Diagnosefehler

Möglicherweise haben Sie eine Arztpraxis schon einmal mit dem flauen Gefühl im Magen verlassen, dass der Arzt bei der Untersuchung etwas übersehen hat oder mit seiner Diagnose nicht ganz richtig lag. Ob beim Zahnarzt eine kariöse Stelle am Zahn nicht entdeckt oder vom Dermatologen eine bösartige Hautveränderung falsch eingeschätzt wurde – Ärzte machen Fehler. Und die können mitunter schwere Folgen haben

Von einem Diagnosefehler bzw. Diagnoseirrtum spricht man, wenn Ärzte Befunde falsch interpretieren und infolgedessen nicht die eigentlich gebotenen therapeutischen Behandlungsmaßnahmen ergreifen. Tatsächlich ist es für einen Mediziner nicht immer einfach, eine eindeutige Diagnose zu stellen. Wenn er beispielsweise Ultraschallbilder, Laborwerte, CT- und MRT-Daten oder Röntgenbilder anschaut und zu analysieren versucht, können die dort erkennbaren Symptome auf verschiedene Ursachen hindeuten. Sie einwandfrei einer Erkrankung zuzuordnen, ist nicht immer möglich. Zudem können dieselben Krankheiten bei unterschiedlichen Patienten ganz verschiedene Symptome auslösen.

Erfolgt aber trotz Fehldiagnose eine fachgerechte – und damit unschädliche – Patientenbehandlung, begründet der Diagnosefehler keine Arzthaftung und keinen Entschädigungsanspruch. Die deutsche Rechtsprechung urteilt da eher milde im Sinne des Arztes.

Sie sollten also abwägen, ob Sie gegen den Arzt oder das Krankenhaus klagen, wenn die Behandlung trotz falscher Diagnose ohne Komplikationen verläuft.

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Durch einen Diagnosefehler kann dem Patienten körperlich und seelisch ein erheblicher Schaden entstehen

Was aber können Sie tun, wenn Sie sich mit der Diagnose unwohl fühlen, aber Ihr Arzt auf seiner Meinung beharrt? In einem solchen Fall ist es ratsam, schnell eine Zweitmeinung einzuholen. Wenn der nächste Facharzt tatsächlich eine abweichende Diagnose stellt, müssen Sie abwägen, wem Sie mehr vertrauen. Oder noch eine weitere Meinung einholen. Das klingt kompliziert und aufwendig, aber erspart Ihnen einiges.

Bleiben Sie beim ersten Arzt und es wird später, vielleicht zu spät festgestellt, dass dem Arzt ein Diagnosefehler unterlaufen ist und eine Krankheit nicht oder nicht rechtzeitig erkannt wurde, trägt der Patient körperlich und auch seelisch erheblich an dem daraus entstehenden Schaden.

Bedenken Sie: Bei einer schweren Erkrankung muss die Therapie neu angesetzt und gestaltet werden, die Medikation muss umgestellt werden. Es ist nicht sicher, ob die neue Therapie auch anschlägt und die Medikamente entsprechend wirken – ohne Nebenwirkungen für den Körper. Häufig ist das alles mit sehr hohen Kosten verbunden, die unter Umständen vom Patienten ausgelegt oder allein getragen werden müssen. Zudem drohen ihm finanzielle Einbußen durch Verdienstausfälle. Die finanziellen Belastungen und die Angst und Ungewissheit kosten den Patienten vor allem viel Kraft, Nerven und Zeit.

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Wenn die Folgen eines Diagnosefehlers so groß sind, dass sie dem Patienten erheblich schaden, sollte überlegt werden, ob man die Sachlage mit einem auf Medizinrecht spezialisierten Anwalt  erörtert. Zunächst können Sie aber ein Gutachten durch Dritte erstellen lassen – das geht auch bei uns.

Denn wir von Dr. Weigl & Partner haben uns auf medizinische Gutachten spezialisiert, um Sie in Ihrem Vorgehen gegen Behandlungsfehler eingehend zu unterstützen. Wir verfügen über ein deutschlandweites Netzwerk von anerkannten Fachärztinnen und Fachärzten, die sich intensiv für die Klärung von Diagnosefehlern einsetzen. Unser Ziel ist es, Betroffenen zu helfen und sie kompetent zu beraten. Setzen Sie sich gerne mit uns in Verbindung.

