Grad der Behinderung (GdB) bei Arthrose

Immer mehr Menschen plagt Arthrose – vor allem jene, die übergewichtig sind und im fortgeschrittenen Alter. Bei der Erkrankung handelt es sich um eine degenerative Veränderung des Gelenkknorpels, die nicht nur mit starken Schmerzen einhergeht, sondern auch die Bewegung im Alltag stark einschränkt.

Grundsätzlich kann Arthrose an allen der rund 100 ausgeprägten Gelenke im menschlichen Körper vorkommen, am häufigsten tritt der Gelenkverschleiß jedoch an den Knien  (Gonarthrose) und der Hüfte (Coxarthrose) auf. Ebenso zeigt sich die Erkrankung an den Ellenbogen, Händen, Fingern, dem Sprunggelenk (Sprunggelenk-Arthrose) sowie an den Wirbelgelenken. Seltener ist die Schulterarthrose (Omarthrose), da die Schulter kein gewichttragendes Gelenk ist. Ihre knorpeligen Gelenkflächen werden nicht den Belastungen wie am Kniegelenk oder Hüftgelenk unterworfen.

Wenn Sie aufgrund von Arthrose in Hüfte oder Knie starke Schmerzen haben und nicht mehr weit laufen können, wäre zu überlegen, ob Sie einen Antrag auf Feststellung des „Grades der Behinderung“ (GdB) stellen. Zuständig für die Ermittlung des GdB bezüglich Arthrose ist das Versorgungsamt bzw. das Amt für soziale Angelegenheiten. In einigen Bundesländern gibt es zentrale Versorgungsämter, in anderen übernehmen kommunale Ämter diese Aufgabe. Wichtig ist, dass Sie ihren Wohnsitz, ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder ihren Arbeitsplatz in Deutschland haben, um einen Antrag stellen zu können. Dieser kann auf der Webseite der Behörde heruntergeladen und samt ärztlichen Befunden online eingereicht werden. Es besteht natürlich auch die Möglichkeit, das Dokument telefonisch oder auf dem Postweg anzufordern.

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Der GdB für Arthrose hängt von der Intensität und Tragweite der Erkrankung sowie der Beschwerden ab

Grundsätzlich sollten Sie wissen: Gemäß dem Sozialrecht in Deutschland liegt im weitesten Sinne eine Behinderung dann vor, wenn jemand eine oder mehrere körperliche Beeinträchtigungen im Leben hat, die länger als sechs Monate bestehen. Ebenso muss das gesellschaftliche Leben des Betroffenen beeinträchtigt sein – unabhängig von einer beruflichen Tätigkeit und der Ursache der gesundheitlichen Beeinträchtigung.

Welcher „Grad der Behinderung“ (GdB) vorliegt, wird durch medizinische Gutachter des Versorgungsamtes festgestellt, sie beziehen sich dabei auf die sogenannten „Versorgungsmedizinischen Grundsätze“ mit der GdB Tabelle. Haben erkrankte Menschen mindestens einen GdB von 50, so gelten sie als schwerbehindert und erhalten einen Schwerbehindertenausweis. Natürlich hängt der GdB von der Intensität und Tragweite der Erkrankung ab. So würde beispielsweise eine Arthrose im Normalfall mit einem GdB zwischen null bis zehn bewertet. Aber ausschlaggebend ist nicht allein die Diagnose, sondern sind die Beschwerden. Das bedeutet, dass ein Patient mit Arthrose und eventuell nur leichteren Einschränkungen eine andere Einschätzung erhält als jemand, der seine Finger oder Knie kaum bewegen kann.

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Bei einer Schulterarthrose hängt der Behinderungsgrad vom Ausmaß der Bewegungseinschränkungen und der Versteifung ab. Auch die Beweglichkeit des Schultergürtels ist entscheidend. Kann der Arm nur noch um 120 Grad angehoben werden und ist die Dreh- und Spreizfähigkeit eingeschränkt, ergibt sich ein GdB/MdE-Grad von 10. Bei stärken Einschränkungen kann der GdB bis zu 50 betragen.

Chronische Schmerzen fallen natürlich auch ins Gewicht. Beispielsweise sind bei einer Wirbelsäulenarthrose die  Belastungsschmerzen im Rücken groß. Die oft dauerhaften Schmerzen nehmen bei Belastung und in Zwangshaltung zu. Vor allem das Bücken und die Rückneigung fallen schwer. Am häufigsten sitzt der Schmerz in der Lendenwirbelsäule, er kann in Beine, Gesäß und Leistengegend ausstrahlen. Liegt die Facettengelenksarthrose im Halsbereich, schmerzen der Nacken, die Unterarme, Hinterkopf oder der obere Rücken.

