Wie Sie einen Behindertenausweis beantragen

Durch einen Behindertenausweis können Betroffene Ihre körperliche und geistige Beeinträchtigungen gegenüber bestimmten Stellen offiziell nachweisen, und so bestimmte Nachteilsausgleiche“ in Anspruch nehmen. Erfahren Sie im Folgenden, wie Sie einen Behindertenausweis beantragen können.

In welchen Fällen macht es Sinn, einen Behindertenausweis zu beantragen?

Schwere körperliche, geistige und seelische Beeinträchtigungen, die von einem dem Lebensalter typischen Zustand abweichen – so dass die Betroffenen nur noch eingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können – gelten laut dem SGB IX (Sozialgesetzbuch) als Behinderung. Was im Allgemeinen wenig bekannt ist: Auch eine Krebserkrankung, Diabetes, Rheuma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen, Tinnitus oder eine schwere Akne werden unter Umständen als Behinderung eingestuft.

Um einen Behindertenausweis beantragen zu können und damit bestimmte Vergünstigungen im Alltag zu erhalten, müssen Sie sich an das Versorgungsamt bzw. das Amt für soziale Angelegenheiten wenden. In einigen Bundesländern gibt es zentrale Versorgungsämter, in anderen übernehmen kommunale Ämter
diese Aufgabe. Diese ermitteln zunächst den sogenannten „Grad der Behinderung“ (GdB), denn erst ab einer bestimmten Schwere der chronischen Erkrankung erhalten Sie einen Behindertenausweis. Dieser trägt denn auch offiziell den Namen Schwerbehindertenausweis und wird ab einem GdB von 50 vergeben.

Unabhängige Pflegeberatung erhalten

Um einen Behindertenausweis zu beantragen, müssen Sie nicht extra aufs Amt – erledigen Sie das einfach online

Für die Feststellung Ihres GdB ist es notwendig, dass Sie einen Antrag bei der zuständigen Behörde einreichen, der von Ihnen ausgefüllt und unterschrieben ist. Die notwendigen Dokumente für die Beantragung können Sie in der Regel gleich aus dem Internet herunterladen oder Sie füllen den Online- Antrag im Netz aus – es ist also nicht nötig, dass Sie sich extra auf den Weg zur Behörde machen. Wenn Sie sich jedoch helfen lassen möchten, dann haben Sie die Möglichkeit, einen Termin mit einem Mitarbeiter des Versorgungsamtes zu vereinbaren.

Legen Sie all Ihre relevanten medizinischen Befunde oder Gutachten dem Antrag direkt bei. Das Amt fordert üblicherweise alle notwendigen Unterlagen von den beteiligten Ärzten an, aber das kostet zusätzlich Zeit. Noch ein Tipp: Versenden Sie keine Originale, sondern nur Kopien – sollten die verloren gehen, können Sie schnell für Ersatz sorgen. Denken Sie auch daran, Ihren Arzt schriftlich von seiner Schweigepflicht zu entbinden. Am besten informieren Sie sich gleich beim Versorgungsamt, ob es geeignete Vordrucke gibt, die Sie hierzu verwenden können. Oftmals liegt den Antragsformularen zudem eine Erklärung bei, mit der Sie zustimmen, dass das Amt Kontakt zu Ärzten und anderen Stellen aufnehmen darf, um über Ihr Anliegen zu entscheiden.

Bevor Sie loslegen sollten Sie noch wissen, dass Sie ihren Wohnsitz, ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder ihren Arbeitsplatz in Deutschland haben müssen – eine deutsche Staatsbürgerschaft ist dagegen nicht erforderlich. Und machen Sie sich bewusst: Um einen Behindertenausweis zu beantragen, müssen Sie viel Geduld aufbringen. Denn im Schnitt braucht die Bearbeitung Ihres Antrags – inklusive der Überprüfung Ihrer Angaben durch sozialmedizinisch ausgebildete Gutachter – drei Monate. Übrigens kann auch jemand anderes die Sache für Sie übernehmen: Bei Jugendlichen unter 15 Jahren unterschreiben beide Erziehungsberechtigten den Antrag, bei anderen bevollmächtigten Personen benötigt das Versorgungsamt den vollständigen Namen sowie die Adresse und Telefonnummer. Ebenso darf ein offizieller Betreuer die Beantragung für Sie übernehmen, wenn er eine Kopie seiner Betreuungsurkunde beilegt. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Versorgungsamt, in welcher Form die Vollmacht gewünscht ist.

