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Osteoporose

Wer an der Knochenerkrankung Osteoporose leidet, muss sich im Alltag deutlich vorsichtiger bewegen als gesunde Menschen. In der Pflege erfordert die Erkrankung eine erhöhte Aufmerksamkeit sowie eine kalziumhaltige Ernährung.

Pflege und Pflegestufe bzw. Pflegegrad bei Osteoporose

Umgangssprachlich wird Osteoporose auch als Knochenschwund bezeichnet. Weil die Substanz der Knochen abgebaut wird, wird die Knochenstruktur brüchig. Schon ein leichter Sturz, der bei gesunden Menschen nur in seltenen Fällen eine medizinische Folge hat, kann bei Osteoporose-Patienten zu Knochenbrüchen und schweren Frakturen führen. Vor allem ältere Menschen, die an Osteoporose leiden, sind in ihrem Alltag darauf angewiesen, sich stolperfrei und ggfs. mit einer Hilfestellung fortbewegen zu können. Regelmäßige Spaziergänge, eine gesunde Ernährung unter Verwendung knochenstärkender Lebensmittel und aktive Bewegung bilden eine wichtige Basis für den Umgang mit der degenerativen Krankheit. Wer dies im Alter aber nicht mehr selbstständig leisten kann, ist darauf angewiesen, dass sich ein Angehöriger oder eine professionelle Pflegeperson um seine Bedürfnisse kümmert.
Wie entsteht Osteoporose und was macht sie so gefährlich für Betroffene? Ist es möglich, bei Osteoporose einen Pflegegrad (früher: Pflegestufe) zu beantragen und Pflegeleistungen von der Versicherung zu erhalten? Welcher Pflegegrad trifft auf eine Osteoporose-Erkrankung zu? Können Pflegebedürftige mit Osteoporose weiterhin Zuhause leben oder müssen sie in einer Pflegeeinrichtung untergebracht werden?

Was ist Osteoporose?

Zwar beschreibt der populäre Begriff „Knochenschwund“ eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was bei einer Osteoporose im Knochen passiert, jedoch ist Osteoporose im eigentlichen Sinn eine chronische Skeletterkrankung: Wörtlich übersetzt bedeutet Osteoporose „poröser Knochen“ – je weiter die Krankheit fortschreitet, desto mehr Knochengewebe wird abgebaut. Während dabei auf der einen Seite die Knochenmasse weniger wird, kommt es gleichzeitig zu Veränderungen im Feinaufbau des Knochengewebes. Kurz gesagt: Der Knochen wird anfälliger für Verletzung und bricht leichter.

Problematisch ist die Osteoporose deshalb, weil sie schleichend verläuft und über einen langen Zeitraum symptomlos bleiben kann. Viele Betroffene bemerken deshalb erst, dass etwas nicht stimmt, wenn die Krankheit bereits weiter fortgeschritten ist. Bis erstmalig starke Schmerzen oder ein Knochenbruch auftreten, können mehr als zehn Jahre vergehen, in denen das Knochengewebe schon deutlich reduziert worden ist. Je poröser der Knochen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass schon gewöhnliche Belastungen oder ein leichter Sturz einen Knochenbruch verursachen.

Es gibt zwei Arten von Osteoporose. Unter dem Begriff Primäre Osteoporose werden die Fälle zusammengefasst, in denen die Osteoporose ohne erkennbaren Grund auftritt. Sie beginnt bei Frauen vor allem während der Menopause, kann aber bei Männern und Frauen gleichermaßen verstärkt auch ab dem 70. Lebensjahr auftreten, wenn weniger Knochenmasse auf- als abgebaut wird. Bestehen Vor- oder Grunderkrankungen, die eine Osteoporose auslösen, spricht man von einer Sekundären Osteoporose. Auslöser können z. B. Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes und Bewegungsmangel, beispielsweise aufgrund einer Bettlägerigkeit, sein.

Wie wirkt sich Osteoporose auf die Pflege aus?

Die wichtigsten Aspekte, die eine Osteoporose-Pflege von einer Pflege ohne besondere Anforderungen unterscheidet, sind die Sturzgefahr und die eingeschränkte Mobilität, die viele Erkrankte betrifft. Die erste Maßnahme, die im Rahmen einer Pflegebedürftigkeit aufgrund von Osteoporose getroffen werden sollte, ist die Anpassung des Wohnraums (siehe auch: wohnraumverbessernde Maßnahmen): Stolperfallen sollten beseitigt, Stufen unter Umständen durch Rampen ersetzt und Haltegriffe an wichtigen Stellen angebracht werden. Diese Umbaumaßnahmen erleichtern dem Pflegebedürftigen die Bewegung im Alltag und reduzieren das Sturzrisiko, aufgrund dessen es schnell zu Knochenbrüchen kommen kann.

