Behindertengerechte Dusche – Was Sie beachten müssen

Eine behindertengerechte Dusche kann für mobilitätseingeschränkte oder pflegebedürftige Personen eine elementare Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität darstellen. Erfahren Sie hier, welche verschiedenen Varianten es gibt, welche baulichen Besonderheiten Sie beachten müssen und wie Sie durch einen Pflegegrad Antrag Zuschüsse von den Pflegekassen erhalten können.

Eine behindertengerechte Dusche kann für viele Menschen mit Einschränkungen und Beeinträchtigungen eine große Entlastung und Erleichterung darstellen. Die Dusche wird benötigt zur täglichen Hygiene und kann auch für Entspannung und Erfrischung sorgen. Menschen mit leichteren Einschränkungen bis hin zu schwereren Behinderungen und/oder einem Pflegegrad bzw. einer Pflegestufe fällt der Gebrauch von einer „gewöhnlichen“ Dusche oftmals schwer. Diese ist dann nur mit großer Kraftanstrengung oder mit fremder Hilfe zu benutzen. Beides sollte so weit wie möglich vermieden werden, vor allem Letzteres ist ein tiefgreifender Einschnitt in die persönliche Autonomie und Selbständigkeit. Umso wichtiger kann eine behindertengerechte Dusche sein, sowohl der Einbau in einer neuen Wohnung als auch der Umbau in einem bereits vorhandenen Bad.

Was genau ist eine behindertengerechte Dusche?

Zunächst ist zu klären, wie sich eine behindertengerechte Dusche überhaupt definiert. Der Begriff „behindertengerecht“ ist dabei abzugrenzen von dem oftmals in ähnlichen Kontexten verwendeten Begriff „barrierefrei“. Eine barrierefreie Dusche oder ein barrierefreies Badezimmer ist nicht unbedingt immer auch behindertengerecht, auch wenn es Überschneidungen gibt. Daher ist es wichtig, die beiden Begriffe auseinanderzuhalten. Als Grundsatz lässt sich festhalten, dass die Anforderungen für eine behindertengerechte Dusche die einer Dusche, die „nur“ barrierefrei ist, übersteigen. Das bedeutet, dass Personen mit stärkeren Beeinträchtigungen, schwereren Behinderungen, höherer Pflegestufe etc. in der Regel eher eine behindertengerechte Dusche benötigen, da diese auch auf weitergehende Einschränkungen angepasst ist. So sollte eine behindertengerechte Dusche auch für Personen nutzbar sein, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind.

Die DIN-Norm 18040-2 regelt die Grundlagen für „Barrierefreies Bauen“, darunter gibt es auch die baulichen Vorschriften für Sanitärräume und somit auch speziell für die Dusche. Neben den Anforderungen für ein barrierefreies Element sind darüber hinaus auch immer die Anforderungen angegeben, mit denen ein Element behindertengerecht werden kann. Somit schließen die Vorschriften für eine nach Norm behindertengerechte Dusche die Anforderungen für eine barrierefreie Dusche mit ein, gehen aber noch darüber hinaus, indem zusätzliche Anforderungen gelistet werden. Im Folgenden sollen nun konkret die Vorschriften für eine behindertengerechte Dusche und deren (Um-)Bau vorgestellt werden.

Zentrale Bestandteile einer behindertengerechten Dusche

Zentrales Element ist zunächst die Bodengleichheit. Bei gewöhnlichen, nicht angepassten Duschen stellt die hohe Stufe oftmals eine große Herausforderung und Unfallgefahr für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen dar. Es erfordert einen hohen Kraftaufwand, die Stufe zu überwinden, um in die Dusche zu gelangen. Zudem muss dabei das Gleichgewicht gehalten werden, was ebenfalls problematisch ist, vor allem, wenn keine helfenden Stützgriffe vorhanden sein. Durch einen bodengleichen Einstieg in die Dusche entfallen sowohl die körperliche Anstrengung als auch die Unfallgefahr. Für auf einen Rollstuhl angewiesene Personen ist auf diese Weise ebenfalls eine einfache Möglichkeit gegeben, die Dusche aufsuchen zu können. Eine weitere Vorschrift sind rutschhemmende Bodenbeläge. Zudem gibt es auch spezielle rutschfeste Duschmatten. Beides beugt effektiv Unfällen durch Ausrutschen vor und stärkt somit auch massiv das Sicherheitsgefühl der Personen, die die behindertengerechte Dusche nutzen. Auch das Autonomiegefühl wird somit gestärkt.

