Merkzeichen B im Schwerbehindertenausweis

Neben dem individuellen „Grad der Behinderung“ (GdB) können Menschen mit Behinderung zusätzlich bestimmte „Merkzeichen“ in Ihrem Schwerbehindertenausweis eintragen lassen. Diese Merkzeichen gewähren Betroffenen Vergünstigungen in verschiedenen Bereichen. Erfahren Sie im Folgenden, was das „Merkzeichen B“ symbolisiert, wie Sie dieses beantragen und welche Rechte und „Nachteilsausgleiche“ Ihnen so zustehen.

Das Wichtigste in Kürze:

Wann das Merkzeichen B erteilt wird

Wenn Sie einen „Grad der Behinderung“ (GdB) von 50 und höher haben, dann findet sich unter Umständen auf Ihrem Schwerbehindertenausweis ein Merkzeichen. Es ist auf die Rückseite der Ausweis-Karte gedruckt und besteht aus einem einzelnen Großbuchstaben oder einer Buchstaben-Kombination. Beispielsweise gibt es das „Merkzeichen Bl“ für Blindheit oder das „Merkzeichen Gl“ für Gehörlosigkeit.

Wenn Ihnen das Merkzeichen B zuerkannt worden ist, dann ist aufgrund Ihrer Behinderung eine ständige Begleitung bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel erforderlich. Was aber lediglich bedeutet: Sie sind zur Mitnahme einer Begleitperson berechtigt, jedoch nicht verpflichtet. Die Vergabe des Merkzeichens B erfolgt nur an Personen, die gleichzeitig „Merkzeichen G“ (erheblich gehbehindert), „Merkzeichen H“ (hilflos) oder „Merkzeichen Bl“ (blind) haben. Zudem ist es von erheblicher Bedeutung, ob die behinderte Person bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel regelmäßig auf fremde Hilfe beim Ein- und Aussteigen oder auf Hilfe während der Fahrt angewiesen ist. Ferner ob Hilfestellungen zum Ausgleich von Orientierungsstörungen – zum Beispiel bei Sehbehinderung oder geistiger Behinderung – erforderlich sind.

Häufig wird das Merkzeichen B auch an Personen vergeben, die:

  • querschnittsgelähmt sind.
  • deren beide Arme amputiert und die dadurch besonders funktionell beeinträchtigt sind. Diese Personen werden auch als Ohnhänder bezeichnet.
  • bei hochgradig hörbehinderten oder gehörlosen Menschen.
  • Anfallskrankheiten haben und bei denen eine erhebliche Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr anzunehmen ist.

Die Betroffenen haben in der Regel ein Recht auf kostenlose Beförderung im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Hierzu zählen Busse, U-Bahnen, S-Bahnen, Straßenbahnen und die Nahverkehrszüge der Deutschen Bahn deutschlandweit. Häufig gilt die unentgeltliche Beförderung auch für den innerdeutschen Flugverkehr.

Unabhängige Pflegeberatung erhalten

Beim Merkzeichen B darf die Begleitperson kostenlos mitreisen – das gilt auch für viele europäische Länder

Zudem ist es Personen mit dem Merkzeichen B erlaubt, ihr Handgepäck, einen Rollstuhl (wenn die Beschaffenheit des Verkehrsmittels es zulässt), sonstige orthopädische Hilfsmittel und  auch einen Blindenhund auf Reisen durch ganz Deutschland kostenlos mitzunehmen. Die Begleitperson des schwerbehinderten Menschen darf ebenfalls unentgeltlich mitfahren.

Hier gibt es noch eine großzügige Regelung: Für die Begleitperson besteht selbst dann ein Recht auf kostenfreie Fahrt, wenn der schwerbehinderte Mensch keine Wertmarke beantragt hat und deshalb selbst nicht freifahrtberechtigt ist. Was den internationalen Fernverkehr betrifft, wird die begleitende Person von Rollstuhlfahrern und Blinden mit dem Merkzeichen „Bl“ auch in vielen europäischen Staaten kostenlos befördert. Für diese Fahrten können am Fahrkartenschalter besondere, unentgeltliche Fahrkarten erworben werden. Das Ticket müssen Sie sich jedoch in dem Land besorgen, in dem der Schwerbehindertenausweis ausgestellt wurde. Sie erhalten hierzu nähere Informationen bei der Deutschen Bahn.

Noch ein Hinweis: Es ist nicht gestattet, dass zwei schwerbehinderte Menschen, die beide in ihrem Ausweis das Merkzeichen B haben, sich gegenseitig begleiten.

