Erfolgreich einen Pflegegrad Widerspruch erreichen

Nach gesetzlicher Regelung in Deutschland stehen jedem Bürger Leistungen aus der Pflegepflichtversicherung zu. Besonders durch die Pflegereform 2017 (Zweites Pflegestärkungsgesetz, kurz PSG II) wird Pflegebedürftigen die bisher beste Versorgung geboten.

Dennoch kann eine Bewilligung der Pflegeleistungen oder einer Höherstufung an der Einschätzung eines Gutachters scheitern. Viele Faktoren können dabei ausschlaggebend sein:

  • Falsche Schilderungen während der Begutachtung; oft verursacht durch große Nervosität bei Angehörigen und Pflegebedürftigen
  • Schlechte oder mangelnde Vorbereitung wie z.B. fehlende Dokumentation vor dem Begutachtungstermin
  • Eine schlichte Fehleinschätzung des Gutachters vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) oder MEDICPROOF (Medizinischer Dienst der Privaten)

Somit ist die Ablehnung des Pflegegrads (früher Pflegestufe) oder einer Höherstufung keine Seltenheit. Jährlich werden etwa eine Million Anträge auf Pflegeleistungen bei den gesetzlichen und privaten Pflegeversicherungen gestellt, welche die Feststellung eines Pflegegrades zum Ziel haben. Fast ein Drittel aller Erstanträge wird zunächst abgelehnt oder die Entscheidung fällt zu niedrig aus. Selbst Folgeanträge mit dem Ziel der Hochstufung werden in jedem zweiten Fall abgelehnt.

Gegenläufig dazu liegt die Zahl der durchgeführten Widersprüche hingegen bei nur 7%. Die Mehrzahl der Betroffenen fürchtet sich vor dem Aufwand, den ein solches Widerspruchsverfahren mit sich bringt.
Allerdings kann sich der Aufwand lohnen. Ein erfolgreiches Widerspruchsverfahren hat folgende Auswirkungen auf den geldwerten Leistungsanspruch:

  • Ein Widerspruch der von Pflegestufe 0 zu Pflegegrad 1 führt: ca. € 6.000 an zusätzlichen Pflegeleistungen
  • Ein Widerspruch der von Pflegegrad 1 zu Pflegegrad 2 führt: ca. € 20.000 an zusätzlichen Pflegeleistungen
  • Ein Widerspruch der von Pflegegrad 2 zu Pflegegrad 3 führt: ca. € 15.000 an zusätzlichen Pflegeleistungen
  • Ein Widerspruch der von Pflegegrad 3 zu Pflegegrad 4 führt: ca. € 8.000 an zusätzlichen Pflegeleistungen
  • Ein Widerspruch der von Pflegegrad 4 zu Pflegegrad 5 führt: ca. € 9.000 an zusätzlichen Pflegeleistungen

Die nachfolgende Tabelle veranschaulicht die Unterschiede zwischen den Leistungen je nach Pflegegrad im Detail:

Pflegehilfsmittel480,- Euro
Pflegesachleistungen0,- Euro
Entlastungsleistungen1.500,- Euro
Tagespflege / Nachtpflege0,- Euro
Kurzzeitpflege0,- Euro
Verhinderrungspflege0,- Euro
Wohnraumverbessernde
Maßnahmen (pro Maßnahme)
4.000,- Euro
Geldwerter Leistungsanspruch5.980,- Euro

Jährliche Pflegeleistungen bei ambulanter Pflege mit Pflegesachleistungen (Angaben ohne Gewähr)

Die Unterschiede bei den möglichen Leistungen je nach Pflegegrad sind immens: So erhalten beispielsweise Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3 Leistungen im Wert von bis zu € 40.356. Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 erhalten fast € 15.000 weniger pro Jahr.

Pflegehilfsmittel480,- Euro
Pflegesachleistungen8.268,- Euro
Entlastungsleistungen1.500,- Euro
Tagespflege / Nachtpflege8.268,- Euro
Kurzzeitpflege1.612,- Euro
Verhinderrungspflege1.612,- Euro
Wohnraumverbessernde
Maßnahmen (pro Maßnahme)
4.000,- Euro
Geldwerter Leistungsanspruch25.740,- Euro

Jährliche Pflegeleistungen bei ambulanter Pflege mit Pflegesachleistungen (Angaben ohne Gewähr)

Die Unterschiede bei den möglichen Leistungen je nach Pflegegrad sind immens: So erhalten beispielsweise Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3 Leistungen im Wert von bis zu € 40.356. Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 erhalten fast € 15.000 weniger pro Jahr.

