Grad der Behinderung (GdB) bei Multipler Sklerose

Multiple Sklerose gilt als eine Krankheit mit vielen Gesichtern, denn sie verläuft von Fall zu Fall  ganz unterschiedlich. Selbst für erfahrene Ärzte ist es mitunter schwierig, eine MS eindeutig festzustellen, insbesondere zu Beginn der Erkrankung. Es handelt sich dabei um eine entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die genauen Ursachen für MS sind bislang jedoch unklar.

Vermutet wird eine falsche Programmierung des Immunsystems, so dass sich das körpereigene Abwehrsystem gegen die gesunden Nervenzellen und -fasern richtet. Erste Symptome können sein:

  • Sehstörungen wie Verschwommensehen oder Doppelbilder
  • Gefühlsstörungen der Haut (Kribbeln)
  • Unsicherheit beim Gehen
  • Lähmungserscheinungen
  • Undeutliches Sprechen

Neben motorischen Defiziten sind auch Symptome charakteristisch, die Außenstehenden nicht direkt auffallen. Das können zum Beispiel kognitive Störungen oder Erschöp­fungszustände – Fatigue genannt – sein. Depressionen treten ebenfalls zuweilen auf.

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Der GdB für Multiple Sklerose richtet sich nach den zerebralen und spinalen Ausfallerscheinungen

Bei den meisten Patienten wird MS zwischen den 20. und 40. Lebensjahr diagnostiziert, Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Etwa 3-5 % aller MS-Erkrankten sind Kinder. Insgesamt haben in Deutschland rund eine Viertelmillion Menschen Multiple Sklerose. Diese verläuft in den meisten Fällen zunächst schubförmig und geht in einem späteren Stadium in einen fortschreitenden Verlauf über. Bei nur ganz wenigen Patienten, das sind unter 5 Prozent, verschlechtert sich der Zustand so massiv, dass die Betroffenen innerhalb von wenigen Jahren auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Da der Krankheitsverlauf kaum einzuschätzen ist, leiden viele Patienten unter Ängsten und Verunsicherung. Daher wirkt sich MS auf die gesamte Lebensführung und die sozialen Kontakte aus.

Generell bedeutet das aber nicht, dass die Erkrankung unvereinbar mit dem Verbleib im oder dem Einstieg in das Berufsleben ist. Rund ein Drittel aller Betroffenen arbeitet bis zum Erreichen des regulären Ruhestands. Häufig kommt es allerdings kurz nach der Diagnosestellung zu so genannten ‚Panikberentungen‘, was aber gar nicht sein muss. Denn die zu Beginn der Erkrankung aufgetretenen Symptome bilden sich mitunter vollständig zurück oder vermindern sich, so dass die berufliche Tätigkeit weiter ausgeführt werden kann. MS ist nach wie vor nicht heilbar, doch stehen vielfältige Behandlungsformen zur Verfügung. Die regelmäßige Einnahme von Medikamenten kann das gestörte Immunsystem regulieren. Durch die Medikamente wird die Anzahl der Entzündungsherde gesenkt, die Frequenz der Schübe reduziert und die beschwerdefreien Zeiten zwischen den Schüben verlängert.

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Natürlich ist es einigen Betroffenen nicht mehr möglich, dauerhaft oder auch nur vorübergehend zu arbeiten. Beim Fortschreiten der Krankheit muss der Patient mit immer mehr Beeinträchtigungen zurechtkommen – er kann dann eine Schwerbehinderung geltend machen.

Zuständig für die Feststellung des „Grades der Behinderung“ (GdB) für MS ist das Versorgungsamt. Die dortigen Gutachter ermitteln den Behinderungsgrad anhand der schriftlichen Aussagen, die der Antragsteller zu sich und seiner Situation macht. Das Augenmerk liegt auch auf den beiliegenden ärztlichen Befunden, diese sollten also aussagekräftig sein. Relevant für die amtlichen Gutachter ist: Was sind die aktuellen und akuten Einschränkungen durch die MS? Wie sah der Krankheitsverlauf bislang aus? Wenn mehrere gesundheitliche Beeinträchtigungen vorliegen: Wie wirken sich diese untereinander aus? Generell gilt: Der GdB ist in Zehnerschritten gestaffelt und kann zwischen 20 und 100 betragen. Schwerbehinderung liegt ab einem Grad von mindestens 50 vor.

