Grad der Behinderung (GdB) Tabelle Depression

Viele Menschen setzen Behinderung vorrangig mit einer schweren körperlichen Beeinträchtigung gleich, etwa mit dem Fehlen von Gliedmaßen oder einer Lähmung. Was tatsächlich nicht ganz falsch ist: Physische Erkrankungen führen die Statistik mit einem Anteil von 60 Prozent an. 

Aber es gibt daneben eine große Zahl von gesundheitlichen Einschränkungen und Erkrankungen, die für Außenstehende auf den ersten Blick nicht erkennbar sind. Dazu zählen beispielsweise Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinsuffizienz. Weiterhin gehören eine Reihe von psychischen und seelischen Erkrankungen zu solchen „unsichtbaren“ Leiden. Sie dürfen nicht unterschätzt werden, denn mehr und mehr Menschen erkranken an Phobien, Zwangsstörungen oder Depressionen. Bereits 2015 nahmen die psychischen Leiden und Verhaltensstörungen in punkto Kosten den zweiten Platz ein nach den Herz- und Kreislauferkrankungen – die Summe belief sich jährlich auf 44,4 Milliarden Euro. Ein Jahr später waren psychische Erkrankungen die häufigste Ursache für die Bewilligung einer Erwerbsminderungsrente.

In der GdB Tabelle werden Depressionen als Behinderung aufgeführt und bewertet

Was viele eben nicht wissen: Auch für Neurosen und andere psychische Leiden kann ein „Grad der Behinderung“ (GdB) ermittelt werden. Das Prozedere ist dasselbe wie bei jeder anderen gesundheitlichen Einschränkung: Als Betroffener stellen Sie beim örtlichen Versorgungsamt bzw. beim Amt für soziale Angelegenheiten einen Antrag auf Feststellung des GdB. Auf dem mehrseitigen Formular machen Sie Angaben zu Ihrer Person, zu den behandelnden Ärzten bzw. Kliniken und zu Ihrer Erkrankung, beispielsweise einer Depression. Entscheidend für die Anerkennung einer Behinderung ist, dass die Erkrankung bereits länger als sechs Monate anhält und von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht. Denken Sie daran, Ihre medizinischen Befunde dem Antrag gleich beizulegen und nicht erst bei Aufforderung des Amtes einzureichen. Zur Beurteilung der Beeinträchtigung wird in der Regel auch ein psychiatrisches Gutachten herangezogen. In einfachen Fällen entscheidet die Behörde nur nach Aktenlage, sodass es auf aussagefähige Unterlagen ankommt.

Natürlich muss nicht jede länger andauernde Depression zwangsläufig zu einer Behinderung werden. Doch das Leben kann sich für die Betroffenen stark verändern, die Krankheit gravierende Auswirkungen auf den Alltag haben. Einigen Menschen ist es etwa nicht mehr möglich zur Arbeit zu gehen, Kontakte zu pflegen oder sich selbst zu versorgen. Ihre Motivation, sowie die Leistungs- und Kommunikationsfähigkeit und das Sozialverhalten können stark eingeschränkt sein.

Ob ein „Grad der Behinderung“ (GdB) vorliegt oder nicht, bewerten die Gutachter des Versorgungsamtes mittels der GdB Tabelle, die Teil der „Versorgungsmedizinischen Grundsätze“ („Versorgungsmedizin-Verordnung mit den Versorgungsmedizinischen Grundsätzen“- VersMedV) ist. Dort findet sich in Teil B unter Punkt 3 der Abschnitt „Nervensystem und Psyche“, wo die verschiedenen psychischen Leiden einzeln aufgelistet sind. Da die Auswirkungen und Störungen, die eine solche Erkrankung mit sich bringt, von Person zu Person sehr unterschiedlich sein können, ist eine Bewertung nicht einfach.

Grundsätzlich kann der GdB zwischen 20 und 100 variieren. Ab einem GdB von 20 gilt man als behindert. Bei einem Grad von 50 und höher ist man schwerbehindert. Liegen bei Ihnen neben einer Depression noch weitere Erkrankungen vor, so werden die einzelnen GdBs nicht einfach zusammengerechnet. Wenn eine Behinderung mit einem Grad von 50 und die zweite mit einem Grad von 40 bewertet wird, ergibt sich daraus kein „Grad der Behinderung“ von 90. In der Beurteilung wird berücksichtigt, wie die Funktionsbeeinträchtigungen sich auswirken und gegenseitig beeinflussen.