Pflegehilfsmittel480,- Euro
Pflegesachleistungen15.576,- Euro
Entlastungsleistungen1.500,- Euro
Tagespflege / Nachtpflege15.576,- Euro
Kurzzeitpflege1.612,- Euro
Verhinderrungspflege1.612,- Euro
Wohnraumverbessernde
Maßnahmen (pro Maßnahme)
4.000,- Euro
Geldwerter Leistungsanspruch40.356,- Euro

Jährliche Pflegeleistungen bei ambulanter Pflege mit Pflegesachleistungen (Angaben ohne Gewähr)

Die Unterschiede bei den möglichen Leistungen je nach Pflegegrad sind immens: So erhalten beispielsweise Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3 Leistungen im Wert von bis zu € 40.356. Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 erhalten fast € 15.000 weniger pro Jahr.

Pflegehilfsmittel480,- Euro
Pflegesachleistungen19.344,- Euro
Entlastungsleistungen1.500,- Euro
Tagespflege / Nachtpflege19.344,- Euro
Kurzzeitpflege1.612,- Euro
Verhinderrungspflege1.612,- Euro
Wohnraumverbessernde
Maßnahmen (pro Maßnahme)
4.000,- Euro
Geldwerter Leistungsanspruch47.892,- Euro

Jährliche Pflegeleistungen bei ambulanter Pflege mit Pflegesachleistungen (Angaben ohne Gewähr)

Die Unterschiede bei den möglichen Leistungen je nach Pflegegrad sind immens: So erhalten beispielsweise Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3 Leistungen im Wert von bis zu € 40.356. Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 erhalten fast € 15.000 weniger pro Jahr.

Pflegehilfsmittel480,- Euro
Pflegesachleistungen23.940,- Euro
Entlastungsleistungen1.500,- Euro
Tagespflege / Nachtpflege23.940,- Euro
Kurzzeitpflege1.612,- Euro
Verhinderrungspflege1.612,- Euro
Wohnraumverbessernde
Maßnahmen (pro Maßnahme)
4.000,- Euro
Geldwerter Leistungsanspruch57.084,- Euro

Jährliche Pflegeleistungen bei ambulanter Pflege mit Pflegesachleistungen (Angaben ohne Gewähr)

Die Unterschiede bei den möglichen Leistungen je nach Pflegegrad sind immens: So erhalten beispielsweise Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3 Leistungen im Wert von bis zu € 40.356. Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 erhalten fast € 15.000 weniger pro Jahr.

Hinweis: Die Möglichkeit des Widerspruchs ist von Gesetzes wegen gegeben. Sind Sie der Ansicht, dass die Beurteilung nicht mit rechten Dingen zuging, sollten Sie die Gelegenheit ergreifen und Einspruch gegen Ihren Bescheid einlegen. Vor dem Start eines solchen Verfahrens sollten allerdings die Erfolgsaussichten Ihres Widerspruchs kritisch geprüft werden.

Mit Dr. Weigl & Partner erfolgreich einen Pflegegrad Widerspruch erreichen

Dr. Weigl & Partner ist auf die Durchsetzung Ihrer Pflegeansprüche spezialisiert. Gerne unterstützen wir Sie nach Ihrer Einstufung in einen Pflegegrad (bis Ende 2016 Pflegestufe) auch beim Widerspruch gegen Ihre Pflegegradeinstufung (vormals Pflegestufenzuordnung) bzw. den Höherstufungsbescheid durch den MDK.

Im Falle einer Widerspruchsbegleitung gehen wir bei Dr. Weigl & Partner gehen wir wie folgt in drei Schritten vor:

1. Schritt – Telefonische Erstberatung (kostenlos)

In unserer kostenlosen Erstberatung analysieren wir Ihren Ablehnungsbescheid. Zusammen mit Ihren gesundheitlichen und pflegerischen Umständen können wir eine erste Grobeinschätzung Ihrer Situation vornehmen und grob die Erfolgsaussichten des Widerspruchs bewerten.

