Pflegestufen

Bis Ende 2016 wurde Pflegebedürftigkeit in Pflegestufen eingeteilt und von der Pflegeversicherung durch verschiedene Geldmittel unterstützt. Wir erklären Ihnen die Pflegestufen im Detail.

Die Pflegestufen

Bei schweren Erkrankungen, körperlichen oder geistigen Behinderungen oder aus altersbedingten Gründen kann eine Person auf Pflege und Unterstützung im Alltag angewiesen sein. In diesem Fall kann bei der Pflegeversicherung ein Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung gestellt werden.
Diese untersucht durch die Erstellung eines Gutachtens den Grad der Pflegebedürftigkeit: Abhängig vom Hilfsbedarf des Versicherungsnehmers im Alltag, wurde bis Ende 2016 eine Pflegestufe zugeteilt. Pflegestufen regeln welche finanziellen Mittel pflegebedürftige Personen von der Kasse erhalten und beantragen können.

Pflegestufe 0 // Pflegestufe 1 // Pflegestufe 2 // Pflegestufe 3 // Pflegestufe 3 Härtefall

Was bedeutet Pflegebedürftigkeit? – Definition 2016

Ein Mensch galt dann als pflegebedürftig, wenn er aufgrund einer „körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen“ Hilfe benötigt (Elftes Sozialgesetzbuch, kurz SGB XI, Stand 2016). Ein Hilfsbedarf musste in hohem Maße und längerfristig (mindestens sechs Monate) bestehen.

Als Voraussetzung waren Krankheiten und Behinderungen definiert, welche das Nervensystem, den Bewegungsapparat oder Schädigung der inneren Organe beinhalten. Mit ärztlichen Dokumenten und Belegen, konnten Versicherungsnehmer ihre Ansprüche bei der Pflegekasse zusätzlich untermauern. Ausschlaggebend für die Erteilung einer Pflegestufe war das Pflegegutachten, welches durch einen Gutachter des Medizinischen Dienst der Krankenkassen erstellt wurde. Durch einen Besuch beim Versicherungsnehmer konnte der Gutachter Beobachtungen im gewohnten Umfeld anstellen und die tägliche Pflegedauer ermitteln. Anhand der Dauer der Grundpflege (Körperpflege, Ernährung, Mobilität, hauswirtschaftlichen Besorgungen) errechnete sich die gewährte Pflegestufe.

Insgesamt gab es fünf Pflegestufen, wobei Pflegestufe 0 eine Sonderrolle einnahm, da diese zu Beginn nicht als Teil des Pflegestufensystems vorgesehen wurde. Erst im Zuge der Pflegereform 2008 wurde 0 als Ergänzung zu den bisherigen vier Pflegestufen eingeführt.

Prinzipiell ließ sich festhalten: je geringer die Selbstständigkeit der pflegebedürftigen Person war, desto höher fielen die gewährten Geldmittel durch die Pflegeversicherung aus. Insgesamt fünf Abstufungen (Pflegestufen 0, 1, 2, 3 und 3 Härtefall) lagen fest, wie hoch die monatlichen Leistungen (wie z.B. Pflegegeld, Pflegehilfsmittel, Entlastungsleistungen) ausgezahlt wurden.

Voraussetzungen für Pflegestufen

Um eine Pflegestufe erhalten zu können, musste eine Pflegedauer von mindestens 90 Minuten pro Tag gegeben sein. Diese sollte durch einen pflegenden Angehörigen oder einer Fachkraft eines Pflegedienstes durchgeführt werden. Viele Versicherungsnehmer konnten diese Hürde nicht erfüllen, obwohl sie im Alltag auf Hilfe angewiesen waren.
Vor allem an Demenz erkrankte Menschen konnten daher Ansprüche bei der Versicherung geltend machen. Um Menschen mit einer geringen Pflegebedürftigkeit ebenfalls helfen zu können, wurde 2012 Pflegestufe 0 eingeführt.

Pflegestufe 0

2008 wurde Pflegestufe 0 für Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz eingeführt, welche die Grenze für Pflegestufe 1 nicht erreichen konnten. Die Gesetzgebung definierte die Pflegebedürftigkeit und ab wann ein Versicherungsnehmer das Recht auf finanzielle Unterstützung der jeweiligen Pflegeversicherung hat.

Was war Pflegestufe 0?

Pflegestufe 0 richtete sich an Versicherungsnehmer, die die Voraussetzungen für die Pflegestufe 1 nicht erreichten, aber dennoch nachgewiesen auf Unterstützung im Alltag angewiesen waren. Ein wichtiger Baustein, der im Rahmen des Pflege-Neuausrichtungs-Gesetzes aus dem Jahr 2012 festgehalten wurde, ist die „eingeschränkte Alltagskompetenz“. Versicherungsnehmer mit einer geistigen oder psychischen Erkrankung oder Beeinträchtigung im Sinne einer „eingeschränkten Alltagskompetenz“ haben seitdem die Möglichkeit, staatliche Leistungen für Pflege durch Angehörige zu beantragen.

