Grad der Behinderung (GdB) bei Bandscheibenvorfall

Ein Bandscheibenvorfall ist in jedem Abschnitt der Wirbelsäule möglich. Die meisten betreffen jedoch die Lendenwirbelsäule (LWS) und nur jeder vierte entfällt auf die Halswirbelsäule (HWS). Zumeist ist eine alters- und belastungsbedingte Degeneration des Bindegewebsrings der Bandscheibe die Ursache für einen Bandscheibenvorfall. Der Gallertkern kann dabei teilweise austreten und drückt auf eine Nervenwurzel oder das Rückenmark.

Der Gallertkern kann dabei teilweise austreten und drückt auf eine Nervenwurzel oder das Rückenmark. Es kommt zu starken Schmerzen, die vom Bereich der Lendenwirbelsäule bisweilen ins Gesäß oder Bein ausstrahlen. Möglich sind auch Lähmungen der Beinmuskulatur. Als wichtige Risikofaktoren für Bandscheibenvorfälle gelten  Bewegungsmangel und Übergewicht, zusätzlich ist die Bauch- und Rückenmuskulatur schwach. Eine solche Instabilität des Körpers fördert eine Fehlbelastung der Bandscheiben, da nur eine starke Rumpfmuskulatur die Wirbelsäule entlastet. Betroffenen Patienten ist es häufig nicht mehr möglich, problemlos auf den Zehen oder Hacken zu stehen. Grund dafür ist die Tatsache, dass einzelne Muskeln – sogenannte Kennmuskeln – durch anhaltenden Druck auf die Nervenwurzeln nicht mehr ausreichend mit Nervenimpulsen versorgt werden.

Bei einem besonders ausgeprägten Bandscheibenvorfall im Bereich der LWS ist es möglich, dass jene Nervenfasern, die an der Regulation der Darm- und Blasenfunktion beteiligt sind, geschädigt werden. Aus diesem Grund können Darm- und Blasenentleerungsstörungen zu den Folgen von einem Bandscheibenvorfall der unteren Lendenwirbelsäule gehören.

Der GdB für Bandscheibenvorfall richtet sich nach der Intensität der Beeinträchtigung und nach der Anzahl der betroffenen Wirbelsäulenabschnitte

Wenn Sie Ihren GdB für einen Bandscheibenvorfall – also den „Grad der Behinderung“ – feststellen lassen wollen, dann wenden Sie sich an das örtliche Versorgungsamt bzw. das Amt für soziale Angelegenheiten. Das mehrseitige Antragsformular können Sie auf der jeweiligen Webseite herunterladen, ausfüllen und auch online einreichen. Die erforderlichen Auskünfte beziehen sich auf Ihre Person, Ihre Krankheit bzw. auf die gesundheitlichen Beeinträchtigungen, überdies müssen Sie Angaben zu den behandelnden Ärzten und Kliniken machen. Denken Sie daran, Ihre medizinischen Befunde dem Antrag gleich beizulegen und nicht erst bei Aufforderung des Amtes einzureichen, das spart Zeit.

Die amtlichen Gutachter prüfen Ihre Angaben auf Grundlage der „Versorgungsmedizin-Verordnung“ – darin findet sich die GdB Tabelle, in welcher jeder Teil des menschlichen Körpers erfasst ist, beginnend mit Kopf und Gesicht bis hin zu den Haltungs- und Bewegungsorganen. Diesen zugeordnet sind unterschiedliche Krankheitsbilder. In der Tabelle werden ebenfalls Nervensystem und Psyche sowie rheumatische Krankheiten aufgeführt. Asthma, Diabetes und eben auch schmerzhafte Rückenleiden erhalten einen GdB und werden als Behinderung eingestuft. Der GdB kann von 20 bis 100 reichen, er staffelt sich in Zehnerschritten. Ab einem GdB von 50 gilt jemand als schwerbehindert und erhält einen Schwerbehindertenausweis. In der Umgangssprache wird der GdB oft in Prozent angegeben, was jedoch nicht korrekt ist.