Mehr Klarheit erhalten wir nur durch eine persönliche Begutachtung vor Ort. Wenn Sie unsere Arbeitsweise überzeugt hat, wird Ihre Situation von einem unserer Pflegeexperten bei einem persönlichen Termin begutachtet.

Bereits vor unserem Ersttermin sollten Sie einen formlosen Widerspruch an Ihre Krankenkasse stellen. Achten Sie auf die Wahrung der Frist, da nach Ablauf der Widerspruchsfrist der erhaltene Bescheid „bestandskräftig“ wird und nicht mehr geändert werden kann.

Der Widerspruch gegen einen Pflegebescheid (Pflegegrad oder Höherstufung) sollte stets schriftlich erfolgen. Dieser kann formlos sein, doch muss die einmonatige Frist eingehalten werden. Das Musterschreiben hilft Ihnen, Missverständnisse seitens der Pflegekasse zu vermeiden. Gern dürfen Sie das Formular verwenden. Kündigen Sie darin unbedingt an, dass Sie die fachliche Begründung nachreichen.

Wichtig: Widerspruchsfrist – Die gesetzliche Pflegeversicherung nimmt den Status einer Behörde ein. Daher kommt der Bescheid einer Pflegeversicherung einem Verwaltungsakt gleich. Auf dieser Grundlage ist für den Widerspruch eine Frist von einem Monat vorgesehen.

2. Schritt – Persönlicher Besuchstermin und Widerspruchsbegründung durch unseren Pflegeexperten (Anfahrtspauschale)

Der Besuchstermin durch unseren Pflegeexperten dient der Festigung des telefonischen Eindrucks und der rechtskräftigen Begründung Ihres Widerspruchs.

In diesem Zuge werden Ihr häusliches Umfeld und pflegerische Hilfsmittel nach den Richtlinien des Neuen Begutachtungs-Assessments (kurz NBA) untersucht.

Zusammen mit Ihren ärztlichen Dokumenten und dem vorliegenden Ablehnungsbescheid, formuliert der Pflegeexperte eine Einschätzung der Erfolgsaussichten Ihres Widerspruchsverfahrens.

Final geht aus dem Erstbesuchstermin eine Widerspruchsargumentation hervor, welche als fachliche Begründung für den Widerspruch Ihres abgelehnten Pflegegrads oder der Pflegegrad Höherstufung (früher Pflegestufe und Pflegestufenerhöhung) dient.

Hinweis: Die wichtigsten Punkte für unseren Pflegeexperten
1. Gibt es gute Argumente, die einen Widerspruch begründen?
2. Wie groß sind die Differenzen, d. h. wie weit ist der nächsthöhere Pflegegrad entfernt?

3. Schritt – Persönliche Begleitung der MDK Begutachtung durch unseren Pflegeexperten

Noch vor dem MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) bzw. MEDICPROOF (Medizinischer Dienst der Privaten), trifft unser Pflegeexperte ein und geht noch einmal die anstehende Begutachtung mit Ihnen durch.

Durch Anwesenheit unseres Pflegeexperten während des Gesprächs, können wir eine korrekte Bewertung auf Augenhöhe erreichen. Zeitnah nach der Überprüfung, sollten die Dokumente des MDK mit der Neubewertung Ihrer Pflegesituation postalisch eingehen. In Rücksprache mit unserem Pflegeexperten prüfen wir den Pflegegradbescheid (früher Pflegestufenbescheid) intern auf Richtigkeit und Erfüllung aller Kriterien.

Abschließend erfolgt eine Nachbesprechung zu Ihren verbesserten Pflegeleistungen (Pflegegeld, Pflegesachleistungen, Pflegehilfsmittel etc.) durch den erhöhten Pflegegrad.

Einen Pflegegrad oder Höherstufungs-Widerspruch (früher Pflegestufen Widerspruch) ohne Dr. Weigl & Partner erreichen

Einem negativen Bescheid beantragter Leistungen aus der Pflegeversicherung kann nur in Gestalt eines Widerspruchs begegnet werden. Bevor Sie diesen jedoch in Betracht ziehen, sollten Sie sich vorab informieren, ob sich dieser wirklich lohnt. Ein Widerspruchsverfahren nimmt bei allen Beteiligten viel Zeit in Anspruch, daher sollten zunächst die Erfolgsaussichten seitens des Antragstellers geprüft werden.

