GdB – Alles zum Thema Grad der Behinderung

Der „Grad der Behinderung“ (kurz GdB) ist ein Begriff aus dem deutschen Schwerbehindertenrecht (SGB IX). Er definiert, inwieweit eine Person durch körperliche oder geistige Einschränkungen beeinträchtigt ist. Ermittelt wird der GdB, wenn hierzu ein beim Versorgungsamt beziehungsweise Amt für soziale Angelegenheiten gestellt wird.

Die Berechnung des GdB

Für Laien ist es nicht ganz einfach zu verstehen, wie der Grad der Behinderung errechnet wird. Denn nicht die einzelnen dauerhaften Erkrankungen oder gesundheitlichen Einschränkungen sind für den GdB maßgebend, sondern ob und wie man durch die Krankheit in seinem alltäglichen Leben im Vergleich zu einem gesunden Menschen eingeschränkt ist.

Häufig liegt mehr als nur eine Gesundheitsstörung bei dem Betroffenen vor. Die Frage ist dann, wie die einzelnen Behinderungen in ihrer Gesamtheit zu bewerten sind. So dürfen für die Festsetzung eines Gesamt-GdB die einzelnen GdB-Werte nicht einfach addiert werden. Entscheidend sind vielmehr die Auswirkungen der einzelnen Beeinträchtigungen unter Berücksichtigung ihrer wechselseitigen Beziehungen zueinander.

Der GdB wird in Zehnerschritten gestaffelt, beginnend mit 20 als dem niedrigsten Grad und 100 als dem höchsten.

Ab einem Grad der Behinderung von 50 handelt es sich um eine Schwerbehinderung. Wer einen solchen hohen Grad der Behinderung hat, steht in vielfacher Hinsicht unter einem besonderen rechtlichen Schutz und kann eine Reihe von „Nachteilsausgleichen“ in Anspruch nehmen. Dazu zählen u.a. finanzielle Vergünstigungen, ein besonderer Kündigungsschutz und mehr Urlaubstage für Arbeitnehmer.

Es steht jedem frei, sich einen Schwerbehindertenausweis ausstellen zu lassen. Die „Nachteilsausgleiche“ erhält der Betroffene jedoch nur durch den Besitz des Ausweises. Daher ist es ratsam, einen solchen zu beantragen.

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Grad der Behinderung und Pflegegrad

Auch wenn die Themen bisweilen durcheinander gebracht werden, sind der Grad der Behinderung und der Pflegegrad zwei verschiedene Dinge. Dennoch gibt es einige potenzielle Berührungspunkte. So benötigen Menschen mit einem attestierten GdB häufig eine intensive Betreuung. Dies ist insbesondere der Fall, wenn eine Schwerbehinderung vorliegt.

In solchen Fällen sollten Sie über die Beantragung eines Pflegegrades nachdenken. Nur so können Sie Pflegeleistungen erhalten, die Sie etwa für einen ambulanten Pflegedienst oder eine 24-Stunden-Pflege dringend benötigen.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Bei der Beurteilung des Gesamt-GdB wird vom höchsten Einzel-GdB ausgegangen

Zuständig für die Ermittlung des GdB ist das Versorgungsamt beziehungsweise das Amt für soziale Angelegenheiten. In einigen Bundesländern gibt es zentrale Versorgungsämter, in anderen übernehmen kommunale Ämter diese Aufgabe. Lassen Sie sich am Besten dazu beraten, welche Behörde die richtige für Sie ist.

Den Vordruck für einen Antrag erhalten Sie bei den örtlichen Fürsorgestellen, den Sozialämtern, Bürgerbüros, Behindertenverbänden und bei den Schwerbehindertenvertretungen in Betrieben und Dienststellen.

Es ist Ihnen freigestellt, ob Sie Ihren Antrag auf der Webseite des Amtes runterladen, ihn telefonisch anfordern oder persönlich abholen. Sie können sich von den Mitarbeitern des Versorgungsamtes beim Ausfüllen des Antrags auch helfen lassen, wenn Sie unsicher sind, ob Sie alles richtig machen. Allerdings ist das Beantworten der Fragen relativ unkompliziert – neben den Angaben zu Ihrer Person werden Erkundigungen zu Ihrer Erkrankung eingeholt. Schildern Sie Ihre gesundheitlichen Beeinträchtigungen mit ihren eigenen Worten ohne im Übermaß medizinische Fachbegriffe zu benutzen, das wirkt authentisch.

