Berufsunfähigkeitsversicherung

Ein Unfall oder eine Krankheit kann das Leben von Grund auf verändern. Möglicherweise bleiben gesundheitliche Schäden, die den Alltag erschweren. Aber damit nicht genug – die Arbeitskraft kann dauerhaft eingeschränkt sein oder gänzlich verloren gehen. Wer dann seinen Job aufgeben muss, verliert oder nur zum Teil ausüben kann, der hat deutliche Einkommenseinbußen hinzunehmen. 

Meist kommen weitere finanzielle Belastungen hinzu, etwa für medizinische Versorgung oder Betreuung. Das bringt unter Umständen große finanzielle Probleme mit sich. Vor allem, wenn nicht genug privates Vermögen vorhanden ist, um auf unbestimmte Zeit davon zu leben.

Niemand rechnet damit, dass ihm so etwas passiert – aber eine Berufsunfähigkeit kann theoretisch jeden treffen. Und das Risiko, nicht mehr arbeiten zu können, dürfte höher sein als die meisten Berufstätigen erwarten. Laut Statistik wird durchschnittlich jeder vierte Arbeitnehmer berufsunfähig. Was die statistische Erhebung auch zeigt: Berufsunfähigkeit trifft sowohl jüngere als auch ältere Arbeitnehmer. Im Schnitt sind die Betroffenen 44 Jahre alt und damit in einem leistungsfähigen Alter.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung sollte mindestens 50 bis 70 Prozent des Nettoeinkommens absichern

Was auch erstaunlich ist: Die Ursache sind weniger organische Erkrankungen oder betriebliche Unfälle, sondern schwere psychische Leiden. Knapp jede dritte Person, die berufsunfähig wird, leidet unter Depressionen, Burnout oder anderen psychischen Problemen. Im Jahre 2010 war es nur jeder fünfte.

Eine Erwerbsminderungsrente wäre bei einer dauerhaften schweren Erkrankung eine mögliche Lösung. Allerdings haben nur Mitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung einen Anspruch darauf. Und auch nur bei Einhaltung bestimmter Versicherungszeiten: Die Betroffenen müssen mindestens fünf Jahre Mitglied in der Renten­versicherung gewesen sein, sowie in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung wenigstens drei Jahre lang Pflichtbeiträge an die Rentenversicherung gezahlt haben, beispielsweise während einer versicherten Beschäftigung.

Daneben werden auch die medizinischen Voraussetzungen für den Erhalt der Erwerbsminderungsrente durch ein Gutachten geprüft. Fast jeder zweite Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) wird jedoch abgelehnt.

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Fakt ist außerdem: Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente sichert oftmals nicht den gewohnten Lebensstandard. Die volle Rente, in der Regel ist das weniger als ein Drittel des letzten Bruttogehalts, erhält nur, wer weniger als drei Stunden am Tag arbeiten kann. Dazuverdienen darf man in sehr geringem Maße.

Sie sollten daher am besten privat durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) vorsorgen – im Notfall bietet sie eine finanzielle Grundsicherung. Die BU-Versicherung zahlt eine Vor-Rente aus, wenn man nicht bis zum Rentenalter von gewöhnlich 67 Jahren arbeiten kann, weil man zu mindestens 50 Prozent berufsunfähig ist. Wer pflegebedürftig ist, kann ebenfalls als berufsunfähig gelten. Wann genau dies der Fall ist, hängt von der vertraglichen Vereinbarung ab.

Die Höhe der Berufsunfähigkeitsrente lässt sich bei Vertragsabschluss individuell vereinbaren – je näher sie dem Nettoeinkommen kommt, desto besser ist man im Ernstfall geschützt. Generell gilt: Mindestens 50 Prozent, noch besser 70 Prozent des Nettoeinkommens sollte man absichern, so dass alltägliche Ausgaben wie beispielsweise Haushaltskosten, Miete und weitere Versicherungen geleistet werden können. Die Mindestsumme sollte etwa 1000 bis 1200 Euro betragen.

