Fachärzte als Pflegegutachter

Auch Fachärztinnen und Fachärzte können sich zu Gutachtern/Gutachterinnen weiterbilden lassen. Ein Berufsfeld, das im Pflegebereich immer häufiger gefragt ist, hier gibt es viele offene Stellen.

In Europa hatte Deutschland im Jahr 2016 mit einem Durchschnittsalter von 45,8 Jahren die älteste Bevölkerung, direkt gefolgt von Italien. Der Anteil der Jüngeren in der BRD sinkt, wohingegen der Anteil der Älteren kontinuierlich wächst – eine Entwicklung, vor der Statistiker ebenso warnen wie Politiker, auch wenn der Grund eigentlich positiv ist: Die Lebenserwartung der Bevölkerung steigt stetig an. Die Verschiebung der Alterspyramide bzw. der demografische Wandel sind folglich Themen, die alle Menschen in Deutschland etwas angehen – eine Herausforderung für alle gesellschaftlichen Bereiche.

Verändert sich die Alterspyramide, liegt der Fokus natürlich auch zunehmend auf den Seniorinnen und Senioren, viele von ihnen sind bis ins hohe Alter fit und können ihr Leben eigenständig führen, viele leiden aber auch an den verschiedensten Krankheiten. Bereits heute ist die Zahl der Menschen, die pflegebedürftig sind und Pflegeleistungen der gesetzlichen und privaten Pflegeversicherungen erhalten, enorm.

Aktuell sind es 3,4 Millionen und die Tendenz ist auch hier deutlich, die Zahlen werden weiter steigen, immer mehr Männer und Frauen werden pflegebedürftig und auf Hilfe angewiesen. Das bedeutet für das Gesundheitswesen, dass Strukturen und Prozesse verändert werden, die Professionalisierung aller Bereiche ist gefordert. Und auch der Personalbedarf erhöht sich, sodass neue Berufsbilder entstehen und auch stark gefragt sind.

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2017 wurde die bisher größte Pflegereform durchgeführt, das Zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II) trat im Januar 2017 in Kraft. Es hat ein Umdenken stattgefunden, was den Pflegebegriff betrifft, das sich auch in der Gesetzeslage niederschlägt. Bislang war eine Pflegebedürftigkeit mit körperlichen Einschränkungen verknüpft, neu können auch Patientinnen und Patienten mit geistigen oder seelischen Beeinträchtigungen einen Pflegegrad erhalten. Fünf Pflegegrade haben die bisherigen drei Pflegestufen abgelöst. Auch hier kam es zu starken Anpassungen, denn bisher ging es um den Zeitaufwand, der bei der täglichen Pflege (z. B. bei der Körperhygiene oder der Nahrungsaufnahme) angefallen ist. Nun wird der Pflegegrad danach vergeben, wie selbstständig ein Patient oder eine Patientin im Alltag noch ist.

Dafür steht der Begriff des „Neuen Begutachtungsassessments“ (NBA). Individuell soll jeder Antrag auf einen Pflegegrad geprüft und die Situation richtig eingeschätzt werden. Die Themen, um die es geht, sind:

  • Mobilität,
  • kognitive und kommunikative Fähigkeiten,
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen,
  • Selbstversorgung,
  • Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  • sowie Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte.
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Mehr Menschen als vor der Pflegereform erhalten durch die Neudefinition des Pflegebegriffs nun einen Pflegegrad und damit Leistungen der Pflegeversicherungen. Und jeder Antrag muss als Einzelfall bearbeitet werden, was großen Aufwand für die Pflegegutachter bedeutet. Hier ist hoher Bedarf an Personal.

Der Medizinische Dienst der gesetzlichen Krankenkassen, der MDK, ist mit der Prüfung der Anträge auf Erteilung eines Pflegegrades betraut. MEDICPROOF heißt der Anbieter der privaten Krankenversicherungen. Erst nach umfassender Sichtung der Angaben der Antragsstellerinnen und Antragssteller und einem persönlichen Termin, um ein aktuelles Bild der Situation zu erhalten, wird entschieden.

Hier sind zunehmend auch Fachärztinnen und Fachärzte gefragt. Dabei handelt es sich um Ärztinnen und Ärzte mit einer zusätzlichen Ausbildung auf einem speziellen medizinischen Fachgebiet. Sie haben eine langjährige, meist fünf- oder sechsjährige Weiterbildung absolviert und diese mit einer erfolgreichen Facharztprüfung vor der jeweiligen Landesärztekammer des Bundeslandes abgeschlossen.

Die Richtlinien und Prüfungsstandards hierfür legt die Bundesärztekammer fest. Die konkrete Dauer der Weiterbildung ist auch vom Fachbereich abhängig. Fachärztinnen und Fachärzte sind meistens bei den privaten Krankenversicherern für die Begutachtung tätig. Aber auch bei Sozialgerichten werden sie durch ihre hohe Kompetenz und das fachliche Know-how gesucht und gern angestellt.

Zu den Pflegeleistungen

Arbeitsalltag von Gutachterinnen und Gutachtern

Fachärztinnen und Fachärzte, die sich für die gutachterliche Tätigkeit entscheiden, können diese entweder neben ihrem normalen Arbeitsalltag, meistens ist das eine Praxistätigkeit, oder auch im Ruhestand ausüben. Wichtig ist, dass sich die Pflegegutachten immer auf den jeweiligen Fachbereich beziehen. Es gibt über 30 Fachgebiete, zum Beispiel die Chirurgie, die Orthopädie oder die Psychologie. Dabei begutachten Fachärztinnen und Fachärzte nie ihre eigenen Patienten, sondern sind unabhängig und unvoreingenommen tätig.

