Ärztefehler, Behandlungsfehler, Kunstfehler

Nicht zuletzt während der Corona-Pandemie zeigt sich, welche enorme Leistung Ärztinnen und Ärzte täglich für uns alle erbringen. Aber auch das ärztliche Personal macht leider Fehler. Das liegt vor allem an der enormen Belastung und dem hohen Zeitdruck, der besonders in Krankenhäusern herrscht.

Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation, WHO, sterben weltweit jede Minute fünf Menschen auf Grund von Ärztefehlern: 40 Prozent der Patientinnen und Patienten weltweit erleiden Schäden bei einer ambulant durchgeführten Behandlung, im Krankenhaus liegt die Zahl bei 10 Prozent.

In Deutschland sind die Zahlen der Behandlungsfehler glücklicherweise sehr viel geringer. In der überwiegenden Mehrheit der Behandlungen wird mit großer Sorgfalt gearbeitet, aber auch hierzulande unterlaufen Ärztefehler, die mitunter zu schweren medizinischen Folgen führen. Allerdings ist es schwierig, Ärztefehler nachzuweisen. Dieser Nachweis ist aber wichtig, wenn es um Schadenersatzforderungen geht.

Ärztefehler: definieren und erkennen

Wer sich aufgrund einer Erkrankung an einen Arzt oder eine Ärztin wendet, hat Anrecht auf eine Behandlung nach dem aktuell gültigen medizinischen Standard. Dieser Standard hilft dabei, einen Ärztefehler zu identifizieren.

Was gehört zum fachärztlichen Standard?

  • Anamnese: Erhebung der Krankheitsgeschichte,
  • Befunderhebung: umfassende Untersuchung,
  • Diagnose: Feststellen der Krankheit,
  • Therapie: Behandlung der Krankheit sowie
  • Nachsorge: sorgfältige Nachbehandlung.

Das heißt, die gesamte ärztliche Behandlung muss sorgfältig und mit entsprechender Expertise durchgeführt werden. Ob eine Krankheit allerdings gelindert oder geheilt wird, ist kein Faktor, wenn es um Ärztefehler geht. Es gibt kein Recht auf Heilung – sonst ließe sich beispielsweise jede Krebserkrankung, die nicht heilbar ist, als Ärztefehler werten.

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Ärztefehler können im gesamten Behandlungsprozess auftreten, zu Anfang bei der Diagnose, bei der Wahl der richtigen Therapie oder bei der korrekten Durchführung der Behandlung.

  • Diagnoseirrtum: Bei einem Diagnosefehler handelt es sich um eine grob fehlerhafte Interpretation der Befunde. Aufgrund des Diagnoseirrtums wird oft die falsche Therapie gewählt, sodass die Krankheit nicht korrekt behandelt werden kann. Allerdings ist nicht jede falsche Diagnose auch ein Ärztefehler. Oft sind Symptome nicht eindeutig einer spezifischen Erkrankung zuzuordnen, sodass ein Diagnoseirrtum schwer nachzuweisen ist.
  • Befunderhebungsfehler: Wenn die medizinisch gebotenen Befunde gar nicht erst erhoben werden, verletzen Ärztinnen und Ärzte ihre Sorgfaltspflicht. Medizinisches Personal ist verpflichtet, umfassende Untersuchungen zu veranlassen, um den Befund sauber zu erheben.
  • Therapiefehler: Nur weil eine Therapie nicht den gewünschten Erfolg bringt, handelt es sich nicht sofort um einen Ärztefehler. Therapien müssen aber geeignet sein, die jeweilige individuelle Erkrankung zu behandeln. Zudem muss die Therapie mit dem geringsten Gesundheitsrisiko gewählt werden. Die Durchführung der Therapie muss dem bereits erwähnten allgemein anerkannten fachärztlichen Standard entsprechen.
  • Organisationsfehler: Auch in der Organisation der Arztpraxis oder des Krankenhauses können Fehler unterlaufen. Dazu zählen beispielsweise zu wenig Personal, Hygienemängel, zu geringe apparative Ausstattung oder fehlende Medikamente. Alle Mitglieder des Teams, auch das nichtärztliche Personal, müssen in den täglichen Abläufen kontrolliert werden.
  • Mangelnde therapeutische Information: Sie müssen über alle therapeutischen Vorgänge umfassend informiert werden. Dazu zählen die richtige Einnahme der Medikamente ebenso wie Informationen zu möglichen Änderungen des Alltags, potenziellen Nebenwirkungen oder Informationen über Kontrolltermine. Kommt der Arzt oder die Ärztin dieser Informationspflicht nicht nach, kann ebenfalls ein Ärztefehler vorliegen.

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Ärztefehler und Schadenersatz

Der Ärztefehler muss nachweisbar sein, um Schadenersatz und entsprechend auch eine finanzielle Entschädigung zu erhalten. Das heißt, Sie müssen einen tatsächlichen Schaden erlitten haben. Und es muss klar erkennbar sein, dass die ärztliche Behandlung zu diesem Schaden geführt hat.