Der Entschädigungsanspruch schließt sowohl Schmerzensgeld zur Kompensation immaterieller Schäden wie auch Schadensersatz zum Ausgleich materieller Schäden ein. Bezüglich Schmerzensgeld müssen Sie durch eine ausführliche Dokumentation anhand von Krankenunterlagen, Gutachten, Fotos oder auch ärztlichen Zweitmeinungen nachweisen, dass der Diagnosefehler die Schadensursache ist. Der Patient hat also die Beweispflicht.

In punkto Schadensersatz ist ebenfalls eindeutig nachzuweisen, dass die wirtschaftlichen Schäden eine Folge des Schadensereignisses, also des Diagnosefehlers, sind. Schadensersatz ist dann vom Verursacher – dem Arzt oder der Klinik – meist in finanzieller Form zu leisten.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Bei der konkreten Berechnung von Schadensersatz werden in der Regel folgende Faktoren berücksichtigt:

  • Schwere und Ausmaß des Schadens
  • Dauerschäden
  • entstandene Kosten

Bei besonders gravierenden Diagnosefehlern liegt die Beweispflicht allerdings nicht mehr beim Patienten, sondern beim Arzt oder bei der Klinik. Es muss dann nachgewiesen werden, dass der behandelnde Arzt den Gesundheitsschaden des Patienten nicht verschuldet hat. Die sogenannte Beweislastumkehr tritt ein, wenn:

  • Krankenunterlagen unvollständig sind oder komplett fehlen
  • einer unqualifizierten Person der Diagnosefehler unterläuft
  • der Behandelnde eindeutige Befunde oder Symptome übersieht oder nicht beachtet
  • es sich um einen groben Behandlungsfehler handelt.

Sprich: der Diagnosefehler ist so schwerwiegend, dass er einem Mediziner schlichtweg nicht passieren darf.

Erfolgreich einen Pflegegrad-Widerspruch stellen

Wie hoch die Entschädigung bei einem Diagnosefehler ausfällt, ist von den konkreten Schäden und deren Auswirkungen abhängig. Es müssen Fragen geklärt werden, wie: Wie hoch ist das Ausmaß psychischer und körperlicher Schäden? Bleiben langwierige und chronische Schmerzen? Haben die Folgen sogar einen Einfluss auf das Berufs- und Alltagsleben des Betroffenen?

Bemessen wird das Schmerzensgeld anhand der Schmerzensgeldtabelle. Dieser liegt eine Sammlung von Gerichtsurteilen zu Diagnosefehlern zugrunde, mit welcher jeder individuelle Fall bemessen wird.

Beachten Sie bei einer möglichen Klage die Verjährungsfrist einzuhalten. Sowohl der Schadensersatz- wie auch der Schmerzensgeldanspruch nach einem Diagnosefehler verjährt nach drei Jahren. Die Verjährungsfrist beginnt immer am Ende des Jahres, in welchem der Patient Kenntnis vom Schaden erlangt.

Erfolgreich einen höheren Pflegegrad beantragen

Es gibt noch einen weiteren Aspekt, der Ihnen als Patient bewusst sein sollte. Manche Ärzte steigern die eigenen Einnahmen durch „aufgebauschte“ und daher verfälschte Diagnosen. Aus einer schwermütigen Stimmung des Patienten wird dann eine Depression, aus einer Verstauchung im Rücken ein Bandscheibenvorfall. Das ist kein „Kavaliersdelikt“, denn eine solche Handhabe schadet nicht nur dem Gesundheitssystem, sondern auch Ihnen als Versicherten. Fliegt das Ganze auf und Sie können nicht nachweisen, dass es ein Diagnosefehler war oder Sie von der Erkrankung nichts wußten, verlieren Sie möglicherweise Ihren Versicherungsschutz sogar rückwirkend – ohne dass Sie Beiträge zurückerhalten.

Um so etwas zu vermeiden, sollten Privatversicherte immer ihre Rechnungen prüfen – was für Laien aber nicht ganz einfach ist. Als gesetzlich Versicherter können Sie bei Verdacht auf einen Diagnosefehler Einsicht in Ihre Patientenakte verlangen. Dieses Recht steht ihnen per Gesetz zu. Ärzte haben eine Dokumentationspflicht und müssen den Diagnose- und Behandlungsablauf, Nebenwirkungen, Eingriffe und sonstige Informationen in den Krankenunterlagen festhalten. Die Kassen stellen Versicherten auch gebündelt alle Leistungen, Kosten und teils auch Diagnosen durch behandelnde Ärzte zusammen, an denen Sie sich orientieren können.

Unser Team berät Sie gerne kostenlos und unverbindlich zum Thema Diagnosefehler oder auch bei allen anderen Themen der Pflege