1. Schritt – Erfolgsaussichten und Widerspruchsargumentation und -vorraussetzungen prüfen

Die Basis für die Bewilligung eines Pflegegrades oder einer Höherstufung (früher Pflegestufe und Pflegestufenerhöhung) bildet das MDK-Gutachten. Sofern Sie mit den bewilligten Pflegeleistungen oder mit der Ablehnung nicht einverstanden sind, brauchen Sie eine logische und stabile Argumentation, auf die Sie sich stützen und die auf Fehleinschätzungen im Gutachten hinweist.

Erheben Sie einen Widerspruch, der die gesetzlichen Fristen berücksichtigt. Dieser kann zunächst formlos sein und bedarf noch keiner Begründung. Dieses Widerspruchsschreiben beinhaltet auch die Anforderung des MDK-Gutachtens, sofern Ihnen dieses noch nicht vorliegt. Sie können sich dieses ganz einfach als PDF-Datei an Ihre Mail-Adresse schicken lassen.

Wichtig: Widerspruchsfrist – Nach Eingang des Bescheides, kann innerhalb eines Monats Widerspruch eingelegt werden. Bitte beachten Sie dabei, dass die gängige 4-Wochen-Frist nicht ganz korrekt ist, obwohl sie vom MDK selbst und den Pflegekassen genannt wird. Ein Monat hat bis zu drei Tagen mehr, was bei der Gewährung berücksichtigt werden muss. Gleiches gilt im Übrigen auch für Bescheide aus der privaten Pflegeversicherung.

Seit 1. Januar 2017 erfolgen Begutachtungen ausschließlich mittels des sogenannten Neuen Begutachtungs-Assessments (kurz NBA). Diesem liegt ein Katalog mit 64 Fragen zugrunde, der die Feststellung des Grades der Selbstständigkeit und Pflegebedürftigkeit zum Inhalt hat. Die Bewertung erfolgt über ein Punktesystem. Jedem Pflegegrad (früher Pflegestufe) sind Punkte zugeordnet. Der MDK-Gutachter trifft im Verlauf der Begutachtung seine Einschätzung, die auf den Antworten dieser 64 Fragen basiert.

Zur Beantwortung dient u. a. das Pflegetagebuch. Das MDK-Gutachten können Sie dann mit der Pflegedokumentation abgleichen. Unterschiede zwischen der Einschätzung und der tatsächlichen Situation werden so schnell ersichtlich. Schon bei einer Abweichung in der Bewertung sollten Sie Widerspruch einlegen.

2. Schritt – Widerspruchsbegründung

Ergeben sich Differenzen zwischen dem Pflegetagebuch und dem MDK-Gutachten, fragen Sie sich zunächst, wieviel Punkte zum nächsthöheren Pflegegrad erforderlich sind. Den Punktestand erfahren Sie im MDK-Gutachten als Ergebnis des Begutachtungs-Assessments (kurz NBA). Aus diesem wird der Pflegegrad (früher Pflegestufe) errechnet.

Die nachfolgende Tabelle zeigt Ihnen die Berechnungsgrundlage nach Punkten:

Pflegegrad (PG)Maß der SelbstständigkeitNBA-Punkte
Pflegegrad 1
(PG 1)
Geringe Beeinträchtigung in der Selbstständigkeit12,5 – 26,5 Punkte
Pflegegrad 2
(PG 2)
Erhebliche Beeinträchtigung in der Selbstständigkeit27 – 47 Punkte
Pflegegrad 3
(PG 3)
Schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit47,5 – 69,5 Punkte
Pflegegrad 4
(PG 4)
Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit70 – 89,5 Punkte
Pflegegrad 5
(PG 5)
Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an pflegerischer Versorgung90 – 100 Punkte

Ein geringer Punkteabstand macht ein Widerspruchsverfahren lohnend. Denn schon eine geringe Abweichung in einer Frage kann mehrere Punkte Unterschied ausmachen.

Begründen Sie Ihren Widerspruch mit den Unterschieden unter der Vorlage Ihrer Aufzeichnungen (Pflegetagebuch) und ärztlichen Unterlagen.
Diese fachliche Begründung ist das wichtigste Dokument für Ihr Verfahren, daher sollte es mit Bedacht formuliert werden. Mit unserer jahrelangen Erfahrung stehen wir Ihnen auch hier gerne helfend zur Seite und unterstützen Sie bei der Formulierung.

