Pflegegrad Kinder

Auch Kinder können pflegebedürftig sein. Bei körperlichen und geistigen Behinderungen kann schon ab der Geburt eine tägliche Pflege notwendig sein. Wir unterstützen Sie bei der Beantragung eines Pflegegrads (früher Pflegestufe) für Ihr Kind.

Pflegegrad für Kinder

Wer den Begriff Pflegebedürftigkeit hört, denkt häufig zuerst an die Pflegebedürftigkeit, die im Alter entsteht. Je älter Menschen werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie sich irgendwann nicht mehr selbst versorgen können. Vor allem die tägliche Körperpflege, die Mobilität und die Zubereitung und Einnahme von Mahlzeiten sind davon betroffen. Allerdings sind es bei weitem nicht nur alte Menschen, die nicht in der Lage sind, sich eigenständig im Alltag zu versorgen, sondern auch Kinder.

Rund 175.000 Kinder mit einer Behinderung lebten zum Jahresende 2015 in Deutschland. Der Grad der Behinderung unterscheidet sich natürlich, jedoch erschwert eine Behinderung, ganz gleich ob körperlich oder geistig, den Alltag mit einem Kind deutlich gegenüber dem Leben mit einem gesunden Kind. Weil aber Säuglinge, Babys und Kleinkinder, auch gesunde, grundsätzlich bis etwa zum Alter von 18 Monaten einer umfassenden Pflege durch die Eltern bedürfen, ist es nicht leicht, einen Pflegegrad für ein behindertes Kind oder einen Säugling zu beantragen (früher Pflegestufe Kind) – die Pflegeversicherungen erkennen eine Pflegebedürftigkeit häufig erst dann an, wenn die tägliche Pflege deutlich über den normalen Pflegeaufwand eines Kindes hinausgeht.

Warum Sie den Grad der Pflegebedürftigkeit Ihres Kindes prüfen lassen sollten

Viele Eltern pflegebedürftiger Kinder merken in den ersten Lebensjahren ihres Kindes gar nicht, dass die Versorgung eines behinderten Kindes zeitlich und emotional über die eines gesunden Kindes hinausgeht. Wird ein Kind bereits mit einer geistigen oder körperlichen Behinderung geboren, haben die Eltern, außer es gibt in der Familie bereits gesunde Kinder, oftmals überhaupt keine Vergleichsmöglichkeit, um zu erkennen, ob ihr Kind eine aufwendigere Pflege benötigt als andere Kinder.

Mit der Einführung der Pflegegrade (früher Pflegestufe) zum 01. Januar 2017 werden Kinder und Säuglinge ebenso wie Erwachsene mit einer Pflegebedürftigkeit nach den neuen, oben bereits aufgeführten Kriterien begutachtet – vor allem Kinder mit einer geistigen Behinderung profitieren ebenso wie kognitiv eingeschränkte Erwachsene von der Änderung der Pflegegesetze.

Wenn Sie unsicher sind, ob sich der Pflegeaufwand Ihres Kleinkinds von dem anderer Kinder unterscheidet, sollten Sie bei anderen Eltern nachfragen, wie viel Zeit und Aufwand diese für die Versorgung ihrer gesunden Kinder benötigen. Dies kann auch bereits bei Säuglingen oder Babies eine relevante Feststellung sein. Auch Ihr Kinderarzt kann Ihnen aufgrund des allgemeinen Gesundheitszustands Ihres Kindes eine grobe Einschätzung geben, ob Ihr Kind in den gesetzlichen Rahmen der Pflegebedürftigkeit fällt.  Allerdings tun sich viele Kinderärzte mit Pflegegrad Einschätzungen bzw. Indikationen schwer (früher Pflegestufen Einschätzungen).

So beantragen Sie einen Pflegegrad für Ihr Kind

Einen Antrag auf einen Pflegegrad (vormals Antrag auf Pflegestufe) kann zunächst jeder stellen, der bei einer deutschen gesetzlichen oder privaten Krankenkasse versichert ist. Da Sie als Eltern vor dem Gesetz als vertretungsberechtigte Personen gegenüber Ihrem Kind gelten, können Sie den Antrag auf Einstufung in einen Pflegegrad (früher Pflegestufe) für Ihr behindertes Kind stellen.