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Ein Nachweis über außergewöhnliche Schmerzen kann den GdB für Arthrose erhöhen

Der GdB für Schäden an den Haltungs- und Bewegungsorganen wird vor allem bestimmt durch die Auswirkungen der Funktionsbeeinträchtigungen – Bewegungsbehinderung, Minderbelastbarkeit – und die Mitbeteiligung anderer Organsysteme. Die üblicherweise auftretenden Beschwerden sind dabei mitberücksichtigt. Außergewöhnliche Schmerzen sind unter Umständen zusätzlich zu berücksichtigen. Schmerzhafte Bewegungseinschränkungen der Gelenke können schwerwiegender als eine Versteifung sein.

Beachten Sie bitte, dass die in der GdB-Tabelle angegebenen Werte „die üblicherweise vorhandenen Schmerzen mit einschließen“. Was bedeutet: Sie müssen nachweisen, dass das „übliche Maß“ der mit der Gesundheitsstörung – dem Gelenkverschleiß – normalerweise verbundenen Schmerzen überschritten wird. Dieser Nachweis kann gelingen, wenn die behandelnden Ärzte unter Hinweis auf eine intensive Medikation und eine schmerztherapeutische Behandlung einen besonders hohen Leidensdruck dokumentieren.

Für die Beantragung eines entsprechenden GdB wäre es ratsam, eine Checkliste anzulegen:

  • Haben Sie neben der Arthrose ALLE gesundheitlichen Beschwerden mit aufgeführt? Der Maßstab sollte sein: Was können Sie im Alltag nicht oder nicht mehr?
  • Sind alle Ärzte und Kliniken mit aufgeführt?
  • Notieren Sie die Medikamente, die sie regelmäßig oder auch nur zeitweise einnehmen.
  • Haben Sie ein Schmerztagebuch geführt? Dann legen Sie Ihrem Antrag eine Kopie bei.
  • Schildern Sie Ihren Tagesablauf detailliert mit den spezifischen Einschränkungen, etwa Schlaflosigkeit aufgrund von Schmerzen oder Schwierigkeiten beim Ankleiden. Außerdem: wie häufig Sie Pausen auch bei leichteren Hausarbeiten einlegen müssen.
  • Haben Sie eine Schweigepflichtentbindung ausgefüllt, damit Ihr Arzt gegenüber dem Gutachter Auskünfte erteilen darf?
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Der „Grad der Behinderung“ (GdB) wird in Zehnerschritten zwischen 0 und 100 angegeben. Die amtliche Anerkennung einer Behinderung erfolgt erst ab einem GdB von mindestens 20, die Anerkennung als Schwerbehinderter ab einem GdB von 50.

Abhängig von der Höhe des GdB sind unter anderem Steuererleichterungen, früherer abschlagsfreier Renteneintritt, besonderer Kündigungsschutz, zusätzlicher Jahresurlaub von fünf Arbeitstagen sowie weitere betriebliche Besonderheiten: Unternehmen müssen ab einer gewissen Personalanzahl, das sind 20 Arbeitsplätze, eine Mindestanzahl von Schwerbehinderten beschäftigen (mindestens fünf Prozent der Arbeitsplätze).

Nach Begutachtung Ihrer eingereichten Unterlagen erhalten Sie einen „Feststellungsbescheid“ vom Versorgungsamt. Falls Sie mit dem Ergebnis nicht einverstanden sind, können Sie Widerspruch innerhalb einer bestimmten Frist – in der Regel vier Wochen – einlegen. Ihr Widerspruch wird dann geprüft, in Einzelfällen erfolgt auch eine gutachterliche Untersuchung durch beauftragte Ärzte der zuständigen Behörde.

Prinzipiell ist ein Verfahren vor dem Sozialgericht bis auf eine Grundgebühr kostenfrei. Es besteht auch keine Anwaltspflicht, doch ist es ratsam sich einen Experten an die Seite zu holen. Bei nachgewiesener Bedürftigkeit kann man auch von der Grundgebühr befreit werden und sogar von den Anwaltskosten.

Unser Team berät Sie gerne zum Thema GdB bei Arthrose und zu allen Themen der Pflege und erläutert Ihnen, wie eine professionelle Unterstützung mit Dr. Weigl & Partner aussehen würde.