Behandlungsfehler im Krankenhaus

Allein in Krankenhäusern unterlaufen dem medizinischen Personal etwa 200.000 Behandlungsfehler pro Jahr, so die Schätzung des Aktionsbündnis Patientensicherheit. Eine hohe Zahl, viele Menschen haben deswegen Angst, Opfer eines Behandlungsfehlers im Krankenhaus zu werden.

Stress und Zeitdruck, Personalmangel und hohe Verantwortung – die Arbeitsbedingungen in Krankenhäusern können belastend sein, was zu Unaufmerksamkeit und Fehlern führt. Sogenannte Kunstfehler oder Behandlungsfehler unterlaufen deswegen auch den versiertesten Ärztinnen und Ärzten.

Besteht ein Verdacht auf einen Behandlungsfehler, ist das eine äußerst schwierige und ungewohnte Situation. Die Betroffenen wissen meist nicht, an welche Stellen sie sich wenden können und welche Rechte sie haben. Die Sorge, zum Teil jahrelang mit den Folgen des Behandlungsfehlers des Krankenhauses leben zu müssen, ist groß. Einen Behandlungsfehler nachzuweisen und auch zu belegen, dass dieser Fehler für die medizinischen Folgen verantwortlich ist, kann sehr schwer sein. Deswegen ist die Dunkelziffer von Behandlungsfehlern im Krankenhaus vermutlich hoch. Ergebnisse wissenschaftlicher Studien geben Hinweise darauf, dass auf jeden entdeckten Behandlungsfehler 30 unentdeckte Kunstfehler kommen.

Was sind Behandlungsfehler im Krankenhaus?

Viele Behandlungsfehler bleiben unerkannt und damit auch ungeahndet. Rund 14.500 Mal wurde im Jahr 2019 der Verdacht eines Behandlungsfehlers durch den MDK, den Medizinischen Dienst der Krankenkassen, geprüft. In jedem vierten Fall wurde ein Fehler bestätigt.

Was ist ein Behandlungsfehler im Krankenhaus und wie wird er erkannt? Nach dem Patientenrechtgesetz aus dem Mai 2013 wird unter einem Behandlungsfehler die Verletzung des medizinischen fachlichen Standards, der zum Zeitpunkt der Behandlung anerkannt ist, verstanden. Das heißt, der Begriff des Kunstfehlers bringt es gut auf den Punkt: Eine Behandlung, die nicht nach den Regeln der ärztlichen Kunst erfolgt, ist fehlerhaft. Je nach Schwere des Fehlers wird zwischen einfachen und groben Behandlungsfehlern unterschieden.

  • Wird vom fachärztlichen Standard abgewichen, handelt es sich um einen einfachen Behandlungsfehler. Der Begriff des Facharztstandards entstammt einem zivilrechtlichen Kontext. Denn bei Behandlungsfehlern im Krankenhaus geht es auch um die Frage, ob Schadenersatz gezahlt wird. Das Krankenhaus als Vertragspartner – oder die behandelnden Ärztinnen und Ärzte – schulden die zu der Zeit der Behandlung berufsfachlich gebotene Sorgfalt. Entscheidend sind die Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten, die im jeweiligen fachärztlichen Gebiet vorausgesetzt werden. Dabei liegt die Beweislast eines einfachen Behandlungsfehlers bei den Patientinnen und Patienten. Diese haben zwar einen Anspruch auf eine Behandlung, die dem Facharztstandard entspricht. Besteht aber Zweifel an der korrekten Durchführung der Behandlung, muss sowohl nachgewiesen werden, dass ein Behandlungsfehler vorliegt als auch, dass dieser Fehler ursächlich für die medizinischen Folgen ist.
  • Beim groben Behandlungsfehler handelt es sich um ein noch schwerwiegenderes Vergehen. Verstößt das ärztliche Verhalten eindeutig gegen gesichertes medizinisches Wissen oder bewährte ärztliche Regeln, handelt es sich um einen groben Behandlungsfehler. Laut Gesetz handelt es sich um Fehler, die aus objektiver Sicht nicht mehr verständlich erscheinen und Ärztinnen und Ärzten schlechterdings nicht unterlaufen dürfen. Die Beweislast liegt in diesem Fall beim medizinischen Personal, das nachweisen muss, dass kein Behandlungsfehler festgestellt werden kann.

Wer sich in einem Krankenhaus behandeln lässt, muss Vertrauen in die Behandlung aufbringen. Wird dieses Vertrauen verletzt, ist die Belastung für die Patientinnen und Patienten hoch. Gleichzeitig zeigen die Definitionen, dass es schwierig ist, einen Behandlungsfehler zweifelsfrei zu erkennen. Da es kein Recht auf Heilung oder Linderung gibt, ist nicht jede Behandlung im Krankenhaus, die nicht anschlägt, ein Behandlungsfehler.

