Alles zum Thema Schwerbehinderung

Fast acht Millionen Deutsche haben eine Schwerbehinderung. Das ist immerhin jeder zehnte. Diese Zahl erscheint hoch, jedoch liegt die Ursache vorrangig in unserer alternden Gesellschaft. Kaum eine Behinderung ist angeboren oder einem Unfall geschuldet, sondern entsteht im Laufe des (späteren) Lebens aufgrund einer Krankheit. Knapp die Hälfte der Betroffenen sind zwischen 55 und 75 Jahre alt, ein Drittel ist noch älter.

Ausprägungen einer Schwerbehinderung

Es gibt so viele Arten der Behinderung, dass es selbst für Experten schwierig ist, den Überblick zu behalten. Körper und Psyche können betroffen sein, es kann sich aber auch um eine Lernbehinderung oder die Folgen einer Suchterkrankung handeln.

Physische Einschränkungen können zum einen den Bewegungs- und Stützapparat betreffen, dazu zählen beispielsweise Wirbelsäulenerkrankungen, Gliedmaßenfehlbildungen oder auch -verluste. Zum anderen können diese auch durch eine Schädigung der inneren Organe entstehen – Ursache dafür sind Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes mellitus und auch Krebs.

Eine Beeinträchtigung der Sinnesorgane drückt sich in Schwerhörigkeit, Gehörlosigkeit oder einer Sehbehinderung bis hin zur absoluten Blindheit aus. Daneben wird auch eine dauerhafte Sprachstörung aufgrund eines Schlaganfalls oder eines Krebsleidens als Behinderung gewertet. Auch neurologische Erkrankungen, zu denen Multiple Sklerose und auch Epilepsie zählen, sowie bleibende geistige und psychische Erkrankungen wie Depression und Schizophrenie können zu einer Schwerbehinderung beitragen.

Schwerbehinderung und Grad der Behinderung (GdB)

Je nach individueller Ausprägung und Schwere hat die Behinderung ganz unterschiedliche Auswirkungen auf das Leben des Betroffenen. Ob er alleine in einer Wohnung leben kann oder auf die Hilfe Dritter angewiesen ist, ob er regulär arbeitet oder in einem Inklusionsbetrieb – das ist jeweils abhängig vom Grad der Behinderung (GdB). Dieser wird in Zehnergraden angegeben, der niedrigste liegt bei 20 und der höchste bei 100.

Wenn ein GdB von mindestens 50 festgestellt wird, liegt eine Schwerbehinderung vor. Wenn Betroffene mehrere gesundheitliche Beeinträchtigungen haben, sollten Sie wissen, dass die einzelnen Behinderungen bei der Ermittlung des GdB nicht einfach addiert, sondern einzeln bewertet werden. Beispiel: Wenn jemand zwei Behinderungen hat, von denen die eine zu einem GdB von 30, die andere zu einem GdB von 50 führt, bedeutet dies nicht automatisch, dass die Person einen GdB von 80 hat. Es ist möglich, dass beide Erkrankungen zusammen beispielsweise nur mit einem GdB von 60 bewertet werden.

Für die Ermittlung des GdB ist das Versorgungsamt beziehungsweise das Amt für soziale Angelegenheiten zuständig. In einigen Bundesländern gibt es zentrale Versorgungsämter, in anderen übernehmen kommunale Ämter diese Aufgabe. Wichtig ist, dass Sie ihren Wohnsitz, Ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder Ihren Arbeitsplatz in Deutschland haben, um einen Antrag stellen zu können. Zumeist ist es gar nicht nötig, dass Sie sich extra auf den Weg zu der Behörde machen, denn der Antrag kann auf der Webseite heruntergeladen und samt ärztlichen Befunden online eingereicht werden. Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, das Dokument telefonisch oder auf dem Postweg anzufordern.

Der GdB Antrag

Haben Sie keine Bedenken, dass Sie beim Ausfüllen des Antrags Fehler machen könnten – der ganze Vorgang ist vergleichsweise unkompliziert. Neben den Angaben zu ihrer Person beschreiben Sie mit Ihren eigenen Worten Ihre Erkrankung. Sie müssen keine medizinischen Fachbegriffe verwenden. Wichtig ist, dass der Antrag vollständig ausgefüllt ist und Sie alles anführen, was Sie geltend machen möchten. Sollten Sie dennoch unsicher sein oder sich von vorneherein Hilfe beim Ausfüllen wünschen, können Sie bei einem Mitarbeiter des Versorgungsamtes Unterstützung suchen. Dafür müssen Sie allerdings persönlich auf dem Amt erscheinen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, in einem solchen Fall eine unabhängige Beratung heranzuziehen.

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Schwerbehinderung und Pflegegrad

Auch wenn die Themenfelder Grad der Behinderung und Pflege verschiedenen Sozialgesetzbüchern zugrunde liegen, gibt es einige Berührungspunkte. So benötigen Menschen, bei denen aufgrund schwerer körperlicher oder geistiger Einschränkungen eine Schwerbehinderung attestiert wurde, in den meisten Fällen eine intensive Pflege.