Der Dusch-Klappsitz und Stützgriffe als besonders wichtige Hilfen

Das dritte wichtige Element bezieht sich speziell und ausschließlich auf die Vorschriften für eine behindertengerechte Dusche. Bei dieser muss die Möglichkeit gegeben sein, einen Dusch-Klappsitz anzubringen, dies auf einer Höhe von 46 bis 48 Zentimetern. Ein Dusch-Klappsitz erfüllt eine ganze Reihe von sinnvollen Funktionen. Der Sitz kann am Rand der behindertengerechten Dusche montiert und befestigt werden und mühelos heruntergedrückt werden. Ein Klappsitz hat den Vorteil, dass er Platz spart, sodass noch Bewegungsfreiheit in der Dusche gegeben ist, und dass er auch nur optional verwendet werden kann. So ist die Dusche sowohl für Personen, die gerne einen Duschsitz benutzen wollen oder müssen, als auch für Personen, die dies nicht wünschen, perfekt ausgerüstet. Auf jeden Fall bietet er die wichtige Möglichkeit, den Duschvorgang komplett im Sitzen zu absolvieren. Gerade Personen mit Gelenkbeschwerden oder auf einen Rollstuhl angewiesene Personen tun sich oft schwer damit, längere Zeit stehen zu müssen und benötigen dann mitunter Hilfe von einer weiteren Person beim Duschen. Mit einem Dusch-Klappsitz in der behindertengerechten Dusche kann bequem im Sitzen geduscht werden. Auf diese Weise wird viel weniger Kraft aufgewendet und es ist auch leichter, den Vorgang alleine und ohne fremde Hilfe durchzuführen.

Zusätzlich zum Dusch-Klappsitz sind noch die bereits angesprochenen Halte- und Stützgriffe ein zentraler Aspekt für eine behindertengerechte Dusche. Die angesprochene DIN-Norm sieht vor, dass es auf beiden Seiten des Klappsitzes eine Nachrüstmöglichkeit für hochklappbare Stützgriffe gibt. Diese Griffe sind ein sehr bedeutsames Element für eine behindertengerechte Dusche und sollten auf keinen Fall vergessen werden. Vor allem beim Hinsetzen und Aufstehen sind sie essenziell, da sie einen Teil des Körpergewichts auffangen können, sodass viel weniger Kraft für den Aufsteh- und Hinsetzvorgang benötigt wird, wodurch dieser deutlich erleichtert wird. Das Unfallrisiko wird dadurch ebenfalls erheblich gesenkt, da sich jederzeit abgestützt werden kann. Bei allen Neu- und Umbauten im Badezimmer sollte zudem generell auf die Vorschriften für Sanitärräume geachtet werden. Insgesamt ist auf ein großzügiges Platzangebot und leicht zu öffnende Türen zu achten, sodass jederzeit Bewegungsfreiheit und leichte Zugangsmöglichkeiten, auch für Personen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, gegeben sind. Zudem ist auf Unfallprävention zu achten, durch die erwähnten Stützgriffe und rutschfesten Bodenbeläge, aber auch durch einen speziellen leicht greifbaren Notknopf.

Zuschussmöglichkeiten für eine behindertengerechte Dusche

Eine behindertengerechte Dusche ist nicht zuletzt auch ein Kostenfaktor. Gerade weil die behindertengerechte Dusche mehr bauliche Maßnahmen als einfachere barrierefreie Elemente erfordert, sollte dieser Aspekt auf keinen Fall vernachlässigt werden. Hier sind gute Planung und gute Beratung unumgänglich. Zunächst sollte unbedingt geprüft werden, welche Einschränkungen bei der betroffenen Person vorliegen und wie die behindertengerechte Dusche gestaltet sein muss, sodass sie von dieser vollumfänglich und mit so wenig Beschwerden wie möglich genutzt werden kann. Außerdem müssen auch die baulichen Möglichkeiten geprüft werden. In allen Fällen empfiehlt sich, wie gesagt, fachkundige Beratung. Auch bei der Prüfung der Einholung eines finanziellen Zuschusses für die behindertengerechte Dusche ist gute Beratung unabdingbar. Festhalten lassen sich jedoch zwei zentrale Möglichkeiten, einen Zuschuss zu erhalten.

Die Pflegeversicherung sollte immer erster Ansprechpartner sein, sofern bereits eine Pflegestufe bzw. ein Pflegegrad vorliegt. Bei der Pflegekasse kann dann ein Antrag eingereicht werden und bis zu 4.000 € können für „wohnraumverbessende Maßnahmen“ bezuschusst werden, dazu zählen auch alle Sanitäreinrichtungen. Für Personen, die nicht auf Pflege angewiesen sind, gibt es zudem die Möglichkeit eines Zuschusses oder eines Kredits von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), daneben kann in bestimmten Fällen auch die Krankenkasse angefragt werden. Spezielle Stiftungen bieten ebenfalls Möglichkeiten, um einen Zuschuss zu erlangen. Eine behindertengerechte Dusche kann für den Alltag betroffener Personen eine große Erleichterung darstellen, weshalb sowohl baulich als auch was die Finanzierung angeht das Bestmögliche herausgeholt werden sollte.

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