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Schon bei mittelgradigen sozialen Anpassungsschwierigkeiten kann eine Schwerbehinderung vorliegen

In der GdB Tabelle werden Depressionen in unterschiedliche Schweregrade unterteilt: Da sind leichtere psychovegetative oder psychische Störungen mit einem GdB von 0 bis 20. In diesem Stadium werden bei dem Betroffenen leichte soziale Anpassungsschwierigkeiten angenommen, eine Berufstätigkeit ist trotz Kontakt- und Vitalitätsschwäche noch ohne wesentliche Beeinträchtigung möglich. Dasselbe gilt für den privaten Bereich: Die familiäre Situation sowie Freundschaften sind weiterhin intakt, es bestehen keine krankheitsbedingten Eheprobleme oder ähnliches.

In der nächst stärkeren Form der depressiven Störung leidet der Betroffene unter wesentlichen Einschränkungen der Erlebnis- und Gestaltungsfähigkeit – er hat ausgeprägtere depressive, hypochondrische, asthenische, phobische oder somatoforme Störungen. Dies zeigt sich in mittelgradig sozialen Anpassungsschwierigkeiten, die zwar eine berufliche Tätigkeit grundsätzlich noch erlauben, jedoch bei verminderter Einsatzfähigkeit. Im familiären Umfeld sind häufig erhebliche Probleme durch Kontaktverlust und affektive Nivellierung gegeben, jedoch noch keine Isolierung und kein sozialer Rückzug des Betroffenen. Eine vorher intakte Ehe ist dadurch nicht gefährdet. Diese Form der Depression wird in der GdB Tabelle mit einem „Grad der Behinderung“ von 30 bis 40 bewertet oder je nach Ausprägung auch mit 50 bis 70. Somit ist der Betroffene nur aufgrund seiner depressiven Erkrankung als schwerbehindert eingestuft.

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Die GdB Tabelle wird immer wieder aktualisiert und dem Stand der medizinischen Wissenschaft angepasst

Bei schweren sozialen Anpassungen ist eine Fortsetzung der beruflichen Tätigkeit äußerst gefährdet oder sogar ausgeschlossen. Im Familien- und Freundeskreis gibt es beträchtliche Probleme bis hin zu Trennungen und totalem Rückzug des Erkrankten. In diesem Fall wird die Depression mit einem GdB von 80 bis 100 bewertet, es liegt demnach eine Schwerbehinderung vor.

Heutzutage werden die Betroffenen mit ihrer Erkrankung nicht alleine gelassen – vorausgesetzt natürlich, dass sie sich helfen lassen wollen. So gibt es verschiedene Formen der Unterstützung, beispielsweise im Arbeitsleben durch präventive Maßnahmen, Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM), Therapie, stufenweise Wiedereingliederung, Änderungen in der Arbeitsorganisation, Unterstützte Beschäftigung (UB) und anderes mehr. Wenn sogar ein Schwerbehindertengrad vorliegt, dann unterliegt der Betroffene im Arbeitsleben unter anderem einem Kündigungsschutz und der Freistellung von Mehrarbeit. Als schwerbehinderter Beamter ist eine vorgezogene Pensionierung im Alter von 60 möglich. Im öffentlichen Dienst genießt der Betroffene eine besondere Fürsorge. Grundsätzlich ist auch ein Schutz bei der Wohnungskündigung gegeben. Dies sind nur einige Beispiele.

Die „Versorgungsmedizinischen Grundsätze“ mit der GdB Tabelle werden von Zeit zu Zeit immer mal wieder geändert und dem neuesten Stand der medizinischen Wissenschaft angepasst. Dies sollten Sie im Hinterkopf haben, falls Sie irgendwann einen Neu- oder Änderungsantrag beim Versorgungsamt stellen wollen.  Depressionen können sich ebenfalls im Laufe der Zeit bessern oder verschlimmern. Falls Sie erwägen, einen Änderungsantrag zu stellen, kann dies Auswirkungen auf Ihren „Grad der Behinderung“ haben. Erkundigen Sie sich zum einen, ob es bezüglich Ihrer Behinderung inzwischen zu Modifizierungen in der Bewertung gekommen ist. Besprechen Sie zum anderen mit Ihrem Arzt, ob durch Änderungen in Ihrem Krankheitsbild eine amtliche Untersuchung und Neufestsetzung Ihres GdBs Sinn macht.

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