Pflegebedarf ohne Versicherung feststellen lassen

Wer pflegebedürftig wird, stellt schnell fest, welche hohen bürokratischen Hürden zu überwinden sind, um in Deutschland Pflegeleistungen zu erhalten. Dabei stehen die Geld- und Sachleistungen der Pflegeversicherung allen Pflegebedürftigen gesetzlich zu. 

Bei uns melden sich viele Betroffene, die äußerst verunsichert sind und viele Fragen haben: Wie bekomme ich einen Pflegegrad? Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen, um Pflegegeld zu erhalten? Mein Pflegegrad-Antrag wurde abgelehnt, was soll ich jetzt machen? Wie kann ich den Pflegebedarf unabhängig und ohne Versicherung feststellen lassen? Wer erstellt ein fundiertes Pflegegutachten? Wie bereite ich mich auf das Prozedere, einen Pflegegrad zu erhalten, richtig vor?

Die Feststellung des Pflegebedarfs

Das Verfahren, mit dem die Pflegebedürftigkeit festgestellt wird, läuft standardisiert ab. Das heißt, jeder eingegangene Pflegegrad-Antrag wird mit demselben Prozedere geprüft – entscheidend ist das Pflegegutachten. Die Grundlagen hierfür sind gesetzlich festgelegt, und zwar im Elften Sozialgesetzbuch (SGB XI). Im Rahmen einer groß angelegten Pflegereform wurde die Definition der Pflegebedürftigkeit im Jahr 2017 angepasst. Im Ergebnis erhalten nun mehr Menschen als zuvor einen Pflegegrad, beispielsweise für Demenzerkrankte hat sich die Situation deutlich verbessert. Nach Gesetz ist die Pflegebedürftigkeit folgendermaßen definiert: „Pflegebedürftig (…) sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, und mit mindestens der in § 15 festgelegten Schwere bestehen.“

Der Anspruch auf einen Pflegegrad wird also mit dieser Definition im Rahmen des Pflegegutachtens abgeglichen. Dies erfolgt aber nicht automatisch, sondern immer nur nachdem Sie einen Pflegegrad-Antrag gestellt haben.

  • Den Pflegegrad-Antrag können Sie formlos stellen, ein Anruf bei Ihrer Kranken- oder Pflegeversicherung genügt. Aus Beweisgründen raten wir aber dringend dazu, einen schriftlichen Antrag zu stellen, am besten per Einschreiben.
  • Jeder Pflegegrad-Antrag wird mit dem sogenannten „Neuen Begutachtungsassessment“ geprüft. Auch hier hat sich das Vorgehen in den letzten Jahren deutlich geändert. Bis 2017 stand die tägliche Minutenzahl, die für die Pflege aufgewendet wird, im Fokus. Heute ist die Frage, wie selbstständig Sie Ihren Alltag bewältigen können, ausschlaggebend.
  • Bei Versicherten einer gesetzlichen Krankenkasse wird sich der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) mit einem Termin zur Begutachtung melden. Für Versicherte einer privaten Krankenkasse übernimmt MEDICPROOF die Aufgabe.
  • Es wird ein Pflegegutachten erstellt, das Auskunft über Ihren Pflegebedarf geben soll. Dafür werden sechs Module abgefragt und jeweils Punkte vergeben: Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung, Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen sowie Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte.
  • Je höher die Summe der Punkte, desto höher ist der Pflegegrad, den Sie erhalten. Je höher der Pflegegrad, desto mehr Leistungen können Sie beziehen.
  • Aufgrund der Corona-Pandemie erfolgt die Begutachtung aktuell auch häufig telefonisch, was schnell zu einer fehlerhaften Einschätzung im Pflegegutachten führt.
  • Die Begutachtungssituation ist ungewohnt, deswegen werden oft wichtige Aspekte nicht diskutiert – aus Nervosität oder auch aus Scham, die eigene Pflegebedürftigkeit einzugestehen.

Fragen zum Thema Feststellung des Pflegebedarfs?

