Diagnosefehler Arzthaftung

Wenn Sie mit deutlichen Anzeichen einer bakteriellen Infektion zu einem Facharzt gehen und dieser nimmt Ihren Zustand nicht ernst und schickt Sie lediglich mit aufmunternden Worten wieder nach Hause – sprich: er erkennt  die Krankheitssymptome nicht – dann liegt ein Diagnosefehler vor.

Leider sind solche Irrtümer bei der Diagnosestellung nicht selten und haben teilweise schlimme und kaum wieder gutzumachende Folgeschäden für den Patienten: So wurde in einem Fall fälschlicherweise ein Myom in der Gebärmutter diagnostiziert mit der Folge der – objektiv nicht indizierten – Entfernung der Gebärmutter. Ein fataler Fehler umso mehr, da der Diagnose durch eine vorangegangene Laparoskopie, bei der kein Myom beschrieben wurde, die Grundlage fehlte.

Die Frage ist: Führt ein Diagnosefehler zur Arzthaftung? Eine eindeutige und gemeingültige Antwort hierauf kann schlichtweg nicht gegeben werden – denn entscheidend ist in der Regel die Einordnung des Behandlungsfehlers im Arzthaftungsprozess. Unter Arzthaftung versteht man die zivilrechtliche Verantwortung eines Arztes für Behandlungsfehler. Sie ist Teil des Medizinrechts. Haben Sie die Vermutung, dass bei Ihnen eine Diagnosefehler vorliegt, dann sollten Sie dies als erstes mit einem Fachanwalt für Medizinrecht klären, um gegebenenfalls rechtliche Schritte vorzunehmen. Sie können auch Erkundigungen bei einer unabhängigen Beratungsstelle einholen.

Ausgangspunkt sollte sein, dass der medizinische Sachverhalt genau untersucht wird. Denn nicht aus jeder falschen Diagnose ergibt sich zwangsläufig ein Schadenersatz- und Schmerzensgeldanspruch des Patienten. Unterschieden werden sollte auch, ob es sich um einen Diagnosefehler oder einen Befunderhebungsfehler handelt: Beide sind Unterfälle des ärztlichen Behandlungsfehlers mit unterschiedlichen Konsequenzen für den Fortgang einer gerichtlichen Verhandlung.

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Die Arzthaftung bei einem Diagnosefehler umfasst Schmerzensgeld- und Schadensersatzansprüche

Zunächst die nähere Definition des Begriffs: Von einem Diagnosefehler bzw. Diagnoseirrtum spricht man, wenn Ärzte Befunde falsch interpretieren und infolgedessen nicht die eigentlich gebotenen therapeutischen oder diagnostischen Behandlungsmaßnahmen ergreifen. Analysiert und interpretiert ein Arzt Befunde, wie zum Beispiel Ultraschallbilder, Laborwerte, CT- und MRT-Daten oder Röntgenbilder, sind die dort erkennbaren Symptome nicht immer einer Erkrankung eindeutig zuzuordnen. Sie können vielmehr auf verschiedene Ursachen hindeuten. Außerdem lösen dieselben Krankheiten bei unterschiedlichen Patienten häufig verschiedene Symptome aus. Deshalb ist eine korrekte Diagnose im Einzelfall nicht so einfach. Die deutsche Rechtsprechung urteilt bei einem Diagnosefehler eher zurückhaltend.

Doch ein Diagnosefehler kann für betroffene Patienten drastische Konsequenzen haben: Sowohl materieller wie auch immaterieller Art. Bei einer schweren Erkrankung muss die Therapie neu angesetzt und gestaltet werden, die Medikation muss umgestellt werden. Womöglich entstehen zusätzliche Kosten für einen erhöhten Pflegebedarf, für Hilfsmittel und therapeutische Maßnahmen. Diese müssen unter Umständen vom Patienten ausgelegt oder allein getragen werden. Dabei ist nicht sicher, ob die neuen Therapieformen auch anschlagen und die Medikamente entsprechend wirken – ohne Nebenwirkungen für den Körper. Es drohen zudem finanzielle Einbußen durch Verdienstausfälle. Die finanziellen Belastungen und die Angst und Ungewissheit kosten den Patienten vor allem viel Kraft, Nerven und Zeit.

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Um diese Unsicherheiten und negativen Auswirkungen auszugleichen, besteht ein Entschädigungsanspruch – zum einem durch Schmerzensgeld, zum anderen durch Schadensersatz. Schmerzensgeld steht einem zu, wenn etwa psychische oder physische Folgeschäden oder auch eine dauerhafte körperliche Entstellung oder Einschränkung nachgewiesen werden kann. Wie hoch das Schmerzensgeld nach einem Diagnosefehler ausfällt, hängt vom individuellen Ausmaß und den individuellen Folgen für den Betroffenen ab. Generell gilt: Je stärker die Beeinträchtigung, desto mehr Schmerzensgeld kann der Geschädigte erwarten. Einen ersten Anhaltspunkt über die Schmerzensgeldhöhe bieten sogenannte Schmerzensgeldtabellen. Diese stellen eine Sammlung vergangener Gerichtsurteile zu Schmerzensgeldern bei immateriellen Schäden dar – sie können aber nur als Orientierung dienen.