Die wichtigste Aufgabe von Gutachterinnen und Gutachtern ist es, die Pflegesituation individuell und konkret zu erfassen. Dabei kann Fachärztinnen und Fachärzten ihre jahrelange Erfahrung helfen. Von der Frage, ob bei einem Patienten oder einer Patientin eine Pflegebedürftigkeit vorliegt, hängt viel ab. Die Betroffenen und ihre Familien sind deswegen bei den Begutachtungsterminen oft nervös, sodass der Kontakt mit einer medizinischen Fachkraft hier helfen kann, Unsicherheit abzubauen.

Fachärztinnen und Fachärzte wissen aus ihrer Erfahrung, welche Bedeutung die Feststellung einer möglichen Pflegebedürftigkeit für die Patientinnen und Patienten sowie ihre pflegenden Angehörigen hat. Die Erteilung eines Pflegegrades ist die Voraussetzung für den Bezug von Leistungen der Kranken- und Pflegeversicherungen, die dabei helfen, die Schwierigkeiten des Alltags zu überwinden. Zudem soll die Selbstständigkeit so lange wie möglich erhalten werden. Der Fokus liegt also immer auf dem Einzelfall, der individuell und richtig eingeschätzt werden soll. Das ist das Ziel der täglichen Arbeit.

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Fachgutachten können auch dann gefragt sein, wenn Widerspruch bzw. Einspruch gegen den Entscheid eingelegt wird. Das Verfahren ist dann standardisiert festgelegt, denn es kommt in jedem Fall zu einer Wiederholungsbegutachtung. In einigen Fällen arbeiten auch die Sozialgerichte mit medizinischen Gutachten. Denn eine juristische Auseinandersetzung ist der letzte Schritt, um gegen den Entscheid zu protestieren.

Neben der fachlichen Expertise sind auch andere Kompetenzen, die sogenannten Soft Skills, gefragt. Wer sich für eine Tätigkeit als Gutachter/Gutachterin entscheidet, sollte belastbar sein, selbstständig und zielgerichtet arbeiten und sich vor allem auch durch Kommunikationskompetenz und Einfühlungsvermögen auszeichnen. Zeitliche Flexibilität und auch eine gewisse Mobilität sind ebenfalls gefragt.

Ein Gutachten eines Facharztes oder einer Fachärztin sollte übersichtlich und stringent aufgebaut sein, eine klare Ausdrucksweise hilft auch Menschen, die medizinisch nicht bewandert sind, die Entscheidung nachzuvollziehen. Fragen, die von Gutachterinnen und Gutachtern bearbeitet werden und in der Pflege immer mehr eine Rolle spielen, sind:

  • Liegt eine Pflegebedürftigkeit durch eine körperliche, geistige oder seelische Beeinträchtigung vor?
  • Welcher Pflegegrad muss korrekt vergeben werden?
  • Wie ist die Situation in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder anderen pflegerischen Einrichtungen einzuschätzen?

Fachärztinnen und Fachärzte sind aber auch dann gefragt, wenn es um medizinische Gutachten für Versicherungsfälle oder die Prüfung der Voraussetzungen zur Gewährung der Rentenleistungen geht. Objektiv und neutral sollen Gutachter auch hier eine umfassende Einschätzung der Situation abgeben, die den Auftraggebern hilft, die richtige Entscheidung zu treffen.

Stellenangebote für Fachärzte: Wir suchen Sie

Das Gesundheitswesen ist im Wandel und Fachpersonal wird aktuell so gesucht wie lange nicht, es gibt sehr viele offene Stellen. Und auch wir suchen neue Kolleginnen und Kollegen, die sich als Expertinnen und Experten im Bereich der Pflege profiliert haben. Das Team von Dr. Weigl & Partner unterstützt Pflegebedürftige und deren Angehörige in allen Fragen, die sich in Bezug auf Pflegeleistungen stellen.

Dabei arbeiten wir engagiert, zeitnah und unbürokratisch. Denn unsere Maxime lautet: Gute Pflege ist ein Menschenrecht, das jedem zusteht. Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass eine gute Versorgung und gute Pflege wichtig sind, um den mitunter schwierigen Alltag mit einer Krankheit zu meistern. Auch die Angehörigen, Familie und Freunde benötigen oftmals unsere Unterstützung.

In Deutschland gibt es hohe bürokratische Hürden, wenn es um den Antrag auf einen Pflegegrad und damit auch um Leistungen der Pflege- und Krankenversicherungen geht. Hier helfen wir gern und kompetent. Wir beraten unabhängig und umfassend, um die Beantragung des Pflegegrades im Sinne der Pflegebedürftigen und deren Angehörigen fair und objektiv zu gestalten.

Bei uns arbeiten Sie unabhängig und neutral. Sie sind keinen Krankenkassen, keinem medizinischen Dienst oder anderen Organisationen verpflichtet. Uns ist es wichtig, dass sie ganzheitlich und objektiv, engagiert und einfühlsam tätig sein können – in enger Abstimmung mit unseren Auftraggeberinnen und Auftraggebern. Für das Team von Dr. Weigl & Partner ist das Wohlergehen der Pflegebedürftigen das wichtigste Interesse.

Wollen auch Sie Pflegebedürftigen helfen? Arbeiten Sie bereits als Facharzt oder Fachärztin mit einschlägiger Erfahrung als Gutachter oder Gutachterin? Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

Unser Team berät Sie gern kostenlos und unverbindlich zum Thema Fachärzte als Pflegesachverständige oder auch bei allen anderen Fragen der Pflege