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Unabhängiges Pflegegutachten ohne Versicherung

Viele Erstanträge auf einen Pflegegrad werden abgelehnt. Dann ist der Schock oft groß, denn damit besteht auch kein Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung. Auch wenn ein zu niedriger Pflegegrad vergeben wird, entgeht Ihnen mitunter viel Geld, wie an folgender Auflistung des Pflegegelds je Pflegegrad deutlich wird:

  • Pflegegrad 1: 0 Euro pro Monat
  • Pflegegrad 2: 316 Euro pro Monat
  • Pflegegrad 3: 545 Euro pro Monat
  • Pflegegrad 4: 782 Euro pro Monat
  • Pflegegrad 5: 901 Euro pro Monat

Nach Ablehnung oder zu niedriger Einstufung haben Sie die Möglichkeit, einen erneuten Antrag zu stellen oder binnen vier Wochen Widerspruch einzulegen. Das Verfahren steht und fällt mir der Einschätzung im Pflegegutachten. Oft ist es sinnvoll, den Pflegebedarf ohne die Versicherung feststellen zu lassen, also ein unabhängiges Pflegegutachten in Auftrag zu geben. Mit einem unabhängigen Pflegegutachten kann der Pflegebedarf individuell attestiert werden. Sie erhalten mit einem solchen Pflegegutachten fundierten Input für Ihre Begründung. Auch wenn Sie mit der Klage gegen den Pflegegrad-Bescheid vor Gericht ziehen, wird ein Pflegesachverständigengutachten eingeholt. Hier haben Sie die Möglichkeit, ein Gegengutachten einzureichen.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Mit einem unabhängigen Pflegegutachtern untermauen Sie also Ihre Argumentation, wieso ein Pflegegrad bewilligt werden muss. Welche Aspekte sollten enthalten sein, wenn Sie den Pflegebedarf ohne Versicherung feststellen lassen wollen? Das Pflegegutachten umfasst:

  • eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte und Einschätzungen,
  • die ausführliche Aufarbeitung des individuellen Falls und der Pflegebedürftigkeit,
  • die konkrete Fragestellung,
  • die Beschreibung des gewählten Vorgehens der Begutachtung,
  • die Skizze der eingesetzten Instrumente,
  • eine Zusammenfassung des Besuchs, der Grundlage der Begutachtung ist,
  • die Ergebnisse des Aktenstudiums,
  • die Beantwortung der Fragestellung
  • eine Prognose des zukünftig anfallenden pflegerischen Bedarfs sowie
  • eine individuelle Empfehlung.

Mit diesem Pflegegutachten wird der jeweilige Pflegebedarf individuell erfasst. So haben Sie die Möglichkeit, darlegen zu lassen, wieso Sie das Recht auf einen Pflegegrad und damit auf Leistungen der Pflegeversicherung haben. Das Pflegegutachten ist ein wichtiger Baustein Ihrer Argumentation.

Erfolgreich einen Pflegegrad-Widerspruch stellen

Das unabhängige Pflegegutachten von Dr. Weigl & Partner

Das erfahrene Team von Dr. Weigl & Partner kämpft jeden Tag mit Engagement für die Rechte von Pflegebedürftigen. Denn wir sind überzeugt, dass gute Pflege ein Menschenrecht ist. Wir setzen uns dafür ein, dass alle Betroffenen den Pflegegrad erhalten, der ihnen zusteht. Dafür fertigen wir unabhängige und fundierte Pflegegutachten an. Wir sind Ihr kompetenter Ansprechpartner für Pflegegutachten und im gesamten Begutachtungsprozess an Ihrer Seite. Auf uns und unsere Pflegegutachten können Sie sich verlassen. Wir bieten Ihnen eine telefonische kostenfreie Erstberatung an. Gerne informieren wir Sie über unsere Pflegegutachten, rufen Sie uns an!

Unser Team berät Sie gerne kostenlos und unverbindlich zum Thema Feststellung des Pflegebedarfs oder auch bei allen anderen Themen der Pflege