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Unter Punkt 18 („Haltungs- und Bewegungsorgane“) finden sich in der GdB Tabelle die Angaben zu angeborenen und erworbenen Wirbelsäulenschäden, einschließlich Bandscheibenschäden. Der „Grad der Schädigungsfolgen“ (GdS) bzw. GdB ergibt sich demnach primär aus dem Ausmaß der Bewegungseinschränkung, der Wirbelsäulenverformung und -instabilität sowie aus der Anzahl der betroffenen Wirbelsäulenabschnitte. So erhalten Wirbelsäulenschäden

  • mit geringen funktionellen Auswirkungen und seltenen, kurz auftretenden leichten Wirbelsäulensyndromen einen GdS/GdB von 10
  • mit mittelgradigen funktionellen Auswirkungen in einem Wirbelsäulenabschnitt, auch Instabilität mittleren Grades, einen GdS/GdB von 20
  • mit schweren funktionellen Auswirkungen in einem Wirbelsäulenabschnitt, auch Instabilität schweren Grades, einen GdS/GdB von 30
  • mit mittelgradigen bis schweren funktionellen Auswirkungen in zwei Wirbelsäulenabschnitten einen GdS/GdB von 30-40
  • mit besonders schweren Auswirkungen (etwa Versteifung großer Teile der Wirbelsäule) einen GdS/GdB von 50-70
  • bei schwerster Belastungsinsuffizienz bis zur Geh- und Stehunfähigkeit einen GdS/GdB von 80-100

Bitte beachten Sie, dass der genaue Wortlaut aus der „Versorgungsmedizin-Verordnung“ hier nicht wiedergegeben wird, Sie können sich selber einen Eindruck verschaffen, wenn Sie einen Blick in die GdB Tabelle werfen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es für die Bildung des GdB für Bandscheibenvorfall vor allem auf die Intensität der Beeinträchtigung und die Anzahl der betroffenen Wirbelsäulenabschnitte ankommt. Grundsätzlich spielt auch der Faktor Zeit eine Rolle: Der GdB ist eine Maßeinheit für die körperlichen, geistigen, seelischen und sozialen Auswirkungen einer Funktionsbeeinträchtigung – hält diese länger als sechs Monate an und weicht von dem für das Lebensalter typischen Zustand ab, spricht man von einer Behinderung.

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Bei Widerspruch bezüglich Ihres GdB Bandscheibenvorfall ist die Einsicht in die Verfahrensakte unerlässlich

Wenn Sie mit der Beurteilung der amtlichen Gutachter bezüglich Ihres „Grades der Behinderung“ nicht einverstanden sind, können Sie innerhalb einer bestimmten Frist Widerspruch einlegen. Dies sind in der Regel vier Wochen. Zur Prüfung der Sach- und Rechtslage ist die Einsicht in die Verfahrensakte unerlässlich. Damit Sie den Widerspruch ordentlich begründen können, ist es ganz besonders wichtig, die abschließende versorgungsärztliche Stellungnahme und Bewertung einzusehen. Diese enthält Informationen, welche Einzel-GdB wie bewertet und welcher Gesamt-GdB daraus gebildet wurde. Zudem ist daraus zu ersehen, welche Befunde berücksichtigt wurden und welche Beeinträchtigungen unter Umständen unzutreffend eingestuft wurden.

Sie sollten Sorgfalt darauf verwenden zu verdeutlichen, wie sich die einzelnen Beschwerden auf Ihre Lebenssituation auswirken. Daher ist es nicht ausreichend, dass lediglich die aufgestellten Diagnosen aufgezählt werden. Eine diagnostizierte Krankheit führt nicht unweigerlich zu einem „Grad der Behinderung“. Vielmehr ist es für die Bewertung entscheidend, welche Folgen und Beeinträchtigungen diese mit sich zieht. Überdies sollte Ihre Begründung neue Aspekte und Informationen enthalten und nicht nur bereits bekannte Informationen wiederholen.

Wird Ihrem Widerspruch nicht stattgegeben, so kann innerhalb eines weiteren Monats nach Zustellung des Widerspruchsbescheids Klage beim zuständigen Sozialgericht erhoben werden. Das Verfahren ist kostenfrei, ein Anwalt ist nicht zwingend erforderlich. Doch ist es aufgrund des häufig komplizierten Sachverhalts ratsam, einen Experten für Sozialrecht einzuschalten.

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