Erwerbsminderungsrente Antrag

Pro Jahr stellen mindestens 350.000 Menschen bei der Deutschen Rentenversicherung (DRV) einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente. Sie wird im Volksmund auch Frührente oder Rente wegen Krankheit oder einfach nur EU-Rente genannt. 

Aus gesundheitlichen Gründen können die Antragsteller gar nicht oder nur sehr reduziert arbeiten. Letzteres bedeutet: Sie sind weniger als drei Stunden täglich einsatzfähig – und nicht nur bezogen auf ihre bisherige berufliche Tätigkeit, sondern bezogen auf alle Arten von Jobs. Ist es ihnen allerdings noch möglich, zwischen drei und sechs Stunden pro Tag zu arbeiten, steht den Betroffenen nur eine halbe Erwerbsminderungsrente zu. Das ist die sogenannte Teil­erwerbs­minderungs­rente. Einzige Ausnahme: Die aktuelle Arbeitsmarktsituation ist so schwierig, dass die Personen zwar zwischen drei und sechs Stunden pro Tag in einem Beruf arbeiten könnten, aber keinen Job finden. In einem solchen Fall kann ein Anspruch auf die volle Erwerbs­minderungs­rente geprüft werden.

Was die versicherungsrechtlichen Voraussetzungen angeht, muss folgendes zutreffen:

  • Vor Eintritt der Erwerbsminderung war der Arbeitnehmer mindestens fünf Jahre in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert
  • In den fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung wurden insgesamt mindestens drei Jahre Rentenversicherungsbeiträge gezahlt
Unabhängige Pflegeberatung zum Thema Antrag auf Erwerbsminderungsrente erhalten

Die meisten Anträge auf Erwerbsminderungsrenten werden wegen Depressionen gestellt

Was die medizinischen Voraussetzungen angeht, wird zunächst geprüft, ob die Erwerbsfähigkeit des Antragstellers durch eine medizinische Rehabilitation nicht doch verbessert werden kann.

Hierzu muss man wissen: Neben Unfällen, welche die körperliche Leistungsfähigkeit stark beeinträchtigen oder zu einer Behinderung führen können, sowie organischen Erkrankungen, sind es vor allem psychische Störungen, die vermehrt eine Teilnahme am Erwerbsleben unmöglich machen. Allen voran sind dies Depressionen. Laut Statistik der Deutschen Rentenversicherung waren Depressionen der häufigste Grund für die Beantragung einer Erwerbsminderungsrente in den letzten Jahren. Allerdings wird bei einer sogenannten depressiven Episode oder bei einem Burnout-Syndrom in der sozialmedizinischen Beurteilung häufig davon ausgegangen, dass die Frührente dem Heilungsprozess abträglich ist.

Andererseits kann gerade die Rente wegen Erwerbsminderung, und die damit einhergehende Grundabsicherung, den Genesungsprozess begünstigen. Hier muss je nach Einzelfall genau abgewogen werden. Bei oftmals nicht eindeutiger Diagnose – zum Beispiel als Schmerzpatient mit chronischen Schmerzstörungen verbunden mit Angst, Depression oder Panikattacken –  ist mitunter von sogenannten multimorbiden Patienten die Rede. Die Wahl des Begriffs ist hier nicht abwertend gemeint. Denn häufig wird verkannt, dass etwa Umwelt- und Umgebungseinflüsse einen erheblichen Einfluss auf den Gesundheitszustand eines Menschen haben können.

Fragen zum Thema Erwerbsminderungsrente?

Rufen Sie uns an und nutzen Sie unsere kostenlose Telefon-Beratung (max. 30 Minuten)

Ist also davon auszugehen, dass einem Antrag auf Erwerbsminderungsrente in der Regel stattgegeben wird? Leider nicht. In Deutschland gibt es zwar rund 1,8 Millionen  Erwerbsminderungsrentner – diese Zahl mag hoch erscheinen – doch ist es nicht einfach, eine solche Rente zugesprochen zu bekommen. Es werden sogar über 40 Prozent der Anträge abgelehnt – weil die Antragsteller die versicherungsrechtlichen oder medizinischen Voraussetzungen eben nicht erfüllen. Wer beispielsweise aufgrund einer selbstständigen Tätigkeit oder einer Familienauszeit längere Zeit keine Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, verliert unter Umständen seinen Anspruch.

