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Zum 1. Januar 2017 wurden die alten Pflegestufen auf das neue System der Pflegegrade umgestellt. Wir verraten Ihnen, was sich ändert und was Sie bei der Beantragung eines Pflegegrads beachten müssen!

Die Umstellung der Pflegestufen auf Pflegegrade

Das System der Pflegestufen, das bis Ende 2016 den Bezug von Pflegeleistungen für pflegebedürftige Patienten geregelt hat, ist zum Jahresbeginn 2017 vollständig abgelöst worden. Die Änderung, die mit den neuen Pflegegesetzen, die am 01. Januar in Kraft getreten sind, am deutlichsten hervorsticht, ist die Berechnungsgrundlage für die neuen Pflegegrade: Nicht mehr der zeitliche Aufwand für die tägliche Pflege, sondern der tatsächlich vorhandene Grad der Selbstständigkeit soll zukünftig als Kriterium für die Einstufung in einem Pflegegrad zugrunde gelegt werden.

Die Grundlage für die Neuerungen sind die sogenannten Pflegestärkungsgesetze, die bereits 2015 in Teilen in Kraft getreten sind (Erstes Pflegestärkungsgesetz, PSG I) und 2017 vollständig anzuwenden sind (Zweites Pflegestärkungsgesetz, PSG II). Im Dezember 2016 wurde das Dritte Pflegestärkungsgesetz (PSG III) verkündet, das ebenfalls mit dem Jahreswechsel weitestgehend in Kraft getreten ist.

Da nun die Selbstständigkeit der pflegebedürftigen Person deutlich mehr in den Fokus rückt, sollen vor allem Menschen mit einer psychischen Erkrankung oder einer Form der Demenz – also einer eingeschränkten Alltagskompetenz – von der geänderten Definition der Pflegebedürftigkeit profitieren. Anders als zuvor sollen ihnen die gleichen Pflegeleistungen zuerkannt werden wie Menschen mit einer rein körperlichen Beeinträchtigung der Selbstständigkeit.

Wie werden die neuen Pflegegrade definiert?

Bis Ende 2016 wurde in Form von drei aufeinander aufbauenden Pflegestufen geregelt, unter welchen Voraussetzungen Pflegebedürftige ein Pflegegeld oder andere Pflegeleistungen erhielten. Der Begriff der Pflegebedürftigkeit ist jedoch seit langem umstritten, da es seit der Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995 keine eindeutige Definition dieses Begriffs gab – und das, obwohl er entscheidend für die Höhe der Leistungen ist, die aus der Pflegeversicherung bezogen werden können.
Statt drei Pflegestufen gibt es nun fünf Pflegegrade, die individueller auf den Grad der Selbstständigkeit und deren Ursachen eingehen. Sowohl körperliche Erkrankungen als auch geistige und psychische Defizite werden in die Begutachtung, die ausschlaggebend für die Einstufung der Pflegekasse ist, mit einbezogen und beeinflussen die Höhe der zu beziehenden Leistungen.

Mit den Pflegestärkungsgesetzen fällt die sogenannte „Minutenpflege“, die bisher den Grad der Pflegebedürftigkeit bedingt hat, weg. Weil zuvor davon ausgegangen wurde, wie umfangreich der Hilfebedarf in Bezug auf gewöhnliche und regelmäßig wiederkehrende Verrichtungen des Alltags war – um eine Pflegestufe festzulegen, wurde bislang lediglich gemessen, wie viele Minuten die tägliche Pflege in Anspruch nimmt. Menschen mit einer eingeschränkten Alltagskompetenz, also einer Demenzerkrankung oder einer psychischen Beeinträchtigung, erhielten aus diesem Grund oftmals deutlich niedrigere Leistungen als Menschen mit einer körperlichen Beeinträchtigung.

Trotz leichter Anpassungen wie z. B. der Pflegestufe 0 und dem Pflegeneuausrichtungsgesetz wurden bislang keine erkennbaren Verbesserungen erzielt. Die neuen Pflegestärkungsgesetze aber sollen nun dafür sorgen, dass kein Patient benachteiligt wird.

Der Aufbau der neuen Pflegegrade

Die wichtigste Neuerung ist die Neuorganisation der Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK). Anstelle des zeitlichen Aufwands, der bislang für die Einstufung ermittelt wurde, soll der Gutachter des MDK nun den Grad der Selbstständigkeit der Pflegebedürftigen erfassen. In der Praxis bedeutet das, dass nicht mehr nur die körperlichen Einschränkungen, sondern auch geistige Defizite und psychische Beeinträchtigungen aufgenommen werden. Somit sollen vor allem Pflegebedürftige mit kognitiven Einschränkungen besser gestellt werden.

Um eine bessere Einschätzung der Pflegebedürftigkeit vornehmen zu können, gibt es nun nicht mehr drei Pflegestufen, sondern fünf Pflegegrade, die stufenweise aufeinander aufbauen und die Leistungen, die im Einzelnen bezogen werden können, regeln. Diese Pflegegrade lösen die Pflegestufen vollständig ab und werden nach einem neuen Begutachtungsverfahren, dem sogenannten Neuen Begutachtungs-Assessment (NBA) zugeteilt.
Ausschlaggebend für die Einstufung sind insgesamt sechs festgelegte Kriterien, die während der Begutachtung überprüft werden. Für jedes dieser Kriterien werden Punkte vergeben, wobei eine geringere Selbstständigkeit eine umso höhere Punktzahl bedeutet. Wichtig in der Begutachtung wie auch in der Umstellung der bereits eingestuften Patienten ist der sogenannte Bestandsschutz: Kein pflegebedürftiger Patient soll mit der Umwandlung schlechter gestellt werden. Wer bereits eine Pflegestufe hatte, wurde mit dem 01. Januar in den entsprechenden Pflegegrad überführt – eine Handlung von Seiten der Patienten ist dafür nicht vonnöten, außer sie sind der Meinung, falsch eingestuft worden zu sein.

Die fünf Pflegegrade werden folgendermaßen bezeichnet:

  • Pflegegrad 1: Geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (ehemals Pflegestufe 0)
  • Pflegegrad 2: Erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (ehemals Pflegestufe 1 (ohne eingeschränkte Alltagskompetenz) bzw. 0 (mit eingeschränkter Alltagskompetenz))
  • Pflegegrad 3: Schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (ehemals Pflegestufe 2 (ohne eingeschränkte Alltagskompetenz) bzw. 1 (mit eingeschränkter Alltagskompetenz))
  • Pflegegrad 4: Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (ehemals Pflegestufe 3 (ohne eingeschränkte Alltagskompetenz) bzw. 2 (mit eingeschränkter Alltagskompetenz))
  • Pflegegrad 5: Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung (ehemals Pflegestufe 3 (mit Härtefallregelung))

Nach welchen Kriterien werden die neuen Pflegegrade vergeben?

Während der Begutachtung beobachtet der MDK die pflegebedürftige Person in ihrem gewohnten Umfeld und überprüft folgende sechs Kriterien auf den Grad der noch vorhandenen Selbstständigkeit:

  • Mobilität
  • Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • Selbstversorgung
  • Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Insgesamt können dabei bis zu 100 Punkte vergeben werden. Ab 12,5 Punkten werden pflegebedürftige Personen in Pflegegrad 1 eingestuft; der höchste Pflegegrad 5 wird bei 90 Punkten erreicht. Je mehr Punkte bei der Begutachtung erreicht werden, desto höher fallen die Leistungen aus, die von der Pflegeversicherung bezogen werden können.

2019-01-14T09:01:52+00:00
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