Merkzeichen G im Schwerbehindertenausweis

Bei besonderen Beeinträchtigungen können behinderte Personen zusätzlich zum Grad der Behinderungen sogenannte „Merkzeichen“ in Ihrem Schwerbehindertenausweis eintragen lassen. Diese bieten entsprechende Vergünstigungen in verschiedenen Bereichen. Das Merkzeichen G symbolisiert eine Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit. Erfahren Sie im Folgenden, wie Sie dieses erhalten können, und welche Rechte und „Nachteilsausgleiche“ Ihnen so zustehen.

Die verschiedenen Merkzeichen

Bei einem „Grad der Behinderung“ (GdB) von mindestens 50 erhalten Sie vom Versorgungsamt einen Schwerbehindertenausweis, der dazu berechtigt, die sogenannten „Nachteilsausgleiche“, Leistungen oder anderweitige Hilfen in Anspruch zu nehmen. Der Ausweis hat die Größe einer Scheckkarte und ist ebenso wie die Gesundheits- oder Bankkarte aus Plastik. Auf der Vorderseite befindet sich ein Passfoto des Ausweisinhabers, daneben sein Name, das Geschäftszeichen, die Gültigkeitsdauer und gegebenenfalls ist noch die Berechtigung zur Mitnahme einer Begleitperson vermerkt.

Um kenntlich zu machen, welche spezifischen Behinderungen und gesundheitlichen Einschränkungen der Ausweisinhaber hat, ist die jeweilige Karte mit unterschiedlichen Buchstabenkürzeln, den Merkzeichen, versehen. Beispielsweise gibt es das Merkzeichen „Bl“ für Blindheit oder „Gl“ für Gehörlosigkeit.

Wenn Ihnen das Merkzeichen G zuerkannt wird, sind Sie erheblich gehbehindert. Die Voraussetzungen und die Folgen dieser Behinderung werden in § 229 SGBIX und §228 SGB IX näher benannt. Demzufolge handelt es sich um eine Person mit erheblicher Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit im Straßenverkehr bzw. erheblicher Geh- und/oder Stehbehinderung. Davon ist auszugehen, wenn eine Strecke von 2 km nicht ohne Gefahren für sich und andere zu Fuß zurückgelegt werden kann.

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Umgangssprachlich wird das Merkzeichen G einfach mit „gehbehindert“ umschrieben

Die Ursachen für die Anerkennung des Merkzeichen G können ganz unterschiedlich sein, etwa:

  • Funktionsstörungen der unteren Gliedmaßen und/oder der Lendenwirbelsäule mit einem „Grad der Behinderung“ (GdB) von mindestens 50.
  • Behinderungen an den Beinen, wenn diese sich besonders schwer auf die Gehfähigkeit auswirken, beispielsweise Versteifung des Hüftgelenks, Versteifung des Knie- oder Fußgelenks in ungünstiger Stellung, arterielle Verschlusskrankheit mit einem GdB von 40.

Obgleich das Merkzeichen G umgangssprachlich ganz einfach mit „gehbehindert“ umschrieben wird, muss es sich bei der gesundheitlichen Einschränkung nicht zwingend um eine Gehbehinderung handeln. Folgende Erkrankungen können ebenso die Ursache für eine erhebliche Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit sein:

  • Schwere innere Leiden, z.B. schwere Herzschäden oder dauernde Einschränkungen der Lungenfunktion, oder auch chronische Niereninsuffizienz mit ausgeprägter Anämie.
  • Sehbehinderungen mit einem GdB von mindestens 70 oder Sehbehinderungen mit einem GdB von 50 oder 60 und weiteren erheblichen Störungen der Ausgleichsfunktion, z.B. hochgradige Schwerhörigkeit beiderseits oder eine geistige Behinderung.
  • Taubheit oder an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit mit weiteren erheblichen Störungen der Ausgleichsfunktion, beispielsweise eine hochgradige Sehbehinderung oder geistige Behinderung.
  • Geistige Behinderung mit einem GdB von 100.
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Für die Vergabe des Merkzeichens G ist das Versorgungsamt zuständig

Es gibt noch weitere Erkrankungen, für die ein Merkzeichen G erteilt werden kann. Hierzu zählen:

  • Hirnorganische Anfälle, in der Regel ab einer mittleren Anfallshäufigkeit mit einem GdB von mindestens 70, wenn die Anfälle überwiegend am Tag erfolgen.
  • Diabetes mellitus mit häufigen hypoglykämischen Schocks, mit einem GdB von mindestens 70. Von einer erheblichen Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit wird ausgegangen, wenn die hypoglykämischen Schocks überwiegend am Tage auftreten.
  • Störungen der Orientierungsfähigkeit, z.B. bei geistigen Behinderungen mit einem GdB von 80 oder 90.

