TOP 10: die häufigsten Behandlungsfehler

Bei einer OP wird ein medizinisches Instrument im Körper der Patientin vergessen? Dabei handelt es sich um einen eindeutigen Behandlungsfehler und es besteht Anspruch auf Schmerzensgeld.

Da es aber kein Recht auf Heilung gibt, können Behandlungsfehler nicht immer so leicht erkannt werden. Nur weil eine Behandlung nicht die gewünschte Wirkung zeigt, kann und sollte nicht automatisch ärztliches Fehlversagen angenommen werden. Ein Recht auf eine Behandlung nach den aktuell gültigen Standards haben Sie aber in jedem Fall – und dieser Standard wird wichtig, wenn Behandlungsfehler geahndet werden sollen. Hier geht es auch um Schadenersatz. Die Betroffenen wissen meist nicht, an welche Stellen sie sich wenden können. Aber welche Behandlungsfehler werden überhaupt am häufigsten begangen?

Was ist ein Behandlungsfehler?

Medizinisches Personal ist hohem Druck ausgesetzt – wenig Zeit für die Behandlung, Stress und Schlafmangel können dazu führen, dass die Konzentration leidet. Und auch wenn mit viel Engagement und hoher Sorgfalt gearbeitet wird, unterlaufen Fehler, die in der Alltagssprache als Kunstfehler bezeichnet werden. Der juristisch korrekte Begriff lautet allerdings Behandlungsfehler. Ärztinnen und Ärzte, aber auch Hebammen, Psychotherapeutinnen oder Heilpraktiker müssen die Behandlung nach dem aktuellen fachärztlichen Standard durchführen. Dazu gehören:

  • Anamnese: Erhebung der Krankheitsgeschichte,
  • Befunderhebung: umfassende Untersuchung,
  • Diagnose: Feststellen der Krankheit,
  • Therapie: Behandlung der Krankheit sowie
  • Nachsorge: Nachbehandlung.
Unabhängige Pflegeberatung zum Thema Behandlungsfehler erhalten

Der Verstoß gegen diese ärztlichen Pflichten wird als Behandlungsfehler bezeichnet. Jeder ärztliche Eingriff, der nicht dem zum Zeitpunkt der Behandlung anerkannten fachärztlichen Standard entspricht, ist ein Behandlungsfehler. Dabei kann es sich um einfache und grobe Behandlungsfehler handeln.

  • Ein einfacher Behandlungsfehler liegt vor, wenn vom ärztlichen Soll-Standard abgewichen wird. Die Beweislast liegt bei den Patientinnen und Patienten. Das heißt, es muss nachgewiesen werden, dass ein einfacher Behandlungsfehler unterlaufen und dieser auch ursächlich für die erlittenen medizinischen Folgen ist.
  • Nach einem BGH-Urteil aus dem Jahr 1996 liegt ein grober Behandlungsfehler vor, wenn „ (…) der Arzt eindeutig gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln oder gesicherte medizinische Erkenntnisse verstoßen und einen Fehler begangen hat, der aus objektiver Sicht nicht mehr verständlich erscheint, weil er einem Arzt schlechterdings nicht unterlaufen darf.“ Die Beweislast liegt auf Seiten des ärztlichen Personals.

Der fachärztliche Standard ist also äußerst wichtig, wenn Behandlungsfehler identifiziert werden. Und das kann durchaus schwierig werden, denn nicht bei jeder Therapie, die nicht den gewünschten Erfolg hat, kann von einem ärztlichen Fehler ausgegangen werden. Einen Anspruch auf Linderung von Schmerzen oder Heilung einer Krankheit gibt es nicht.

Um Behandlungsfehler sicher zu erkennen, wird deswegen in den meisten Fällen ein medizinisches Fachgutachten eingeholt. Denn auch die Juristinnen und Juristen, die am Ende über einen möglichen Schadenersatz entscheiden, sind auf medizinische Expertise angewiesen. Mit dem Fachgutachten wird unabhängig und objektiv geprüft, ob ein Behandlungsfehler vorliegt.

Fragen zum Thema Hilfe bei Behandlungsfehlern?

Rufen Sie uns an und nutzen Sie unsere kostenlose Telefon-Beratung (max. 30 Minuten)

Welches sind die häufigsten Behandlungsfehler?

Viele Behandlungsfehler bleiben unentdeckt, die Dunkelziffer ist vermutlich hoch. In verschiedenen Untersuchungen wurde erarbeitet, dass auf jeden entdeckten Fall 30 unentdeckte Behandlungsfehler kommen. Welches sind die häufigsten Behandlungsfehler? Um eine Top-10-Liste zu erstellen, sollte zwischen fehlerhaft behandelnden Krankheiten in Kliniken und Arztpraxen unterschieden werden.

