Behandlungsfehler: erkennen und dagegen vorgehen

Die Angst vor einem Behandlungsfehler ist für gewöhnlich groß. Bei einem Termin mit der Hausärztin, dem Gang zum Orthopäden oder einer OP im Krankenhaus muss dem medizinischen Personal viel Vertrauen entgegengebracht werden. Und dieses Vertrauen wird auch nur in den wenigsten Fällen enttäuscht – dann aber können die betroffenen Patientinnen und Patienten mit schwerwiegenden Folgen zu kämpfen haben. Auch einfache Behandlungsfehler können sich negativ auswirken.

Was sind Behandlungsfehler?

Ärztinnen und Ärzte übernehmen eine der verantwortungsvollsten Aufgaben, die es in unserer Gesellschaft gibt. Wie wichtig das Gesundheitssystem ist, wurde gerade erst durch die Corona-Pandemie verdeutlicht.

Der tägliche Druck in Arztpraxen und Krankenhäusern ist immens, das Wohl der Patientinnen und Patienten steht immer im Vordergrund. Bei aller fachlicher Expertise, bei aller Sorgfalt und persönlichem Engagement können auch im medizinischen Bereich Fehler passieren. Diese Behandlungsfehler sind vielfältig: Sie passieren in der Aufklärung im persönlichen Gespräch mit den Betroffenen, bei der Diagnose, bei der Medikamentengabe oder während einer Operation. Nicht immer ist es der fast schon berühmt gewordene vergessene Tupfer – aber auch dieser Behandlungsfehler, der es dann mitunter in die Presse schafft – kann passieren. Behandlungsfehler können dem gesamten medizinischen Fachpersonal, Hausärzte, Hebammen, Psychologinnen oder Physiotherapeuten unterlaufen. Bei Behandlungsfehlern kann es sich aber auch um Organisationsfehler handeln. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn im Krankenhaus Personalmangel herrscht, die Abläufe nicht reibungslos ineinandergreifen oder das Personal nicht ausreichend qualifiziert ist.

Grundsätzlich lässt sich ein Behandlungsfehler wie folgt definieren: Von einem Behandlungsfehler spricht man, wenn die medizinische Maßnahme nicht dem allgemein anerkannten medizinischen Standard entspricht, der zum Zeitpunkt ihrer Durchführung besteht. Die Definition des anerkannten medizinischen Standards ist also beim Erkennen eines Behandlungsfehlers besonders wichtig – und sie ist besonders schwierig. Ein medizinisches Gutachten ist hier elementar, um eine fundierte Beurteilung zu erhalten. Auch involvierte Juristinnen und Juristen sind auf diese medizinische Expertise angewiesen.

Wie viele Behandlungsfehler passieren in Deutschland?

Es gibt keine amtliche Stelle, die die tatsächlichen Behandlungsfehler oder die Vorwürfe von Behandlungsfehlern zählt. Will man aber belastbare Zahlen, wie viele Behandlungsfehler in Deutschland jährlich passieren, kann man auf andere Statistiken zurückgreifen.

Der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) zählt beispielsweise im Jahr 2018 14.100 Behandlungsfehlergutachten des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen). Die Zahlen der letzten Jahre sind relativ stabil. Die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärzteschaft nennt etwas andere Fallzahlen: Jährlich seien es rund 22.000 Behandlungen, bei denen Behandlungsfehler vermutet werden und die in Hinblick auf eine mögliche Haftung der Ärztinnen und Ärzte bewertet werden. Bei der Vielzahl an Behandlungen, die jährlich durchgeführt werden – allein in den Krankenhäusern sind es pro Jahr mehr als 19 Millionen Behandlungen – ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Behandlungsfehler passiert, also sehr gering. Aber Behandlungsfehler können passieren und sie werden nicht immer entdeckt. Es wird vermutet, dass es eine hohe Dunkelziffer an Behandlungsfehlern gibt.

Fragen zum Thema Behandlungsfehler?

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Welche Arten von Behandlungsfehlern gibt es?

Es gibt keine Garantie auf Heilung oder Linderung von Beschwerden. Das heißt, ein Behandlungsfehler liegt nicht immer dann vor, wenn die Therapie nicht anschlägt. Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte sind aber sehr wohl verpflichtet, eine Behandlung durchzuführen, die dem Facharztstandard entspricht.

Welche Behandlungsfehler können passieren?