Wird der Wohnraum entsprechend angepasst, können Pflegebedürftige trotz Osteoporose weiterhin im eigenen Zuhause leben und ein weitgehend eigenständiges Leben führen. Bei einer Gehbehinderung oder Unsicherheit aufgrund des fragilen Skeletts können Gehhilfen wie Stöcke oder Rollatoren Betroffene in ihrer Mobilität unterstützen. Ambulante Pflegekräfte und pflegende Angehörige helfen ihnen dabei, den Alltag zu bewältigen.

Die richtige Pflege bei Osteoporose

Damit die Erkrankung nicht schneller fortschreitet als nötig, ist es wichtig Maßnahmen zu ergreifen, die den Knochenaufbau fördern und den Abbau von Knochenmasse verzögern. Ein zentraler Baustein dabei ist die Ernährung, die kalziumreich und knochenfreundlich sein sollte. Kalzium ist einer der wichtigsten Nährstoffe, die bei Osteoporose zum Einsatz kommen sollte. Enthalten ist der Mineralstoff u. a. in Milch und Milchprodukten, vor allem in Hartkäse. Weitere kalziumreiche Lebensmittel sind Haselnüsse, Spinat und Grünkohl. Sie sollten regelmäßig in den Speiseplan aufgenommen werden, da sie den Aufbau von Knochenmasse fördern.

Neben der Ernährung spielt auch Bewegung eine wichtige Rolle in der Pflege von Osteoporose-Patienten: Mit regelmäßiger Bewegung und leichten sportlichen Aktivitäten werden Knochen und Muskeln gestärkt. Ein praktischer Nebeneffekt ist, dass Sport die Koordinationsfähigkeit der Betroffenen fördert und auf diese Weise ebenfalls Stürzen vorbeugen kann – auch bei einer Mobilitätseinschränkung. Körperliche Aktivität trainiert die Muskulatur, die dem Skelett Halt gibt. Ein täglicher Spaziergang in Begleitung einer Pflegeperson aktiviert nicht nur die Muskulatur, sondern regt die Haut auch dazu an, das am Knochenaufbau beteiligte Vitamin D zu bilden.

Eine Sportart, die sich für Osteoporose-Patienten eignet, ist Wassergymnastik. Hier besteht keine Sturzgefahr, und die Bewegung im Wasser unterstützt den Knochenaufbau – der Stoffwechsel wird angeregt, die Muskulatur wird gestärkt, die Wirbelsäule wird entlastet. In Kombination mit einer aktivierenden Pflege, bei der die Pflegeperson sich zurücknimmt und den Pflegebedürftigen so viel wie möglich selbst machen lässt, kann der Krankheitsverlauf verzögert werden.

Welcher Pflegegrad bei Osteoporose?

Um einen Pflegegrad zu erhalten, müssen Sie der Pflegeversicherung gegenüber nachweisen, dass Sie (oder Ihr pflegebedürftiger Angehöriger) im Alltag nicht mehr ohne fremde Hilfe zurechtkommt. Diese Einschränkung der Selbstständigkeit wird im Rahmen eines Pflegegutachtens durch den MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen) ermittelt und resultiert in einer Einstufung durch die Pflegeversicherung.

Insgesamt gibt es in Deutschland fünf Pflegegrade (ehemals Pflegestufen). Diese unterscheiden sich in ihrem Leistungsumfang, der sich danach richtet, wie stark die Selbstständigkeit eingeschränkt ist. Abhängig davon, wie weit fortgeschritten die Osteoporose bereits ist, wie viel Betreuung der Pflegebedürftige benötigt, und ob eventuelle weitere Einschränkungen, beispielsweise eine Demenzerkrankung, hinzukommen, kann sich die Einstufung in einen Pflegegrad von Fall zu Fall unterscheiden.

Unabhängig von dem Pflegegrad, der Ihnen oder Ihrem pflegebedürftigen Angehörigen von der Pflegeversicherung bewilligt wird, erhalten Sie zudem finanzielle Unterstützung für die Wohnraumanpassung. Diese können mit bis zu 4.000 Euro pro Maßnahme gefördert werden. Sie müssen bei der Pflegeversicherung gesondert beantragt werden.

2018-07-16T13:51:56+00:00
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