Der Antrag auf einen Pflegegrad (für Kinder) kann formlos gestellt werden, sollte aber schriftlich erfolgen, damit Sie im Zweifelsfall nachweisen können, dass Sie ihn wirklich geschrieben und abgeschickt haben. Richten Sie den Antrag an die Krankenkasse Ihres Kindes – die Pflegekasse, die für die Regelung der Pflegeleistungen zuständig ist, ist in der Regel direkt an die Krankenkasse angegliedert und bearbeitet Ihren Antrag auf Pflegegrad (bis 2016 Pflegestufe).

Spätestens zum Zeitpunkt der Antragstellung sollten Sie damit beginnen, ein tägliches Pflegetagebuch für ihr Kind zu führen, in dem Sie genau festhalten, bei welchen alltäglichen Verrichtungen Ihr Kind Hilfe benötigt, wie genau die Unterstützung aussieht und wie lange sie dauert. Auch kleine, wiederkehrende Hilfestellungen wie etwa die Begleitung beim Toilettengang oder Hilfe beim Aufstehen und Gehen sollten Sie aufführen, und dabei vermerken, wie oft diese Hilfestellung pro Tag durchschnittlich geleistet werden muss. Je ausführlicher Sie ein Pflegetagebuch führen, desto klarer kann sich der Gutachter des MDK, der für die Einschätzung der Pflegebedürftigkeit Ihres Kindes zuständig ist, vor Augen führen, wie viel Unterstützung das Kind tatsächlich benötigt. Besonders wichtig ist diese Dokumentation bei Säuglingen und Babys, da ihr Pflegeaufwand besonders kritisch geprüft wird.

Etwa eine bis zwei Wochen nach Ihrer Antragstellung auf einen Pflegegrad für Ihr Kind, stattet der Gutachter Ihnen in der Regel einen Besuch ab, um den Grad der Selbstständigkeit Ihres Kindes im Rahmen eines sogenannten Begutachtungsassessments zu überprüfen. Diesen Termin sollten Sie sorgfältig vorbereiten. Neben dem Pflegetagebuch empfehlen wir Ihnen, sämtliche Daten und Dokumente zu sammeln, die Aufschluss über den Grad der Pflegebedürftigkeit Ihres Kindes geben können, z. B. Arztbriefe, Behandlungs- und Diagnoseberichte oder Entlassungsberichte aus dem Krankenhaus. Unter Umständen können Sie auch vom Kinderarzt eine schriftliche Einschätzung im Bezug auf die Pflegebedürftigkeit des Kindes erhalten (früher Pflegestufe für Ihr Kind). Darüber hinaus sollten Sie, sofern Ihr Kind kognitive Einschränkungen aufweist, die es von gleichaltrigen Kindern unterscheidet, sämtliche Beeinträchtigungen und deren Auswirkung auf den Alltag mit Ihrem Kind notieren.

Doch trotz aller Vorbereitungen ist die Ablehnungsquote von Pflegegrad Anträgen bei Kindern mit 75% höher als bei Erwachsenen. Professionelle Unterstützung durch einen unabhängigen Pflegesachverständigen verhindert eine unsachgemäße oder ungenaue Begutachtung durch den MDK. Mit einem zusätzlichen Gutachten können Sie den benötigten Pflegeaufwand Ihres Kindes belegen und maximale Pflegeleistungen erwirken.

Pflegegrad

Pflegegeld für Kinder

 (monatlich)

Pflegegrad 1€ 0
Pflegegrad 2€ 316
Pflegegrad 3€ 545
Pflegegrad 4€ 728
Pflegegrad 5€ 901

Pflegeleistungen, von denen Kinder mit Pflegegrad sowie deren Eltern besonders profitieren

Wird ein Pflegegrad für Ihr Kind bewilligt, haben Sie die Möglichkeit, auf verschiedene Leistungen der Pflegeversicherung zuzugreifen oder diese miteinander zu kombinieren. In der Höhe unterscheiden sich die finanziellen Hilfen nicht von denen für Erwachsene und sind nach verschiedenen Kriterien geordnet.