Nach dem Posteingang der pflegefachlichen Begründung wird die jeweilige Pflegekasse einen neuen Begutachtungstermin anberaumen.

Hinweis: Beschaffen Sie rechtzeitig alle widerspruchsrelevanten Dokumente, wie etwa ärztliche Atteste und Diagnosen, Entlassungsberichte der Krankenhäuser usw. Legen Sie diese stets beim MDK-Termin vor.

3. Schritt – Erneute Begutachtung durch den MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) oder MEDICPROOF (Medizinscher Dienst der Privaten)

Im Falle eines Ihrerseits gut begründeten Widerspruchs wird die Pflegekasse den MDK erneut mit der Begutachtung (in diesem Fall Widerspruchsbegutachtung) beauftragen. Dazu sollten Sie wissen, dass generell nicht der Erstgutachter zugegen sein wird, sondern ein anderer Gutachter.

Bei diesem Termin ist es wichtig, den MDK Gutachter von der Unrichtigkeit der ursprünglichen Entscheidung zu überzeugen. Ihre zuvor schriftlich verfasste Widerspruchsbegründung liegt ihm vor, daher konzentriert er sich darauf, die erwähnten Differenzen zu prüfen. Beschuldigen Sie den Kollegen des Gutachters niemals eines Fehlers, sondern bauen Sie eine Brücke. Eine solche kann z. B. eine damals noch nicht vorliegende Diagnose oder ein Attest sein. Auf diese Weise verhärten sich die Fronten nicht und die Wahrscheinlichkeit, dass Ihrem Widerspruch stattgegeben wird, erhöht sich.

Hinweis: Nur 7% aller abgelehnten Versicherungsnehmer entscheiden sich für einen Widerspruch. Aufwand und Risiko des Verfahrens schrecken Pflegebedürftige und Angehörige gleichsam ab.

Bereiten Sie sich gut vor. Ihre fachliche Widerspruchsbegründung enthält die konkreten Gründe für Ihren Widerspruch. Daher sollten Sie alles bereithalten, was Ihre Argumentation unterstützen und bestätigen kann, wie z. B. Unterlagen, Bescheinigungen, Berichte oder Medikamente.

Die wichtigsten Dokumente halten Sie bestenfalls als Kopien bereit, welche Sie dem Gutachter mitgeben können. Seine erneuten Fragen müssen sie stets wahrheitsgemäß beantworten. Legen Sie realistisch und nüchtern die Pflegesituation und den notwendigen Pflegeaufwand dar. MDK- oder Medicproof-Gutachter haben ein feines Gespür für den Wahrheitsgehalt von Aussagen.

Wenige Tage nach der Widerspruchsbegutachtung erhalten Sie einen weiteren Einschätzungsbescheid. Dieser revidiert entweder die Erstentscheidung gemäß Ihren Wünschen oder Ihr Widerspruch wird abgelehnt.

Sofern die Pflegekasse den beantragten Pflegegrad rückwirkend zum Datum der Antragstellung anerkennt, ist die Rede von der vollständigen Abhilfe. Anders sieht dies aus, wenn eine Bewilligung des Pflegegrades zu einem späteren Zeitpunkt ausgesprochen wird (z. B. dem Tag der Widerspruchsbegutachtung). Dann wird von einer teilweisen Abhilfe gesprochen. Dies kann vorkommen, wenn sich die Pflegesituation zwischen der Erst- und Folgebegutachtung maßgeblich verändert hat. Hierbei entfällt Ihr rückwirkender Leistungsanspruch.

Hinweis: Wenn die schwierige Prozedur der Widerspruchsverfahren Ihnen Schwierigkeiten bereitet, stehen Dr. Weigl & Partner und unsere Pflegeexperten Ihnen gerne zur Seite.

Weiterer Schritt – Gegen eine Widerspruchsablehnung vorgehen

Nach der Ablehnung Ihres Widerspruchs (Pflegegrad oder Höherstufung) durch die Krankenkasse bleiben Ihnen zwei Möglichkeiten:
1. Sie können die Ablehnung akzeptieren.
2. Sie können Ihren Widerspruch aufrechterhalten.

Wenn Sie die Ablehnung akzeptieren, können Sie nach sechsmonatiger Wartezeit einen Antrag auf Höherstufung der Pflegeleistungen stellen oder eine Neubewertung Ihrer Pflegebedürftigkeit fordern. Dabei sind wir Ihnen gern behilflich.