Leider neigen viele dazu, sich aus Kostengründen unterzuversichern, so dass sie am Tag X das Nachsehen haben: Mit durchschnittlich 400 Euro ausgezahlter Rente aus der Berufsunfähigkeitsversicherung  ist die Absicherung meist unzureichend und deckt nicht einmal die halben Mietkosten. Achten Sie daher auf eine dynamische Anpassung Ihres monatlichen Beitrages. Auf diese Weise steigt auch die BU-Rente und wird nicht sukzessive von der Inflation entwertet.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Beitrags- und Leistungsunterschiede bei Berufsunfähigkeitsversicherungen variieren enorm

Wie aber können Sie feststellen, welche Berufsunfähigkeitsversicherung für Ihre Zwecke und Bedürfnisse die richtige ist? Das nimmt sich tatsächlich schwierig aus, denn die Beitrags- und Leistungsunterschiede zwischen den einzelnen Versicherern sind enorm. Hinzu kommt, dass die persönlichen Voraussetzungen wie die gesundheitliche Verfassung, Vorerkrankungen, der ausgeübte Beruf oder auch ein riskantes Hobby unterschiedlich von den einzelnen Gesellschaften eingestuft werden. Jeder Versicherer führt vorab eine sogenannte Risikoprüfung durch, bei der verschiedene Fragen zum Gesundheitszustand und zur Krankheitsvorgeschichte vom Antragsteller detailliert beantwortet werden müssen. Anhand der Angaben wird das individuelle Risikoprofil ermittelt. Basierend darauf legt der Versicherer einen Beitrag für die Berufsunfähigkeitsversicherung fest, der dann für die gesamte Vertragslaufzeit garantiert ist. Die Kosten für den gleichen Leistungsumfang können je nach Anbieter um bis zu 1.000 oder sogar 2.000 Euro jährlich schwanken – die Spanne reicht also von 20 Euro bis hin zu weit über 100 Euro monatlich. Gut zu wissen aber für Berufseinsteiger: Je jünger und gesünder Versicherte beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung sind, desto geringer fällt in der Regel der Beitrag aus.

Um im Ernstfall einen verlässlichen Schutz zu haben, sollten Sie bei Vertragsschluss auf ein paar Regelungen achten: Etwa, dass der Vertrag weltweit gilt. Außerdem, dass während der Leistungsprüfung auf Wunsch der Beitrag ausgesetzt wird – denn wer berufsunfähig ist, dem fällt es mitunter schwer, die monatlichen Versicherungsbeiträge zu zahlen. Oder auch, dass eine Berufsunfähigkeit vorliegt, wenn der Versicherte voraussichtlich sechs Monate lang zu mehr als 50 Prozent berufsunfähig sein wird oder dieser Zeitraum schon verstrichen ist. Weiterhin, dass die Rente auch rückwirkend ab dem ersten Tag für diesen Zeitraum gezahlt wird.

Erfolgreich einen Pflegegrad-Widerspruch stellen

Achten Sie ferner auf die Laufzeit des Vertrages: Er sollte bis zum Eintritt in den Altersruhestand, also bis zu 67. Lebensjahr, laufen. Das ist deshalb wichtig, weil die Wahrscheinlichkeit für eine Berufsunfähigkeit mit dem Alter ansteigt. Ein Vertragsende vor dem Rentenalter macht daher keinen Sinn.

Eine Alternative wäre hier übrigens eine Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung – diese wird mit einer Lebens- oder Rentenversicherung kombiniert, so dass der Versicherte im Notfall die Beiträge zu seiner Altersvorsorge weiterhin bezahlen kann. So bleibt zumindest die private Altersvorsorge bestehen und kann bis zur Rente fortgeführt werden.

Wenn Sie der Ansicht sind, dass bei Ihnen eine Berufsunfähigkeit vorliegt, müssen Sie dies der Versicherung sofort mitteilen. Zunächst muss die Erkrankung durch einen Arzt bestätigt werden. Die Diagnose wird durch mehrseitige Melde- oder Fragebögen des Versicherers überprüft. Gegebenenfalls kann der Versicherer auch einen anderen Arzt zur weiteren Prüfung beauftragen. Sollte dieser zu einem abweichenden Ergebnis kommen – nämlich, dass keine Berufsunfähigkeit vorliegt – kann der Versicherte einen Gutachter einschalten.  Das Versicherungsunternehmen schlägt beispielsweise drei Ärzte vor, von denen sich der Versicherte einen als Gutachter auswählt.

Es wird sehr genau geprüft, ob die medizinischen Befunde so schwerwiegend sind, dass der Grad der Berufsunfähigkeit erreicht ist und eine Rente gezahlt werden muss. Dieser Vorgang kann mehrere Wochen oder sogar Monate dauern.

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