Behandlungsfehler: Schmerzensgeld erhalten

Die medizinische Versorgung ist in Deutschland gut, das zeigt nicht zuletzt die herausfordernde Zeit der Corona-Pandemie. Aber obwohl Ärztinnen und Ärzte versiert und erfahren sind und sorgfältig arbeiten, passieren immer wieder Fehler: die sogenannten Behandlungsfehler.

Behandlungsfehler können schwere Folgen nach sich ziehen, deswegen haben die Betroffenen Anrecht auf Schmerzensgeld. So soll es zumindest eine finanzielle Entschädigung geben. Im Umgang mit Behandlungsfehlern spielen also medizinische und juristische Aspekte gleichermaßen eine Rolle. In der Regel wird ein medizinisches Gutachten erstellt, um zu prüfen, ob tatsächlich ein einfacher oder grober Behandlungsfehler unterlaufen ist.

Was sind einfache und grobe Behandlungsfehler?

Es ist schwierig, einen Behandlungsfehler zweifelsfrei zu erkennen. Aber was ist ein Behandlungsfehler überhaupt? Ein Fehler bei der Behandlung tritt auf, wenn die medizinische Maßnahme nicht dem allgemein anerkannten medizinischen Standard entspricht, der zum Zeitpunkt ihrer Durchführung besteht. Darunter können verschiedene Fehler gefasst werden, beispielsweise

  • fehlerhafte Diagnose: Ein Diagnoseirrtum liegt dann vor, wenn die Symptome nicht berücksichtigt oder falsch interpretiert wurden.
  • Therapiefehler: Die gewählte Therapie muss geeignet sein, die Krankheit zu heilen oder zu lindern, sie muss mit dem geringstmöglichen Risiko verbunden sein und dem allgemein anerkannten Facharztstandard entsprechen.
  • Organisationsfehler: Wenn zum Beispiel im Krankenhaus zu wenig Medikamente vorrätig sind, handelt es sich ebenfalls um einen Behandlungsfehler.
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An vielen Stellen der Behandlung kann es also zu Fehlern kommen: bei der Diagnose, bei der Medikamentengabe und Therapie oder bei der Organisation der Behandlung. Behandlungsfehler werden grundsätzlich in einfache und grobe Behandlungsfehler unterteilt. Wird vom bereits erwähnen fachärztlichen Standard abgewichen, liegt ein einfacher Behandlungsfehler vor. Die Beweislast liegt bei den Patientinnen und Patienten. Sie müssen sowohl nachweisen, dass ein Behandlungsfehler passiert ist als auch belegen, dass dieser Behandlungsfehler ursächlich für die Beschwerden ist. Bei groben Behandlungsfehlern ist die Beweislast umgekehrt. Grobe Behandlungsfehler sind noch schwerwiegender. Laut BGH liegen sie vor, wenn das ärztliche Verhalten eindeutig gegen gesicherte medizinische Erkenntnisse oder bewährte ärztliche Behandlungsregeln verstößt und Fehler begangen werden, die aus objektiver Sicht nicht mehr verständlich erscheinen und Ärztinnen und Ärzten schlechterdings nicht unterlaufen dürfen.

Wie viel Schmerzensgeld ist bei Behandlungsfehlern zu erwarten?

Die Höhe des Schmerzensgelds hängt maßgeblich davon ab, wie schwerwiegend der Behandlungsfehler ist. Um eine finanzielle Entschädigung zu erhalten, muss der Behandlungsfehler definitiv festgestellt werden. In der Regel wird dafür ein medizinisches Gutachten von einer unabhängigen Stelle eingeholt.

Fragen zum Thema Schmerzensgeld nach einem Behandlungsfehler?

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Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick darüber, welche Höhe an Schmerzensgeld gezahlt werden kann. Die aufgeführten Behandlungsfehler sind als Beispiele und als erster Anhaltspunkt zu verstehen. Jeder Fall muss individuell geprüft werden und die konkrete Höhe des Schmerzensgelds variiert deutlich.

 

Höhe Schmerzensgeld Art des Behandlungsfehlers
1.700 EUR schwere Verbrennungen durch den falschen Einsatz eines Lasers
3.500 EUR Verlust des Geruchssinns nach einer Operation
5.000 EUR Oberschenkelhalsbruch durch das mangelhafte Einsetzen einer künstlichen Hüftprothese
80.000 EUR Verminderung der Sehfähigkeit auf 30 Prozent durch augenärztliche Fehlbehandlung
180.000 EUR Bandscheibenvorfall zu spät erkannt und behandelt
400.000 EUR Querschnittslähmung nach unzureichendem Befund und fehlerhaft durchgeführter Operation
700.000 EUR Tuberkulöse Meningitis, die zu spät erkannt und entsprechend die Therapie zu spät begonnen wurde
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In der Regel erhalten die Betroffenen das Schmerzensgeld eines Behandlungsfehlers als einmalige Zahlung. In einigen Fällen werden auch Rentenzahlungen festgesetzt. Dabei müssen Folgeschäden oder eine Invalidität vorliegen.

