Diese Krankheiten können als Schwerbehinderung anerkannt werden

Ursächlich für eine Schwerbehinderung können verschiedenste Krankheiten sein. Erfahren Sie hier, welche Krankheitsbilder u. a. Sie zum Erhalt eines Schwerbehindertenausweises berechtigen und wie Sie diesen beantragen. (Bei Rückfragen wenden Sie sich gerne an unseren Fachredakteur unter 0211 – 97 17 77 26)

Das Wichtigste in Kürze:

In Deutschland haben fast acht Millionen Menschen eine Schwerbehinderung. Die Zahl erscheint sehr hoch, denn sie bedeutet: Jeder zehnte Bundesbürger ist in seinem Alltag eingeschränkt und auf die Pflege oder Unterstützung Dritter angewiesen. Aber fragt man sich, welche Krankheiten ursächlich für eine Schwerbehinderung sind, kommt man schnell auf eine plausible Antwort: Es ist vor allem unsere alternden Gesellschaft, die die Zahl stetig steigen lässt. Knapp die Hälfte der schwerbehinderten Menschen sind zwischen 55 und 75 Jahre alt, ein Drittel ist noch älter. In dieser Altersklasse ist Demenz eine der Hauptursachen für eine Behinderung – und damit steht Deutschland nicht alleine da, es ist ein weltweites Phänomen.

Häufig gestellte Fragen

Wie viel Prozent Schwerbehinderung liegt bei welcher Krankheit vor?

Dies lässt sich schwer eindeutig bewerten. Der GdB definiert, inwieweit eine Person durch körperliche oder geistige Einschränkungen beeinträchtigt ist. Es ist im jeweiligen Einzelfall der gesamte pflegerische Aufwand zu berechnen.

Wann liegt eine Schwerbehinderung vor?

Ab einem Grad der Behinderung von 50 handelt es sich um eine Schwerbehinderung. In diesem Fall erhalten Sie einen Schwerbehindertenausweis. Bei einem Grad der Behinderung von mindestens 30 und unter 50 können Sie mit schwerbehinderten Menschen gleichgestellt werden.

Wann bekommt man einen Grad der Behinderung?

Je nach individueller Ausprägung und Schwere der Beeinträchtigung hat dies ganz unterschiedliche Auswirkungen auf das Leben des Betroffenen. Der Grad der Behinderung gibt an, wie stark der Betroffene in seiner Selbstständigkeit eingeschränkt ist z.B. bei Menschen mit Diabetes mellitus, die eine Insulintherapie mit täglich mindestens vier Insulininjektionen durchführen oder bei Schizophrene mit mittelgradigen sozialen Anpassungsschwierigkeiten.

Welche Vorteile bestehen bei einem Grad der Behinderung?

Durch die Anerkennung eines Behindertengrades kann der Betroffene unterschiedliche Hilfen in Anspruch nehmen. Das beginnt mit finanziellen Ermäßigungen bei zahlreichen Freizeitaktivitäten (Eintrittskarten für Kino, Schwimmbad, Museum oder Theater). Auf Wunsch ist es Ihnen gestattet, etwas früher in Altersrente zu gehen. Außerdem genießen Sie einen besonderen Kündigungsschutz und haben Anspruch auf fünf zusätzliche Tage bezahlten Urlaub im Jahr.

Welche Vergünstigungen bekommt man mit einem Schwerbehindertenausweis?

Der Schwerbehindertenausweis bringt Ihnen eine Reihe von Erleichterungen und Vorteilen. Sie erhalten z.B. nicht nur freie Fahrten im öffentlichen Nahverkehr, Parkerleichterungen, Alltagsbegleitungen und finanzielle Vergünstigungen bei Theater- und Museumsbesuchen, sondern genießen auch besondere Rechte im Berufsleben, beim Rentenanspruch und bei der Pflegeversicherung. Bei diesen Vergünstigungen handelt es sich um die sogenannten „Nachteilsausgleiche“ – sie variieren je nach Schwerbehindertengrad und Merkzeichen.

Die Demenz als Auslöser für eine Schwerbehinderung

Demenz ist weit mehr als eine bloße „Gedächtnisstörung“. Die Krankheit zeigt sich häufig in einer zunehmenden Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit, der sprachlichen Fähigkeiten und des Auffassungs- und Denkvermögens sowie in der schwächer werdenden Orientierung eines Menschen. In fast 90 Prozent aller Fälle verläuft die Demenz irreversibel – die Krankheit kann nicht geheilt werden und die „verlorenen“ Fähigkeiten und Fertigkeiten des Betroffenen kehren nicht zurück.

Die Demenz hat enorme physische, psychische, soziale und ökonomische Auswirkungen nicht nur auf die Betroffenen, sondern auch auf deren Familien und die Gesellschaft. Oft können Demenzkranke ihre Gefühle kaum noch kontrollieren, Stimmungsschwankungen verbunden mit Aggressionen und Depressionen nehmen zu. Die Angehörigen wissen nicht, wie sie dem Kranken begegnen sollen. Dabei ist Demenz nicht gleich Demenz – es sind rund 50 verschiedene Erkrankungen unter diesem Begriff gebündelt. Alzheimer macht rund 60 Prozent aller Demenzfälle aus.

Spezialisierte Pflegeeinrichtungen für Demenzkranke sowie Pflegedienste für Demenzkrankte können Betroffenen eine ihre Erkrankung abgestimmte Versorgung gewährleisten.

Unabhängige Pflegeberatung erhalten

Es ist selbst für Experten schwer zu beziffern, wie viele Krankheiten als Schwerbehinderung anerkannt werden können

Nur wenige Behinderungen sind angeboren, also genetisch verursacht oder vorgeburtlich erworben – sie machen nur etwa vier Prozent aus. Dazu zählen beispielsweise schwere Herzleiden. Einen noch geringeren Anteil, nämlich knapp zwei Prozent, machen Unfälle oder Berufskrankheiten aus.

