Grad der Behinderung (GdB) bei Schwerhörigkeit

In Deutschland sind Millionen von Menschen schwerhörig. Studien haben ergeben, dass fast jeder fünfte Deutsche über 14 Jahren hörbeeinträchtigt ist und dass rund 16 Prozent aller Erwachsenen schwerhörig sind. Davon 7,2 Prozent hochgradig und bei 1,6 Prozent der Betroffenen grenzt die Schwerhörigkeit an Taubheit. Mit zunehmendem Alter wird die Wahrscheinlichkeit größer, dass das Hörvermögen schwächer wird. Über 50 Prozent der Menschen, die 70 Jahre alt sind oder älter, hören schwer.

Falls das auch auf Sie zutrifft, dann können Sie beim örtlichen Versorgungsamt bzw. beim Amt für soziale Angelegenheiten den „Grad der Behinderung“ (GdB) wegen Schwerhörigkeit feststellen lassen. Die Beantragung gestaltet sich wie folgt: Ein Formular, das im Internet heruntergeladen werden kann, wird samt aller relevanten Befunde, Laborergebnisse und ärztlichen Gutachten beim Amt eingereicht. Entweder online, per Post oder persönlich – das entscheiden Sie. Voraussetzung für die Festsetzung des GdBs und die Inanspruchnahme bestimmter Vergünstigungen bei Behinderung ist, dass Sie Ihren Wohnsitz, Ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder Ihren Arbeitsplatz in Deutschland haben. Deutscher Staatsbürger müssen Sie nicht sein.

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Ab einem GdB von 50 für Schwerhörigkeit kann im Einzelfall das Merkzeichen „Gl“ dazu kommen

 

Nach etwa drei Monaten erhalten Sie einen „Feststellungsbescheid“, aus dem der Umfang, d. h. der „Grad der Behinderung“ (GdB) hervorgeht. Dieser wird durch ärztliche Gutachter des Versorgungsamtes auf Grundlage der sogenannten „Versorgungsmedizinischen Grundsätze“ ermittelt. Dort sind die unterschiedlichen Krankheiten tabellarisch aufgeführt. Der GdB kann zwischen 20 und 100 variieren. Er wird in 10er-Schritten gestaffelt. 

Bei Patienten mit Schwerhörigkeit werden folgende Abstufungen vorgenommen:

Grad der Schwerhörigkeit Hörverlust in % GdS/GdB bei beidseitigem Hörverlust GdS/GdB bei einseitigem Hörverlust
Normalhörig 0-20 0 0
Geringgradig 20-40 10-20 0
Mittelgradig 40-60 30 10
Hochgradig 60-80 50 10
An Taubheit grenzend 80-95 70 10-20
Taubheit 100 80 20

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Eine geringgradige Schwerhörigkeit liegt vor, wenn jemand Töne erst ab einer Intensität von 25 bis 40 dB hören kann, sprich: das Ticken einer Armbanduhr oder das Umblättern von Seiten ist akustisch nicht mehr wahrnehmbar. Eine an Gehörlosigkeit grenzende Schwerhörigkeit liegt vor, wenn eine Person Geräusche mit einer Lautstärke von über 80 dB – also laute Musik oder Geräusche einer Autobahn – nicht mehr hören kann.

Ab einem GdB von 20 gilt man als behindert, mit einem GdB von 50 und mehr ist eine Schwerbehinderung gegeben. Wenn diese besonders ausgeprägt ist, kann auf dem Schwerbehindertenausweis – der vom Versorgungsamt ausgestellt wird – das Merkzeichen „Gl“ für Gehörlosigkeit aufgedruckt werden. Zumeist handelt es sich um eine beidseitige Taubheit oder um eine an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit mit begleitenden Sprachstörungen – diese ist gekennzeichnet durch eine schwer verständliche Lautsprache und einen geringen Sprachschatz. In der Regel ist diese Art von Schwerhörigkeit bei den Betroffenen angeboren oder wurde in der Kindheit erworben – sie hatten daher nicht die Möglichkeit, die gesprochene Sprache in ihrer Umwelt zu hören und so zu erlernen. Eine beidseitige Schwerhörigkeit ist beispielsweise gegeben, wenn Geräusche aus dem Ohr nicht weitergeleitet werden können. Dies wird Schalleitungsschwerhörigkeit genannt.

