Schwerbeschädigung

Ab einem „Grad der Behinderung“ (GdB) von wenigstens 50 spricht man von einer Schwerbeschädigung respektive Schwerbehinderung. Erfahren Sie im Folgenden, welche körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen zu einer Schwerbeschädigung führen können. Ferner, wie Sie einen Schwerbehindertenausweis beantragen und welche Leistungen Ihnen dadurch zustehen.

Die Schwerbeschädigung

Die Behinderung eines Menschen gilt als Schwerbeschädigung, wenn ein „Grad der Behinderung“ (GdB) von 50 oder mehr festgestellt wird oder wenn ab einem GdB von 30 eine Gleichstellung mit einem schwerbehinderten Menschen vorliegt. Von vielen wird eine Behinderung fälschlicherweise mit einer körperlichen Beeinträchtigung gleichgesetzt, beispielsweise dem Fehlen von Gliedmaßen oder einer Lähmung, die einen Menschen an den Rollstuhl fesselt. Oder sie denken an eine geistige Behinderung, für die Hirnschädigungen oder Hirnfunktionsstörungen durch Geburtsfehler oder Infektionen verantwortlich sind, und die meist im Kindesalter entdeckt wird. Was allgemein wenig bekannt ist: Auch eine Krebserkrankung, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rheuma, Depressionen, Tinnitus oder eine schwere Akne können als Behinderung eingestuft werden.

In Deutschland haben fast acht Millionen Menschen eine Schwerbeschädigung, das ist immerhin jeder zehnte. Diese Zahl erscheint hoch, doch die Ursache liegt hauptsächlich in unserer alternden Gesellschaft. Nur wenige Behinderungen sind angeboren oder einem Unfall geschuldet, sondern sie entstehen im Laufe des (späteren) Lebens aufgrund einer Krankheit. Knapp die Hälfte der Betroffenen sind zwischen 55 und 75 Jahre alt, ein Drittel ist noch älter. Beispielsweise ist Demenz weltweit eine der Hauptursachen für eine Behinderung bei älteren Menschen. Die Krankheit hat enorme physische, psychische, soziale und ökonomische Auswirkungen auf die Betroffenen, deren Familien und die Gesellschaft. Dabei ist Demenz nicht gleich Demenz – es sind rund 50 verschiedene Erkrankungen unter diesem Begriff gebündelt. Alzheimer macht rund 60 Prozent aller Demenzfälle aus.

Unabhängige Pflegeberatung erhalten

Rund eine Million Menschen mit einer Schwerbeschädigung sind in deutschen Firmen beschäftigt

Wenn ein behinderter Mensch im täglichen Leben erhebliche Hilfe benötigt, etwa beim Waschen, Kochen oder Einkaufen, ist er pflegebedürftig. Zu diesem Personenkreis gehören unter anderem Schwerbehinderte, die das „Merkzeichen H“ (hilflos) oder das „Merkzeichen Bl“ (blind) auf ihrem Schwerbehindertenausweis
haben. Hilflos bedeutet, dass diese Menschen dauerhaft auf fremde Hilfe angewiesen sind. Konkret sind dies Personen, die über den Pflegegrad 4 oder 5 verfügen. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Unfall, eine Krankheit, eine Behinderung oder das Alter die Ursache für die schwere Pflegebedürftigkeit ist.

Als Betroffener erhalten Sie u.a. Steuererleichterungen. Bei Hilflosigkeit sind Aufwendungen, die höher sind als das Pflegegeld, als außergewöhnliche Belastung absetzbar. Zusätzlich kann die Person, die den Hilflosen pflegt, den Pflegepauschbetrag in Anspruch nehmen – natürlich nur wenn sie keine Vergütung für die Tätigkeit erhält. Rund eine Million Menschen mit einer Schwerbeschädigung sind bei uns in Unternehmen beschäftigt – das ist die offizielle Zahl. Die Dunkelziffer liegt weit höher: Viele Betroffene verschweigen die Behinderung gegenüber dem Arbeitgeber, aus Scham oder aus Angst vor Nachteilen. Viele wissen vielleicht gar nicht, dass eine ihrer Einschränkungen oder Krankheiten bereits als Behinderung oder sogar Schwerbeschädigung gilt. Damit entgehen diesen Beschäftigten bestimmte Rechte, die ihnen als sogenannte „Nachteilsausgleiche“ zustehen – etwa bezahlter Sonderurlaub oder bei Bedarf in Teilzeit zu arbeiten.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Wie Sie einen Antrag auf Feststellung des GdB stellen