Sofern Sie den Widerspruch aufrechterhalten, wird dieser dem sogenannten Widerspruchsausschuss vorgelegt. Dieser setzt sich aus Vertretern der Pflegekasse, Versichertenvertretern sowie Gewerkschaftern zusammen. Dort haben Sie persönlich noch einmal die Möglichkeit Ihre Argumentation vorzutragen, um eine Revidierung des Bescheides zu erzielen.
Doch sei dazu gesagt, dass der Ausschuss die Einstufung der Pflegekasse vorwiegend unterstützt.
Im Anschluss ergeht dann ein sogenannter „klagefähiger Bescheid“, der es Ihnen ermöglicht, Klage vor einem Sozialgericht einzureichen.

Wichtig: Sofern der Ablehnungsbescheid durch den Widerspruchsauschuss bestätigt wird (was leider viel zu oft der Fall ist), bleibt Ihnen nur die Klage beim Sozialgericht.

Letzte Möglichkeit – Klage vor dem Sozialgericht

Innerhalb eines Monats haben Sie die Möglichkeit, bei einem abschlägigen Bescheid der Pflegekasse, Klage einzureichen, die Ihnen im Übrigen keinerlei Kosten verursacht.

Es steht Ihnen frei, sich als Kläger selbst zu vertreten. Sie müssen nicht zwingend eine anwaltliche Vertretung beauftragen. Das Expertenwissen eines Anwaltes kann Ihnen jedoch maßgeblich weiterhelfen. Ähnlich einem Widerspruch, muss eine Klage ebenfalls eine schlüssige Argumentation beinhalten, welche auf pflegefachlichen Begründungen ruht.

Hinweis: Solche pflegefachlichen Argumente liefert Ihnen gern einer unserer Pflegeexperten.

Im Grunde geht es darum, die Argumentation der Pflegekasse zu entkräften und selbst eine plausible Begründung zu liefern. Gehen Sie stets auf konkrete Differenzen ein und verallgemeinern Sie nicht. Veranschaulichen Sie die Fehler des MDK-Gutachters und begründen Sie, aus welchem Grund der entsprechende Pflegebedarf der strittigen Punkte höher ist, als vom MDK-Gutachten veranschlagt.

Nach Eingang der Klage erhält die Pflegekasse Gelegenheit, sich schriftlich zu äußern. Anschließend erteilt das Gericht einem neutralen Gutachter einen Auftrag zur Prüfung des Sachverhaltes. Dazu werden seitens des Gerichtes konkrete Fragen formuliert, die der Sachbearbeiter recherchieren und beantworten muss.

Der gerichtlich beauftragte Gutachter lässt Ihnen einen schriftlichen Terminvorschlag zugehen und wird Ihnen seinen Hausbesuch ankündigen. Dabei wird er situationsgerecht alle pflegerelevanten Fragen beurteilen. Im Anschluss verfasst er ein schriftliches Pflegegutachten, das er an das Sozialgericht schickt. Die sich ergebenden Kosten übernimmt die Gerichtskasse.

Sollten Sie hingegen anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen, müssen Sie diese Kosten sehr wohl mit einkalkulieren. Haben Sie jedoch einen Prozesskostenhilfeantrag gestellt, der auch genehmigt wurde, werden Ihre Anwaltskosten ebenfalls von der Gerichtskasse übernommen. Vielfach trägt auch eine Rechtsschutzversicherung die Auslagen. Dann haben sie nur den vertraglich vereinbarten Selbstbehalt aus eigenen Mitteln zu zahlen.

Eine erfolgreiche Klage zieht die Gewährung des höheren Pflegegrades nach sich. Somit haben Sie auch einen rückwirkenden Leistungsanspruch gegenüber der Pflegekasse. Diese muss zudem sämtliche Verfahrens- und Anwaltskosten übernehmen.

Hinweis: Befinden Sie sich in einer finanziellen Notlage, können Sie Prozesskostenhilfe beantragen. Ihr Anwalt kann Ihnen dazu Näheres erklären.

Bei Abweisung der Klage hingegen müssen Sie die Auslagen des Anwaltes selbst tragen. Verständigen Sie sich daher besser mit Ihrem Rechtsbeistand bezüglich der Erfolgsaussichten und der sich möglicherweise ergebenden finanziellen Belastungen.