In jedem Fall sollte geprüft werden, ob auf Grundlage der die Schwerbehinderung veursachenden Symptome ein Pflegegrad beantragt werden kann. Nur so haben Sie ein Anrecht auf Pflegeleistungen, mit deren Hilfe eine fachgerechte Betreuung der schwerbehinderten Person gewährleistet werden kann. Diese kann etwa durch einen ambulanten Pflegedienst, eine geschulte 24-Stunden-Pflegekraft oder auch die Unterbringung in einem spezialisierten Pflegeheim geschehen.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Grad der Behinderung und Nachteilsausgleiche

Der Grad der Behinderung wird von sozialmedizinisch ausgebildeten Gutachtern anhand der sogenannten „Versorgungsmedizinischen Grundsätze“ geprüft. Das sind klar umrissene Regeln. Bis Sie eine Antwort vom Versorgungsamt erhalten, müssen Sie sich etwas gedulden, denn im Schnitt braucht die Bearbeitung eines Antrags drei Monate. Das Ganze geht etwas schneller, wenn Ihre Befunde dem Antrag direkt beiliegen und nicht erst vom Amt angefordert werden müssen.

Wenn bei Ihnen eine Schwerbehinderung festgestellt wird, erhalten Sie einen Schwerbehindertenausweis, den ebenfalls das Versorgungsamt ausstellt. In dem Ausweis sind der Grad der Behinderung (GdB) und Merkzeichen angegeben – diese sind für die sogenannten „Nachteilsausgleiche“ wichtig. Denn abhängig von der Art und dem Grad Ihrer Behinderung erhalten Sie gewisse Vergünstigungen und Vorteile.

Das beginnt mit finanziellen Ermäßigungen bei zahlreichen Freizeitaktivitäten – so verbilligen sich für Sie die Eintrittskarten für Kino, Schwimmbad, Museum oder Theater. Die Informationen hierzu bekommen Sie auf den jeweiligen Internetseiten, per Telefon oder an den Kassen.

In der Arbeitswelt muss Rücksicht auf Ihre Einschränkungen genommen werden. Wenn Sie bereits in einem regulären Arbeitsverhältnis stehen und eine Schwerbehinderung eintritt, hat der Arbeitgeber die Pflicht,  die Weiterbeschäftigung zu prüfen und das Umfeld so zu gestalten, dass die Arbeit gut ausgeführt werden kann. Unterstützung erhält er dafür von der Agentur für Arbeit oder den Integrationsämtern.

Auf Wunsch ist es Ihnen gestattet, etwas früher in Altersrente zu gehen. Außerdem genießen Sie einen besonderen Kündigungsschutz und haben Anspruch auf fünf zusätzliche Tage bezahlten Urlaub im Jahr.

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Schwerbehinderung und Berufstätigkeit

Eine Schwerbehinderung sollte sie nicht davon abhalten den Schritt in den Selbständigkeit zu wagen, wenn Sie sich dies trotz Erkrankung zutrauen. Wenden Sie sich diesbezüglich an das Integrationsamt, denn es vergibt Darlehen und Zuschüsse für die Einrichtung des Arbeitsplatzes, für eine Arbeitsassistenz und für Weiterbildungen.

Kinder mit Behinderung haben das Recht auf gemeinsames Lernen mit Kindern, die keine Behinderung haben. Ihre Eltern beziehen auch nach dem 25. Lebensjahr weiterhin Kindergeld, vorausgesetzt, die Behinderung ist im Kinder- oder Jugendalter eingetreten und das Kind kann seinen Lebensunterhalt nicht selbst verdienen.

Heutzutage ist es das erklärte Ziel, dass Menschen mit Schwerbehinderung ein möglichst „normales“ Leben führen und aufgrund ihrer körperlichen oder psychischen Einschränkungen auf nichts verzichten müssen. Scheuen Sie sich nicht alles zu versuchen, um mit anderen Menschen zusammenzukommen und bei verschiedenen Gelegenheiten soziale Kontakte zu knüpfen. Probieren Sie, einer beruflichen Beschäftigung nachzugehen in dem Maße, wie Sie das können. Sie werden dabei sicher auf Kollegen treffen, die ihnen gerne helfen.

Unabhängige Beratung zum Thema Schwerbehinderung durch Dr. Weigl & Partner

Wir hoffen, dass wir Ihnen anhand dieses Beitrags einige offene Fragen zum Thema Schwerbehinderung beantworten konnten. Es gibt aber auch Anliegen, die sich besser durch ein persönliches Gespräche klären lassen. Sie ünschen eine unabhängige Beratung? Sie können uns telefonisch oder über unser Kontakformular erreichen. Wir freuen uns auf Ihren Anruf!

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