Merkzeichen aG im Schwerbehindertenausweis

Wenn Sie unter besonders schwerwiegenden Beeinträchtigungen leiden, können behinderte Personen zusätzlich zum „Grad der Behinderung“ (GdB) sogenannte „Merkzeichen“ in Ihrem Schwerbehindertenausweis eintragen lassen. Erfahren Sie im Folgenden, wofür das „Merkzeichen aG“ steht, wie Sie dieses erhalten können und welche Rechte und „Nachteilsausgleiche“ Ihnen so zustehen.

Was sind die Merkzeichen?

Sobald Sie Ihren Antrag auf Feststellung des „Grades der Behinderung“ (GdB) stellen, werden Sie mit dem Begriff der Merkzeichen konfrontiert werden. Aber was ist darunter zu verstehen? Es sind ein oder zwei Buchstaben, die auf dem Schwerbehindertenausweis auf die spezifische Behinderung oder gesundheitliche Einschränkungen des Ausweisinhabers hinweisen. Beispielsweise gibt es das „Merkzeichen Bl“ für Blindheit, das „Merkzeichen Gl“ für Gehörlosigkeit oder das „Merkzeichen H“ für hilflos.

Mit den Merkzeichen können sogenannte „Nachteilsausgleiche“ und Rechte in Anspruch genommen werden. Je nach Art und Schwere der Behinderung fallen diese Vergünstigungen unterschiedlich aus – sie können sich natürlich auch überschneiden. Ein blinder Mensch erhält beispielsweise eine kostenlose Beförderung im Nahverkehr und die Erstattung von Fahrtkosten zu ambulanten Behandlungen, weil er selber nicht Auto fahren kann. Dieselbe Vergünstigung erhält eine als hilflos eingestufte Person.

Um das Merkzeichens aG zu erhalten, benötigen Sie einen GdB von mindestens 80

Wenn Ihnen das Merkzeichen aG zuerkannt wird, dann können Sie sich aufgrund Ihrer Behinderung nur mit fremder Hilfe oder unter äußerster Anstrengung außerhalb Ihres Kraftfahrzeuges bewegen. Nach § 229 Abs. 3 S.1 Neuntes Buch Sozialgesetzbuch (SGB IX) muss für dieses Merkzeichen eine „erhebliche mobilitätsbezogene Teilhabebeeinträchtigung mit einem GdB von mindestens 80 bestehen“. Dies gilt vor allem für Menschen mit einer Querschnittslähmung, einer Doppeloberschenkelamputation und mit Hüftexartikulationen. Außerdem für jene, die einseitig ab dem Oberschenkel amputiert sind, aber dauerhaft außerstande sind, eine Beinprothese zu tragen oder nur eine Beckenkorbprothese tragen können und gleichzeitig Unterschenkel- oder armamputiert sind. Daneben wird das Merkzeichen aG an Menschen vergeben, die aufgrund der Schwere ihrer Erkrankung diesem Personenkreis gleichzusetzen sind. Dabei handelt es sich etwa um Menschen, die an schwersten Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Lungenkrankheiten leiden sowie um Personen mit großer Beeinträchtigung bei metastasierendem Tumorleiden und fortschreitendem Kräfteverfall.

Auf dem Antrag des Versorgungsamtes können Sie bereits ankreuzen, welches oder welche Merkzeichen auf Sie zutreffen – Sie müssen das aber nicht tun, denn die Merkzeichen dienen nur als Anhaltspunkte. Letztlich entscheidet der amtliche Gutachter über die Merkzeichen, die Ihnen zustehen. Legen Sie dem Antrag aber Ihre ärztlichen Befunde bei und reichen Sie sie nicht erst bei Aufforderung des Amtes nach. Das kostet nur unnötig Zeit. Aktuelle Atteste, Röntgenbilder, Laborbefunde usw. tragen erheblich dazu bei, dass der Gutachter sich ein Bild über Ihre Situation machen kann. Wenn Sie ihm diese gleich zukommen lassen, ist dies nur zu Ihrem Vorteil. Ein Tipp: Versenden Sie keine Originale, sondern nur Kopien – sollten die verloren gehen, können Sie schnell für Ersatz sorgen. Bitten Sie zudem Ihren Arzt, in seinen Berichten nicht nur ihre Krankheiten und Behinderungen aufzuführen, sondern auch zu beschreiben, welche Einschränkungen sie dadurch genau haben. Dies trägt auch zur Einstufung des entsprechenden GdB bei. Es empfiehlt sich, von Beginn an den Arzt genau in Kenntnis über Ihren Antrag zu setzen. In der Regel wird er vom Gutachter kontaktiert und kann sich dementsprechend auf das Gespräch vorbereiten. Damit Ihr Arzt gegenüber dem Gutachter Auskünfte erteilen darf, müssen Sie vorab eine Schweigepflichtentbindung ausfüllen.

