Grad der Behinderung (GdB) bei Polyneuropathie

Die Polyneuropathie ist eine Nerven-Erkrankung, deren erste Anzeichen ein „Kribbeln“ oder  fehlende Empfindungen für Kälte, Hitze und Schmerz in den Füßen sind. Aber auch an den Händen treten anfangs solche Missempfindungen und Sensibilitätsstörungen auf und breiten sich handschuhförmig aus. 

In einem späteren Stadium sind Lähmungen, Muskelschwäche und Muskelschwund nicht selten. Innere Organe können ebenfalls betroffen sein, wodurch sich Störungen bei der Blasenentleerung, Darmträgheit, Erektionsschwäche und mangelnde Variabilität des Herzschlags einstellen können. Vor allem bei körperlicher Anstrengung oder Aufregung schlägt das Herz dann zu langsam, was die Belastbarkeit deutlich einschränkt.

Auslöser einer Polyneuropathie sind zumeist Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“) und chronischer Alkohol-Missbrauch. Seltener sind hormonelle, verletzungsbedingte oder infektiöse Ursachen oder eine Tumorkrankheit. Infolge einer Krebs-Therapie erkranken erfahrungsgemäß eine Reihe von Chemotherapie-Patienten an Polyneuropathie. Denn für die Behandlung werden verschiedene Wirkstoffe eingesetzt und diese bedingen Nervenschäden. Insgesamt sind mehr als 200 Auslöser für die Krankheit bekannt, die entweder im Laufe des Lebens erworben wird oder angeboren ist. Haben mehrere Familienangehörige eine Polyneuropathie, kann eine erbliche Veranlagung vorliegen.

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Der GdB für Polyneuropathie wird anhand der „Versorgungsmedizinischen Grundsätze“ ermittelt

Der Alltag kann durch Schäden an den sensiblen Nervenfasern erheblich erschwert werden. Das Gehen ist dann unsicher, weil das richtige Gefühl für den Boden fehlt. Schon beim Auftreten können die Füße schmerzen. Oft ist das Gleichgewichtsgefühl gestört, so dass es leichter zu Stürzen kommt. Wenn die Füße brennen oder das Gewicht der Bettdecke nicht aushalten, fehlt der erholsame Schlaf. Bei einer Polyneuropathie der Hände verliert der Patient oft seine Geschicklichkeit. Kleine Gegenstände wie Münzen oder Büroklammern aufheben oder festhalten – das ist nur mit Mühe zu schaffen oder gelingt gar nicht mehr. Ebenso das Zubinden von Schuhen, Zuknöpfen von Kleidung oder Zuziehen von Reißverschlüssen.

Wenn Sie erwägen, den GdB für Polyneuropathie feststellen zu lassen, also den „Grad der Behinderung“, dann ist das örtliche Versorgungsamt die richtige Adresse. Hier erhalten Sie das Antragsformular und können sich bezüglich der Anerkennung eines Behinderungsgrades auch beraten lassen. Denn zumeist liegt bei den Antragsstellern nicht nur eine Erkrankung zugrunde, sondern mehrere. Für jede von Ihnen angeführte gesundheitliche Einschränkung wird ein GdB ermittelt. Dabei wird Ihre gesundheitliche Einschränkung immer mit dem verglichen, was für einen Menschen ohne Behinderung normal ist. Maßgeblich dafür ist auch der zeitliche Rahmen – wenn der gesundheitliche Schaden länger als sechs Monate anhält und von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht, liegt wahrscheinlich eine Behinderung vor. Der GdB wird in Zehnergraden angegeben, der niedrigste liegt bei 20 und der höchste bei 100. Was bedeutet: Ab einem GdB von 20 gilt man als behindert. Bei einem Grad von 50 und höher liegt eine Schwerbehinderung vor – in dem Fall erhalten Sie einen Schwerbehindertenausweis. Ihr Gesamt-GdB und damit das Ergebnis der gutachtlichen Prüfung findet sich im „Feststellungsbescheid“, den Ihnen das Versorgungsamt zuschickt (s.a. Tipps für einen erfolgreichen Antrag auf Schwerbehinderung).

