Grad der Behinderung (GdB) bei Diabetes

Wer an Diabetes erkrankt ist, kann offiziell beim Versorgungsamt den „Grad der Behinderung“ (GdB) feststellen lassen. Die Beantragung gestaltet sich recht einfach: Ein Formular, das im Internet heruntergeladen werden kann, wird samt aller relevanten Befunde, Laborergebnisse und ärztlichen Gutachten beim Amt eingereicht. Entweder online, per Post oder persönlich – das entscheiden Sie.

Nach etwa drei Monaten erhalten Sie einen „Feststellungsbescheid“, aus dem der Umfang, d. h. der „Grad der Behinderung“ (GdB) hervorgeht. Ab einem GdB von 20 ist man behindert, ab einem GdB von 50 schwerbehindert. Wenn es sich um einen Diabetes mellitus mit häufigen hypoglykämischen Schocks handelt, kann im Schwerbehindertenausweis das Merkzeichen „G“ für Gehbehindert zuerkannt werden. Von einer erheblichen Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit wird ausgegangen, wenn die hypoglykämischen Schocks überwiegend am Tage auftreten.

Bei Kindern und Jugendlichen bis zum vollendeten 16. Lebensjahr kann auch das Merkzeichen „H“ für Hilflosigkeit zuerkannt werden. Der Grund hierfür ist die erforderliche ständige Überwachung wegen der Gefahr hypoglykämischer Schocks, der strengen Einhaltung der Diät und der Dosierung des Insulins sowie im Hinblick auf die notwendigen körperlichen Betätigungen.

Unabhängige Pflegeberatung zum Thema GdB bei Diabetes erhalten

Menschen mit einem GdB Diabetes können, mit wenigen Einschränkungen, fast jeden Beruf ergreifen

Seit dem Jahre 2010 haben sich allerdings die Voraussetzungen geändert, um mit Diabetes einen Schwerbehindertenausweis zu erhalten. Zuvor galt als Voraussetzung für die Anerkennung der Schwerbehinderung lediglich der Nachweis, dass sich der Stoffwechsel schwer einstellen lässt und es zu erheblichen Unterzuckerungen kommt. Für die Bewilligung jetzt sind der hohe Therapieaufwand des Betroffenen sowie die daraus resultierenden Benachteiligungen im Alltag ausschlaggebend. Allein das Messen und Spritzen reicht also nicht – vielmehr muss man insgesamt gesehen auch krankheitsbedingt erheblich in der Lebensführung beeinträchtigt sein. Eine genaue Definition, wann solche Einschnitte vorliegen, muss je nach Einzelfall beurteilt werden.

Ermittelt wird der GdB für Diabetes durch ärztliche Gutachter des Versorgungsamtes. Auf Grundlage der sogenannten „Versorgungsmedizinischen Grundsätze“, in denen die unterschiedlichen Krankheiten tabellarisch aufgeführt sind, wird die Behinderung eingestuft. Der GdB kann zwischen 20 und 100 variieren. Er wird in 10er-Schritten gestaffelt. 

Bei Patienten mit Diabetes werden folgende Abstufungen vorgenommen:

Störungen, Anzeichen, Einstellbarkeit Grad der Behinderung (GdB)
Diabetiker, deren Therapie keine Unterzuckerung auslösen kann und die in der Lebensführung nicht beeinträchtigt sind 0
Diabetiker, deren Therapie eine Unterzuckerung auslösen kann und durch Einschnitte in der Lebensführung beeinträchtigt sind 20
Diabetiker, deren Therapie eine Unterzuckerung auslösen kann, die mindestens 1-mal täglich ihren Blutzucker selbst messen und durch weitere Einschnitte in der Lebensführung beeinträchtigt sind 30-40
Diabetiker, die eine Insulintherapie mit mind. vier Injektionen pro Tag durchführen und durch erhebliche Einschnitte gravierend in der Lebensführung beeinträchtigt sind. Die Insulindosis passen die Patienten je nach Blutzucker, Bewegung und Ernährung selbständig an. Die Blutzuckermessungen und Insulindosen müssen dokumentiert sein. Außergewöhnlich schwer regulierbare Stoffwechsellagen können jeweils höhere GdB-Werte bedingen. 50

