Schwerbehindertengrad – Alle wichtigen Informationen

Menschen mit schwerwiegenden psychischen und körperlichen Einschränkungen können einen Schwerbehindertengrad erhalten. Dieser besonders hohe „Grad der Behinderung“ (GdB) gewährt Betroffenen zahlreiche Vergünstigungen und Vorteile. Erfahren Sie im Folgenden alles über die Beantragung und mögliche Nachteilsausgleiche.

Die Mehrheit der behinderten Menschen wird nicht mit einer Behinderung geboren. Vielmehr tritt sie häufig erst später auf. Eine Behinderung kann durch die berufliche Tätigkeit verursacht werden oder auch durch einen Unfall in der Freizeit. In den meisten Fällen aber geht sie auf eine chronische Krankheit zurück. Dazu gehören u.a. überstandene Krebs-Erkrankungen, chronische Nasennebenhöhlenentzündungen schweren Grades sowie Akne und Neurodermitis. Diese Liste ließe sich fortsetzen mit etlichen Krankheiten, die ein Laie mit einer Behinderung kaum in Verbindung bringen würde. Und noch etwas fällt auf: Aufgrund der hohen Arbeitsbelastung nehmen vor allem Behinderungen aufgrund von psychischen Erkrankungen erheblich zu. Ebenso werden Medikamenten-, Drogen- oder Alkoholabhängigkeit, mit leichten sozialen Anpassungsschwierigkeiten, als Behinderung gewertet – aber das hängt natürlich immer vom Einzelfall ab.

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Wie Sie einen Schwerbehindertengrad erhalten können

Wenn Sie der Auffassung sind, dass Ihnen aufgrund einer starken körperlichen Beeinträchtigung oder einer langanhaltenden Erkrankung sogar ein Schwerbehindertengrad zugestanden werden könnte, dann müssen Sie zunächst einen Antrag auf Feststellung des „Grades der Behinderung“ (GdB) einreichen. Die Antragsvordrucke erhalten Sie bei den örtlichen Fürsorgestellen, den Sozialämtern, Bürgerbüros, Behindertenverbänden und den Schwerbehindertenvertretungen in Betrieben und Dienststellen. Es reicht zunächst aber auch ein formloses Schreiben an das Versorgungsamt mit dem schlichten Satz: „Hiermit beantrage ich die Feststellung der Schwerbehinderteneigenschaft.“ Das Amt schickt Ihnen daraufhin ein mehrseitiges Formular zu und fordert bei Bedarf zusätzliche ärztliche Gutachten an. Wenn Sie den Antrag per Internet stellen möchten, ist das auch kein Problem: Inzwischen ist das Formular auf der Webseite des örtlichen Versorgungsamtes abrufbar, so dass Sie es einfach ausdrucken und per Hand ausfüllen oder es gleich am Computer bearbeiten.

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Ein Schwerbehindertengrad ist erst bei einem „Grad der Behinderung“ von mindestens 50 gegeben

Um den Vorgang der amtlichen Begutachtung zu beschleunigen, sollten Sie nicht erst abwarten, dass sich das Versorgungsamt bei Ihnen meldet. Stattdessen legen Sie Ihrem „Erstantrag auf Feststellung einer Behinderung“ gleich alle notwendigen Unterlagen wie medizinische Befunde, Röntgenbilder usw. bei. Besprechen Sie am besten schon im Vorfeld des Verfahrens mit den behandelnden Ärzten oder Ihrem Hausarzt, welche Funktionsbeeinträchtigungen Sie geltend machen können und welche Dokumente Sie dafür benötigen. Neben persönlichen Daten und Fragen zum Krankenversicherungsverhältnis müssen Sie alle Ärzte auflisten, die Sie behandelt haben bzw. noch behandeln. Die Krankenhausaufenthalte sind ebenfalls aufzuführen.