Wenn Sie der Auffassung sind, dass eine Schwerbeschädigung bei Ihnen oder einem nahen Angehörigen vorliegt, können Sie dies amtlich feststellen lassen. Dafür zuständig ist das Versorgungsamt beziehungsweise das Amt für soziale Angelegenheiten. In einigen Bundesländern gibt es zentrale Versorgungsämter, in anderen
übernehmen kommunale Ämter diese Aufgabe. Wichtig für die Beantragung ist, dass Sie ihren Wohnsitz, ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder ihren Arbeitsplatz in Deutschland haben. Deutscher Staatsbürger zu sein ist hingegegen keine Voraussetzung.

Die Schwerbeschädigung wird mit dem „Grad der Behinderung“ (GdB) angegeben – dabei handelt es sich um eine Maßeinheit für die körperlichen, geistigen, seelischen und sozialen Auswirkungen einer Funktionsbeeinträchtigung aufgrund eines Gesundheitsschadens. Wenn dieser länger als sechs Monate anhält und von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht, spricht man von einer Behinderung.

Der GdB wird in Zehnergraden angegeben, der niedrigste liegt bei 20 und der höchste bei 100. Dies bedeutet: Ab einem GdB von 20 gilt man als behindert. Bei einem Grad von 50 und höher liegt eine Schwerbehinderung respektive Schwerbeschädigung vor. Es sind sozialmedizinisch ausgebildete Gutachter, die den GdB anhand der sogenannten „Versorgungsmedizinischen Grundsätze“ (allgemein auch „GdB Tabelle“ genannt) prüfen. Bis Sie eine Antwort vom Versorgungsamt erhalten, müssen Sie sich etwas gedulden. Im Schnitt braucht die Bearbeitung eines Antrags drei Monate. Sie können den Prozess etwas beschleunigen, wenn Ihre ärztlichen Befunde dem Antrag direkt beiliegen und nicht erst vom Amt angefordert werden müssen.

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Welche Vergünstigungen im täglichen Leben Ihnen bei einer Schwerbeschädigung zustehen

Wenn Sie als schwerbehindert eingestuft werden, erhalten Sie einen Schwerbehindertenausweis. Diesen stellt ebenfalls das Versorgungsamt aus. In dem Ausweis sind der „Grad der Behinderung“ (GdB) und Merkzeichen angegeben – einzelne oder kombinierte Buchstaben wie „Merkzeichen G“ für eine Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit oder „Merkzeichen B“ für die Notwendigkeit einer ständigen Begleitung. Die Merkzeichen sind für die „Nachteilsausgleiche“ wichtig. Denn abhängig von der Art und dem Grad Ihrer Behinderung erhalten Sie gewisse Vergünstigungen und Vorteile – nicht nur steuerlicher Art. So können Sie Verkehrsmittel des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs, das sind vor allem Busse, Straßen-, S- und U-Bahnen, Züge und Fähren, vergünstigt oder kostenlos benutzen. Verbilligten Eintritt erhalten Sie darüberhinaus bei Theater- und Museumsbesuchen.

Ein Tipp: Wenn es absehbar ist, dass Sie mit einer Schwerbeschädigung, dauerhaften Erkrankung oder Beeinträchtigung leben müssen, sollte so bald wie möglich ein Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis gestellt werden. Dies kann beispielsweise nach einem Unfall oder schwerem Sturz der Fall sein – Ihr Arzt, die Mitarbeiter in Krankenhäusern oder Rehakliniken oder unabhängige Pflegeberater können recht gut abschätzen, ob eine Antragstellung Erfolg haben wird.

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