Behandlungsfehler: Hilfe von der Krankenkasse?

Wer krank ist, muss Vertrauen in die medizinischen Behandlungen aufbringen. Vertrauen, dass die richtige Diagnose gestellt, die richtige Therapie gewählt und die richtige Durchführung der ärztlichen Behandlung gewährleistet wird. Da es kein Recht auf Heilung oder Linderung von Schmerzen gibt, ist es besonders schwierig, Behandlungsfehler zu erkennen. 

Behandlungsfehler werden umgangssprachlich auch Kunstfehler genannt. Der Begriff zeigt klar, worum es geht: eine ärztliche Behandlung, die nicht nach den Regeln der Kunst vorgenommen wird. Die Folgen können gravierend sein, wenn beispielsweise eine Krebserkrankung fälschlicherweise diagnostiziert und eine Chemotherapie durchgeführt wird, die nicht nötig wäre oder eine HIV-Infektion nach einer Bluttransfusion auftritt. Das sind zwei sehr drastische Beispiele von Behandlungsfehlern, denn natürlich arbeiten Ärztinnen und Ärzte in Deutschland sorgfältig und verantwortungsbewusst, verfügen über viel Fachwissen und Engagement. Aber gerade im hektischen Klinikalltag können Fehler durchaus passieren. Die Krankenkassen sind verpflichtet, Sorgen der Patientinnen und Patienten ernst zu nehmen, wenn ein Behandlungsfehler vermutet wird.

Einfache und grobe Behandlungsfehler

Wenn über Behandlungsfehler gesprochen wird, geht es immer auch um ein zweites Thema: den Schadenersatz. Um aber eine finanzielle Entschädigung von einem Gericht zugesprochen zu bekommen, muss der Behandlungsfehler zweifelsfrei identifiziert werden. Und das ist gar nicht so einfach.

Im Mai 2013 wurde das Patientenrechtegesetz verabschiedet. Demnach wird mit dem Begriff Behandlungsfehler die Verletzung des medizinischen fachlichen Standards, der zum Zeitpunkt der Behandlung anerkannt ist, bezeichnet. Ein Begriff steht in dieser Definition im Zentrum: der medizinische fachliche Standard. Es handelt sich dabei um den gesicherten Stand der ärztlichen Wissenschaft zu genau dem Zeitpunkt, an dem die Behandlung erfolgt.

Unterschieden wird zwischen einfachen und schweren oder groben Behandlungsfehlern.

  • Weichen Ärztinnen und Ärzte oder anderes medizinisches Personal vom bereits genannten fachärztlichen Standard ab, handelt es sich um einen einfachen Behandlungsfehler. Hierunter fällt beispielsweise die ärztliche Pflicht, über die Behandlung umfassend aufzuklären. Erfolgt diese therapeutische Information nicht, kann ein einfacher Behandlungsfehler vorliegen. Dabei müssen Patientinnen und Patienten sowohl nachweisen, dass ein Behandlungsfehler vorliegt als auch, dass dieser Fehler ursächlich für die negativen medizinischen Folgen ist.
  • Das BGH definiert einen groben Behandlungsfehler wie folgt: „Ein Behandlungsfehler ist grob, wenn der Arzt eindeutig gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln oder gesicherte medizinische Erkenntnisse verstoßen und einen Fehler begangen hat, der aus objektiver Sicht nicht mehr verständlich erscheint, weil er einem Arzt des entsprechenden Fachs schlechterdings nicht unterlaufen darf.“ Hier liegt die Beweislast bei den Ärztinnen und Ärzten.

Gerichte müssen darüber entscheiden, ob ein Behandlungsfehler vorliegt und ob es sich dabei um einen einfachen oder einen groben (schweren) Behandlungsfehler handelt. Allerdings verfügen die wenigsten Juristinnen und Juristen über medizinisches Fachwissen und die Wertung muss natürlich auf tatsächlichen Fakten und Anhaltspunkten beruhen. Dazu wird in der Regel ein unabhängiges fachärztliches Gutachten beziehungsweise die Meinung von Sachverständigen eingeholt.

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Hilfe von der Krankenkasse bei Behandlungsfehlern?

Wer vermutet, Opfer eines Behandlungsfehlers geworden zu sein, weiß oftmals nicht, an wen er oder sie sich wenden soll. Eine erste Anlaufstelle kann die jeweilige Krankenkasse sein. Hier erhalten Sie Beratung und Unterstützung bei der Klärung Ihres Verdachts auf einen Behandlungsfehler.