Damit die Pflegeversicherung einen Versicherungsnehmer der Pflegestufe 0 zuordnet, musste die „eingeschränkte Alltagskompetenz“ durch einen behandelnden Arzt zusätzlich bestätigt werden. So hatten Personen mit beginnender Demenz einen Anspruch auf Leistungen, welche sie im Alltag entlasten konnten. Weil die körperliche Gesundheit oftmals noch vorhanden und sie sich (theoretisch) noch selbst versorgen könnten, ihre geistigen Fähigkeiten aber stetig nachlassen, benötigen Demenzkranke jemanden, der sie regelmäßig betreut und ihnen bei der Bewältigung alltäglicher Organisation hilft. Oftmals übernehmen Angehörige die Pflege zunächst, welche aber im weiteren Verlauf der Erkrankung zu einer steigenden Belastung werden kann. Pflegestufe 0 war die vorlaufende Version des 2017 eingeführten Pflegegrad 2.

Welche Leistungen umfasste Pflegestufe 0?

Die Leistungen der Pflegestufe 0 umfassten Pflegegeld (häuslich) bzw. Pflegesachleistungen (ambulant). Entschied sich die pflegebedürftige Person für ein Pflegegeld, wurden 123,00 Euro im Monat ausgezahlt. Wurde hingegen ein professioneller Pflegedienst eingesetzt, konnten Sachleistungen im Gegenwert von 231,00 Euro geltend gemacht werden.
Über diese Grundleistungen hinaus umfasste Pflegestufe 0 eine Verhinderungspflege (ausfallende Pflegeperson), für die jährlich bis zu 1.612,00 Euro gezahlt wurden. Zudem konnten monatlich Pflegehilfsmittel im Wert von 40,00 Euro erhalten werden.
Zusätzlich hatten Pflegebedürftige die Möglichkeit, Fördergelder für die barrierefreie Umbauten des eigenen Wohnraums zu beantragen. Bis zu 4.000,00 Euro konnten pro Maßnahme geltend gemacht werden, um z.B. einen Treppenlift einzubauen.

Pflegestufe 1

Pflegestufe 1 wurde Versicherungsnehmern zugesprochen, die aufgrund starker körperlicher Beeinträchtigungen oder Schädigungen einen erhöhten Pflegebedarf haben. Ein Pflegebedarf konnte in verschiedenen Bereichen des Alltags benötigt werden und wurde nach der Zeit bemessen, die täglich für die Pflege aufgewendet werden muss (Pflegezeit – Pflegezeitbemessung).

Kriterien für den Erhalt der Pflegestufe 1 – bis 12/2016

Pflegestufe 1 wurde gewährt, wenn täglich mindestens 90 Minuten notwendig waren, um die Pflege sicherzustellen. In der Begutachtung wurde ein täglicher Durchschnitt ermittelt und der Einstufung zugrunde gelegt. Für die Ermittlung des Pflegebedarfs wurden insgesamt vier Kategorien überprüft, welche die sogenannte Grundpflege abdeckten:

  • Körperpflege
  • Ernährung
  • Mobilität
  • Hauswirtschaftliche Versorgung

Hilfe und Unterstützung in den genannten Kategorien waren Voraussetzung für Pflegestufe 1.

Im Bereich der Grundpflege musste die pflegebedürftige Person in mindestens zwei der drei Kategorien tägliche Unterstützung benötigen. Weitere Hilfestellungen können unregelmäßig erfolgen.

Welche Leistungen umfasste Pflegestufe 1?

In den Leistungen der Pflegestufe 1 waren ein Pflegegeld oder Pflegesachleistungen sowie weitere Zuschüsse und Fördergelder enthalten. Das monatliche Pflegegeld (häuslich) für pflegebedürftige Versicherungsnehmer der Pflegestufe 1 beträgt 244,00 Euro. Pflegesachleistungen für ambulante Pflege konnten mit 468,00 Euro monatlich eingesetzt werden.
War die pflegebedürftige Person zusätzlich durch eine „eingeschränkte Alltagskompetenz“ betroffen, konnten sich das Pflegegeld auf 316,00 Euro und die Pflegesachleistungen auf 689,00 Euro monatlich erhöhen.
Darüber hinaus konnten 40,00 Euro monatlich für Pflegehilfsmittel beantragt werden. Der jährliche Satz für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege betrug jeweils 1.612,00 Euro. Falls eine vollstationäre Versorgung von Nöten war, wurde diese mit monatlich 1.064,00 Euro unterstützt.
Auch Umbauten zu einer barrierefreien Wohnung konnten durch den Staat bezuschusst werden. Pro Maßnahme (z.B. barrierefreies Bad) konnten 4.000,00 Euro beantrag werden.

Pflegestufe 2

Pflegestufe 2 bildete die mittlere Stufe des Systems der Pflegestufen. Versicherte die durch eine schwere körperliche Erkrankung oder Behinderung mehrere Male am Tag auf Hilfe angewiesen waren, erfüllten die Anforderungen dieser Pflegestufe.