  • Befunderhebungsfehler: Mit einem Befunderhebungsfehler wird der Umstand beschrieben, dass die nötigen medizinischen Befunde gar nicht erst erhoben, die nötigen Untersuchungen nicht vorgenommen wurden.
  • Diagnoseirrtum: Auch beim Diagnoseirrtum muss genau geprüft werden, ob es sich um einen Behandlungsfehler handelt. Erst wenn die Symptome nicht ausreichend berücksichtigt werden oder die Interpretation der Symptome nicht vertretbar ist, kann von einen Behandlungsfehler gesprochen werden. Aber nicht jede Therapie, die nicht anschlägt, unterliegt einem Behandlungsfehler.
  • Therapiefehler: Eingeleitete Therapien müssen geeignet sein, eine Erkrankung zu behandeln, sie müssen die Option mit dem geringsten Gesundheitsrisiko sein und dem allgemein anerkannten Facharztstandard entsprechen.
  • Mangelnde therapeutische Information: Betroffene haben das Recht auf umfassende medizinische Information, sodass sie sich auch therapiegerecht verhalten können. Das heißt, Patientinnen und Patienten müssen über Nebenwirkungen aufgeklärt werden, die Medikamenteneinnahme muss Ihnen erläutert werden und auch über Kontrolltermine müssen sie informiert werden. Erfolgt diese therapeutische Information nicht, kann mitunter ein Behandlungsfehler vorliegen.
  • Organisationsfehler: Auch Organisationsfehler, beispielsweise zu wenig vorhandene Medikamente oder Mängel im Hygienemanagement, können Behandlungsfehler sein.
Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Was tue ich, wenn ich einen Verdacht auf einen Behandlungsfehler habe?

Sie haben es beim Lesen bestimmt schon gemerkt: Behandlungsfehler sind schwierig zu erkennen. Grundsätzlich sind Komplikationen für alle Betroffenen, auf Seite der Patienten und auf Seiten der Ärzte, sehr belastend. Deswegen sollten Sie sich genau überlegen, wie Sie vorgehen, wenn Sie den Verdacht haben, Opfer einen Behandlungsfehlers geworden zu sein.

Zunächst sollten Sie das Gespräch mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin suchen. Auch das Beschwerdemanagement im Krankenhaus kann Ihre erste Anlaufstelle sein. Je nach Bundesland haben Sie auch die Option, sich an eine Ombudsfrau oder einen Ombudsmann – das sind unabhängige Stellen, die im Beschwerdefall beraten – zu wenden. In einigen Ländern sind sie gesetzlich vorgeschrieben.

Auch Ihre Krankenkasse kann und muss Ihnen weiterhelfen. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass die gesetzlichen Krankenkassen Sie kostenlos unterstützen, wenn es um die Verfolgung von Schadensersatzansprüchen, die bei der Inanspruchnahme von Versicherungsleistungen aus Behandlungsfehlern entstehen, geht. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) berät Sie kompetent. In der Regel wird der MDK auch ein Sachverständigengutachten anfertigen, um zu prüfen, ob in Behandlungsfehler in Ihrem individuellen Fall vorliegt.

Erfolgreich einen Pflegegrad-Widerspruch stellen

Zudem gibt es auch entsprechende Stellen auf Seiten der Ärzteschaft. Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen sollen die betroffenen Patientinnen und Patienten unterstützen, wenn es um Behandlungsfehler oder den Verdacht eines Behandlungsfehlers geht. Wenden Sie sich hier an die zuständige Landesärztekammer, die Ihnen Kontaktadressen vermittelt und erläutert, wie das Verfahren abläuft. Auch hier wird der einzelne Verdachtsfall geprüft.

Zudem haben Sie die Möglichkeit, sich an die unabhängige Patientenberatung zu wenden. Die Beratung erfolgt auf Wunsch auf anonym, sie kann bundesweit und kostenfrei in Anspruch genommen werden. Die Beratung zu Behandlungsfehlern wird nicht nur auf deutsch, sondern auch auf türkisch, arabisch und russisch angeboten.

Schließlich haben sich viele Anwältinnen und Anwälte auf das Gebiet der Behandlungsfehler spezialisiert. Auch hier erhalten Sie Beratung und Unterstützung, wenn auch nicht kostenfrei.

Bei allen Varianten spielt ein medizinisches Fachgutachten eine wichtige Rolle, wenn ein Behandlungsfehler nachgewiesen werden soll. Eine Schadensregulierung ohne anerkanntes Gutachten findet nur in Ausnahmefällen statt. Wir von Dr. Weigl & Partner haben uns auf diese medizinischen Gutachten spezialisiert, um Sie im Kampf gegen Behandlungsfehler optimal zu unterstützen. Wir verfügen über ein deutschlandweites Netzwerk von anerkannten Fachärztinnen und Fachärzten, die sich intensiv für die Klärung von Behandlungsfehlern einsetzen. Unser Ziel: Betroffenen helfen und kompetent beraten.

Unser Team berät Sie gerne kostenlos und unverbindlich zum Thema Behandlungsfehler oder auch bei allen anderen Themen der Pflege