Seit der GVK-Gesundheitsreform 2008 liegt es im eigenen Ermessen der Krankenkassen, die Versicherten bei vermuteten einfachen und groben Behandlungsfehlern zu unterstützen. Im Fokus steht die Durchsetzung der Patientenrechte. In der Regel besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen, dem MDK. Dieser wird beauftragt, medizinische Fachgutachten zu erstellen, um den Verdacht des Behandlungsfehlers zu prüfen. Beachten Sie aber, dass Ersatzansprüche teilweise auf die Krankenkasse übergehen, wenn diese selbst Leistungen erbracht hat.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Sie haben verschiedene weitere Möglichkeiten, Ihre Rechte durchzusetzen.

  • Zu Beginn raten wir ihnen dazu, alle nötigen Informationen zu sammeln und ein ausführliches Gedächtnisprotokoll der Behandlung anzufertigen. Es ist gesetzlich festgelegt, dass Sie eine Kopie Ihrer Patientenakte inklusive aller relevanten Unterlagen, beispielsweise Röntgenbilder oder OP-Berichte, erhalten können, wenn Sie das wünschen. Fragen Sie im Krankenhaus gezielt nach. Wenn Sie nicht weiterkommen, reichen Sie Ihr Anliegen schriftlich per Einschreiben mit Fristsetzung und Rückschein ein. Berufen Sie sich auf § 630 g des BGB. Erstellen Sie parallel ein Gedächtnisprotokoll des konkreten Behandlungsablaufs: Von wem wurden Sie über die Behandlung aufgeklärt, wer hat mit Ihnen welche Problematik besprochen? Von wem wurden Sie operiert? Wurden Sie über die Risiken des Eingriffs aufgeklärt?
  • Oft hilft ein klärendes Gespräch zwischen Behandler/Behandlerin oder der Klinikleitung und Ihnen. Sprechen Sie offen Ihre Befürchtungen an und fragen Sie nach. Von Vorteil ist es auch, eine zweite ärztliche Meinung einzuholen, dann lassen sich schon viele Fragen klären.
  • Wir raten Ihnen dazu, sich bei der Forderung nach Schmerzensgeld auf ein langes Verfahren einzustellen. Das kann durchaus an den Nerven zehren, denn die juristische Auseinandersetzung kommt zu den Folgen medizinischen Folgen erschwerend hinzu.
  • Haben Sie eine Rechtschutzversicherung? Nehmen Sie frühzeitig Kontakt auf und klären Sie ab, welche Unterstützung möglich ist. Beim Durchsetzen von Schadenersatzforderungen kann juristische Expertise sehr hilfreich sein – aber diese Beratung ist oft teuer.
  • Das Recht auf Schadenersatz verjährt nach einer gewissen Zeit, deswegen sollten Sie die Fristen kennen. Grundsätzlich ist eine Frist von drei Kalenderjahren gesetzlich vorgeschrieben. Der Beginn der Frist wird aber erst auf das Ende des jeweiligen Jahres gesetzt, in dem der Fehler erkannt wurde. Wann der Behandlungsfehler tatsächlich unterlaufen ist, ist dagegen nicht relevant.
  • Sie haben auch die Möglichkeit, sich an die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärzteschaft zu wenden. Hier ist aber immer eine außergerichtliche Einigung das Ziel.
  • Unabhängige Informationen und Beratungsangebote erhalten Sie auch bei der unabhängigen Patientenberatung und den deutschlandweit tätigen Verbraucherzentralen.
Erfolgreich einen Pflegegrad-Widerspruch stellen

Auch bei uns, dem Team von Dr. Weigl & Partner, erhalten Sie Hilfe und Unterstützung. Wir haben ein deutschlandweites Netzwerk aufgebaut, um wohnortnah medizinische Fachgutachten bieten zu können. Diese sind Grundlage für erfolgreiche Schadenersatzforderungen. Unsere Fachgutachterinnen und Fachgutachter verfügen über langjährige Expertise. So helfen wir Ihnen, Ihre Schadenersatzansprüche durchzusetzen. Auf uns können Sie sich verlassen.

Unser Team berät Sie gerne kostenlos und unverbindlich zum Thema Hilfe bei Behandlungsfehlern oder auch bei allen anderen Themen der Pflege