Wo stelle ich einen Antrag auf Behinderung?

Wenn Sie aufgrund einer chronischen Erkrankung, eines Unfalls oder wegen einer altersbedingten gesundheitlichen Beeinträchtigung einen „Grad der Behinderung“ (GdB) beantragen möchten, dann müssen Sie sich an die entsprechende Behörde wenden. Erfahren Sie im Folgenden, wo Sie einen Antrag auf Behinderung stellen können.

Das Versorgungsamt als Anlaufstelle

Zuständig für den Antrag auf Behinderung ist in der Regel das Versorgungsamt bzw. das Amt für soziale Angelegenheiten. In einigen Bundesländern gibt es zentrale Versorgungsämter, in anderen übernehmen kommunale Ämter diese Aufgabe. In den Kommunen heißen die Ämter meistens Amt für Soziale Angelegenheiten. In früheren Zeiten war die Versorgungsverwaltung lediglich für die Entschädigung von Kriegsopfern zuständig. Heutzutage hat das Versorgungsamt Aufgaben rund um die soziale Sicherung inne.

Im Rahmen des sozialen Entschädigungsrechts (beispielsweise Kriegsopfer, Impfgeschädigte und Opfer von Gewalttaten) zahlt das Versorgungsamt unter anderem Renten und Leistungen der Heil- und Krankenbehandlung. Im Laufe der Jahre haben die Versorgungsämter weitere Aufgaben übernommen. Unter anderem ermitteln sie den „Grad der Behinderung“ (GdB) und das Vorliegen gesundheitlicher Voraussetzungen für die Inanspruchnahme des sogenannten
„Nachteilsausgleichs“. Außerdem ist das Versorgungsamt für die Entscheidung und Leistung nach dem Bundeserziehungsgeldgesetz – das Erziehungsgeld und die Elternzeit – zuständig.

Fragen zum Antrag Behinderung?

Der Antrag auf Behinderung kann auf der Webseite des Versorgungsamtes heruntergeladen werden

In der Regel ist es gar nicht nötig, dass Sie sich extra auf den Weg zum Versorgungsamt machen, denn ein Formular für Ihren GdB Antrag kann auf der Webseite heruntergeladen und samt ärztlichen Befunden auch online eingereicht werden. Es besteht natürlich ebenfalls die Möglichkeit, das Dokument telefonisch oder auf dem Postweg anzufordern.

Voraussetzung dafür, dass Sie überhaupt einen Antrag auf Behinderung stellen können, ist, dass Sie ihren Wohnsitz, ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder ihren Arbeitsplatz in Deutschland haben. Sie müssen jedoch kein deutscher Staatsbürger sein, damit Ihre Behinderung anerkannt wird. Als Betroffener müssen Sie den Antrag auf Behinderung selber stellen – oder eine Person Ihres Vertrauens dafür bevollmächtigen, etwa jemanden aus Ihrem Familienkreis oder einen Rechtsanwalt bzw. einen Vertreter eines Behindertenverbandes.

Nur das vollständig ausgefüllte und unterschriebene Formular sollte beim Versorgungsamt eingereicht werden. Wichtig ist überdies, dass die beigefügten Unterlagen vollständig sind und dass alle behandelnden Ärzte, mit denen der Antrag abgesprochen worden ist, namentlich angegeben werden. Selbstverständlich werden vom Versorgungsamt alle datenschutzrechtlichen Vorschriften eingehalten und das ärztliche Berufsgeheimnis gewahrt. Leihweise überlassene Unterlagen werden dem Antragsteller wieder zurückgesendet. Das Antragsverfahren ist übrigens kostenlos.

Allgemeine Fragen zum Thema GdB?

Bei einem „Grad der Behinderung“ von 50 und höher liegt eine Schwerbehinderung vor

Was der Laie als Antrag auf Behinderung bezeichnen mag, ist im Fachjargon die Feststellung des „Grades der Behinderung“ (GdB). Denn eine leichte Behinderung wird natürlich anders eingestuft als eine Erkrankung. Beim „Grad der Behinderung“ handelt sich also um eine Maßeinheit für die körperlichen, geistigen, seelischen und sozialen Auswirkungen einer Funktionsbeeinträchtigung aufgrund eines gesundheitlichen Leidens.

