Erwerbsminderungsrente

Wenn Sie die Regelaltersgrenze für die reguläre Rente noch nicht erreicht haben, aber aus gesundheitlichen Gründen gar nicht oder nur sehr gering arbeiten können, ersetzt die sogenannte Erwerbsminderungsrente (EM-Rente) das Einkommen. Eine sehr geringe Arbeitszeit bedeutet in diesem Zusammenhang: weniger als drei Stunden täglich – und nicht nur bezogen auf Ihre bisherige Tätigkeit, sondern bezogen auf alle Arten von Jobs.

Allerdings haben nur Mitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung einen Anspruch auf eine solche Rente. Und auch nur bei Einhaltung bestimmter Versicherungszeiten: Sie müssen mindestens fünf Jahre Mitglied in der Renten­versicherung gewesen sein, sowie in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung wenigstens drei Jahre lang Pflichtbeiträge an die Rentenversicherung gezahlt haben, beispielsweise während einer versicherten Beschäftigung.

Aber selbst, wenn diese Bedingungen erfüllt sind, haben Sie noch nicht automatisch einen Anspruch auf die Auszahlung der Erwerbsminderungsrente. Denn gemäß der Devise „Reha kommt vor Rente” wird zunächst geprüft, ob Ihre Erwerbsfähigkeit durch eine medizinische Rehabilitation nicht doch verbessert werden kann bzw. ob durch eine berufliche Rehabilitation die Rückkehr ins Berufsleben möglich ist.

Unabhängige Pflegeberatung zum Thema Erwerbsminderungsrente erhalten

Fast jeder 2. Antrag auf Erwerbsminderungsrente wird aus medizinischen oder versicherungsrechtlichen Gründen abgelehnt

In Deutschland beziehen rund 1,8 Millionen Menschen diese Art von Frührente – Erwerbsminderungsrentner machen mittlerweile 20 Prozent alle Neurentner aus. Der Großteil von ihnen erhält die volle Auszahlung. Der Grund, warum so viele Menschen den Höchsatz erhalten, liegt an der Situation auf dem Arbeitsmarkt. Zwar könnten sie aufgrund ihres gesundheitlichen Zustandes zwischen drei und sechs Stunden täglich erwerbs­tätig sein und hätten damit lediglich Anspruch auf eine Teil­erwerbs­minderungs­rente – doch wegen der Arbeits­markt­lage finden sie keinen Teilzeitjob.  Der Anspruch auf die volle Rentenleistung besteht jedoch nur so lange, wie ein dem eingeschränkten Leistungsvermögen entsprechender Arbeitsplatz nicht gefunden werden kann.

Fakt ist zudem: Eine Erwerbsminderungsrente wird vorrangig wegen psychischer Störungen beantragt. Hier sind insbesondere Burn-out, Depressionen und Suchterkrankungen zu nennen. Tendenziell wird die Zahl der Erkrankten in diesem Bereich künftig weiter ansteigen. Im Ranking folgen die physischen Leiden oder Behinderungen, wie Krebsleiden, orthopädische Erkrankungen, Herz- und Kreislauferkrankungen und Krankheiten des Nervensystems.

Fragen zum Thema Erwerbsminderungsrente?

Rufen Sie uns an und nutzen Sie unsere kostenlose Telefon-Beratung (max. 30 Minuten)

Trotz der relativ großen Zahl von Erwerbsminderungsrentnern sollten Sie sich bewusst machen, dass die Hürden zum Erhalt einer solchen Rente in Deutschland sehr hoch sind.  Laut Statistik werden über 40 Prozent der Anträge abgelehnt – weil die Antragsteller die versicherungsrechtlichen oder medizinischen Voraussetzungen nicht erfüllen. Wer beispielsweise aufgrund einer selbstständigen Tätigkeit oder einer Familienauszeit längere Zeit keine Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, verliert unter Umständen seinen Anspruch.

