Erstantrag auf Feststellung einer Behinderung

Wenn Sie sich entschieden haben, einen Erstantrag auf Feststellung einer Behinderung beim Versorgungsamt einzureichen, gibt es ein paar Punkte zu beachten. Wir erklären Ihnen im Folgenden, welche diese sind.

Zunächst: Im Fachjargon wird von der Feststellung des „Grades der Behinderung“ (GdB) gesprochen. Das mag ein wenig kompliziert klingen, doch der Vorgang an sich nimmt sich gar nicht kompliziert aus – mit ein bisschen Vorwissen können Sie aber wertvolle Zeit sparen und die Wahrscheinlichkeit, richtig eingestuft zu werden, erhöhen.

Der „Grad der Behinderung“ (GdB)

Der „Grad der Behinderung“ (GdB) ist quasi eine Maßeinheit für die körperlichen, geistigen, seelischen und sozialen Auswirkungen einer Funktionsbeeinträchtigung aufgrund eines Gesundheitsschadens. Wenn dieser länger als sechs Monate anhält und von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht, spricht man von einer Behinderung.

Der GdB wird in Zehnergraden angegeben, der niedrigste liegt bei 20 und der höchste bei 100. Was bedeutet: Ab einem GdB von 20 gilt man als behindert. Bei einem Grad von 50 und höher liegt eine Schwerbehinderung vor.

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Für den Erstantrag auf Feststellung einer Behinderung sind Angaben zu Ihrer Person und zu den Erkrankungen zu machen

Beim Erstantrag auf Feststellung einer Behinderung müssen Sie ein mehrseitiges Formular ausfüllen, welches Sie über das Versorgungsamt bzw. das Amt für soziale Angelegenheiten erhalten. In einigen Bundesländern gibt es zentrale Versorgungsämter, in anderen übernehmen kommunale Ämter diese Aufgabe. Erkundigen Sie sich, welches die für Sie zuständige Behörde ist.

Meist ist es gar nicht nötig, dass Sie sich extra auf den Weg machen, denn der Antrag kann auf der Homepage des Versorgungsamtes heruntergeladen und samt ärztlichen Befunden online eingereicht werden. Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, das Dokument telefonisch oder auf dem Postweg anzufordern. Für einen GdB Antrag ist es unabdingbar, dass Sie Ihren Wohnsitz, Ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder Ihren Arbeitsplatz in Deutschland haben. Die deutsche Staatsangehörigkeit müssen Sie hingegen nicht besitzen.

Den Online-Antrag können Sie ausdrucken und per Hand oder direkt am Bildschirm ausfüllen. Keine Sorge: die Fragen sind nicht schwierig und betreffen nur Ihre Person und Ihre Erkrankungen und Behinderungen. Am besten nehmen Sie sich ausreichend Zeit, um alle Fragen auf dem Dokument gründlich und umfassend zu beantworten. Ein Tipp: Je mehr Informationen Sie geben und je klarer Sie formulieren, desto besser kann sich der Gutachter ein Bild von Ihrer gesamten Situation machen. Im Falle, dass Sie unsicher sind und fürchten etwas falsch zu machen, lassen Sie sich beim Ausfüllen des Antrags helfen. Entweder von Mitarbeitern des Versorgungsamtes oder von einer kundigen Person, die Sie bei den Sozialstationen von Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen finden. Die Pflegestützpunkte, wie auch die Sozialverbände – etwa VdK – und die Schwerbehindertenvertretungen sind ebenfalls dafür zuständig. Auch unsere erfahrenen Pflegeexperten helfen Ihnen gerne jederzeit weiter.

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Geben Sie Ihren Ärzten durch eine Schweigepflichtentbindung die Möglichkeit Auskünfte zu erteilen

Jetzt kommt es zum Punkt Zeitersparnis. Normalerweise dauert die Bearbeitung Ihres Erstantrages auf Feststellung einer Behinderung bis zu drei Monaten. Sie können den Vorgang jedoch verkürzen, indem Sie Ihre medizinischen Befunde dem Antrag direkt beilegen und nicht erst bei Aufforderung des Amtes einreichen.

In einfachen Fällen entscheidet die Behörde nur nach Aktenlage, sodass es dort besonders auf aussagefähige Unterlagen ankommt. Gehen Sie jedoch auf Nummer sicher und verschicken Sie keine Originale, sondern nur Kopien – sollten die verloren gehen, können Sie schnell für Ersatz sorgen.

Sie sind auch aufgefordert, Angaben zu den behandelnden Ärzten zu machen sowie zu den Krankenhäusern und Reha-Kliniken, in denen Sie eventuell untergebracht waren. Denken Sie daran, eine Schweigepflichtentbindung auszustellen, damit der oder die Ärzte gegenüber dem Gutachter des Versorgungsamtes Auskünfte erteilen dürfen. Wenn eine solche Schweigepflichtentbindung nicht erst eingeholt werden muss, geht die Bearbeitung schneller. Bitten Sie außerdem Ihren Arzt, in seinen Berichten nicht nur ihre Krankheiten und Behinderungen aufzuführen, sondern auch zu beschreiben, welche Einschränkungen sie dadurch in Ihrem alltäglichen Leben haben. Dies trägt maßgeblich zur Einstufung des GdB bei. Darum wäre es gut, von Beginn an den Arzt genau in Kenntnis über Ihren geplanten Erstantrag auf Feststellung einer Behinderung zu setzen. So kann er sich auf das Gespräch mit dem Gutachter vorbereiten.

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Legen Sie dem Antrag gleich ein Lichtbild von sich bei – falls Sie einen GdB von mindestens 50 haben und damit schwerbehindert sind, kann das Foto für den Schwerbehindertenausweis verwendet werden (siehe auch Tipps für einen erfolgreichen Antrag auf Schwerbehinderung).

Zum Schluss unterschreiben Sie den Antrag und machen eine Kopie, damit Sie auch nach einigen Wochen noch wissen, welche Angaben Sie gemacht haben – falls Rückfragen vom Amt kommen. Übrigens: Falls Ihrem Erstantrag auf Feststellung einer Behinderung nicht stattgegeben wird oder Sie das Gefühl haben, falsch beurteilt worden zu sein, besteht die Möglichkeit Widerspruch einzulegen. Die Frist für den Widerspruch beträgt einen Monat und sie beginnt mit dem Zugang des Bescheides an Ihre Adresse. Vorsorglich sollten Sie den Briefumschlag mit dem Zustellungsdatum aufbewahren. Um die Behörde zu einer erneuten Überprüfung Ihres Erstantrages auf Feststellung einer Behinderung zu veranlassen, müssen Sie fundierte Gründe vorbringen.

Es empfiehlt sich, dass Sie sich bereits bei Antragstellung einen Profi an die Seite holen, der die Sachlage gut kennt. Schließlich geht es bei der Einstufung des GdB um relevante Dinge wie Kündigungsschutz und Rentenansprüche, das kann für Ihr Leben große Konsequenzen haben. Gibt die Behörde Ihrem Widerspruch statt, ergeht ein Abhilfebescheid. Sollte auch dieser Abhilfebescheid nicht in Ihrem Sinne sein, können Sie noch einmal Widerspruch einlegen. Weist die Behörde diesen zurück, ergeht ein Widerspruchsbescheid an Sie. Dann bleibt Ihnen nur noch die Möglichkeit, den Feststellungsbescheid vor dem Sozialgericht gerichtlich überprüfen zu lassen.

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