Der ärztliche Dienst des Versorgungsamtes ermittelt den Grad der Behinderung auf Grundlage der „Versorgungsmedizinischen Verordnung“, die seit Januar 2009 in Kraft ist. Ein Bestandteil der Verordnung ist die sogenannten GdB-Tabelle, mit deren Hilfe jeder Gesundheitsstörung ein Einzel-GdB zugeordnet wird. Einzelne Beeinträchtigungen werden bei der Berechnung nur berücksichtigt, wenn sie für sich allein einen GdB von mindestens 10 ausmachen würden. Bei der Beurteilung des Gesamt-GdB wird in der Regel vom höchsten Einzel-GdB ausgegangen, dann wird im Hinblick auf alle weiteren Funktionsbeeinträchtigungen geprüft, ob das Ausmaß der Behinderung dadurch tatsächlich größer wird.

Bei der Feststellung des Grades der Behinderung bei Kindern und Jugendlichen werden übrigens die gleichen Maßstäbe wie bei erwachsenen Personen mit denselben Einschränkungen angesetzt, sofern dies nicht zu einer Benachteiligung führt.

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Es ist durchaus möglich, dass sich der Grad der Behinderung im Laufe der Jahre verändert

Im Schnitt dauert die Bearbeitung eines Antrags drei Monate, aber Sie können den Vorgang deutlich beschleunigen indem Sie gleich die medizinischen Befunde beilegen. Es ist zudem ratsam, in dem Dokument die Auswirkungen und die damit verbundenen Beeinträchtigungen im Alltag möglichst genau zu beschreiben und durch ärztliche Atteste bestätigen zu lassen.

Die zuständige Behörde hält ihre Gesamtbewertung in einer gutachtlichen Stellungnahme fest. Darin ist genau aufgeführt, wie sie welche Beeinträchtigungen und wie den Gesamt-GdB bewertet hat. Eine Überprüfung durch Fachkundige ist empfehlenswert.  Wenn bei diesem „Erstantrag“ ein Grad der Behinderung festgestellt wird, mit dem Sie als  Betroffener nicht einverstanden sind, dann haben Sie das Recht, gegen diesen Feststellungsbescheid innerhalb einer Frist – in der Regel ist das ein Monat – Widerspruch einzulegen.

Es ist möglich, dass sich der Grad der Behinderung im Laufe der Jahre verändert – sowohl zum Guten wie auch zum Schlechten. Für die Neufeststellung des GdB müssen Sie wieder einen Antrag stellen und aktuelle medizinische Gutachten einreichen. Seien Sie sich aber im klaren, dass Sie den Status der Schwerbehinderung verlieren können, wenn der GdB unter 50 eingestuft wird. Die Neufeststellung des GdB birgt also Chancen und Risiken für den Betroffenen. Wenn Sie beispielsweise kurz vor der Altersrente für Schwerbehinderte stehen ist es ratsam, mit dem Antrag so lange zu warten, bis der Ruhestand begonnen hat. Denn nach Eintritt des Ruhestandes hat eine Änderung des GdB keine Auswirkungen mehr auf die Rente.

Am besten sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt und holen sich seine Meinung ein. Denn als Mediziner hat er das Fachwissen und kennt zudem Ihre gesundheitliche Entwicklung am besten. Ob sich der Gesamtzustand so verschlechtert hat, dass ein höherer GdB oder zusätzliche Merkzeichen möglich sind, kann vor allem er beurteilen. Da kann ein Gespräch Sie entscheidend weiter bringen.

Alternativ besteht die Möglichkeit, bei allgemeinen Fragestellungen eine unabhängige Beratung zum Thema Grad der Behinderung in Anspruch zu nehmen. Sie haben beispielsweise Fragen zu der Berechnung oder der Beantragung eines GdB? Kontaktieren Sie uns gerne! Sie können uns telefonisch oder über unser Kontaktformular erreichen. Wir freuen uns auf Ihren Anruf!

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