GdB Antrag – Wie Sie einen Grad der Behinderung beantragen

Durch einen GdB Antrag beim zuständigen Versorgungsamt respektive beim Amt für soziale Angelegenheiten kann ein „Grad der Behinderung“ (kurz GdB) ausgestellt werden. Dieser gewährt körperlich sowie geistig eingeschränkten Personen besonderen rechtlichen Schutz und berechtigt sie zu sogenannten „Nachteilsausgleichen“. Erfahren Sie im Folgenden, was Sie bei Ihrem GdB Antrag alles beachten müssen.

Das Kürzel GdB Antrag steht für den Antrag zur Feststellung des „Grads der Behinderung“. Dieser kann beim zuständigen Versorgungsamt bzw. beim Landesamt für soziale Dienste eingereicht werden. Durch den GdB Antrag wird offiziell ermittelt, wie gravierend Ihre Behinderung ist und ob Sie Anspruch auf sogenannte „Nachteilsausgleiche“ haben.

Der Grad der Behinderung (GdB) ist eine Maßeinheit für die körperlichen, geistigen, seelischen und sozialen Auswirkungen einer Funktionsbeeinträchtigung aufgrund eines Gesundheitsschadens. Wenn die Funktionsbeeinträchtigung länger als sechs Monate anhält und von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht, spricht man von einer Behinderung. Der GdB wird in Zehnergraden angegeben. Der niedrigste liegt bei 20 und der höchste bei 100. Was bedeutet: Ab einem GdB von 20 gilt man als behinderter Mensch. Bei einem Grad von 50 und höher liegt sogar eine Schwerbehinderung vor.

In manchen Bundesländern wird der GdB Antrag bei den zentralen Versorgungsämtern eingereicht, in anderen übernehmen kommunale Ämter diese Aufgabe. Welche Behörde für Sie zuständig ist, können Sie beim Bürgeramt erfragen oder selber im Internet nachschauen. Voraussetzung für die Beantragung ist, dass Sie ihren Wohnsitz, ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder ihren Arbeitsplatz in Deutschland haben. Sie müssen aber kein deutscher Staatsbürger sein.

Sie können den GdB Antrag ganz einfach online nach Ihrer Registrierung ausfüllen

Häufig ist es gar nicht nötig, dass Sie sich auf den Weg zur Behörde machen, denn der GdB Antrag kann auch online ausgefüllt werden. Ein solcher Online-Antrag wird beispielsweise in den Bundesländern Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sowie im Saarland, in Berlin und in Brandenburg angeboten. In der Regel ist vorab eine kostenlose Registrierung auf dem Portal der Versorgungsämter notwendig. Abhängig vom jeweiligen Bundesland können Sie den Antrag dann teilweise oder sogar vollständig online ausfüllen und einreichen. Der GdB Antrag in NRW kann z.B. über Dienstleistungsportal des Landes Nordrhein-Westfalen ELSA.NRW gestellt werden. Der GdB Antrag in Bayern ist auf der Webseite des Zentrums Bayern Familie und Soziales (ZBFS) erhältlich. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, das Dokument telefonisch oder auf dem Postweg anzufordern.

Viele Menschen mit Behinderung oder einer chronischen Erkrankung (COPD, Herz-Kreislauf-Erkrankungen etc.) sind vor der ersten Beantragung verunsichert, weil sie nicht genau wissen, wie sie dabei vorgehen sollen. Oder ob sie alles richtig machen. Haben Sie keine Bedenken, dass Sie beim Ausfüllen des Antrags Fehler machen könnten – der Vorgang ist vergleichsweise simpel. Neben den Angaben zu ihrer Person beschreiben Sie mit Ihren eigenen Worten Ihre Erkrankung. Sie müssen dafür auch keine medizinischen Fachbegriffe verwenden.

Selbstverständlich können Sie sich bei der Beantwortung der Fragen auch helfen lassen. Entweder von Mitarbeitern des Versorgungsamtes oder von einer kundigen Person, die Sie bei den Sozialstationen von Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen finden. Die Pflegestützpunkte, wie auch die Sozialverbände – etwa VdK – und die Schwerbehindertenvertretungen können Sie ebenfalls unterstützen.

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Je genauer Sie im GdB Antrag Ihre Erkrankungen beschreiben, desto besser kann der Gutachter urteilen

Vergessen Sie nicht, Ihre medizinischen Befunde dem GdB Antrag beizulegen. Das ist nicht zwingend vorgeschrieben, für Sie aber nur von Vorteil. Zum einen beschleunigt es den ganzen Vorgang, wenn die Unterlagen nicht erst vom Amt angefordert werden müssen. Zum anderen helfen aktuelle Atteste, Röntgenbilder, Laborbefunde usw., dass der amtliche Gutachter sich ein genaues Bild von Ihrer Situation machen kann. Ein Tipp: Versenden Sie keine Originale, sondern nur Kopien – sollten die verloren gehen, können Sie schnell für Ersatz sorgen.