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Die Ermittlung des Gesamt-GdB gestaltet sich so: Die amtlichen Gutachter prüfen Ihre Erkrankungen anhand der sogenannten „Versorgungsmedizinischen Grundsätze“, in denen die einzelnen Körperpartien und die Krankheiten tabellarisch aufgelistet sind. Jeder Gesundheitsstörung wird ein Einzel-GdB zugeordnet. Einzelne Beeinträchtigungen werden allerdings bei der Ermittlung nur berücksichtigt, wenn sie für sich allein einen GdB von mindestens 10 ausmachen würden. Bei der Beurteilung des Gesamt-GdB wird in der Regel vom höchsten Einzel-GdB ausgegangen, dann wird im Hinblick auf alle weiteren Funktionsbeeinträchtigungen geprüft, ob das Ausmaß der Behinderung dadurch tatsächlich größer wird.

In Punkt 3.11 in den „Versorgungsmedizinischen Grundsätzen“ finden sich unter „Nervensystem und Psyche“ folgende Angaben zu Polyneuropathien: Bei den Polyneuropathien ergeben sich die Funktionsbeeinträchtigungen aufgrund motorischer Ausfälle (mit Muskelatrophien), sensibler Störungen oder Kombinationen von beiden. Der GdS motorischer Ausfälle ist in Analogie zu den peripheren Nervenschäden einzuschätzen. Bei den sensiblen Störungen und Schmerzen ist zu berücksichtigen, dass schon leichte Störungen zu Beeinträchtigungen – z. B. bei Feinbewegungen – führen können.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Als Folgeerkrankung von Diabetes mellitus wird auch Ihr GdB für Polyneuropathie bewertet

Häufig handelt es sich um eine diabetische Polyneuropathie – je länger eine Diabeteserkrankung besteht und je schlechter der Blutzucker eingestellt ist, desto höher ist das Risiko, an einer diabetischen Nervenstörung zu erkranken. Rauchen, ein erhöhter Alkoholkonsum, Übergewicht, Bluthochdruck und erhöhte Fettwerte im Blut wirken sich ebenfalls negativ aus. Die schlechte Nachricht: Eine diabetische Neuropathie ist nicht heilbar.

In die GdB-Gesamtbewertung aller gesundheitlichen Schäden fließt Diabetes mellitus natürlich mit ein. Dazu sollten Sie wissen: Als Voraussetzung für die Anerkennung einer Schwerbehinderung aufgrund von Diabetes galt vor 2010 lediglich der Nachweis, dass sich der Stoffwechsel schwer einstellen lässt und es zu erheblichen Unterzuckerungen kommt. Für die Bewilligung jetzt sind der hohe Therapieaufwand des Betroffenen sowie die daraus resultierenden Benachteiligungen im Alltag ausschlaggebend. Wenn allerdings neben der Diabeteserkrankung noch weitere erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen vorliegen, stehen die Chancen auf einen Schwerbehindertenausweis recht gut. Relevant sein können hier insbesondere Störungen des Bewegungsapparates oder Folgeerkrankungen wie Neuropathie oder Nephropathie. Die Neuropathie wird von den Gutachtern dann gesondert bewertet und mit einem GdB eingestuft. Bei der Gesamtbewertung kann es dann zur Feststellung einer Schwerbehinderung kommen.

Erfolgreich einen Pflegegrad-Widerspruch stellen

Neuropathie kann als Folge einer Behandlung mit Krebsmedikamenten oder einer Strahlentherapie auftreten. Aber auch der Tumor selbst kann eine Nervenschädigung hervorrufen. An Krebs Erkrankte haben in der Regel Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis für zunächst fünf Jahre. Die Neuropathie kann zusätzlich bei der Beantragung des Ausweises als Beeinträchtigung angeführt werden. So erhöht sich der GdB noch.

Es ist ratsam, sich bestimmte Vergünstigungen und Erleichterungen nicht entgehen zu lassen, da Sie Ihnen das tägliche Leben erleichtern. Als schwerbehinderter Mensch genießen Sie beispielsweise besonderen Schutz und eine Förderung im Arbeitsleben. Sie stehen unter einem besonderen Kündigungsschutz, haben steuerliche Vorteile wie den Behindertenpauschbetrag und erhalten bei  schweren Behinderungen auch Vergünstigungen bei der Beförderung im öffentlichen Personenverkehr.

Unser Team berät Sie gerne kostenlos und unverbindlich zum Thema Grad der Behinderung bei Polyneuropathie oder auch bei allen anderen Themen der Pflege