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Wie Sie einen Schwerbehindertenausweis beantragen

Wenn es absehbar ist, dass fortan Sie mit einer Schwerbeschädigung, dauerhaften Erkrankung oder Beeinträchtigung leben müssen, sollte so bald wie möglich ein Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis gestellt werden. Dies kann beispielsweise nach einem Unfall oder schwerem Sturz der Fall sein – Ihr Arzt und die Mitarbeiter in Krankenhäusern oder Rehakliniken können aus Erfahrung recht gut abschätzen, ob eine Beantragung Erfolg haben wird.

Für den Ausweis müssen Sie einen Antrag zur Feststellung des „Grades der Behinderung“ (GdB) stellen. Dafür zuständig ist das Versorgungsamt bzw. das Amt für soziale Angelegenheiten. In einigen Bundesländern gibt es zentrale Versorgungsämter, in anderen übernehmen kommunale Ämter diese Aufgabe.

Der „Grad der Behinderung“ (GdB) wird unter Beteiligung von ärztlichen Beratern unter medizinischen Gesichtspunkten ermittelt. Dabei wird Ihre gesundheitliche Einschränkung immer mit dem verglichen, was für einen Menschen ohne Behinderung normal ist. Maßgeblich dafür ist auch der zeitliche Rahmen – wenn der gesundheitliche Schaden länger als sechs Monate anhält und von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht, liegt wahrscheinlich eine Behinderung vor. Der GdB wird in Zehnergraden angegeben, der niedrigste liegt bei 20 und der höchste bei 100. Was bedeutet: Ab einem GdB von 20 gilt man als behindert. Bei einem Grad von 50 und höher liegt eine Schwerbehinderung vor – in dem Fall erhalten Sie einen Schwerbehindertenausweis. Die Merkzeichen werden Ihnen separat zugesprochen, denn es gibt auch Ausweise ohne Merkzeichen. Sie können beim Ausfüllen des Antragsformulars angeben, welche Merkzeichen auf Sie zutreffen, müssen das aber nicht – sie dienen nur als Anhaltspunkte. Letztlich entscheidet der Gutachter über die Vergabe. Das Merkzeichen B gibt es, wie oben angeführt, immer nur in Verbindung mit einem anderen Merkzeichen.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Wie die Themen Merkzeichen B und Pflegegrad zusammenhängen

Personen, die aufgrund Ihrer körperlichen oder geistigen Einschränkungen auf permanente Begleitung während der ÖPNV-Nutzung angewiesen sind, weisen in den allermeisten Fällen ebenfalls eine erhebliche Pflegebedürftigkeit auf. Grundsätzlich Grund empfiehlt es sich, parallel zum Merkzeichen B auch einen Pflegegrad zu beantragen. Ein attestierter Pflegegrad gewährt Betroffenen den Erhalt diverser Pflegeleistungen. Darunter fallen etwa bestimmte Pflegehilfsmittel wie Rollstühle, Rollatoren oder andere Gehhilfen.

Unser Team berät Sie gerne in einem unverbindlichen Kennenlerngespräch sowie einer anschließend anfallenden Pauschale zum Thema Merkzeichen B und zu allen Themen der Pflege

Mehraufwendungen für die Begleitperson im Urlaub können steuerlich geltend gemacht werden

Für den Antrag des Schwerbehindertenausweises nehmen Sie sich am besten ausreichend Zeit, um alle Fragen auf dem Dokument gründlich und umfassend zu beantworten. Je mehr Informationen Sie geben und je klarer Sie formulieren, desto besser kann sich der Gutachter ein Bild von Ihrer Erkrankung sowie Ihrer Situation machen. Legen Sie ärztliche Befunde, Röntgenbilder oder Unterlagen wie Entlassungsberichte des Krankenhauses dem Antrag gleich bei. Das ist nur zu Ihrem Vorteil. Es spart Zeit, wenn die Behörde die Unterlagen nicht erst von Ihnen anfordern muss. Da Sie auf eine Begleitperson angewiesen sind, ist es wichtig, dass der Antrag schnell bearbeitet wird.

Mit dem Merkzeichen B können Sie zusätzlich noch folgende „Nachteilsausgleiche“, also Vergünstigungen, erhalten:

  • Mehraufwendungen, die dem Betroffenen auf einer Urlaubsreisedurch Kosten für Fahrten, Unterbringung und Verpflegung der Begleitperson entstehen, können bis zu 767 Euro (zusätzlich zum Pauschbetrag) als außergewöhnliche Belastung bei der Steuer angesetzt werden. Die begleitende Person ist auf diesen Reisen von der Kurtaxe befreit.
  • Wenn die Begleitperson den behinderten Menschen bei dessen Berufsausübung und auf Dienstreisen begleitet, steht sie unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.

Der Schwerbehindertenausweis ist nur in Deutschland gültig und auf maximal fünf Jahre befristet. Denken Sie vor Ablauf der Frist rechtzeitig an eine Verlängerung, denn nur mit dem Merkzeichen B ist es Ihnen gestattet, eine Begleitperson mitzunehmen.