Grobe Behandlungsfehler: Recht auf Schadenersatz

Wer krank ist, sucht Heilung oder zumindest Linderung und macht sich auf den Weg zu medizinischem Fachpersonal. Ob es der Gang in die hausärztliche Praxis, zu Fachärztinnen oder ins Krankenhaus ist – bei vielen Betroffenen schwingt die Angst vor einem Behandlungsfehler mit.

Die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines groben Behandlungsfehlers zu werden, ist zwar nicht groß. Dennoch unterlaufen auch Medizinerinnen und Medizinern Fehler. Wer den Verdacht hat, dass ein Behandlungsfehler vorliegt, weiß oft nicht, welche Möglichkeiten es gibt. Wichtig ist, dass ein Recht auf Schadenersatz besteht, wenn tatsächlich ein Behandlungsfehler nachgewiesen wird.

Was ist ein grober Behandlungsfehler?

Behandlungsfehler werden oft auch als Kunstfehler bezeichnet. Immer wieder liest man in der Zeitung davon, dass beispielsweise ein Tupfer nach einer OP im Körper „vergessen“ wurde. Ein solches Vergehen hat natürlich schwerwiegende Folgen, aber nicht immer ist ein Behandlungsfehler so klar zu erkennen. Grundsätzlich wird zwischen einfachen und groben Behandlungsfehlern unterschieden.

In Arztpraxen und Krankenhäusern wird für gewöhnlich mit großer Sorgfalt gearbeitet. Arbeitsüberlastung und Zeitmangel können aber Auswirkungen auf die tägliche Arbeit haben. Dann passieren Fehler, die im medizinischen Bereich eigentlich nicht unterlaufen sollten. Mit dem Begriff des Behandlungsfehlers wird unsachgemäßes, schädigendes Verhalten durch ärztliches Personal bezeichnet. Dabei können unterschiedliche Fehler als Behandlungsfehler identifiziert werden:

  • unzureichende Aufklärung: Wenn über Behandlung oder Eingriff nicht umfassend aufgeklärt wurde und die Risiken nicht dargestellt wurden, kann es sich auch bei diesem Aufklärungsfehler um einen Behandlungsfehler handeln.
  • falsche Medikamentengabe: Wenn die falschen Medikamente verabreicht werden oder die Dosierung nicht stimmt, kann ebenfalls ein Behandlungsfehler vorliegen.
  • Organisationsfehler im Krankenhaus: Beim Einsatz von nicht ausreichend ausgebildetem Personal kann es sich beispielsweise auch um einen Behandlungsfehler handeln. Ein Behandlungsfehler kann auch vorliegen, wenn bei einem Notfall kein OP-Platz freigehalten wurde.

Nach einem BGH-Urteil aus dem Jahr 1996 liegt ein grober Behandlungsfehler vor, wenn „ (…) der Arzt eindeutig gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln oder gesicherte medizinische Erkenntnisse verstoßen und einen Fehler begangen hat, der aus objektiver Sicht nicht mehr verständlich erscheint, weil er einem Arzt schlechterdings nicht unterlaufen darf.“

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Es gibt keinen Anspruch auf Heilung einer Krankheit. Deswegen kann nicht bei jeder erfolglosen Therapie von einem Behandlungsfehler gesprochen werden. Die Einschätzung, ob ein Behandlungsfehler vorliegt, kann also mitunter sehr schwierig sein – vor allem, wenn es sich um einfache Behandlungsfehler handelt. Als Maßstab gilt dann der sogenannte fachärztliche Standard, der verletzt wurde. Bei groben Behandlungsfehler ändert sich die Sachlage, die Beweislast kehrt sich um. Bei einfachen Behandlungsfehlern muss die Patientenseite beweisen, dass ein Schaden entstanden ist, der bei korrekter Behandlung hätte vermieden werden können. Bei einem groben Behandlungsfehler muss hingegen das medizinische Personal nachweisen, dass sein Verhalten nicht zum Schaden geführt hat.

Beim Prüfen von Verdachtsfällen spielen juristische und medizinische Aspekte gleichermaßen eine Rolle. Besonders wichtig ist bei der Einschätzung eines möglichen Behandlungsfehlers deswegen ein medizinisches Gutachten. So kann aus objektiver Sicht eingeschätzt werden, ob ein Behandlungsfehler vorliegt. Auch die Gerichte stützen sich auf diese unabhängige medizinische Expertise.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Wie viele Behandlungsfehler passieren in Deutschland?