Von vielen Menschen wird Behinderung fälschlicherweise immer nur mit einer körperlichen Beeinträchtigung gleichgesetzt, etwa dem Fehlen von Gliedmaßen oder einer Lähmung. Tatsächlich führen physische Behinderung mit über 60 Prozent die Statistik an. Über elf Prozent nehmen geistige Behinderungen ein, für die Hirnschädigungen oder Hirnfunktionsstörungen verantwortlich sind und die meist im Kindesalter entdeckt werden. Was allgemein wenig bekannt ist: Auch eine Krebserkrankung, Diabetes, Rheuma, Asthma, Depressionen, Tinnitus oder eine schwere Akne können als  Behinderung eingestuft werden. Mehr als ein Drittel der Deutschen leidet an einer oder mehreren Erkrankungen, mit zunehmenden Alter erhöht sich die Zahl der Betroffenen.

Als schwerbehindert gilt ein Mensch, wenn bei ihm ein „Grad der Behinderung“ (GdB) von 50 oder mehr festgestellt wird oder wenn ab einem GdB von 30 eine Gleichstellung mit einem schwerbehinderten Menschen vorliegt. Wenn eine der oben aufgezählten Krankheiten chronisch wird oder besonders schwer verläuft, ist eine Einstufung in einen hohen GdB wahrscheinlich. Beispielsweise kommt es vor, dass die chronische Darmerkrankung Colitis Ulcerosa bei anhaltenden oder häufig wiederkehrenden Beschwerden mit einem GdB von 50 bis 60 bewertet wird. Eine chronische Hepatitis mit starker entzündlicher Aktivität mit 50 bis 70. Als schwer chronisch gilt eine Krankheit, wenn der Erkrankte mindestens einmal pro Quartal auf ärztliche Behandlung angewiesen ist oder sich in dauerhafter Behandlung befindet, da sich die Erkrankung sonst verschlimmern würde.

Es gibt so viele Arten der Behinderung, dass es selbst für Experten schwierig ist, den Überblick zu behalten. Der Körper kann betroffen sein, die Psyche, es kann sich um eine Lernbehinderung handeln oder um die Folge einer Suchterkrankung. Eine Beeinträchtigung der Sinnesorgane drückt sich in Schwerhörigkeit, Gehörlosigkeit oder einer Sehbehinderung bis zur Blindheit aus. Daneben wird eine dauerhafte Sprachstörung aufgrund eines Schlaganfalls oder eines Krebsleidens als Behinderung gewertet. Ebenso neurologische Erkrankungen, zu denen Multiple Sklerose und auch Epilepsie zählen, wie auch bleibende geistige und psychische Erkrankungen, etwa Schizophrenie.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Warum es Sinn macht, neben einem Schwerbehindertenausweis auch einen Pflegegrad zu beantragen

Viele der als Schwerbehinderung anerkennbaren Krankheiten sorgen gleichzeitig für eine allgemeine Pflegebedürftigkeit der Betroffenen. Ein attestierter Pflegegrad ermöglicht in diesem Zusammenhang den Bezug diverser Pflegeleistungen. Diese können u. a. dafür verwendet werden, schwerbehinderten Menschen eine optimale Betreuung zu gewährleisten, sei es in durch die Unterbringung in einem spezialisierten Pflegeheim oder durch einen ambulanten Pflegedienst. Wir unterstützen Sie gerne bei Ihrem Antrag auf Pflegeleistungen.

Schnell & unkompliziert online den Pflegegrad berechnen

Die Merkzeichen weisen darauf hin, welche Krankheiten für die Schwerbehinderung verantwortlich sind

Das „Merkzeichen G“ (für gehbehindert) wird auch an Menschen vergeben, die an chronischer Niereninsuffizienz mit ausgeprägter Anämie leiden. Bei Kindern und Jugendlichen wird das „Merkzeichen H“ (für hilflos) jenen zuerkannt, die Mukoviszidose mit einem GdB/GdS von wenigstens 50 bis zum 16. Lebensjahr haben, bei schweren und schwersten Einschränkungen sogar bis zum 18. Lebensjahr. Daneben wird die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte und komplette Gaumen-Segelspalte bis zum Abschluss der Erstbehandlung sowie schwere Immundefekte für die Dauer des Immunmangels mit einem „H“ im Schwerbehindertenausweis vermerkt – aber eben nur bei jungen Menschen. Mit den verschiedenen Merkzeichen sind Vergünstigungen und Vorteile im Alltag verbunden. Das beginnt mit finanziellen Ermäßigungen bei zahlreichen Freizeitaktivitäten und reicht bis hin zu Steuervorteilen.

Unser Team berät Sie gerne kostenlos und unverbindlich zum Thema als Schwerbehinderung anerkennbare Krankheiten und auch zu allen Themen der Pflege

Der Antrag auf Schwerbehinderung wird beim Versorgungsamt bzw. beim Amt für soziale Angelegenheiten gestellt. Ob die Kriterien einer Schwerbehinderung (Krankheiten etc.) erfüllt sind, wird in jedem einzelnen Fall genau geprüft. Fällt die Entscheidung positiv aus, erteilt die Behörde einen Feststellungsbescheid. Darin sind die einzelnen Behinderungen, der festgestellte „Grad der Behinderung“ (GdB)  und das Merkzeichen aufgeführt –  Sie gelten erst als schwerbehindert, wenn der GdB mindestens 50 beträgt. Der Bescheid geht Ihnen auch dann zu, wenn der GdB weniger als 50 beträgt.