich erscheinen und Ärztinnen und Ärzten schlechterdings nicht unterlaufen dürfen. Die Beweislast ist in diesem schweren Fall des Behandlungsfehlers umgekehrt: Das medizinische Personal muss beweisen, dass kein Behandlungsfehler unterlaufen ist.

Es ist also schwierig, einen Behandlungsfehler nachzuweisen. Eine zentrale Rolle – auch, um Schadenersatz zu erhalten – kommt dabei dem medizinischen Fachgutachten zu. Damit vor Gericht geklärt werden kann, ob die Verantwortlichen haften müssen, ist medizinische Expertise wichtig. Die Frage, ob ein einfacher oder grober Behandlungsfehler vorliegt, wird also immer mit einem medizinischen Fachgutachten beantwortet.

Fragen zum Thema Hilfe bei Behandlungsfehlern?

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Was tun bei einem vermuteten Behandlungsfehler?

Fehler passieren uns allen – und leider auch Ärztinnen und Ärzten, Physiotherapeuten oder Psychologinnen, die unter immensem Druck stehen. Wenig Zeit für die Diagnose und Behandlung, Schlafmangel und Unkonzentriertheit können einen Behandlungsfehler begünstigen.

Wer einen Behandlungsfehler vermutet, ist oftmals stark verunsichert. Aber lassen Sie sich von den hohen bürokratischen Hürden nicht abschrecken: Sie haben ein Recht darauf, dass Ihr Verdachtsfall untersucht und geprüft wird. Dabei haben Sie die Wahl zwischen verschiedenen Möglichkeiten:

  • Suchen Sie zunächst das Gespräch mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin und schildern Sie Ihre Beschwerden und Ihre Befürchtung, Opfer eines Behandlungsfehlers geworden zu sein. Stellen Sie Fragen zu allem, was Ihnen unklar ist. Sie können sich beispielsweise erkundigen, wieso ein künstliches Koma notwendig war oder ob es zu Komplikationen und ungeplanten Eingriffen kam. Es ist ratsam, eine zweite ärztliche Meinung einzuholen – vor allem, wenn Ihr Vertrauen bereits stark gelitten hat.
  • Zudem haben Sie die Möglichkeit, mit den Vorgesetzten oder der Klinikleitung Kontakt aufzunehmen.
  • In einigen Bundesländern werden Ombudsfrauen bzw. Ombudsmänner eingesetzt. Ziel ist es, Sie unabhängig und kompetent in Sachen Behandlungsfehler zu beraten.
  • Wir raten Ihnen dazu, alle wichtigen Unterlagen zu sammeln. Sie haben das Recht, eine Kopie Ihrer Patientenakte inklusive OP-Berichten, Röntgenbildern, Arztbriefen oder anderen relevanten Dokumenten zu erhalten. Kommt Ihnen das Krankenhaus nicht entgegen, äußern Sie Ihre Bitte schriftlich per Einschreiben mit Fristsetzung und Rückschein. Sie können sich auf § 630 g des BGB berufen, dort ist das Recht auf Einsicht in die Akte festgeschrieben.
Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen
  • Fertigen Sie zudem am besten ein schriftliches Gedächtnisprotokoll des Behandlungsverlaufs an. Notieren Sie: Wer hat Sie untersucht? Mit wem haben Sie welche Details besprochen? Wer hat Sie operiert? Mitunter kann sich das Verfahren, Schmerzensgeld für einen Behandlungsfehler zu erhalten, hinziehen. Dann haben Sie eine Stütze für Ihre Argumentation.
  • Auch Ihre Krankenkasse informiert Sie zu Behandlungsfehlern. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen, der MDK, fertigt für jeden individuellen Fall die medizinischen Sachverständigengutachten an.
  • Die Ärzteschaft setzt zudem Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen ein. Allerdings sollten Sie beachten, dass hier immer eine außergerichtliche Einigung das Ziel sein wird.
  • Die unabhängige Patientenberatung kann eine gute, neutrale und kostenfreie Alternative sein. Auch Verbraucherzentralen beraten Sie kompetent.
  • Falls Sie über eine Rechtschutzversicherung verfügen, sollten Sie diese zeitnah informieren. Denn Juristinnen und Juristen, die sich auf Behandlungsfehler spezialisiert haben, sind teuer.
  • Beachten Sie die Verjährungsfristen, die für das Schmerzensgeld gesetzlich festgeschrieben sind. Es gilt eine Frist von drei Kalenderjahren. Der Beginn der Frist wird auf das Ende des Jahres gesetzt, in dem der Behandlungsfehler erkannt wurde. Da Behandlungsfehler mitunter erst später sichtbare Folgen zeigen, spielt das tatsächliche Datum, an dem der Behandlungsfehler unterlaufen ist, keine Rolle.
  • Wenn ein Behandlungsfehler festgestellt wurde, muss die Höhe des Schadenersatzes verhandelt werden. Auch hier helfen Ihnen versierte Juristinnen und Juristen.
Erfolgreich einen Pflegegrad-Widerspruch stellen

Dr. Weigl & Partner hat sich auf die Unterstützung der Betroffenen von Behandlungsfehlern spezialisiert. Unserem erfahrenen Team ist es wichtig, dass alle Opfer von Behandlungsfehlern zu ihrem Recht und zu einer finanziellen Entschädigung kommen –finanzielle Zuwendung kann aber natürlich die gesundheitlichen Folgen nicht ausgleichen.

Wir erarbeiten sorgfältige medizinische Fachgutachten, mit denen Sie Ihre Ansprüche geltend machen können. Ohne Fachexpertise wird es nur schwer möglich sein, Schadenersatz zu erhalten. Ein Netzwerk von anerkannten Fachärztinnen und Fachärzten ist deutschlandweit für Sie tätig. Auf uns, unsere Erfahrung und unser Engagement können Sie sich verlassen. Es ist gut, einen erfahrenen Partner an der Seite zu haben.

Unser Team berät Sie gerne kostenlos und unverbindlich zum Thema Hilfe bei Behandlungsfehlern oder auch bei allen anderen Themen der Pflege