Die wichtigste Pflegeleistung, die Eltern tagtäglich in der Pflege eines behinderten Kindes hilft, ist die monatliche finanzielle Unterstützung. Wenn Sie sich selbst um alle Belange der Pflege kümmern möchten, erhalten Sie ein sogenanntes Pflegegeld, das als Ausgleich für pflegende Angehörige gedacht ist. Möchten Sie bei den täglichen Pflegeaufgaben die Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes in Anspruch nehmen, können Sie statt des Pflegegelds die Pflegesachleistungen beantragen.

Wenn Sie berufstätig sind, können Sie nicht den ganzen Tag für Ihr Kind da sein und es betreuen. Für viele Eltern mit einem pflegebedürftigen Kind ist das eine problematische Situation: Auf der einen Seite möchten oder müssen sie Geld verdienen, auf der anderen Seite können sie ihr Kind nicht alleine lassen. Für Fälle wie diesen oder den Umstand, dass die Pflege eines Kindes auch psychisch sehr belastend sein kann, gibt es Einrichtungen der Tages- oder Nachtpflege, die speziell auf Kinder zugeschnitten sind. In der Tagespflege werden sie tagsüber, während die Eltern ihrem Beruf nachgehen, betreut und versorgt. Ist die Pflege bei Nacht besonders intensiv, kann eine Nachtpflegeeinrichtung, in die Sie Ihr Kind für eine oder mehrere Nächte in der Woche geben, den Alltag der Familie deutlich entlasten.

Die Tages- oder Nachtpflege wird von der Pflegeversicherung finanziell unterstützt, allerdings richtet sich die Höhe der finanziellen Mittel nach dem Pflegegrad Ihres Kindes. Bei Pflegegrad 1 gibt es noch keine Unterstützung, ab Pflegegrad 2 sind die Beträge gestaffelt. Sie können monatlich in Anspruch genommen werden:

  • Pflegegrad 2: 689 Euro
  • Pflegegrad 3: 1.298 Euro
  • Pflegegrad 4: 1.612 Euro
  • Pflegegrad 5: 1.995 Euro

Weitere Pflegeleistungen, die für die Eltern eines pflegebedürftigen Kindes von besonderer Bedeutung sein können, sind die Verhinderungs- und die Kurzzeitpflege. Sie können zwar nicht jeden Monat, aber für eine festgelegte Anzahl von Tagen pro Kalenderjahr in Anspruch genommen werden und müssen gesondert bei der Pflegeversicherung beantragt werden. Die Kurzzeitpflege ist eine Leistung, die zum Einsatz kommen kann, wenn Ihr Kind für einige Tage nicht zu Hause versorgt werden kann, beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt. Die Verhinderungspflege dagegen ist auf die pflegenden Angehörigen ausgerichtet: Weil die Pflege nicht nur körperlich, sondern auch physisch anstrengend ist, sollten sich auch pflegende Eltern hin und wieder eine Auszeit nehmen – das heißt keinesfalls, dass Sie Ihr Kind im Stich lassen; vielmehr ist es eine Möglichkeit Kraft zu tanken und abzuschalten, während Ihr Kind in einer professionellen Pflegeeinrichtung von Fachkräften versorgt wird. Auch wenn Sie selbst erkrankt sein sollten, greift die Verhinderungspflege mit bis zu 1.612 Euro pro Jahr.

