Grad der Behinderung (GdB) bei COPD

Hinter dem Kürzel COPD verbirgt sich der englische Begriff „chronic obstructive pulmonary disease“, was übersetzt heißt: chronisch-obstruktive Lungenerkrankung. Der Begriff „obstruktiv“ besagt, dass die Krankheit mit einer Verengung der Atemwege einhergeht, die selbst bei Einnahme bestimmter Medikamente nicht vollständig heilt. Und während im Anfangsstadium nur die Lunge betroffen ist, geht die Erkrankung im weiteren Verlauf auf andere Organe über und beeinträchtigt die Funktionen. So etwa das Herz. Daneben kann es zu Folgeerkrankungen auch an Muskulatur, Knochen und Stoffwechselorganen kommen. Viele Patienten mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung leiden auch an Blutarmut, Muskelabbau und Gewichtsverlust.

In Deutschland sind es schätzungsweise zehn bis zwölf Prozent der über 40-Jährigen, die mit dieser lebensbedrohlichen Krankheit zu tun haben. Je höher das Erkrankungsstadium, also der Schweregrad, desto größer sind die Einschränkungen im täglichen Leben – es liegt also nahe, den „Grad der Behinderung“ (GdB) feststellen zu lassen.  Hierfür ist das örtliche Versorgungsamt bzw. das Amt für soziale Angelegenheiten zuständig, bei welchem Sie Ihren Antrag auf Feststellung des GdB COPD einreichen. Auf dem mehrseitigen Antragsformular machen Sie Angaben zu Ihrer Person, zu den behandelnden Ärzten bzw. Kliniken und zu Ihrer Erkrankung. Denken Sie daran, Ihre medizinischen Befunde dem Antrag gleich beizulegen und nicht erst bei Aufforderung des Amtes einzureichen, das spart Zeit. Sollten Sie neben COPD noch an weiteren Erkrankungen oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen leiden, geben Sie diese unbedingt mit an. Sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Berechnung des „Grades der Behinderung“ (GdB). Ausgedrückt wird dieser in Zehnerschritten von 20 bis 100. Dabei handelt es sich allerdings nicht um Prozentangaben, wie häufig irrtümlich angenommen. Die einzelnen Erkrankungen mit ihrem jeweiligen GdB werden bei der „Berechnung“ nicht zusammengezählt, sondern in ihrer Gesamtheit bewertet. Ab einem GdB von 20 ist man behindert, ab einem GdB von 50 schwerbehindert.

Unabhängige Pflegeberatung zum Thema GdB bei COPD erhalten

Ein Schwerbehindertengrad wird auch bei einer leichten Form von COPD vergeben, wenn weitere Erkrankungen oder Einschränkungen bestehen

Die Gutachter des Versorgungsamtes ermitteln den GdB anhand der sogenannten GdB Tabelle, in welcher alle Krankheiten und Behinderungen aufgeführt sind. Dabei wird bei chronischen Lungenerkrankungen von drei Schweregraden ausgegangen:

Anzeichen und Beeinträchtigungen bei dauernder Einschränkung der Lungenfunktion GdB/GdS
Geringen Grades: Das gewöhnliche Maß übersteigende Atemnot bei mittelschwerer Belastung (forsches Gehen bei einem Tempo von 5-6 km/h, mittelschwere körperliche Arbeit); statische und dynamische Messwerte der Lungenfunktionsprüfung bis zu 1/3 niedriger als die Sollwerte, Blutgaswerte im Normbereich 20-40
Mittleren Grades: Das gewöhnliche Maß übersteigende Atemnot bereits bei alltäglicher leichter Belastung (normales Spazierengehen bei einem Tempo von 3-4 km/h, Treppensteigen bis zu einem Stockwerk, leichte körperliche Arbeit); statische und dynamische Messwerte der Lungenfunktionsprüfung bis zu 2/3 niedriger als die Sollwerte, respiratorische Partialinsuffizienz 50-70
Schweren Grades: Atemnot bereits bei geringer Belastung oder in Ruhe; statische und dynamische Messwerte der Lungenfunktionsprüfung um mehr als 2/3 niedriger als die Sollwerte, respiratorische Globalinsuffizienz 80-100

Fragen zum Thema Grad der Behinderung bei COPD?

Rufen Sie uns an und nutzen Sie unsere kostenlose Telefon-Beratung (max. 30 Minuten)

Kurz zum besseren Verständnis: „Der Grad der Schädigungsfolgen“ (GdS) und der „Grad der Behinderung“ (GdB) unterscheiden sich inhaltlich nicht und werden nach den gleichen Grundsätzen bemessen. Es handelt sich lediglich um eine terminologische Differenzierung: Im Schwerbehindertenrecht spricht man vom GdB, im sozialen Entschädigungsrecht vom GdS.