Wer einen Behandlungsfehler vermutet, ist oft verunsichert. Aber wie wahrscheinlich ist es überhaupt, dass man Opfer eines einfachen oder groben Behandlungsfehlers wird? Es gibt keine zentrale Stelle, die in Deutschland Behandlungsfehler oder Behandlungsfehleruntersuchungen zählt. Zudem muss auch mit einer hohen Dunkelziffer gerechnet werden: Behandlungsfehler sind schwer zu erkennen.

Der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) gibt Auskunft darüber, wie viele Behandlungsfehlergutachten des MDK durchgeführt wurden. Der MDK ist der Medizinische Dienst der Krankenkassen, der nicht nur für die Feststellung der Pflegegrade zuständig ist, sondern auch medizinische Gutachten erstellt, ob ein Behandlungsfehler vorliegt. 2018 wurden 14.100 Behandlungsfehlergutachten durchgeführt. Rund ein Viertel der untersuchten Fälle hat der MDK tatsächlich einen Behandlungsfehler erkannt und in knapp über 100 Untersuchungen kam es zu einem Todesfall infolge des Behandlungsfehlers. 22.000 vermutete Behandlungsfehler geben die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärzteschaft als Jahreszahl an.

In deutschen Krankenhäusern werden jährlich über 19 Millionen Behandlungen durchgeführt – eine immens hohe Zahl im Vergleich zu den niedrigen Zahlen der tatsächlichen Behandlungsfehler. Nicht erfasst sind hier kassenärztlich niedergelassene Haus- und Facharztpraxen. Wie hoch die Zahl an Behandlungsfehlern aber tatsächlich ist, kann nur vermutet werden. Teilweise wird davon ausgegangen, dass auf jeden erkannten Fall 30 unerkannte Behandlungsfehler kommen.

Erfolgreich einen Pflegegrad-Widerspruch stellen

Was tue ich, wenn ich einen Verdacht auf einen Behandlungsfehler habe?

Wer einen Behandlungsfehler vermutet, befindet sich in der Regel in einer Ausnahmesituation. Das Vertrauen in die medizinische Behandlung wurde enttäuscht, vielleicht bestehen nach wie vor Schmerzen und Beeinträchtigungen im Alltag. Gleichzeitig sind einfache und grobe Behandlungsfehler keine Themen, mit denen viele Menschen bereits Berührungspunkte hatten. Die Unsicherheit bei den Betroffenen ist deswegen groß. Welche Stellen beraten und informieren zu Behandlungsfehlern? Wie gehe ich am besten vor und welche Fehler sollte ich von Anfang an vermeiden, damit ich einen finanziellen Ausgleich erhalte?

Sie können zunächst das Gespräch mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin führen. Oft lassen sich Missverständnisse so lösen und Unklarheiten beseitigen. Bedenken Sie aber auch, dass eine objektive Einschätzung der Sachlage schwierig sein dürfte. Deswegen können Sie auch den Weg zur Klinikleitung oder zur zentralen Beschwerdestelle des Krankenhauses wählen.

Gesetzliche Krankenkassen sind verpflichtet, über Behandlungsfehler zu informieren und entsprechende medizinische Gutachten einzuholen. Haben Sie den Verdacht, dass ein Behandlungsfehler unterlaufen ist, können Sie sich also auch an ihre jeweilige Krankenkasse wenden.

Erfolgreich einen höheren Pflegegrad beantragen

Informationen erhalten Sie ebenfalls bei den Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen für Arzthaftungsstreitigkeiten. Auch hier werden Expertengutachten angefordert, da die außergerichtliche Klärung des potenziellen Behandlungsfehlers das Ziel ist. Sie müssen sich vorab überlegen, ob dieser außergerichtliche Weg für Sie infrage kommt.

Unter der Telefonnummer 0800-0117722 erreichen Sie das bundesweite Beratungstelefon der Unabhängigen Patientenberatung. Von dieser Stelle erhalten Sie ebenfalls kostenfreie Informationen zum Thema Behandlungsfehler.

Da es bei Behandlungsfehlern auch immer um einen möglichen Schadenersatz geht, haben sich auch viele Juristinnen und Juristen darauf spezialisiert. Die Anwaltskammern stellen Ihnen entsprechende Adressen zur Verfügen. Bedenken Sie aber, dass hier zum Teil hohe Kosten auf Sie zukommen, die sich nur im Erfolgsfall rechnen.

Bei der Feststellung, ob es sich bei Ihrem Verdacht um einen Behandlungsfehler handelt, sind medizinische Fachgutachten besonders wichtig. Wir von Dr. Weigl & Partner bieten Ihnen eine solche Expertise an und unterstützen Sie kompetent in Ihrem Kampf um Schadenersatz.

Unser Team berät Sie gerne kostenlos und unverbindlich zum Thema grobe Behandlungsfehler oder auch bei allen anderen Themen der Pflege