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Wenn bei Ihnen ein Behinderungsgrad festgestellt wird, können für Sie u. a. folgende Hilfen und „Nachteilsausgleiche“ infrage kommen:

  • Ergänzende Leistungen zur Reha
  • Ermäßigungen bei Öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Kraftfahrzeugsteuer-Ermäßigung bei Schwerbehinderung
  • Steuerliche Vorteile (Pauschbetrag)

Bei einer Schwerbehinderung muss in der Arbeitswelt Rücksicht auf Ihre Einschränkungen genommen werden. Auf Wunsch ist es Ihnen gestattet, etwas früher in Altersrente zu gehen. Außerdem genießen Sie einen besonderen Kündigungsschutz und haben Anspruch auf fünf zusätzliche Tage bezahlten Urlaub im Jahr.

Generell gilt: Menschen mit Diabetes können ohne Probleme fast jeden Beruf ergreifen – auch als  Berufsfahrer für LKW, Bus oder Taxi. Es muss allerdings gewährleistet sein, dass der Diabetes stabil eingestellt und so eine sichere Verkehrsteilnahme – ohne Unterzuckerungen – möglich ist. Im öffentlichen Dienst können Diabetiker ebenfalls arbeiten. Allein bei Bundeswehr oder Polizei gibt es noch immer Probleme – wie auch der Beruf des Piloten oder Fluglotsen insulinpflichtigen Menschen mit Diabetes gemeinhin verwehrt ist.

Wenn Sie Berufsanfänger sind oder sich beruflich verändern wollen, ist zu empfehlen, sich vorab mit einem Diabetologen oder Arbeitsmediziner zu beraten, ob es bezüglich des neuen Berufes irgendwelche Auflagen gibt. Bei der Frage, ob Sie als Diabetiker für einen Beruf geeignet sind oder nicht, handelt es sich letztlich um eine Risikoabwägung, die individuell getroffen werden muss.

Sind Sie mit dem vom Versorgungsamt ermittelten GdB Diabetes nicht einverstanden, ist Widerspruch möglich

 

Beim Einstellungsgespräch oder in der Bewerbung sind Sie nicht verpflichtet, Ihre Erkrankung anzugeben. Ausnahme: Die Krankheit würde bei der Ausübung des Berufs zu erheblichen und nicht abwendbaren Gefährdungen führen – wie beispielsweise bei einem Chirurgen, der stark schwankende Blutzuckerwerte oder eine gestörte Unterzuckerwahrnehmung hat und kein CGM trägt. Übrigens: Ein ärztliche Einstellungsuntersuchung darf nur auf freiwilliger Basis und mit Zustimmung des Bewerbers durchgeführt werden.

Für den einen oder anderen Betroffenen mag es Sinn machen, sich mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung zusätzlich abzusichern. Nicht mehr arbeiten zu können bringt große Geldprobleme mit sich – in einem solchen Fall zahlt die Berufsunfähigkeitsversicherung eine monatliche Rente aus. Allerdings müssen Diabetiker mit Prämienzuschlägen und begrenzter Laufzeit rechnen.

Sie könnten außerdem in Betracht ziehen, eine Pflegezusatzversicherung abzuschließen – als Mensch mit Diabetes haben Sie ein erhöhtes Risiko, pflegebedürftig zu werden. Allerdings werden vornehmlich Typ-2-Diabetiker angenommen, da die Versicherungen die Risiken abwägen. Und in Bezug auf Versicherungen gilt: Während Sie im beruflichen Bewerbungsverfahren Ihre Behinderung verschweigen dürfen, ist es bei Abschluss der Versicherungspolice obligatorisch, die Erkrankung anzugeben.

Wenn Sie mit dem vom Versorgungsamt ermittelten GdB Diabetes nicht einverstanden sind, ist es Ihnen gestattet, innerhalb eines Monats Widerspruch einzulegen. Wird diesem Widerspruch nicht stattgegeben, so kann innerhalb eines weiteren Monats nach Zustellung des Widerspruchsbescheids Klage beim zuständigen Sozialgericht erhoben werden. Das Verfahren ist kostenfrei; ein Anwalt ist nicht zwingend erforderlich. Doch ist es aufgrund des häufig komplizierten Sachverhalts ratsam, einen Experten einzuschalten. 

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