Was die gesundheitlichen Einschränkungen betrifft, setzt die Rentenversicherung gemäß dem Merksatz „Reha vor Rente” zuerst einmal auf Reha-Maßnahmen. In einer stationären oder ambulanten Rehaeinrichtung versuchen Fachkräfte, gemeinsam mit dem Betroffenen,  die Krankheit durch geeignete Behandlungsmaßnahmen zu beseitigen oder einzudämmen. Eine Anschlussheilbehandlung nach einer Akuterkrankung gehört auch zur Reha-Maßnahme. Erweist sich die berufliche Rehabilitation als nicht erfolgreich, bewilligt die Rentenversicherung schlussendlich doch die vorzeitige Rente.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Eine genaue Einschätzung der jeweiligen Situation überlässt die Rentenversicherung ihren ärztlichen Gutachtern. Sie sind für die Bewertung der eingereichten Arztberichte zuständig, dürfen aber auch selber Untersuchungen durchführen. Was erfahrungsgemäß aber eher selten vorkommt.

Ein Tipp: Einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente sollten Sie erst dann stellen, wenn die behandelnden Ärzte oder Therapeuten die Auffassung vertreten, dass die nötigen Voraussetzungen erfüllt sind. Therapien, Reha-Maßnahmen und eventuell Medikamenteneinnahmen werden am besten detailliert dokumentiert. Dadurch erhöht sich die Chance, dass Sie – wenn nicht beim Erst-Antrag – wenigstens beim Widerspruch noch recht bekommen.

Für den Antrag auf Erwerbsminderungsrente müssen Sie verschiedene Formulare ausfüllen, in welchen Sie Ihren Gesundheitszustand schildern – unter anderem sind Sie aufgefordert sind, eine Selbsteinschätzung bezüglich Ihrer gesundheitlichen Verfassung zu geben.

Erfolgreich einen Pflegegrad-Widerspruch stellen

Wenn sich der Gesundheitszustand bessert, kann die Erwerbsminderungsrente wieder entzogen werden

Für dauerhaft behinderte Menschen gilt übrigens eine Sonderregel – denn teilweise können keine Beiträge in die Rentenversicherung für sie eingezahlt werden. Dennoch bewilligt ihnen der Staat eine Erwerbsminderungsrente: Nach einer Wartezeit von 20 Jahren. Arbeiten die Betroffenen beispielsweise in einer Werkstatt für Behinderte, dürfen sie nach zwei Jahrzehnten einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente stellen.

Beachten Sie bitte: Wenn Sie schwerbehindert sind, bedeutet das nicht, dass Ihnen möglicherweise eine Erwerbsminderungsrente zusteht. Für diese ist ja nicht der Grad der Behinderung (GdB) entscheidend, sondern das sogenannte qualitative und quantitative Leistungsvermögen (Restleistungsvermögen).

Das ärztliche Gutachten gibt immer Aufschluss darüber, in welchem zeitlichen Umfang der Antragsteller, unter den Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes, noch tätig sein kann. Aufgrund anerkannter Schwerbehinderung könnte jedoch bei Ihnen ein Anspruch auf Altersrente wegen Schwerbehinderung bestehen – dies müssten Sie prüfen lassen.

Erfolgreich einen höheren Pflegegrad beantragen

Wenn Ihrem Antrag auf Erwerbsminderungsrente stattgegeben wurde, dann gilt diese Bewilligung lediglich für einen bestimmten Zeitraum. Nur wenn es sehr unwahrscheinlich ist, dass die Arbeitsfähigkeit wieder hergestellt werden kann, und wenn der Betroffene unter drei Stunden täglich arbeitsfähig ist, kann die Rente ohne Befristung bewilligt werden. Schließlich ist ein Anspruch auf die EM-Rente an eine Erwerbsminderung gebunden – sollte sich der Gesundheitszustand bessern, kann die Erwerbsminderungsrente unter Umständen wieder entzogen werden.

Bei befristeten Erwerbsminderungsrenten ist daher darauf zu achten, dass rechtzeitig  ein Antrag auf Weiterzahlung beim Rentenversicherungsträger gestellt wird – also etwa sechs Monate vor Ablauf der Befristung.

Die Höhe der Erwerbsminderungsrente errechnet sich aus den persönlichen Entgeltpunkten des Versicherten, dem Rentenartfaktor und dem aktuellen Rentenwert. Sie hängt also mit dem Rentenanspruch zusammen, den Sie bisher erworben haben. Wie die Altersrente ist auch die Erwerbsminderungsrente von den jährlichen Rentenanpassungen betroffen. Beachten Sie, dass sie nur begrenzt dazuverdienen dürfen: Erhalten Sie den Höchstsatz der Erwerbsminderungsrente, sind das aktuell 6.300 Euro pro Kalenderjahr. Bei der Teilerwerbsminderungsrente wird die Hinzuverdienstgrenze immer individuell berechnet, dafür müssen Sie sich an den Rentenversicherungsträger wenden.

Unser Team berät Sie gerne kostenlos und unverbindlich zum Thema Antrag auf Erwerbsminderungsrente oder auch bei allen anderen Themen der Pflege