Die Höhe des Schadenersatzes hängt maßgeblich auch davon ab, ob ein einfacher oder ein grober Ärztefehler unterlaufen ist.

  • Wird der fachärztliche Standard missachtet, handelt es sich um einen einfachen Behandlungsfehler beziehungsweise einen einfachen Ärztefehler. Die Beweislast liegt bei den Patientinnen und Patienten. Das heißt, Sie müssen nachweisen, dass ein Fehler unterlaufen ist und dass dieser Fehler ursächlich ist für die Gesundheitsbeeinträchtigung.
  • Beim groben Behandlungsfehler ist die Beweislast umgekehrt. Das ärztliche Personal muss nachweisen, dass kein grober Ärztefehler festzustellen ist. Der BGH definiert einen groben Behandlungsfehler wie folgt: Ein grober Behandlungsfehler setzt im Bereich der Arzthaftung nicht nur einen eindeutigen Verstoß gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln oder gesicherte medizinische Erkenntnisse voraus, sondern erfordert auch die Feststellung, dass ein Fehler vorliegt, der aus objektiver Sicht nicht mehr verständlich erscheint, weil er einem Arzt schlechterdings nicht unterlaufen darf.
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Wahrscheinlichkeit von Ärztefehlern

Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Opfer eines Ärztefehlers werden, ist in Deutschland erfreulicherweise gering. Sie sollten also nicht aus Angst vor einer falschen Behandlung gar nicht erst eine Praxis oder das Krankenhaus aufsuchen.

Die unterlaufenen Ärztefehler werden in Deutschland allerdings nicht zentral erfasst oder gespeichert. In der Regel wird auf die Behandlungsfehlerverfahren abgezielt, wenn es um die Zahl der Ärztefehler geht. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen, der MDK, gibt an, dass jährlich rund 14.000 Gutachten für solche Verfahren erstellt werden. Die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen zählen rund 22.000 Behandlungsfehlergutachten.

Vermutlich ist die Dunkelziffer der Ärztefehler um einiges höher. In verschiedenen Studien wurde herausgefunden, dass auf jeden entdeckten Ärztefehler 30 unentdeckte Fälle kommen. Bei fast 20 Millionen Behandlungen im Krankenhaus pro Jahr muss aber auch diese Zahl in Relation gesehen werden.

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Optionen beim Verdacht eines Ärztefehlers

Zunächst ist es vielleicht nur ein ungutes Gefühl bei der Behandlung, dann kommen Schmerzen hinzu: Schnell entsteht der Verdacht, Opfer eines Ärztefehlers geworden zu sein. Das ist für die Betroffenen natürlich eine belastende Situation und die meisten wissen nicht, wie sie sich nun verhalten sollen.

  • Wir raten Ihnen dazu, ein detailliertes Gedächtnisprotokoll zu verfassen. Notieren Sie genau, wie die Behandlung abgelaufen ist, wer mit Ihnen gesprochen hat und was Ihnen mitgeteilt wurde.
  • Sammeln Sie Informationen über die jeweilige Behandlung und beantragen Sie, eine Kopie Ihrer Patientenakte zu erhalten. Dieses Recht ist gesetzlich vorgeschrieben.
  • Suchen Sie das Gespräch mit den behandelnden Ärzten/Ärztinnen. Oft lassen sich Unklarheiten persönlich aus der Welt schaffen.
  • Wenden Sie sich an Ihre Krankenkasse, die mit Fragen dieser Art vertraut ist und verpflichtet ist, Sie zu unterstützen.
  • Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen auf Seiten der Ärzteschaft kümmern sich ebenfalls um vermutete Behandlungsfehler. Hier muss Ihnen aber klar sein, dass eine außergerichtliche Einigung erzielt werden soll.
  • Auch in türkischer, arabischer und russischer Sprache informiert die unabhängige Patientenberatung: anonym und bundesweit.
  • Geben Sie Ihrer Rechtschutzversicherung möglichst rasch Bescheid.
  • Beachten Sie die Fristen zur Verjährung von Ärztefehlern. Es gilt eine Frist von drei Jahren mit Ablauf des Jahres, in dem der ärztliche Behandlungsfehler bemerkt wurde.
  • Dr. Weigl & Partner hat sich auf Ärztefehler spezialisiert. Wir kämpfen engagiert dafür, dass die gesundheitlichen Folgen von Behandlungsfehlern erkannt und zumindest finanziell ausgeglichen werden. Wir erarbeiten mit unserem Netzwerk von Fachärztinnen und Fachärzten fundierte medizinische Fachgutachten. So werden Behandlungsfehler erkannt und können entsprechend geahndet werden.

Unser Team berät Sie gerne kostenlos und unverbindlich zum Thema Hilfe bei Ärztefehlern oder auch bei allen anderen Themen der Pflege