Unabhängige Pflegeberatung erhalten

Warum Sie über die Beantragung eines Pflegegrades nachdenken sollten, sobald Sie das Merkzeichen aG erhalten haben

Sollten Sie etwa aufgrund einer starken Gehbehinderung das Merkzeichen aG erhalten haben, ist es gut möglich, dass Sie aufgrund Ihrer Einschränkungen in Ihrem Alltagsleben verschiedene Hilfestellungen benötigen. Grundvoraussetzung um auf die Pflegeleistungen der Pflegekassen zugreifen zu können ist ein attestierter Pflegegrad. Falls Sie noch nicht über einen Pflegegrad verfügen, sollten Sie deswegen unbedingt über einen Antrag auf Pflegeleistungen nachdenken. Neben Leistungen für verschiedene Betreuungsangebote können Sie so unter anderem auch Zuschüsse für einen Treppenlift oder andere behindertengerechte Umbaumaßnahmen erhalten.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Mit dem Merkzeichen aG im Schwerbehindertenausweis stehen Ihnen verschiedene „Nachteilsausgleiche“ zu

Als schwerbehindert gilt eine Person mit einem GdB von mindestens 50. Das Versorgungsamt vergibt in dem Fall den Schwerbehindertenausweis, in dem das Merkzeichen eingetragen ist. Halten Sie den Ausweis zum ersten Mal in den Händen, werden Sie erstaunt über sein handliches Format sein – er hat die Größe einer Scheckkarte und lässt sich gut in jedem Portemonnaie verstauen. Gefertigt ist der Schwerbehindertenausweis aus Plastik und zeigt sich so resistent gegen Abnutzung. Seit dem Jahre 2015 wird er von allen Bundesländern ausgegeben. Die vorherige Version war größer und aus Papier. Die Informationen, die auf dem neueren Ausweis zu finden sind, entsprechen ebenso wie die orange-grüne Farbgebung denen des alten Dokuments.

Der Ausweisinhaber ist auf einem Passfoto abgebildet, das sich auf der linken vorderen Seite des Ausweises befindet. Neben dem Foto sind Name, Geschäftszeichen, Gültigkeit und gegebenenfalls die Berechtigung zur Mitnahme einer Begleitperson vermerkt.

Auf der Rückseite befinden sich Angaben zur Behinderungsart sowie Ihr Merkzeichen aG. Überdies ist dort der Grad der Behinderung, Name und Geburtsdatum des Inhabers, die ausstellende Behörde und nochmals das Geschäftszeichen vermerkt.

Ihnen stehen nun folgende „Nachteilsausgleiche“ zu:

  • Kostenlose Beförderung im öffentlichen Nahverkehr mit entsprechender Wertmarke – diese erhalten Sie beim Versorgungsamt
  • Kraftfahrzeugsteuerbefreiung
  • Nachgewiesene Privatfahrten können als außergewöhnliche Belastung steuerlich abgesetzt werden (bis zu 15.000 km)
  • Sie erhalten einen kostenlosen Fahrdienst in vielen Gemeinden und Landkreisen mit unterschiedlichen kommunalen Regelungen
  • Es steht Ihnen ein blauer Parkausweis zu
  • Ihre Krankenkasse kann Fahrtkosten zu ambulanten Behandlungen übernehmen
  • Wenn Sie Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung beziehen, gibt es 17 Prozent des Regelbedarfs zusätzlich vom Sozialamt
  • Tatsächliche Kosten für Fahrten zur Arbeit sind absetzbar

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Der Schwerbehindertenausweis wird meistens für fünf Jahre ausgestellt. Bei Kindern bis zehn Jahren wird er entsprechend befristet. Ebenso bei jungen behinderten Menschen bis zum 20. Geburtstag. Der Ausweis kann auf Antrag höchstens zweimal verlängert werden. Dann müssen Sie ihn ganz neu beantragen. Da das Prozedere erfahrungsgemäß etwas Zeit beansprucht, sollten Sie sich drei Monate vor Ablauf des Ausweises um eine Verlängerung oder die Neubeantragung kümmern.

Unser Team berät Sie gerne in einem unverbindlichen Kennenlerngespräch sowie einer anschließend anfallenden Pauschale zum Thema Merkzeichen aG und auch bei allen Themen der Pflege