Bezüglich Schadensersatz tritt die Arzthaftung bei einem Diagnosefehler nur ein, wenn eindeutig nachzuweisen ist, dass wirtschaftliche Schäden Folge des Schadensereignisses sind. Schadensersatz ist dann vom Verursacher – dem Arzt – meist in finanzieller Form zu leisten. Dabei kann es sich um die Kosten für zusätzliche Behandlungen handeln oder für behindertengerechte  Umbaumaßnahmen, es kann ein finanzieller Ausgleich für Einkommensverluste sein oder für personelle Unterstützung im Haushalt.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Um Schadensersatz bzw. Schmerzensgeld nach einem Diagnosefehler einzufordern, müssen ausnahmslos diese drei Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Es liegt eine falsche Diagnose vor
  • Die Fehldiagnose verursacht Gesundheitsschäden
  • Der Entschädigungsanspruch ist noch nicht verjährt

Beachten Sie beim letzten Punkt: Ihr Anspruch verjährt nach drei Jahren. Dabei beginnt die Verjährungsfrist  immer am Ende des Jahres, in welchem der Patient Kenntnis vom Schaden erlangt.  Beispielsweise 2020, wo ein Diagnosefehler auftritt: Die Verjährungsfrist beginnt am 31.12.2020 und endet am 31.12.2023.

Handelt es sich um einen leichten Diagnosefehler, ist der Patient beweispflichtig

Es ist auch wichtig zu wissen, dass Sie als Patient beweispflichtig sind. Das bedeutet: Sie müssen anhand von Krankenunterlagen, Gutachten, Fotos oder auch ärztlichen Zweitmeinungen nachweisen, dass der Diagnosefehler die Ursache für den entstandenen Gesundheitsschaden ist. Hierfür dürfen Sie bei dem behandelnden Arzt oder der Klinikleitung Einsicht in die Befunde einfordern. Dies ist grundsätzlich erlaubt.

Generell ist es ratsam, dass Sie in punkto Behandlungsfehler Unterstützung durch Experten erhalten. Die finden Sie bei uns: Wir von Dr. Weigl & Partner haben uns auf medizinische Gutachten spezialisiert, um Sie in Ihrem Vorgehen gegen Behandlungsfehler eingehend zu unterstützen. Wir verfügen über ein deutschlandweites Netzwerk von anerkannten Fachärztinnen und Fachärzten, die sich intensiv für die Klärung von Diagnosefehlern einsetzen. Unser Ziel ist es, Betroffenen zu helfen und sie kompetent zu beraten. Setzen Sie sich gerne mit uns in Verbindung.

Erfolgreich einen Pflegegrad-Widerspruch stellen

Wenn sich der Diagnosefehler als besonders schwerwiegend herausstellt, liegt die Beweispflicht allerdings nicht mehr beim Patienten, sondern beim Arzt oder bei der Klinik. Es muss dann nachgewiesen werden, dass der behandelnde Arzt den Gesundheitsschaden des Patienten nicht verschuldet hat. Die sogenannte Beweislastumkehr tritt ein, wenn:

  • Krankenunterlagen unvollständig sind oder komplett fehlen
  • einer unqualifizierten Person der Diagnosefehler unterläuft
  • der Behandelnde eindeutige Befunde oder Symptome übersieht oder nicht beachtet
  • es sich um einen groben Behandlungsfehler handelt. Sprich: der Diagnosefehler ist so schwerwiegend, dass er einem Mediziner schlichtweg nicht passieren darf
Erfolgreich einen höheren Pflegegrad beantragen

Wie sieht nun das Procedere der Arzthaftung bei einem Diagnosefehler aus? Tritt der Patient mit dem Vorwurf eines Diagnosefehlers an den behandelnden Arzt heran und hat Schmerzensgeld- und Schadensersatzforderungen, muss der Arzt seine Haftpflichtversicherung umgehend informieren. Der Versicherer setzt sich dann meist direkt mit dem Patienten oder dessen Anwalt in Verbindung und verhandelt über die Forderung des Patienten. Der Arzt wird ebenfalls um eine Stellungnahme gebeten und ist aufgefordert, dem Haftpflichtversicherer seine medizinische Auffassung mitzuteilen. Führt ein außergerichtliches Verfahren zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis, kann sich eine Klage anschließen.

Bei einem Streitwert von mehr als 5.000 Euro ist ein Verfahren beim Landgericht der übliche Weg. Dort sind in der Regel spezielle Kammern für Arzthaftpflichtfragen eingerichtet, die auf diesem Gebiet schwerpunktmäßig tätig sind. Es besteht üblicherweise eine „Anwaltspflicht“ für beide Parteien vor Gericht. Bei erfolgreicher gerichtlicher Durchsetzung von Schmerzensgeld bzw. Schadensersatz nach einem Diagnosefehler muss die Gegenseite sämtliche Anwalts- und Gerichtskosten übernehmen.

Unser Team berät Sie gerne kostenlos und unverbindlich zum Thema Diagnosefehler – Arzthaftung oder auch bei allen anderen Themen der Pflege