Kriterien für den Erhalt der Pflegestufe 2 – bis 12/2016

Voraussetzungen für Pflegestufe 2 waren gegeben, wenn mindestens zu drei verschiedenen Tageszeiten Unterstützung im Alltag von Nöten. Dieses galt sowohl für die Grundpflege als auch hauswirtschaftliche Unterstützung:

  • Körperpflege
  • Ernährung
  • Mobilität
  • Hauswirtschaftliche Versorgung

Die Pflege musste mindestens 180 Minuten pro Tag erfordern und beide Bereiche damit abdecken.

Welche Leistungen umfasste Pflegestufe 2?

In den Leistungen der Pflegestufe 2 waren ein monatliches Pflegegeld oder ein monatlicher Betrag für Pflegesachleistungen sowie weitere Zuschüsse. Das monatliche Pflegegeld betrug 458,00 Euro, während für Pflegesachleistungen durch einen Pflegedienst monatlich 1.144,00 Euro zur Verfügung standen. Wurde eine zusätzliche Demenzerkrankung oder eine andere kognitive Einschränkung diagnostiziert, im Sinne einer „eingeschränkten Alltagskompetenz“, erhöhte sich das Pflegegeld auf 545,00 Euro und die Pflegesachleistungen auf 1.298,00 Euro monatlich.
Weiterhin konnten jährlich jeweils 1.612,00 Euro für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege erhalten werden. Zudem konnten monatlich 40,00 Euro für Pflegehilfsmittel geltend gemacht werden.
Bei häuslicher Pflege bezuschusste die Pflegeversicherung auch den gerechten Umbau der Wohnung mit bis zu 4.000,00 Euro pro Maßnahme. Dieses Geld konnte beispielweise genutzt werden, um Treppen und Absätze in Rampen umzubauen.

Pflegestufe 3

Pflegestufe 3 war die höchste Stufe im System, welche nicht nur auf „schwerstpflegebedürftige“ Personen zutraf, sondern auch sogenannte „Härtefälle“ umfasste. Das Ziel dieser Pflegestufe war es, bei sehr schweren körperlichen und kognitiven Einschränkungen eine vollständige Pflege und optimale Versorgung zu ermöglichen. Dennoch konnte auch der höchste Pflegestufenzuschuss nicht alle Kosten decken, so dass die pflegebedürftige Person oder seine Angehörigen die restlichen Mittel selbst aufbringen mussten.

Kriterien für den Erhalt der Pflegestufe 3 – bis 12/2016

Im Elften Sozialgesetzbuch (SGB XI) war die Pflegebedürftigkeit gesetzlich regelt, so auch die Voraussetzungen für den Erhalt der Pflegestufe 3. Eine „schwerste Pflegebedürftigkeit“ lag demnach vor, wenn die betroffene Person körperlich und kognitiv so eingeschränkt war, dass dauerhaft eine Pflegekraft anwesend sein musste, um die Grundpflege zu gewährleisten:

  • Körperpflege
  • Ernährung
  • Mobilität
  • Hauswirtschaftliche Versorgung

Im Tagesdurchschnitt mussten mindestens 300 Minuten für die Pflege benötigt werden, um eine „schwerstpflegebedürftigkeit“ zu erfüllen. Darin mussten beide Bereiche (Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung) enthalten sein. Zudem mussten Versicherungsnehmer konstant auf die Versorgung durch eine pflegende Person oder einen Pflegedienst angewiesen sein – die Versorgung musste somit auch in den Nachtstunden gegeben sein (24-Stunden-Pflege).

Wer hatte Anspruch auf Pflegestufe 3 Härtefall?

Wurde über die Pflegestufe 3 hinaus eine noch tiefergreifende Pflege benötigt, konnte der Gutachter die pflegebedürftige Person in Pflegestufe 3 als „Härtefall“ einstufen. Auf dieser Einordnung basierend, wurden die höchstmöglichen Leistungen der Pflegeversicherung ermöglicht. Die besondere Anforderung eines Härtefalls wurde für Schwerstpflegebedürftige vergeben, welche im Rahmen der Grundpflege täglich mindestens sieben Stunden (auch bei Nacht) versorgt werden mussten.

Welche Leistungen umfasste Pflegestufe 3?

Wenn Pflegestufe 3 anerkannt wurde, erhielten Versicherungsnehmer entweder ein monatliches Pflegegeld oder Pflegesachleistungen für die Versorgung durch einen Pflegedienst. Das Pflegegeld der Pflegestufe 3 betrug 728,00 Euro, während für Pflegesachleistungen 1.612,00 Euro eingesetzt werden konnten. Bei einer Härtefall-Anerkennung erhöhten sich die Pflegesachleistungen auf 1.995,00 Euro pro Monat.
Darüber hinaus konnten jährlich 1.612,00 Euro für Kurzzeit- und Verhinderungspflege, sowie 40,00 Euro für Pflegehilfsmittel erhalten werden. Wohnraumverbessernde Umbauten wurden mit 4.000,00 Euro pro Maßnahme bezuschusst.

2017-12-22T14:45:29+00:00
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