Verschlechterungsantrag zur Änderung des Grades der Behinderung (GdB)

Wenn Sie einen amtlich festgestellten „Grad der Behinderung“ (GdB) haben und sich bestehende Beschwerden verstärkt haben oder neue Beschwerden hinzugekommen sind, können Sie einen Verschlechterungsantrag stellen, um eine Änderung des Grades der Behinderung zu erwirken. Gemeinhin spricht man auch von einem „Verschlimmerungsantrag“, wobei die korrekte Bezeichnung „Änderungsantrag“ lautet. Bei der Antragsstellung gibt es einige mögliche Stolpersteine. Erfahren Sie im Folgenden, was Sie für einen erfolgreichen Verschlechterungsantrag in Bezug auf Ihre Behinderung beachten müssen. (Bei Rückfragen wenden Sie sich gerne an unseren Fachredakteur unter 0211 – 97 17 77 26)

Das Wichtigste in Kürze:

Machen Sie sich anhand dieser vier Punkte klar, ob sich ein Verschlechterungsantrag für einen höheren Grad der Behinderung für Sie lohnt

Einige zögern, sich erneut an das Amt zu wenden, weil jeder Verschlechterungsantrag das Risiko einer Herabstufung birgt. Wer zuvor einen GdB von 50 hatte und als schwerbehindert eingestuft worden ist, kann diesen Status durch eine Neubewertung wieder verlieren. Damit verliert der Betroffene auch eine Reihe von Erleichterungen und Vorteilen im täglichen Leben. Wichtig für einen erfolgreichen Verschlimmerungsantrag ist, dass gesundheitliche Veränderungen seit mindestens sechs Monaten vorliegen müssen.

Bevor der Antrag beim Versorgungsamt oder beim Amt für soziale Angelegenheiten eingereicht wird, sollten Sie sich vier wichtige Fragen stellen:

  • Zum einen, was eine Heraufsetzung Ihnen konkret bringt. Das Prozedere des Antrags ist aufwendig und kostet Zeit. Überlegen Sie selbst das Für und Wider oder erkundigen Sie sich bei Beratungsstellen, welche Vorteile ein höherer „Grad der Behinderung“ (GdB) oder ein Merkzeichen (Merkzeichen H, Merkzeichen G etc.) speziell für Sie hat.
  • Zweitens sind aktuelle Befundberichte von Ihren Ärzten das A und O für einen erfolgreichen Verschlechterungsantrag. Die alten Gutachten liegen den Behörden schließlich schon vor. Da der überwiegende Teil des Verschlimmerungsantrags auf Basis der Berichte entschieden wird, sollten diese detailliert darlegen, auf welche Weise und in welchem Ausmaß Einschränkungen bestehen und wie sich Ihre Situation verschlechtert hat. Daher kommen auf Sie einige Arztbesuche und neue, eingehende Untersuchungen zu.
  • Drittens, ob Sie sich durch eine professionelle Beratung genügend informiert haben. Bei einem Vorgespräch mit Ihrem Arzt sollten Sie sich seiner Unterstützung versichern, denn er ist für den Befundbericht verantwortlich. Liegt Ihnen der ärztliche Befund vor, dann schauen Sie, ob diesem zu entnehmen ist, dass sich Ihre Behinderung verschlechtert hat. Es kommt vor, dass im Bericht etwas anderes steht, als was Ihr Arzt im Gespräch gesagt hat – in Hinblick auf Ihren Verschlechterungsantrag kann dies mitunter Folgen haben.
  • Zuletzt sollten Sie sich bezüglich der „Versorgungsmedizinischen Grundsätze“ (auch „GdB Tabelle“) Klarheit verschaffen. Auf Grundlage dieser wird letzten Endes der Grad der Behinderung festgestellt. Es handelt sich dabei nicht um starre Regeln. Die „Versorgungsmedizinischen Grundsätze“ wurden und werden entsprechend dem aktuellen Stand der medizinischen Wissenschaft und versorgungsmedizinischer Erfordernisse laufend fortentwickelt. Was bedeutet: Eine Behinderung, die vor einigen Jahren begutachtet wurde, wird heute womöglich ganz anders bewertet. Ein Beispiel hierfür ist die Diabeteserkrankung, für die es ehemals einen GdB von 50 gab, wenn Insulin gespritzt werden musste. Im Jahre 2010 wurden die „Versorgungsmedizinischen Grundsätze“ dahingehend geändert, dass kaum noch jemand mit Diabetes allein auf einen GdB von 50 kommt. Ähnlich verhält es sich auch mit anderen Erkrankungen. Prüfen Sie genau, ob es bezüglich Ihrer Behinderungen kürzlich zu Änderungen in der Bewertung gekommen ist.

