Diese Nachteilsausgleiche bietet ein Schwerbehindertenausweis

Wenn das Versorgungsamt einen „Grad der Behinderung“ (GdB) von mindestens 50 bei Ihnen feststellt, erhalten Sie einen Schwerbehindertenausweis, der Ihnen täglichen Leben einige Nachteilsausgleiche bietet.

Je nach Art und Schwere der Behinderung können Ihnen zusätzlich einige Merkzeichen zuerkannt werden, die als einzelne Buchstaben oder als Buchstaben-Kombination auf den Ausweis gedruckt sind: Beispielsweise „Merkzeichen H“ für hilflos oder „Merkzeichen Bl“ für blind. Hilflose oder besonders sehbehinderte Menschen erhalten häufig noch ein zusätzliches Merkzeichen, nämlich „Merkzeichen B“, denn sie benötigen aufgrund Ihrer Behinderung eine ständige Begleitung.

An diesem Beispiel lässt sich gut ablesen, welche Vorzüge die entsprechenden Merkzeichen mit  sich bringen können: So haben Betroffene mit dem „Merkzeichen B“ in der Regel ein Recht auf kostenlose Beförderung im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Hierzu zählen Busse, U-Bahnen, S-Bahnen, Straßenbahnen und die Nahverkehrszüge der Deutschen Bahn deutschlandweit. Häufig gilt die unentgeltliche Beförderung auch für den innerdeutschen Flugverkehr. Aber nicht nur der schwerbehinderte Mensch selbst, sondern auch die jeweilige Begleitperson darf unentgeltlich reisen. Diese Regelung gilt sogar in vielen europäischen Staaten.

Fragen zu den verschiedenen Merkzeichen?

Vorteil eines GdB von mindestens 50: Der Pauschbetrag darf sogar rückwirkend in Anspruch genommen werden

Menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung erhalten je nach Art der Behinderung, gemäß dem GdB und den Merkzeichen auch steuerliche Vorteile: Mit „H“ oder „Bl“ erhalten Sie einen Pauschbetrag von 3.700 Euro. Pauschbetrag bedeutet, dass weniger Einkommens-Steuer bezahlt werden muss. Das betrifft auch Eltern von Kindern mit Behinderung. Der Pauschbetrag darf sogar rückwirkend in Anspruch genommen werden, sofern die Behinderung rückwirkend festgestellt wird. Dafür muss das Versorgungsamt bescheinigen, zu welchem Zeitpunkt die Behinderung eingetreten ist. Das Finanzamt ist dann verpflichtet, zu viel gezahlte Steuern zurückzuerstatten.

Beachten Sie, dass Personen, die von der Pflegeversicherung in die Pflegegrade 4 oder 5 eingestuft wurden, stets das „Merkzeichen H“ erhalten. Die Pflege einer hilflosen oder schwerst-pflegebedürftigen Person in der eigenen Wohnung oder in der Wohnung des Betroffenen kann als außergewöhnliche Belastung in der Steuererklärung geltend gemacht werden: Entweder die tatsächlichen Kosten (nach Abzug der zumutbaren Belastung) oder ein Pflegepauschalbetrag von 924 Euro.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Außergewöhnliche Belastungen ganz unterschiedlicher Art werden über den Frei- oder Pauschbetrag hinaus steuerlich berücksichtigt. Dazu zählen etwa: Besuchsfahrten zu einem Kind mit Behinderung im Krankenhaus. Außerdem: Kosten für eine Privatschule. Das Schulgeld gilt als außergewöhnliche Belastung, wenn ein Kind mit Behinderung nicht auf eine öffentliche Schule gehen kann. Barrierefreie Umbauten in der Wohnung oder im Haus – zum Beispiel breitere Türen, ein barrierefreies Badezimmer oder ein Fahrstuhl. Wenn Sie das „Merkzeichen G“ für gehbehindert zuerkannt bekommen haben, sind Fahrtkosten zur Arbeit absetzbar. Behinderungsbedingte Privatfahrten bei einem „Grad der Behinderung“ ab 70 können überdies steuerlich geltend gemacht werden.

