GdB Tabelle Wirbelsäule

Ihren Antrag auf Feststellung des „Grades der Behinderung“ (GdB) reichen Sie bei der örtlich zuständigen Behörde ein, das ist in der Regel das Versorgungsamt. Dieses ermittelt anhand Ihrer Unterlagen den Gesamt-GdB und geht dafür von der Behinderung aus, die den höchsten Einzel-GdB der Behinderung bedingt.

Der GdB wird in Zehnerschritten gestaffelt, beginnend mit 20 als dem niedrigsten Grad und 100 als dem höchsten. Nach Ermittlung des höchsten Einzel-GdB wird im Hinblick auf alle weiteren Behinderungen untersucht, ob und inwieweit hierdurch das Ausmaß der Behinderung größer wird, und ob und inwieweit aufgrund weiterer gesundheitlicher Beeinträchtigungen der höchste Einzel-Gdb zu erhöhen ist, um der Gesamtbehinderung insgesamt gerecht zu werden.

Die Feststellung des Einzel-GdB bezüglich Wirbelsäulenschäden ergibt sich aus Ziffer 18.9 der „Versorgungsmedizinischen Grundsätze“, wo es heißt:

Der GdB bei angeborenen und erworbenen Wirbelsäulenschäden ergibt sich primär aus dem Ausmaß der Bewegungseinschränkung, der Wirbelsäulenverformung und -instabilität sowie aus der Anzahl der betroffenen Wirbelsäulenabschnitte.

Jeder zweite Deutsche über 40  Jahre hat Wirbelsäulenprobleme

Bei Wirbelsäulenschäden wird in der GdB Tabelle zwischen mehreren Kategorien unterschieden:

  • ohne Bewegungseinschränkung oder Instabilität liegt der GdB bei 0.
  • mit geringen funktionellen Auswirkungen (Verformung, rezidivierende oder anhaltende Bewegungseinschränkung oder Instabilität geringen Grades, seltene und kurzdauernd auftretende leichte Wirbelsäulensyndrome) ist ein GdB von 10 gegeben.
  • bei mittelgradigen funktionellen Auswirkungen in einem Wirbelsäulenabschnitt  (Verformung, häufig rezidivierende oder anhaltende Bewegungseinschränkung oder Instabilität mittleren Grades, häufig rezidivierende und Tage andauernde Wirbelsäulensyndrome) wird ein Einzel-GdB von 20 vergeben.
  • bei solchen mit schweren funktionellen Auswirkungen in einem Wirbelsäulenabschnitt (Verformung, häufig rezidivierende oder anhaltende Bewegungseinschränkung oder Instabilität schweren Grades, häufig rezidivierende und Wochen andauernde ausgeprägte Wirbelsäulensyndrome) wird ein GdB von 30 angenommen.
  • solche mit mittelgradigen bis schweren funktionellen Auswirkungen in zwei Wirbelsäulenabschnitten werden mit einem GdB von 30-40 eingestuft.
  • einen GdB von 50-70 erhalten Wirbelsäulenschäden mit besonders schweren Auswirkungen (z. B. Versteifung großer Teile der Wirbelsäule; anhaltende Ruhigstellung durch Rumpforthese, die drei Wirbelsäulenabschnitte umfasst [z. B. Milwaukee-Korsett]; schwere Skoliose [ab ca. 70° nach Cobb]).
  • bei schwerster Belastungsinsuffizienz bis zur Geh- und Stehunfähigkeit wird ein GdB von 80-100 vergeben.

Zusätzlich wird in den „Versorgungsmedizinischen Grundsätzen“ darauf hingewiesen, dass anhaltende Funktionsstörungen infolge Wurzelkompression mit motorischen Ausfallerscheinungen – oder auch die intermittierenden Störungen bei der Spinalkanalstenose – sowie Auswirkungen auf die inneren Organe (beispielsweise Atemfunktionsstörungen) zusätzlich zu berücksichtigen sind. Bei außergewöhnlichen Schmerzsyndromen kann auch ohne nachweisbare neurologische Ausfallerscheinungen (z. B. Postdiskotomiesyndrom) ein GdS über 30 in Betracht kommen. Das neurogene Hinken ist etwas günstiger als vergleichbare Einschränkungen des Gehvermögens bei arteriellen Verschlusskrankheiten zu bewerten.