Eine nicht unbedeutende Rolle spielt auch der Zeitpunkt für einen Verschlechterungsantrag für einen höheren Grad der Behinderung. Wenn Sie beispielsweise kurz vor der Altersrente für Schwerbehinderte stehen ist es ratsam, mit dem Antrag so lange zu warten, bis der Ruhestand begonnen hat. Denn nach Eintritt des Ruhestandes hat eine Änderung des GdB keine Auswirkungen mehr auf Ihre Rente.

Unabhängige Pflegeberatung erhalten

Wird Ihr Verschlechterungsantrag abgelehnt, können Sie Widerspruch einlegen

Ebenso wie der Erstantrag auf Feststellung einer Behinderung wird auch der Antrag zur Neufeststellung des GdB schriftlich beim Versorgungsamt eingereicht. Die Formulare hierfür sind beim Amt erhältlich oder können im Internet heruntergeladen werden. Bis Sie einen Bescheid erhalten, vergehen rund ein bis zwei Monate. Wenn Ihrem Antrag
stattgegeben wird, können Sie auf höhere Leistungsansprüche hoffen. Bei einer Schwerbehinderung, die mit einer Pflegebedürftigkeit einhergeht, ist dies in der Regel ein höherer Pflegegrad.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Falls Ihr Verschlechterungsantrag für einen höheren Grad der Behinderung abgelehnt wird, kann Widerspruch beim Versorgungsamt eingelegt werden. Dieser muss auf jeden Fall schriftlich erfolgen. Dafür gibt es leider kein vorgefertigtes Formular, Sie müssen selber ein Schreiben aufsetzen. Darin erklären Sie, dass Sie der Entscheidung widersprechen – zunächst geht das sogar ohne eine nähere Begründung. Diese kann nachgereicht werden. Ein Tipp: Im Internet gibt es Musterschreiben, an denen Sie sich orientieren können, um Ihren Brief richtig und gut zu formulieren.

Damit Ihre Begründung hieb- und stichfest ist, sollten Sie ferner Akteneinsicht beantragen. Bitten Sie also gleich in Ihrem Widerspruchsschreiben darum, dass Ihnen Kopien von allen Unterlagen, die bei der Entscheidung des Versorgungsamtes eine Rolle gespielt haben, zugeschickt werden. Anhand der Unterlagen können Sie prüfen, welche Befunde berücksichtigt wurden. Möglicherweise wurden einige Befunde gar nicht oder nicht ausreichend genug beachtet. Möglich ist auch, dass das Versorgungsamt nicht bei allen im Antrag genannten Ärzten Auskunft eingeholt hat. Oder Ihre Situation wurde anders eingeschätzt als sie tatsächlich ist. All dies muss von Ihnen genau geprüft und im Widerspruchsschreiben aufgeführt werden. Sie sollten dabei genau überlegen, ob Sie sich einen Profi an die Seite holen, der die Sachlage gut kennt.

Unser Team berät Sie gerne kostenlos und unverbindlich zu Ihrem Verschlechterungsantrag oder auch bei allen Themen der Pflege

Auf genaue Begründungen sollte bei Ihrem Widerspruch auf keinen Fall verzichtet werden, schließlich muss das Versorgungsamt wissen, warum Sie die amtliche Entscheidung anfechten. Beachten Sie das Zeitfenster: Ihr schriftlicher Widerspruch muss innerhalb von vier Wochen nach Zustellung des Bescheids bei der Behörde eingegangen sein. Wenn in der Zwischenzeit neue Untersuchungen durchgeführt oder weitere Gesundheitsstörungen bei Ihnen festgestellt wurden, sind diese auf jeden Fall in Ihre Widerspruchsbegründung mit aufzunehmen. Solange das Widerspruchsverfahren nicht abgeschlossen ist, muss das Versorgungsamt alle neuen und zusätzlichen Informationen bei seiner Entscheidung berücksichtigen.