Wer das „Merkzeichen RF“ auf seinem Schwerbehindertenausweis vermerkt hat, erhält damit sowohl einen Anspruch auf eine Rundfunkbeitragsermäßigung wie auch auf eine Telefongebührenermäßigung bei der Deutschen Telekom. Von diesem finanziellen Vorteil profitieren Personen, die einen „Grad der Be­hinderung“ (GdB) von 80 und höher haben und die wegen ihres Leidens an öffentlichen Veranstal­tungen nicht teilnehmen können. Weil sie Haus oder Wohnung selbst unter Einsatz von Hilfsmitteln oder fremder Hilfe nicht mehr verlassen können. Zu diesem Kreis zählen auch Menschen, die blind sind oder wesentlich seh­behindert, und aufgrund dieser schweren Sehschwäche über einen GdB von wenigstens 60 verfügen.

Eine Übersicht der Pflegeleistungen

Als Inhaber eines Schwerbehindertenausweises genießen Sie einen besonderen Kündigungsschutz

Selbst wenn Sie Inhaber eines Schwerbehindertenausweises ohne Merkzeichen sind, eröffnen sich für Sie diverse Vorteile. Das gilt vor allem, wenn Sie in einem festen Angestellten-Verhältnis sind:

  • So können Sie zwei Jahre früher in Altersrente gehen. Allerdings ist die Voraussetzung dafür, dass Sie mindestens 35 Jahre lang in die gesetzliche Altersversicherung eingezahlt haben und 65 Jahre alt sind. Es besteht zuweilen die Möglichkeit, dass Sie noch früher in Pension gehen, doch dann bekommen Sie weniger Rente ausbezahlt.
  • Als schwerbehinderter Mensch genießen Sie einen besonderen Kündigungsschutz. Hat Ihr Arbeitgeber nämlich vor, Sie zu entlassen, muss er hierfür zunächst einen Antrag beim Integrationsamt stellen. Das Amt prüft dann, ob die Behinderung der Grund für die Kündigung sein könnte. Wenn dies tatsächlich der Fall ist, lehnt das Integrationsamt die Kündigung ab. Sollte es im Betrieb eine Schwerbehinderten-Vertretung geben, dann muss diese über die Kündigung ebenfalls informiert sein. Ohne Einbeziehung der Schwerbehinderten-Vertretung ist die Kündigung unwirksam.

Welche weiteren Vorteile bietet ein Schwerbehindertenausweis?

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Der besondere Kündigungsschutz gilt selbst dann, wenn der Arbeitgeber nichts von der Schwerbehinderung des Mitarbeiters gewusst hat. Und er bezieht sich auch auf behinderte Menschen, die nur einen GdB von 30 haben, aber Schwerbehinderten gleichgestellt sind. Beachten Sie: Eine solche Gleichstellung erfolgt nicht durch das Versorgungsamt, sondern muss bei der Agentur für Arbeit beantragt werden.

Umgekehrt bietet das Integrationsamt dem Arbeitgeber auch Hilfe an: So erhält er zum Beispiel finanzielle Unterstützung für den behindertengerechten Umbau eines Arbeitsplatzes.

  • Ab einem „Grad der Behinderung“ von 50 haben Sie auch Vorteile, was Zusatzurlaub betrifft: Ihnen stehen fünf zusätzliche Tage bezahlter Urlaub pro Jahr zu. Allerdings nur bei einer 5-Tage-Woche. Diese Regelung gilt für Gleichgestellte mit einem GdB unter 50 jedoch nicht.
  • Für schwerbehinderte Kinder erhalten die Eltern oder sorgeberechtigte Personen auch nach dem 25. Lebensjahr weiterhin Kindergeld. Voraussetzung dafür ist, dass die Behinderung vor dem 25. Lebensjahr eingetreten ist und außerdem, dass das Kind nicht selber seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Das Kindergeld wird aber dem Kind selber nicht ausgezahlt, sondern nur den Eltern.
  • Ab einem „Grad der Behinderung“ von 50 variiert die Höhe des Pauschbetrags zwischen 720 Euro und 1.420 Euro – die hohe Summe wird Ihnen erst bei einem GdB von 90 bis 100 zugestanden.

Welche Vorteile bietet ein Schwerbehindertenausweis? Gerne erläutern wir Ihnen wie eine professionelle Unterstützung mit Dr. Weigl & Partner im Detail aussehen würde.