Bis Sie einen „Feststellungsbescheid“ erhalten, vergehen im Schnitt drei Monate. In dem Schreiben vom Versorgungsamt werden Sie über Ihren Gesamt-GdB informiert. Dieser ergibt sich aus den einzelnen GdB-Werten, die aber nicht einfach zusammengerechnet werden. Entscheidend sind vielmehr die Auswirkungen der einzelnen Beeinträchtigungen unter Berücksichtigung ihrer wechselseitigen Beziehungen zueinander. Der GdB wird in Zehnerschritten gestaffelt, beginnend mit 20 als dem niedrigsten Grad und 100 als dem höchsten. Der finale „Grad der Behinderung“ (GdB) gibt an, wie stark die körperlichen, geistigen oder seelischen Funktionen eingeschränkt sind.

Ein Schwerbehindertengrad ist ab einem GdB von 50 gegeben – in diesem Fall erhalten Sie einen Schwerbehindertenausweis. Die Ausstellung ist für Sie kostenlos, der Ausweis ist nur in Deutschland gültig und auf längstens fünf Jahre befristet. Generell bringt er Ihnen eine Reihe von Erleichterungen und Vorteilen: Sie erhalten beispielsweise nicht nur freie Fahrten im öffentlichen Nahverkehr und finanzielle Vergünstigungen bei Theater- und Museenbesuchen, sondern genießen auch besondere Rechte im Berufsleben, beim Rentenanspruch und bei der Pflegeversicherung. Bei diesen Vergünstigungen handelt es sich um die sogenannten „Nachteilsausgleiche“ – sie variieren je nach Schwerbehindertengrad und Merkzeichen. Wer ein solches Merkzeichen – beispielsweise „Merkzeichen Bl“ für blind oder „Merkzeichen G“ für gehbehindert – zuerkannt bekommt, profitiert von Vergünstigungen, die in verschiedenen Rechtsbereichen über die Vergünstigungen hinausgehen, die ein Schwerbehinderter ohne Merkzeichen erhält. Das oder die Merkzeichen (wenn es mehrere sind) sind auch auf dem Schwerbehindertenausweis angegeben.

Eine Übersicht der Pflegeleistungen

Als Arbeitnehmer mit einem Schwerbehindertengrad haben Sie besonderen Kündigungsschutz

Grundsätzlich muss in der Arbeitswelt auf jemanden mit einem Schwerbehindertengrad Rücksicht genommen werden. Wenn Sie bereits in einem regulären Arbeitsverhältnis stehen und eine Schwerbehinderung eintritt, hat der Arbeitgeber die Pflicht, die Weiterbeschäftigung zu prüfen und das Umfeld so zu gestalten, dass Sie Ihre Arbeit gut ausführen können. Für diese Maßnahmen erhält der Arbeitgeber bei Bedarf Unterstützung von der Agentur für Arbeit oder den Integrationsämtern.

Auf Wunsch ist es Ihnen ferner gestattet, etwas früher in Altersrente zu gehen. Außerdem genießen Sie einen besonderen Kündigungsschutz und haben Anspruch auf fünf zusätzliche Tage bezahlten Urlaub im Jahr.

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Der amtliche Nachweis über Ihren Schwerbehindertengrad sollte sie nicht davon abhalten, den Schritt in den Selbständigkeit zu wagen – sofern Sie sich dies trotz Erkrankung zutrauen. Sie stehen damit nicht alleine: Immer mehr Menschen mit Handicap entscheiden sich dafür, eine eigene berufliche Existenz aufzubauen. Denn sie möchten unabhängig sein und ihre eigenen Ideen verwirklichen. Wenden Sie sich diesbezüglich an das Integrationsamt – es vergibt Darlehen und Zuschüsse für die Einrichtung des Arbeitsplatzes, für eine Arbeitsassistenz und für Weiterbildungen.

Darüber hinaus müssen Sie sich natürlich um das kümmern, was jeder Existenzgründer zu tun hat: einen durchdachten Businessplan anfertigen sowie Marktforschung dahingehend betreiben, wie gut Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung von den Leuten aufgenommen werden könnte. Und natürlich Ihre Finanzen planen – Sie sollten Ihr Startkapital so aufteilen, dass Sie umsatzschwache Phasen überleben können. Aber Ihr Schwerbehindertengrad sollte Sie nicht davon abhalten, neue berufliche Wege zu versuchen.

Unser Team berät Sie gerne kostenlos und unverbindlich zum Thema Schwerbehindertengrad und zu allen Themen der Pflege