Befunderhebungsfehler

Neben dem Diagnosefehler gibt es den sogenannten Befunderhebungsfehler, der dann gegeben ist,  wenn die Erhebung medizinisch gebotener Befunde unterlassen wird oder nur unzureichend geschieht. Im Unterschied dazu wird ein Diagnosefehler so definiert, dass der Arzt erhobene oder sonst vorliegende Befunde falsch interpretiert und deshalb nicht die notwendigen therapeutischen oder diagnostischen Maßnahmen ergreift.

In der juristischen Praxis bereitet es bisweilen Schwierigkeiten, zwischen Diagnosefehler und Befunderhebungsfehler zu unterscheiden. So ist ein Befunderhebungsfehler stets als ein Behandlungsfehler anzusehen – bei einem  Diagnosefehler gilt dies keineswegs uneingeschränkt.

Das mag daran liegen, dass es mitunter für den behandelnden Arzt schwierig sein kann, eine eindeutige Diagnose zu stellen. Analysiert und interpretiert ein Arzt Befunde, wie etwa Ultraschallbilder, Laborwerte, CT- und MRT-Daten oder Röntgenbilder, sind die dort erkennbaren Symptome nicht immer einer Erkrankung richtig zuzuordnen. Sie können vielmehr auf verschiedene Ursachen hindeuten. Außerdem kann jeder Patient wegen der Unterschiedlichkeiten des menschlichen Organismus die Anzeichen derselben Krankheit in anderer Ausprägung aufweisen. Die deutsche Rechtsprechung urteilt bei einem Diagnosefehler eher zurückhaltend. Beim Befunderhebungsfehler ist es anders: Dieser führt – im Gegensatz zu einem einfachen Diagnosefehler – zu einer Beweislastumkehr hinsichtlich der Kausalität des Behandlungsfehlers für den eingetretenen Gesundheitsschaden.

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Die Kosten für ein Gutachten bei einem Befunderhebungsfehler tragen die Gesetzlichen Krankenkassen

Kommt es infolge eines Befunderhebungsfehler nachweislich zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Patienten, hat dieser einen Anspruch auf Schmerzensgeld bzw. Schadensersatz. Die Durchsetzung der Ansprüche kann durch eine außergerichtliche Einigung mit der Gegenseite oder durch eine Klage vor Gericht geschehen.

Sie sollten sich jedoch klar machen, dass kein Anspruch besteht, wenn Sie als Patient durch Ihr Verhalten maßgeblich zur Verschlechterung Ihres Gesundheitszustandes beigetragen haben. Das wäre beispielsweise der Fall, wenn Sie gegen den ärztlichen Rat handeln: Etwa die verordnete Bettruhe nicht einhalten oder sich nicht an die verordnete Medikamenteneinnahme halten.

Generell ist es ratsam, dass Sie sich an einen auf Medizinrecht spezialisierten Anwalt wenden, sobald bei Ihnen ein Befunderhebungsfehler vorliegt oder der Verdacht besteht, das dieser Ihrem Arzt unterlaufen ist. Wenn Sie nicht gleich den juristischen Weg einschlagen wollen, besteht die Möglichkeit, eine unabhängige Beratungsstelle zu kontaktieren. Muss ein Gutachten erstellt werden, ist dies kostenlos über die Gesetzlichen Krankenkassen möglich. Die Zuständigkeit dafür liegt beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK). Wenn durch das Gutachten tatsächlich ein Behandlungsfehler bestätigt wird, können Sie über einen Anwalt gegen den Arzt Klage einreichen.

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Tun Sie das bald, um eine Verjährung auszuschließen. Schmerzensgeld bzw. Schadensersatz lässt sich nach einem Befunderhebungsfehler nur innerhalb von 3 Jahren durchsetzen – danach verjährt ein möglicher Anspruch. Ausnahme: Sind mögliche Schäden des Befunderhebungsfehlers noch nicht vollständig abschätzbar, verjährt der Anspruch auf eine Entschädigung erst nach 30 Jahren!

Denken Sie auch daran, dass Sie Behandlungsfehler grundsätzlich beweisen müssen, was bedeutet: Es liegt an Ihnen, die Sache so gut und ausführlich wie möglich zu dokumentieren.