Zuständig für die Vergabe des Merkzeichen G ist das Versorgungsamt. Wenn Sie Ihren Antrag auf Feststellung des „Grads der Behinderung“ (GdB) ausfüllen, können Sie ankreuzen, welche Merkzeichen auf Sie zutreffen. Letztlich entscheidet aber der Gutachter über das Merkzeichen. Er ermittelt dieses, wie auch den „Grad der Behinderung“, anhand der „Versorgungsmedizinischen Verordnung“ (auch GdB Tabelle genannt), die eine Liste von medizinischen Befunden und Krankheiten enthält. In der gutachtlichen Stellungnahme ist dann genau aufgeführt, welche Beeinträchtigungen berücksichtigt wurden und wie sich der Gesamt-GdB zusammensetzt. Eine Überprüfung durch Fachkundige ist empfehlenswert.

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Merkzeichen G und Pflegegrad – Was haben sie miteinander zu tun?

Nicht selten benötigen Menschen, die an erheblichen Mobilitätseinschränkungen leiden, intensive Betreuung. In solch einem Fall kann es sinnvoll sein, parallel zum Merkzeichen G auch einen Pflegegrad zu beantragen. Ein attestierter Pflegegrad berechtigt Sie zum Erhalt diverser Pflegeleistungen, die erheblich zur Verbesserung Ihrer allgemeinen Lebenssituation beitragen können. Etwaige Zuschüsse können beispielsweise für die tägliche Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst verwendet werden.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Parkausweis, Steuervorteile, kostenlose Fahrten mit Bussen und Bahnen – die „Nachteilsausgleiche“ für das Merkzeichen G

Möchten Sie das Merkzeichen G nachträglich eintragen lassen, dann müssen Sie beim Versorgungsamt einen Antrag stellen und gut begründen, warum Sie das Merkzeichen benötigen. Denn Sie erhalten eine Reihe von Vergünstigungen. Die wichtigsten sind:

  • Bringen Sie mit dem Merkzeichen G einen Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 70 mit und können sich – laut ärztlichem Gutachten – weniger als 100 Meter weit fortbewegen, dürfen Sie den orangefarbenen Parkausweis beantragen. Damit ist es Ihnen erlaubt, gebührenfrei zu parken, auf Bewohnerparkplätzen und im eingeschränkten Halteverbot bis zu 3 Stunden zu stehen und während der Ladezeit in Fußgängerzonen ihren Wagen abzustellen. Sie dürfen auch in verkehrsberuhigten Bereichen außerhalb der gekennzeichneten Flächen das Auto parken, sofern der durchgehende Verkehr nicht behindert wird.
  • Sie können Verkehrsmittel des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs, das sind vor allem Busse, Straßen-, S- und U-Bahnen, Züge und Fähren, vergünstigt oder kostenlos benutzen. Für den Nahverkehr gibt es Wertmarken für 6 oder für 12 Monate, die je nach Voraussetzung auch kostenlos sein können. Eine notwendige Begleitperson fährt umsonst mit. Die Wertmarken sind beim Versorgungsamt erhältlich, aber nur auf Antrag.
  • Wenn Sie Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung beziehen, gibt es 17 Prozent des Regelbedarfs zusätzlich vom Sozialamt – jeden Monat.
  • Steuervorteile – bei einem GdB von mindestens 50 verbunden mit Merkzeichen G sind tatsächliche Fahrtkosten zur Arbeit absetzbar. Behinderungsbedingte Privatfahrten bei einem GdB ab 70 sind ebenfalls steuerlich absetzbar.

Zu beachten ist, dass das Merkzeichen G auch bei Säuglingen und Kleinkindern möglich ist. Für die Beurteilung gelten dieselben Kriterien wie bei Erwachsenen.

Unser Team berät Sie gerne kostenlos und unverbindlich zum Thema Merkzeichen G und zu allen Themen der Pflege