Bemessen wird der GdB für Multiple Sklerose anhand der „Versorgungsmedizinischen Grundsätze“ mit der GdB Tabelle, wo sich die MS unter Punkt 3 „Nervensystem und Psyche“ findet. Der „Grad der Behinderung“ (GdB) richtet sich nach den zerebralen und spinalen Ausfallerscheinungen, wobei die Zahl und Schwere der MS-Schübe besonders in die Bewertung einfließt. Außerdem wird die sich aus dem klinischen Verlauf ergebende Krankheitsaktivität berücksichtigt. Die Angaben der „Versorgungsmedizinischen Grundsätze“ bieten nur einen Orientierungsrahmen. Wesentlich für die Beurteilung durch die Gutachter ist immer die individuelle Gesamtsicht aller Beeinträchtigungen. Liegen mehrere Funktionsstörungen vor, so werden die einzelnen Werte nicht addiert, sondern es werden die Auswirkungen der Beeinträchtigungen in ihrer Gesamtheit betrachtet – daraus ergibt sich ein GdB, welcher der Behinderung insgesamt gerecht wird.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Verschlechtert sich Ihr Zustand, können Sie einen Änderungsantrag für einen höheren GdB stellen

Beachten Sie aber: Erhielt ein an MS Erkrankter in früheren Jahren fast automatisch einen Einzel-GdB von 50, so ist heutzutage von einem Einzel-GdB von 30 bis 60 auszugehen. Den Status der Schwerbehinderung zu erlangen, ist also nicht mehr so einfach. Für die Berufstätigkeit gilt eine Sonderregelung: Es können auch Personen mit einem GdB von mindestens 30 auf Antrag mit schwerbehinderten Menschen gleichgestellt werden. Nach dem Gesetz soll eine solche Gleichstellung dann vorgenommen werden, wenn jemand aufgrund seiner Behinderung ohne die Gleichstellung keinen geeigneten Arbeitsplatz bekommen oder behalten kann. Allerdings entfallen andere Vorteile wie etwa eine Verbilligung bei der Beförderung in öffentlichen Verkehrsmitteln sowie die fünf Tage Sonderurlaub jährlich. Die steuerlichen Vergünstigungen sind ebenfalls geringer. Sollten Hilfsmittel für die Ausübung der beruflichen Tätigkeit erforderlich sein, können diese von Reha-Trägern – wie etwa die Rentenversicherung oder die Agentur für Arbeit – als Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben bzw. von den Integrationsämtern als Begleitende Hilfe im Arbeitsleben gefördert werden.

Erfolgreich einen Pflegegrad-Widerspruch stellen

Wenn sich Art und Schwere der Behinderung verändert, sollte die Versorgungsverwaltung recht bald informiert werden, um eventuelle „Nachteilsausgleiche“ anpassen zu können. Wie auch der Erstantrag wird der „Änderungsantrag“ schriftlich beim Versorgungsamt eingereicht. Die Formulare hierfür können ganz einfach im Internet heruntergeladen werden. Wenn Ihrem Antrag stattgegeben wird, können Sie auf höhere Leistungsansprüche hoffen. Bei einer Schwerbehinderung, die mit einer Pflegebedürftigkeit einhergeht, ist dies in der Regel ein höherer Pflegegrad. Denken Sie daran, dass aktuelle Befundberichte von Ihren Ärzten das A und O für den Erfolg Ihres „Änderungsantrages“ sind. Die alten Gutachten liegen dem Versorgungsamt schließlich schon vor. Da der überwiegende Teil des Antrags auf Basis der Berichte entschieden wird, sollten diese detailliert darlegen, auf welche Weise und in welchem Ausmaß Einschränkungen bestehen und in welchem Maße sich Ihre Situation verschlechtert hat.

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