Die Top Ten der am häufigsten fehlerhaft behandelten Krankheiten im niedergelassenen Bereich:

  • Platz 1: bösartige Neubildung der Brustdrüse
  • Platz 2: Deformität, Zehen/Finger
  • Platz 3: Arthrose des Kniegelenks – Gonarthrose
  • Platz 4: Unterarmfraktur
  • Platz 5: Hand- und Handgelenksfraktur
  • Platz 6: Fußfraktur (ausgenommen oberes Sprunggelenk
  • Platz 7: Katarakt, senile
  • Platz 8: Katarakt, sonstiger
  • Platz 9: Arthrose des Hüftgelenks (Koxarthrose)
  • Platz 10: Bursitis, Schulter
Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen
    • Die Top Ten der am häufigsten fehlerhaft behandelten Krankheiten im Krankenhaus:
      • Platz 1: Unterschenkel- und Sprunggelenksfraktur
      • Platz 2: Arthrose des Hüftgelenks (Koxarthrose)
      • Platz 3: Unterarmfraktur
      • Platz 4: Arthrose des Kniegelenks (Gonarthrose)
      • Platz 5: Femurfraktur
      • Platz 6: Schulter- und Oberarmfraktur
      • Platz 7: Hand- und Handgelenksfraktur
      • Platz 8: Hirninfarkt
      • Platz 9: oberflächliche Verletzungen (nicht näher bezeichnet)
      • Platz 10: Cholelithiasis

Was tue ich, wenn ich einen Verdacht auf einen Behandlungsfehler habe?

Wenn eine medizinische Maßnahme nicht den gewünschten Erfolg bringt, ist das immer eine schwierige Situation. Kommt dann noch die Vermutung hinzu, Opfer eines Behandlungsfehlers geworden zu sein, ist das eine große Belastung für die Betroffenen. In der Regel wissen die Patientinnen und Patienten nicht, wie sie sich verhalten und an wen sie sich wenden sollen.

Wir raten Ihnen zunächst einmal dazu, ein schriftliches Gedächtnisprotokoll anzufertigen. Notieren Sie detailliert, wie die Behandlung stattgefunden hat. Wer hat Sie untersucht? Von wem wurden Sie aufgeklärt? Mit wem haben Sie das Vorgehen, die Diagnose und die Therapie besprochen? Sammeln Sie zudem alle wichtigen Unterlagen. Es ist gesetzlich vorgesehen, dass Sie Ihre Patientenakte als Kopie inklusive aller relevanter Dokumente, beispielsweise Röntgenbilder, OP-Berichte oder Arztbriefe, erhalten. Wenn das Krankenhaus oder das ärztliche Personal zurückhaltend reagiert, können Sie die Unterlagen schriftlich einfordern. Versenden Sie ein Einschreiben mit Fristsetzung und Rückschein und berufen Sie sich auf § 630 g des BGB.

Erfolgreich einen Pflegegrad-Widerspruch stellen

Ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin kommt natürlich immer als Erstes infrage. Sie können Fragen stellen, von den Nachwirkungen und Beschwerden berichten und schildern, dass Sie einen Behandlungsfehler vermuten. Auch eine zweite ärztliche Meinung einzuholen, kann sinnvoll sein. So erhalten Sie eine unabhängige Einschätzung der Sachlage. Ist dieses Gespräch ohne Erfolg, können Sie sich direkt an die Klinikleitung wenden.

Einige Bundesländer, beispielsweise Schleswig-Holstein, haben Patientenombudsstellen ins installiert. Auch Verbraucherzentralen bieten eine gute und unabhängige Beratung in Sachen Behandlungsfehlern an.

Sie können Sich auch direkt an Ihre Krankenkasse wenden, die Sie unterstützt, wenn Sie einen Behandlungsfehler vermuten. Oft wird der MDK, der Medizinische Dienst der Krankenkassen, mit einem Fachgutachten beauftragt.

Erfolgreich einen höheren Pflegegrad beantragen

Achten Sie auf die Fristen, wenn es um Schadenersatz geht. Bei Behandlungsfehlern gilt eine Frist von drei Jahren. Die Frist beginnt am Ende des Jahres, in dem der Behandlungsfehler erkannt wurde. Oft entstehen Spätfolgen eines Fehlers, die so trotzdem geahndet werden können.

Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärzteschaft können ebenfalls Informationen liefern. Ziel wird aber immer eine außergerichtliche Einigung sein, das sollten Sie vorab wissen.

Um Schadenersatz zu erhalten – und damit zumindest eine finanzielle Entschädigung – wird in der Regel ein medizinisches Fachgutachten nötig sein. Die medizinische unabhängige Expertise ist wichtig, um einen Behandlungsfehler zweifelsfrei zu erkennen. Wir bieten Ihnen dieses fachliche Gutachten ebenso wie Beratung zu allen Fragen rund um Behandlungsfehler.

Deutschlandweit ist unseres erfahrenes Netzwerk von Fachärztinnen und Fachärzten tätig. Auch in Ihrer Nähe sind wir für Sie da. Denn wir kämpfen engagiert für Ihr Recht.

Unser Team berät Sie gerne kostenlos und unverbindlich zum Thema Hilfe bei Behandlungsfehlern oder auch bei allen anderen Themen der Pflege