Stellen Sie sich darauf ein, dass die Bearbeitung Ihres Antrags rund drei Monate in Anspruch nehmen wird. Doch warum dauert es solange? Ihr GdB Antrag wird vom ärztlichen Dienst des Versorgungsamtes eingehend geprüft – und das sieht so aus: Anhand der „Versorgungsmedizinischen Verordnung“ (auch GdB Tabelle genannt), die eine Liste von medizinischen Befunden und Krankheiten enthält, wird jeder Gesundheitsstörung ein Einzel-GdB zugeordnet. Einzelne Beeinträchtigungen werden allerdings bei der Ermittlung nur berücksichtigt, wenn sie für sich allein einen GdB von mindestens 10 ausmachen würden. Bei der Beurteilung des Gesamt-GdB wird in der Regel vom höchsten Einzel-GdB ausgegangen, dann wird im Hinblick auf alle weiteren Funktionsbeeinträchtigungen geprüft, ob das Ausmaß der Behinderung dadurch tatsächlich größer wird.

Je genauer Sie nun in Ihrem GdB Antrag Ihre Erkrankungen beschreiben und diese durch ärztliche Atteste stützen, desto besser kann der Gutachter zu einem Urteil kommen. Sein Ergebnis wird Ihnen in einer gutachtlichen Stellungnahme mitgeteilt, dem Feststellungsbescheid, in dem genau aufgeführt ist, wie hoch Ihr Gesamt-GdB ausfällt. Wenn Sie sich falsch beurteilt fühlen, dann ist eine Überprüfung durch Fachkundige an dieser Stelle empfehlenswert. Schließlich haben Sie das Recht, gegen den amtlichen Bescheid innerhalb einer Frist, in der Regel ist das ein Monat, Widerspruch einzulegen.

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GdB Antrag und Pflegegrad Antrag

Auch wenn dem Grad der Behinderung und dem Pflegegrad zwei verschiedene Sozialgesetzbücher zugrunde liegen, sollten Sie darüber nachdenken, parallel zu Ihrem GdB Antrag auch einen Antrag auf Pflegeleistungen bei Ihrer Pflegekasse zu stellen. In vielen Fällen benötigen behinderte Personen aufgrund Ihrer Einschränkungen intensive Betreuung und Unterstützung zur Bewältigung ihres Alltags. Durch einen attestierten Pflegegrad stehen Ihnen diverse Pflegeleistungen zu, die sie etwa für einen ambulanten Pflegedienst oder die Unterbringung in einem spezialisierten Pflegeheim verwenden können.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Der Schwerbehindertenausweis ermöglicht Ihnen eine Reihe von Erleichterungen im Alltag

Falls Sie einen GdB Antrag auf Schwerbehinderung gestellt haben und tatsächlich einen GdB von 50 oder mehr zuerkannt bekommen, erhalten Sie nun automatisch einen Schwerbehindertenausweis. Auf diesem sind der Grad der Behinderung und Merkzeichen angegeben.

Abhängig von der Art und dem Grad Ihrer Behinderung erhalten Sie gewisse Vergünstigungen und Vorteile. Dies beginnt mit finanziellen Ermäßigungen bei zahlreichen Freizeitaktivitäten – so verbilligen sich für Sie die Eintrittskarten für Kino, Schwimmbad, Museum oder Theater. Der Schwerbehindertenausweis berechtigt Sie zudem, bestimmte Leistungen und Hilfen in Anspruch zu nehmen. Die Integrationsfachdienste beraten und unterstützen Menschen mit einem schweren Handicap bei unterschiedlichen Problemen im Arbeitsleben. Außerdem stehen Servicestellen von Krankenkassen und Selbsthilfeorganisationen den Berufstätigen mit Ratschlägen zum GdB Antrag zur Seite.

Für schwerbehinderte Arbeitnehmer sieht das Arbeitsrecht insgesamt fünf zusätzliche Urlaubstage vor. Einer etwaigen Kündigung muss der Integrationsbeauftragte zustimmen. Es gilt ein Sonderkündigungsschutz, der dem von werdenden Müttern in etwa vergleichbar ist. Mehr Pausen, zum Beispiel für Medikamenteneinnahme oder körperliche Entlastungen, können ebenfalls beantragt werden. Zögern Sie also nicht, sich an das Versorgungsamt zu wenden und einen GdB Antrag zu stellen. Als Mensch mit Behinderung dürfen Sie auf vielerlei Arten von Hilfe im täglichen Leben zählen.

Unser Team berät Sie gerne kostenlos und unverbindlich zum Thema GdB Antrag und zu allen Themen der Pflege