Zum besseren Verständnis: Insgesamt besteht die Wirbelsäule aus 34 Wirbel. Die Wirbel von Kreuz- und Steißbein sind miteinander verwachsen und stellen den unbeweglichen Teil der Wirbelsäule dar. Mit zunehmenden Alter haben immer mehr Menschen unter Wirbelsäulenproblemen zu leiden – statistisch ist das jeder zweite Deutsche über 40 Jahre. Orthopädisch bedingte Rückenschmerzen reichen von Wirbelfrakturen, über Bandscheibenvorfälle, Spinosen, bis zu degenerativen Wirbelsäulenbeschwerden wie der Osteochondrose. Weiterhin gibt es entzündliche Wirbelsäulenerkrankungen wie Morbus Scheuermann oder Morbus Bechterew. Machen Rückenbeschwerden werden auch durch Tumore ausgelöst. Bei einigen Betroffenen sind die Schmerzen so gravierend, dass eine Erwerbsarbeit nicht mehr möglich ist.

Aufgrund einer chronischen Wirbelsäulenerkrankung kann eine Schwerbehinderung vorliegen

Es kommt für die Bildung des GdB daher vor allem auf die Intensität der Beeinträchtigung und der Anzahl der betroffenen Wirbelsäulenabschnitte an. Bei Beantragung Ihres GdBs sollten Sie viel Sorgfalt auf die eingehende Schilderung Ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigung legen und Unterlagen wie ärztliche Atteste, Röntgenbilder usw. gleich beilegen. So können sich die Gutachter des Versorgungsamtes ein genaues Bild Ihrer Erkrankung machen.

Sie sollten deutlich machen, wie sich die einzelnen Beschwerden auf Ihre Lebenssituation auswirken. Hierfür ist es nicht ausreichend, dass lediglich die aufgestellten Diagnosen aufgezählt werden. Eine diagnostizierte Krankheit führt nicht automatisch zu einem „Grad der Behinderung“. Vielmehr ist es entscheidend, welche Folgen und Beeinträchtigungen diese mit sich zieht. Voraussetzung für die Anerkennung einer Behinderung ist außerdem, dass die Erkrankung  nachweislich länger als sechs Monate anhält. Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben muss beeinträchtigt sein.

Aufgrund einer chronischen Wirbelsäulenerkrankung mit starken Schmerzen und deutlichen Bewegungseinschränkungen kann es zu Schwierigkeiten am Arbeitsplatz kommen. Mehr Rechte genießen Sie hier, wenn Sie als schwerbehindert eingestuft werden. Das ist ab einem „Grad der Behinderung“ von 50 der Fall. Dann muss in der Arbeitswelt Rücksicht auf Ihre Einschränkungen genommen werden. Wenn Sie bereits in einem regulären Arbeitsverhältnis stehen und eine Schwerbehinderung eintritt, hat der Arbeitgeber die Pflicht, die Weiterbeschäftigung zu prüfen und das Umfeld so zu gestalten, dass Sie Ihre Arbeit gut ausgeführten können. Auf Wunsch ist es Ihnen gestattet, etwas früher in Altersrente zu gehen. Außerdem genießen Sie einen besonderen Kündigungsschutz und haben Anspruch auf fünf zusätzliche Tage bezahlten Urlaub im Jahr.

Mit Ausstellung eines Schwerbehindertenausweises profitieren Sie auch sonst von einer Reihe von Erleichterungen und Vorteilen: Sie erhalten beispielsweise finanzielle Vergünstigungen im öffentlichen Nahverkehr und bei Theater- und Museenbesuchen. Abhängig von Art und Schwere der Behinderung, ist der Ausweis mit einem oder mehreren Merkzeichen versehen –  beispielsweise mit „G“ für gehbehindert. Der Betroffene profitiert damit von Vergünstigungen, die in verschiedenen Rechtsbereichen über die Vergünstigungen hinausgehen, die ein Schwerbehinderter ohne Merkzeichen erhält.

Für den einen oder anderen behinderten Menschen mag die offizielle Feststellung einer Schwerbehinderung existentiell wichtig sein. Wenn Sie mit dem „Feststellungsbescheid“ des Versorgungsamtes – in welchem Sie über Ihren Gesamt-GdB informiert werden – nicht einverstanden sein sollten, haben Sie ein Recht auf Akteneinsicht und können eventuell Widerspruch gegen den Bescheid einlegen. Es empfiehlt sich, dass Sie sich bereits bei Antragstellung einen Profi an die Seite holen, der die Sachlage gut kennt. Beispielsweise einen auf Sozialrecht spezialisierten Anwalt.

Unser Team berät Sie gerne kostenlos und unverbindlich zum Thema Grad der Behinderung und Wirbelsäule oder auch bei allen anderen Themen der Pflege