Wenn dieses länger als sechs Monate anhält und von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht, spricht man von einer Behinderung. Der GdB wird in
Zehnergraden angegeben, der niedrigste liegt bei 20 und der höchste bei 100. Was bedeutet: Ab einem GdB von 20 gilt man als behindert. Bei einem „Grad der Behinderung“ von 50 und höher liegt eine Schwerbehinderung vor. Geht die Schwerbehinderung mit einer Pflegebedürftigkeit einher, erhält der Betroffene einen höheren Pflegegrad. Aber auch bei einem „Grad der Behinderung“ unter 50 – mindestens jedoch von 30 – kann der Betroffene mit schwerbehinderten Menschen unter bestimmten Umständen gleichgestellt sein.

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Grundlage der Beurteilung sind die „Versorgungsmedizinischen Grundsätze“ („Versorgungsmedizin-Verordnung mit den Versorgungsmedizinischen Grundsätzen“- VersMedV). Ohne die geht im Schwerbehindertenrecht und im sozialen Entschädigungsrecht gar nichts. Es handelt sich dabei nicht um starre Regeln, sondern die „Versorgungsmedizinischen Grundsätze“ wurden und werden weiterhin entsprechend dem aktuellen Stand der medizinischen Wissenschaft und versorgungsmedizinischer Erfordernisse fortentwickelt. Den Gutachtern der Versorgungsämter dienen sie als Richtlinie für die Bewertung der verschiedenen Auswirkungen von gesundheitlichen Beeinträchtigungen unter besonderer Berücksichtigung ihres Zusammenwirkens.

Ein Tipp: Werfen Sie einmal einen Blick in die „Versorgungsmedizinischen Grundsätze“ bevor Sie Ihren Antrag auf Behinderung stellen. Beim Durchlesen erhalten Sie bereits eine Vorstellung, welchen GdB Ihre Beeinträchtigungen voraussichtlich erreichen. Die einzelnen GdB-Werte werden jedoch bei der Ermittlung des Gesamt-GdB nicht einfach zusammen gerechnet wie bei einer Additionsaufgabe. Entscheidend sind vielmehr die Auswirkungen der einzelnen Beeinträchtigungen unter Berücksichtigung ihrer wechselseitigen Beziehungen zueinander (siehe auch GdB Tabelle).

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Ein Schwerbehindertenausweis gewährt eine Reihe von Erleichterungen im Alltag

Das Ergebnis des Antragsverfahrens wird vom Versorgungsamt in einem Feststellungsbescheid mitgeteilt – dieser dient dem Betroffenen grundsätzlich nur zur persönlichen Information. Er selbst entscheidet dann, ob er das Ergebnis seines Antrages etwa seinem Arbeitgeber mitteilen möchte. Ferner dient dieser Feststellungsbescheid – laut Schwerbehindertenrecht – nicht als Antrag auf Gewährung von Leistungen und sonstigen Hilfen wie beispielsweise Blindengeld, Wohngeld oder Steuerfreibeträge. Solche Leistungen müssen gesondert bei den jeweils zuständigen Stellen beantragt werden.

Die Ausstellung eines Schwerbehindertenausweises erfolgt automatisch durch das Versorgungsamt, wenn ein Grad der Behinderung von 50 oder höher festgestellt wird. Generell bringt Ihnen der Ausweis eine Reihe von Erleichterungen und Vorteilen, etwa finanzielle Vergünstigungen bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel sowie bei Theater- und Museenbesuchen. Als schwerbehinderter Arbeitnehmer haben Sie Anspruch auf bezahlten Zusatzurlaub und auf Wunsch Freistellung von Mehrarbeit. Zudem stehen Sie unter einem besonderen Kündigungsschutz – nur mit Zustimmung des Integrationsamtes kann Schwerbehinderten gekündigt werden.

Unser Team berät Sie gerne kostenlos und unverbindlich zum Thema Antrag auf Behinderung und zu allen Themen der Pflege