Hier ein paar Tipps, wie Sie das ohne viel Aufhebens machen können:

  • Führen Sie eine Art „Behandlungstagebuch“, in dem Sie Gespräche mit dem Arzt oder dem Klinikpersonal festhalten. Notieren Sie in Ihrem Kalender, wann das Gespräch stattfand (Datum, Uhrzeit, Dauer)
  • Bemühen Sie sich, Aussagen zu Symptomen, zu Ihrer Krankheit oder Behandlungsmaßnahmen zu „verschriftlichen“: Schreiben Sie dem Arzt eine E-Mail  nach dem Motto: „habe ich Sie richtig verstanden, dass…..“ und setzen Sie sich dabei selbst in Blindkopie
  • Fordern Sie Kopien Ihrer Behandlungsunterlagen ein. Das ist grundsätzlich erlaubt. Bei einem Klinikaufenthalt sind das auch Pflegeberichte, verbale Aufzeichnungen der Krankenschwestern, OP-Berichte, Medikamenten-Nachweise, Laborberichte usw.
  • Teilen Sie Ihren Angehörigen oder sonstigen Zeugen Ihre Beobachtungen möglichst schriftlich mit
Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Ganz wichtig: Suchen Sie einen anderen Facharzt auf und lassen Sie sich von ihm eine zweite Diagnose erstellen und den Gesundheitszustand dokumentieren. Eine derartige Sammlung von Beweisen, Zeugenangaben und zeitnahen Tagebucheintragungen ist sehr hilfreich und verbessert die Erfolgsaussicht in einem Arzthaftungsverfahren deutlich. Während der Gerichtsverhandlung werden alle Dokumente zur Befunderhebung zusammengetragen und mit einem Sachverständigengutachten abgeglichen. So kann das Gericht feststellen, ob der behandelnde Arzt oder anderes Personal medizinische Standards oder Sorgfaltspflichten verletzt hat und ob ein Befunderhebungsfehler gegeben ist. Nach Anhörung beider Parteien – in einem solchen Prozeß besteht „Anwaltszwang“ – sowie Sichtung aller relevanten Beweise fällt der zuständige Richter ein Urteil, ob ein Anspruch auf Schmerzensgeld und/oder Schadensersatz besteht und in welcher Höhe. Abschließend bestimmt das Gericht eine Frist, innerhalb derer Schmerzensgeld bzw. Schadensersatz zu zahlen ist.

Erfolgreich einen Pflegegrad-Widerspruch stellen

Wie hoch das Schmerzensgeld und der Schadensersatz nach einem Befunderhebungsfehler ausfällt, variiert von Fall zu Fall

Die Höhe von Schmerzensgeld und Schadensersatz bei einem Befunderhebungsfehler hängt von verschiedenen Faktoren ab und wird vom individuellen Einzelfall bestimmt. Ein angemessenes Schmerzensgeld ist von den tatsächlichen gesundheitlichen Schäden sowie den damit verbundenen Folgen abhängig, etwa:

  • Art und Umfang der Beeinträchtigungen
  • Auswirkungen der gesundheitlichen Schäden auf Alltag und Beruf des Betroffenen
  • Dauer des Heilungsprozesses
  • Dauer von Krankenhausaufenthalten

Beachten Sie aber: Werden Ihre Forderungen bezüglich Schmerzensgeld nach einem Befunderhebungsfehler als zu übertrieben erachtet, kann Ihnen ein Gericht das als versuchte Bereicherung auslegen. Im schlimmsten Fall verlieren Sie Ihren Anspruch.

Erfolgreich einen höheren Pflegegrad beantragen

Üblicherweise sollen mit Ihrem Schadensersatzanspruch alle materiellen Schäden ausgeglichen werden, die Ihnen aufgrund des Befunderhebungsfehlers entstanden sind. Dessen konkrete Berechnung berücksichtigt die dem Patienten entstandenen finanziellen Aufwendungen und Kosten.

Hierzu zählen:

  • Erwerbsschäden, also der Ausgleich von Einkommensverlusten, weil Sie aufgrund der gesundheitlichen Beeinträchtigung nur eingeschränkt oder gar nicht mehr arbeiten konnten
  • Gesundheitsschäden, das ist die Erstattung der Kosten für medizinische Behandlungen und Medikamente
  • Mehrbedarfsschäden, worunter Kosten für eine Haushaltshilfe, für zusätzliche Pflege oder auch für einen behindertengerechten Umbau des Hauses fallen

Gut zu wissen: Bei erfolgreicher gerichtlicher Durchsetzung von Schmerzensgeld bzw. Schadensersatz nach einem Befunderhebungsfehler muss die Gegenseite sämtliche Anwalts- und Gerichtskosten übernehmen.

Unser Team berät Sie gerne kostenlos und unverbindlich zum Thema Befunderhebungsfehler oder auch bei allen anderen Themen der Pflege