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Beispiele für Behandlungsfehler im Krankenhaus

Verschiedene Arten von Behandlungsfehlern können im Krankenhaus passieren. Dazu zählen:

  • Befunderhebungsfehler: Werden die notwendigen medizinischen Befunde nicht erhoben oder die nötigen Untersuchungen nicht vorgenommen, handelt es sich um einen Befunderhebungsfehler. Wird beispielsweise bei einem Oberschenkelhalsbruch kein Röntgenbild vorgenommen, ist dies klar ärztliches Fehlverhalten.
  • Diagnoseirrtum: Um einen Diagnoseirrtum handelt es sich, wenn die Symptome nicht ausreichend beachtet werden und/oder anhand der Symptome eine nicht vertretbare Diagnose gestellt wird. Da Symptome oft unspezifisch oder mehrdeutig sind, ist aber nicht jede falsche Diagnose ein Behandlungsfehler.
  • Fehlende Information: Therapeutische Aufklärung ist elementar für eine sinnvolle Behandlung, damit sichergestellt wird, dass Betroffene alle nötigen Informationen haben, um sich therapiegerecht zu verhalten. Die Wahl der Therapie muss ebenso erläutert werden wie mögliche Nebenwirkungen und die Form und Dauer der Medikamentengabe. Mangelnde therapeutische Information kann folglich auch unter den Begriff des Behandlungsfehlers fallen.
  • Organisationsfehler: Vor allem in Krankenhäusern können Organisationsfehler auftreten. Durch geeignete organisatorische Maßnahmen muss Fehlern, beispielsweise Medikamentenmangel oder Mängel bei der Hygiene, vorgebeugt werden.
  • Fehler in der Therapie: Um eine Krankheit sinnvoll zu behandeln, muss die Wahl der Therapie geeignet sein. Es muss sich um die Variante mit dem geringsten Gesundheitsrisiko handeln und die Therapie muss dem allgemein anerkannten fachärztlichen Standard entsprechen. Auch Therapiefehler können Behandlungsfehler im Krankenhaus sein.
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Behandlungsfehler nachweisen und Schadenersatz erhalten

Verschiedene Arten von Fehlern, die im Krankenhaus passieren, können also einfache und grobe Behandlungsfehler sein. Um Behandlungsfehler zu identifizieren, wird in der Regel ein medizinisches Fachgutachten eingesetzt. Am Ende entscheiden Gerichte über Behandlungsfehler und Schadenersatzforderungen, hier ist medizinische Expertise nötig, um die Haftungsfrage zu klären.

Wenn Sie Schmerzensgeld fordern, sollten Sie unbedingt die Verjährungsfristen beachten. Eine Frist von drei Kalenderjahren ist gesetzlich vorgeschrieben. Dabei spielt das Datum, an dem der Behandlungsfehler passiert ist, keine Rolle. Entscheidend ist der Zeitpunkt, in dem der Behandlungsfehler erkannt wurde. Hintergrund dieser Regelung sind mögliche Spätfolgen des Behandlungsfehlers, die auch geahndet werden sollen.

Beim Verdacht eines Behandlungsfehlers gibt es verschiedene Anlaufstellen, an die Sie sich wenden können. Natürlich können Sie zunächst das Gespräch mit dem medizinischen Personal des Krankenhauses führen – oft können so Unklarheiten beseitigt werden. Da es schwierig ist, einen Behandlungsfehler nachzuweisen, raten wir Ihnen dazu, als Erstes ein detailliertes Protokoll der Behandlung anzufertigen. Von wem wurden Sie ärztlich beraten und aufgeklärt? Welche Untersuchungen und Behandlungen wurden wann durchgeführt? Sie haben auch das Recht, Ihre Krankenakte einzusehen, das Krankenhaus muss Ihnen eine Kopie zur Verfügung stellen. Sie können sich auf § 630 BGB berufen, falls sich das Krankenhaus nicht kooperativ erweist.

Erfolgreich einen Pflegegrad-Widerspruch stellen

Wir von Dr. Weigl & Partner sind Experten in Sachen Behandlungsfehlern und kämpfen jeden Tag dafür, dass die Betroffenen zumindest eine finanzielle Entschädigung erhalten. Der gesundheitliche Schaden kann natürlich nicht ausgeglichen werden.

Zentral für unser Unterstützungsangebot ist die sorgfältige und kompetente Erstellung eines medizinischen Fachgutachtens, das äußerst wichtig ist für das Erkennen eines Behandlungsfehlers. Ohne Fachgutachten erhalten Sie nur in den seltensten Fällen Schadenersatz. Deutschlandweit verfügen wir über ein Netzwerk an Fachärztinnen und Fachärzten, das diese Gutachten für Sie erstellt. Auf uns können Sie sich verlassen.

Unser Team berät Sie gerne kostenlos und unverbindlich zum Thema Hilfe bei Behandlungsfehlern im Krankenhaus oder auch bei allen anderen Themen der Pflege