Es ist wichtig, dass sich der an COPD Erkrankte eingehenden Untersuchungen und Belastungstests unterzieht. Die bedeutendste und aussagekräftigste Untersuchung im Zusammenhang mit der chronischen Lungenerkrankung ist die Lungenfunktionsprüfung (Spirometrie). Es handelt sich um ein einfach durchzuführendes, schmerzloses Verfahren, das Auskunft über Funktions- und Leistungsfähigkeit der Lunge und somit auch über eventuell vorliegende Einschränkungen gibt. Je nach Erkrankungsstadium kann sich die Lungenfunktion plötzlich verschlechtern, man spricht von einem „Lungen-Infarkt“. Solche Krankheitsschübe, bei der die Atemnot merklich zunimmt, heißen in der Fachsprache „Exazerbationen“. Bei weit fortgeschrittener COPD kann eine Lungentransplantation erforderlich werden – nach dieser ist eine Heilungsbewährung abzuwarten (im Allgemeinen sind das 2 Jahre). Die Gutachter des Versorgungsamtes setzen während dieser Zeit in der Regel einen GdB von 100 an. Anschließend ist der GdB selbst bei günstigem Heilungsverlauf unter Mitberücksichtigung der erforderlichen Immunsuppression nicht niedriger als 70 zu bewerten.

Die obige Tabelle liefert nur Anhaltspunkte für eine Bewertung. Selbst wenn Sie unter einer leichten COPD leiden, aber weitere Erkrankungen oder Einschränkungen haben, die Sie im Alltag behindern, kann Ihnen ein Schwerbehindertengrad zugesprochen werden. Das ist abhängig vom Einzelfall.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Fällt Ihr GdB COPD niedriger aus als erwartet, können Sie Widerspruch einlegen

COPD-Patienten leben vor allem im fortgeschrittenen Stadium mit zunehmenden Atembeschwerden und einer eingeschränkten körperlichen Belastbarkeit – die Ausstellung eines Schwerbehindertenausweises ist für Sie von hoher Wichtigkeit. Denn sie erhalten damit eine Reihe von Vergünstigungen und Erleichterungen im Alltag, beispielsweise:

  • Ermäßigungen bei öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Fahrdienste für schwerbehinderte Menschen
  • Kraftfahrzeugsteuer-Ermäßigung
  • Steuervorteile
  • Wohngeld

Allerdings haben COPD-Erkrankte nur in Ausnahmefällen Anspruch auf einen Parkausweis für Behinderte. Das notwendige Merkzeichen „aG“ für außergewöhnlich gehbehindert auf dem Ausweis wird in der Regel nur Personen zugestanden, die dauerhaft „aus medizinischer Notwendigkeit auf die Verwendung eines Rollstuhls angewiesen sind“.

Wenn es um die Kostenübernahme für medizinische und weitere unterstützende Leistungen – wie etwa Rehabilitationssport, Fahrkosten, Haushaltshilfe usw. – geht, sind im Zusammenhang mit einer chronischen Lungenerkrankung die gesetzlichen Krankenkassen  der richtige Ansprechpartner, sie beantworten auch Fragen zur finanziellen Unterstützung durch die gesetzlichen Pflegeversicherungen. Wer seine Arbeit wegen COPD nicht bis zur Pensionierung ausüben kann, hat Anspruch auf Erwerbsminderungsrente. Diese wird allerdings nur gewährt, wenn sich die gesundheitlichen Einschränkungen nicht beseitigen lassen oder eine Umschulungsmaßnahme nicht greift. Sollten Sie nicht in der Lage sein, mindestens drei Stunden pro Tag zu arbeiten, können Sie von Ihrem Rentenversicherungsträger prüfen lassen, ob ein Anspruch auf Rente wegen voller Erwerbsminderung besteht.

Wenn Ihr GdB COPD niedriger ausfällt als erwartet und Sie sich falsch eingeschätzt fühlen, kann es sinnvoll sein, mit professioneller Unterstützung Widerspruch gegen die Entscheidung des Versorgungsamtes einzulegen. Die Frist hierfür beträgt in der Regel vier Wochen. Beratung bieten unter anderem Sozialverbände wie der VdK oder der Sozialverband Deutschland an. Aber auch Sozialstationen von Krankenhäusern und Rehakliniken helfen Ihnen bei der Beantragung eines Schwerbehindertenausweises. Überdies gibt es auf Sozialrecht spezialisierte Anwälte, die Sie konsultieren können.

Unser Team berät Sie gerne kostenlos und unverbindlich zum Thema Grad der Behinderung bei COPD oder auch bei allen anderen Themen der Pflege