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Die Merkzeichen auf dem Behindertenausweis geben an, welche Leistungen Ihnen zustehen

Noch etwas Wichtiges: Wenn Sie Ihren Behindertenausweis beantragen, können Sie ankreuzen, welches oder welche Merkzeichen auf Sie zutreffen. Sie müssen das aber nicht tun – Ihre Vorgaben dienen nur als Anhaltspunkte. Letztlich entscheidet der Gutachter über die Merkzeichen, die Ihnen zustehen. Diese
Buchstabenkürzel auf dem Ausweis zeigen an, welche spezifischen Behinderungen und gesundheitlichen Einschränkungen der Ausweisinhaber hat. Beispielsweise gibt es das „Merkzeichen G“ für Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, das „Merkzeichen Bl“ für Blindheit oder das „Merkzeichen Gl“ für Gehörlosigkeit.

Je nach Merkzeichen erhalten Sie verschiedene Leistungen, die sogenannten „Nachteilsausgleiche“. Hier ein paar Beispiele:

  • Es stehen Ihnen Steuererleichterungen zu wie etwa ein zusätzlicher Pauschbetrag bei der Einkommens- und Lohnsteuer.
  • Sie haben als Arbeitnehmer Anspruch auf bezahlten Zusatzurlaub und auf Wunsch Freistellung von Mehrarbeit.
  • Sie genießen einen besonderen Kündigungsschutz – nur mit Zustimmung des Integrationsamtes kann Schwerbehinderten gekündigt werden.
  • Ihnen stehen finanzielle Vergünstigungen bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel sowie bei Theater- und Museenbesuchen zu.
  • Bei einem GdB von mindestens 70 können die BahnCard 25 oder BahnCard 50 der Deutschen Bahn zum ermäßigten Preis erworben werden.

Erhalten Sie das „Merkzeichen H“ (hilflos) oder das „Merkzeichen Bl“ (blind), dann wird Ihnen zugestanden, dass Sie im täglichen Leben erhebliche Hilfe durch Dritte benötigen. Diese schwere Form der Pflegebedürftigkeit äußert sich durch das Vorliegen der Pflegegrade 4 oder 5. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Unfall, eine Krankheit, eine Behinderung oder das Alter die Ursache für die Pflegebedürftigkeit ist. Sollten Sie dies nicht bereits getan haben, sollten Sie deswegen unbedingt darüber nachdenken, einen Antrag auf Pflegeleistungen zu stellen.

Bei Hilflosigkeit sind Aufwendungen, die höher sind als das Pflegegeld, als außergewöhnliche Belastung absetzbar. Zusätzlich kann die Person, die den Hilflosen pflegt, den Pflegepauschbetrag in Anspruch nehmen – natürlich nur wenn sie keine Vergütung für die Tätigkeit erhält.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Der Behindertenausweis ist höchstens fünf Jahre gültig – denken Sie rechtzeitig an eine Verlängerung

Einige Menschen scheuen sich einen Behindertenausweis zu beantragen, obgleich er ihnen zustehen würde. Dabei handelt es sich zumeist um Arbeitnehmer, die aus Scham oder aus Angst vor Nachteilen ihre chronische Erkrankung am Arbeitsplatz verbergen. Andere wissen womöglich gar nicht, dass eine
ihrer gesundheitlichen Einschränkungen bereits als Behinderung oder sogar Schwerbeschädigung gilt.

Wenn Sie Ihren Behindertenausweis erhalten haben, ist dieser in der Regel höchstens fünf Jahre gültig. Vergessen Sie also nicht, ihn rechtzeitig zu verlängern und sich etwa drei Monate vor Ablauf ans Versorgungsamt zu wenden. Schicken Sie für die Verlängerung formlos ein Lichtbild, Ihren Namen mit Geburtsdatum sowie Ihr Geschäftszeichen an die zuständige Behörde.

Unser Team berät Sie gerne kostenlos und unverbindlich, wie Sie einen Behindertenausweis beantragen können und auch zu allen Themen der Pflege