Es gibt allerdings auch Ausnahmen von der so genannten Wartezeit – als solche werden jene fünf Jahre bezeichnet, während der in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt werden muss. So gilt die Wartezeit beispielsweise als erfüllt, wenn der Betroffene vor Ablauf von sechs Jahren nach Beendigung einer Ausbildung voll erwerbsgemindert geworden ist und in den letzten zwei Jahren vorher mindestens ein Jahr Pflichtbeiträge für eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit gezahlt hat.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Bei Menschen mit Behinderung weicht die Klausel ebenfalls etwas ab: Selbst, wenn sie vor Eintritt der Erwerbsminderung die allgemeine Wartezeit von fünf Jahren nicht erfüllt haben, gibt es trotzdem die Möglichkeit, eine Rente wegen voller Erwerbsminderung zu erhalten. Bedingung ist dann: Sie müssen die Wartezeit von zwanzig Jahren erfüllen – etwa 20 Jahre in einer Werkstatt für behinderte Menschen gearbeitet haben – und ununterbrochen voll erwerbsgemindert geblieben sein. Aufgrund ihrer Behinderung konnten die Betroffenen nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein.

Versicherten, die vor dem 2. Januar 1961 geboren sind, steht eine Teil­erwerbs­minderungs­rente auch dann zu, wenn sie nur noch einge­schränkt in einem ihrer Qualifikation entsprechenden Beruf tätig sein können. Häufig gibt es Streitigkeiten darum, welche Tätig­keiten vergleich­bar und zumut­bar sind. Für all jene, die nach 1961 geboren sind, gilt, dass sie nur dann eine Erwerbs­minderungs­rente erhalten, wenn sie aus gesundheitlichen Gründen in keinem Beruf mehr tätig sein können. Dabei spielt ihre berufliche Befähigung und Eignung sowie die bisherige Tätig­keit keine Rolle. Für sie wäre es ratsam, sich noch auf andere Weise abzusichern: Etwa durch Abschluss einer Berufs­unfähigkeits­versicherung.

Erfolgreich einen Pflegegrad-Widerspruch stellen

Die Antragsformulare für die Erwerbsminderungsrente finden sich auf der Homepage der DRV

Was müssen Sie nun aber konkret tun, wenn Sie aufgrund einer chronischen Krankheit oder wegen der Folgen eines Unfalls nicht mehr voll arbeiten können? Dann stellen Sie einen Antrag auf eine Rente wegen Erwerbsminderung. Die dafür notwendigen Antragsformulare finden Sie auf der Internetseite der Deutschen Rentenversicherung (DRV). Sie liegen auch in den bundesweiten Auskunfts- und Beratungsstellen aus. Hier haben Sie zudem die Möglichkeit, sich ausführlich zum Thema beraten zu lassen.

Die Krankenkasse kann Beschäftigte auch auffordern, einen Reha-Antrag zu stellen. Dieser Aufforderung müssen Sie nachkommen. Besteht jedoch für eine Reha-Maßnahme keine Erfolgsprognose, weil Sie entweder nicht rehafähig sind oder nach der durchgeführten Reha weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit besteht, kann der Reha-Antrag in einen Rentenantrag umgedeutet werden.

Erfolgreich einen höheren Pflegegrad beantragen

Neben medizinischen oder versicherungsrechtlichen Gründen kann die Anerkennung der Erwerbsminderungsrente auch versagt werden, wenn der Antragsteller beispielsweise bewusst gegen Gesetze verstoßen hat. Natürlich ist das eher die Ausnahme. Aber in einem konkreten Fall hatte jemand ohne Führerschein und im betrunkenen Zustand einen Verkehrs-Unfall verursacht und war dafür zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Aufgrund der gesundheitlichen Beeinträchtigung durch den Unfall wurde von dem Verurteilten ein Antrag auf Erwerbsminderungsrente gestellt. Dieser wurde von der Rentenversicherung mit der Begründung abgelehnt, dass der Antragsteller sich grob selbstgefährdend verhalten habe. Hier heißt es also aufpassen – denn vielen Fahrzeugführern sind die Folgen bezüglich Sozialversicherung nach einem Verkehrsunfall, bei dem man sich strafbar gemacht hat, nicht bekannt.

Wenn Sie die Ablehnung Ihres Antrages auf Erwerbsminderungsrente nicht hinnehmen wollen, können Sie innerhalb eines Monats schriftlich Widerspruch einlegen. Dieser muss aber genau begründet werden. Der Antrag auf Erwerbsminderungsrente wird erneut geprüft und es ergeht ein neuer Bescheid: der sogenannte Widerspruchsbescheid. Erhalten Sie wiederum eine Ablehnung, bleibt leider nur noch der Schritt zur Klage vor dem Sozialgericht.

Unser Team berät Sie gerne kostenlos und unverbindlich zum Thema Erwerbsminderungsrente oder auch bei allen anderen Themen der Pflege