Zu beachten sind auch einige Fristen, denn die allgemeinen Regelungen zum Schmerzensgeld gelten auch für die Entschädigungen, die bei Behandlungsfehlern gezahlt werden. Die juristischen Vorschriften sind in § 195 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) enthalten. Das Gesetz schreibt eine Zeitspanne von drei Jahren vor. Nach Ablauf dieser Zeit gelten Behandlungsfehler als verjährt und können nicht mehr geahndet werden. Ein Recht auf Schmerzensgeld besteht für die Betroffenen danach nicht mehr. Die Verjährungsfrist beginnt „mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und der Gläubiger von den den Anspruch begründenden Umständen und der Person des Schuldners Kenntnis erlangt oder ohne grobe Fahrlässigkeit erlangen müsste“. Da Behandlungsfehler oft erst später Auswirkungen haben, ist also nicht der Zeitpunkt des Fehlers, sondern der Zeitpunkt der Kenntnis der Patientinnen und Patienten entscheidend.

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Was tun bei einem vermuteten Behandlungsfehler?

Eines ist wichtig, um Schmerzensgeld zu erhalten: Der Behandlungsfehler muss erkannt und als solcher bewertet werden. Das ist schwierig, denn die Dunkelziffer an Behandlungsfehlern in Deutschland ist hoch. Studien lassen darauf schließen, dass auf jeden erkannten Behandlungsfehler 30 unerkannte Fälle kommen.

Wer vermutet, Opfer eines Behandlungsfehlers geworden zu sein, weiß in der Regel nicht, welche Schritte nun eingeleitet werden sollten. Zuerst können Sie Ihren behandelnden Arzt oder Ihre behandelnde Ärztin um ein Gespräch bitten. In vielen Fällen lassen sich Unklarheiten schnell aus dem Weg räumen. Hat das Vertrauen bereits zu stark gelitten, können Sie sich auch direkt an die Vorgesetzten oder die Krankenhausleitung wenden. In einigen Bundesländern gibt es auch Ombudsfrauen/Ombudsmänner, die unabhängig agieren und Sie kompetent beraten.

Eine weitere Anlaufstelle ist Ihre Krankenkasse. Schildern Sie Ihren Fall, die aufgetretenen Beschwerden und Ihre Vermutung. Wir raten Ihnen dazu, ein schriftliches Gedächtnisprotokoll vom Behandlungsverlauf anzufertigen, das kann nützlich werden, da es sich bei der Feststellung von Behandlungsfehlern teilweise um ein langwieriges Verfahren handelt. In den meisten Fällen wird der Medizinische Dienst der Krankenkassen, der MDK, ein Sachverständigengutachten anfertigen. Daraus soll hervorgehen, ob ein Behandlungsfehler tatsächlich vorliegt.

Erfolgreich einen höheren Pflegegrad beantragen

Auch die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärzteschaft können Auskunft geben. Bedenken Sie aber, dass Ziel der Ärztekammern die außergerichtliche Einigung sein wird. Deswegen bevorzugen viele Betroffene die unabhängige Patientenberatung, die bundesweit und kostenfrei tätig ist.

Natürlich haben sich auch viele Juristinnen und Juristen auf Behandlungsfehler spezialisiert. Hier ist mitunter aber mit hohen Kosten zu rechnen.

Auch Dr. Weigl & Partner unterstützt Sie kompetent mit der Expertise des erfahrenen Teams. Wir bieten Ihnen die sorgfältige Erarbeitung des medizinischen Fachgutachtens an, das beim Erkennen von Behandlungsfehlern eine wichtige Rolle spielt. Ohne Gutachten erhalten Sie nur in den seltensten Fällen Schmerzensgeld. Unser deutschlandweites Netzwerk von anerkanntem fachärztlichen Personal ist auch in Ihrer Nähe für Sie tätig. Wir kämpfen engagiert für das Erkennen und Ahnden von Behandlungsfehlern. Denn das ist Ihr gutes Recht.

Unser Team berät Sie gerne kostenlos und unverbindlich zum Thema Schmerzensgeld nach einem Behandlungsfehler oder auch bei allen anderen Themen der Pflege