Gehörlos zu sein heißt jedoch nicht, überhaupt nicht an der Kommunikation anderer Menschen teilnehmen zu können. Durch den Einsatz der Gebärdensprache ist eine gute Verständigung zwischen hörenden und nicht hörenden Menschen möglich. Kinder, die angeborene oder noch vor dem 7. Lebensjahr entwickelte Hörschädigungen haben, werden allgemein als frühschwerhörig, resthörig oder gehörlos bezeichnet. Die reduzierte oder gar fehlende Hörfähigkeit hat maßgebliche Auswirkungen auf die Entwicklung von Sprache. Die Betroffenen können sich mit ihren Familien  für eine hörgerichtete oder eine gebärdenorientierte Kommunikation entscheiden. Die hörgerichtete Früherziehung fokussiert auf lautsprachlicher Kommunikation über das Hören und Sprechen; die gebärdenorientierte zielt auf visuelle Verständigung über Gebärden ab.

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Die Lärmschwerhörigkeit nimmt den Spitzenplatz bei den anerkannten Berufskrankheiten ein

 

Anders ist es mit jenen Menschen, die später im Leben Hörprobleme bekommen, beispielsweise aufgrund ihres Berufes. So nimmt seit Jahrzehnten die Lärmschwerhörigkeit den Spitzenplatz bei den anerkannten Berufskrankheiten ein. Betroffen sind vorrangig Arbeitnehmer aus der Metall- und der Baubranche, also zumeist Männer. Sie benutzen weiterhin die Lautsprache zur Kommunikation im Alltag. Die Schriftsprache für das Schreiben und Lesen wird ebenfalls weiterhin genutzt. Das Erlernen alternativer Kommunikationsstrategien wie die Gebärdensprache oder lautsprachbegleitende bzw. lautsprachunterstützende Gebärden sind eher die Ausnahme.

Ursache für Schädigungen des Gehörgangs können auch sogenannte Knall- und Explosionstraumata sein. Beim Knalltrauma wird das Innenohr durch Schalleinwirkung geschädigt, beim Explosionstrauma ist es das Mittelohr oder das Trommelfell.

Bitte beachten Sie: Mit einem GdB von 50 und mehr für Schwerhörigkeit plus dem Merkzeichen „Gl“ dürfen Sie bei der Kommunikation mit Ämtern, Behörden und vor Gericht einen Gebärdensprachdolmetscher einsetzen, der Ihnen behilflich ist. Das wird aus den Sozialleistungen finanziert. Wenn Sie als gehörloser Student an einer Vorlesung teilnehmen möchten, erhalten Sie ebenfalls einen Gebärdensprachdolmetscher oder Schriftdolmetscher. Letzterer versteht sich vor allem als Angebot für schwerhörige oder spätertaubte Menschen, die nicht oder nur sehr eingeschränkt die Gebärdensprache beherrschen, jedoch der Schriftsprache gut folgen können.

Erfolgreich einen Pflegegrad beantragen

Außerdem profitieren Sie von folgenden Vergünstigungen:

  • unentgeltliche Beförderung in öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Kraftfahrzeugsteuer-Ermäßigung
  • Telefongebührenermäßigung bei einem Grad der Behinderung von mindestens 90
  • Ermäßigung bzw. Befreiung vom Rundfunkbeitrag bei gleichzeitigem Vorliegen des Merkzeichens RF
  • Gehörlosengeld in den Ländern Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen
  • Steuervergünstigungen. Möglich sind beispielsweise die Absetzung eines Pauschbetrags bis maximal 3.700 €, erwerbsbedingter Kinderbetreuungskosten oder außergewöhnlicher Belastungen wie Pflege- oder Kfz-Kosten. Bei Kindern mit Behinderungen, die keine eigene Steuererklärung abgeben, können die Eltern den Pauschbetrag auf sich übertragen lassen.

Häufig bringt eine unbehandelte Hörstörung auch Probleme ganz anderer Art mit sich. So können psychische Schäden, soziale Folgen und auch physische Folgen für den Erkrankten entstehen. Die psychischen Probleme reichen von Schamgefühl bis hin zu Depressionen und einem mangelnden Selbstwertgefühl. Die daraus resultierende Isolation kann sich schnell zu einer Spirale von verschiedenen Störungen ausweiten. Damit sind auch körperliche Beschwerden verbunden – Muskelschmerzen, erhöhter Blutdruck und Kopfschmerzen treten auf.

Unser Team berät Sie gerne kostenlos und unverbindlich zum Thema Grad der Behinderung bei Schwerhörigkeit oder auch bei allen anderen Themen der Pflege