Voraussetzungen für einen Pflegegrad für Ihr Kind (früher Pflegestufe für Ihr Kind)

Die Einschätzung, ob ein behindertes Kind oder Baby als pflegebedürftig nach der gesetzlichen Definition eingestuft werden sollte, ist in den meisten Fällen eine echte Gratwanderung. Im Elften Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB XI, § 14, Abs. 1) ist festgelegt, wann ein Mensch als pflegebedürftig gilt: „Pflegebedürftig sind Personen, die gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen können. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate bestehen.“

Weil insbesondere Babys und Kleinkinder aber auch dann, wenn sie gesund zur Welt kommen, für die ersten Lebensjahre auf eine vollständige Versorgung durch ihre Eltern angewiesen sind, kommt die gesetzliche Definition in vielen Fällen nicht zum Tragen, wenn die Eltern behinderter Kinder oder Babies einen Pflegegrad für ihr Kind (früher Pflegestufe für Ihr Kind) beantragen. Um Kindern einen Pflegegrad zu sichern, müssen die Eltern in der Regel nachweisen können, dass ihr Kind einen zusätzlichen Pflegeaufwand gegenüber gleichaltrigen Kindern benötigt; dieser ist maßgeblich für die Erteilung eines Pflegegrads (früher Pflegestufe Kind).

Bei der Begutachtung eines behinderten Kindes durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) werden dieselben sechs Kriterien angewendet wie bei Erwachsenen:

  • Mobilität
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • Selbstversorgung
  • Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Dem Gutachter des MDK kommt dabei die Aufgabe zu, im Rahmen seines Gutachtens einzuschätzen, in welchem Maß die tägliche Pflege und Versorgung des behinderten Kindes über die normale Versorgung eines gesunden Kindes hinausgeht. Auch dies ist im Sozialgesetzbuch geregelt (SGB XI, § 15, Abs. 6): „Bei pflegebedürftigen Kindern und Kleinkindern wird der Pflegegrad (früher Pflegestufe Kind) durch einen Vergleich der Beeinträchtigungen ihrer Selbständigkeit und ihrer Fähigkeiten mit altersentsprechend entwickelten Kindern ermittelt.“

Was es beim „Pflegegrad für Kinder“ (früher Pflegestufe für Kinder) zusätzlich zu beachten gilt

Wie zuvor geschrieben liegt die Ablehnungsquote bei einem Pflegegrad für Kinder um bis zu 75% höher als für Erwachsene. Bei Säuglingen, Babys oder Kleinkindern liegt die Quote wahrscheinlich noch höher. Die Pflegebedürftigkeit richtig zu bestimmen, ist nicht einfach – auch nicht für die Experten des MDK. Häufig wird für Kinder in den ersten Lebensjahren (Säugling oder Baby) kein Pflegegrad (früher Pflegestufe) gewährt oder der Pflegegrad der Ihrem Kind erteilt wird, ist objektiv betrachtet nicht hoch genug. Wenn Sie davon überzeugt sind, dass das Gutachten für Ihr Kind nicht korrekt durchgeführt wurde oder dass nicht alle Punkte berücksichtigt wurden, sollten Sie einen Wiederspruch einlegen. Auf der folgenden Seite erläutern wir, wie Sie einen Pflegegrad Widerspruch einlegen können bzw. wie wir von Dr. Weigl & Partner Pflegegrad Widersprüche mit unseren Pflegesachverständigen für Sie durchführen würden.

Die oben aufgeführte Argumentation, dass nur dann ein Pflegegrad bei Kindern (früher Pflegestufe bei Kindern) vorliegt, wenn die Pflegebedürftigkeit über der von normalen Kindern liegt, führt dazu, dass die Pflegebedürftigkeit bei Kindern fortlaufend „überwacht“ werden sollte. Sollte die Pflegebedürftigkeit Ihres Kindes gleich oder ähnlich bleiben, während die von „normalen“ Kindern abnimmt, empfiehlt es sich eine Höherstufung des Pflegegrades für Ihr Kind zu beantragen. Dies kann und sollte regelmäßig erfolgen. Auf der folgenden Seite zeigen wir auf, wie eine optimale Pflegegrad Höherstufung für Kinder verläuft bzw. wie wir von Dr. Weigel & Partner eine Höherstufung mit einem unserer Pflegesachverständigen angehen würden.

2018-04-10T08:28:34+00:00
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