Nachtpflege

Die Nachtpflege ist eines von verschiedenen Angeboten der Pflegeversicherung, mit denen pflegende Angehörige entlastet werden sollen. Pflegebedürftige werden hier während der Nacht betreut und medizinisch versorgt.

Nachtpflege

Wenn ein Pflegefall in der Familie eintritt, stehen ein pflegebedürftiger Versicherungsnehmer und seine Angehörigen vor der oftmals schwierigen Entscheidung, wie und wo die Pflege durchgeführt werden soll. Zur Auswahl stehen dabei, abhängig von dem Schweregrad der Pflegebedürftigkeit und der beruflichen Situation der Angehörigen, verschiedene Varianten. So muss beispielsweise zunächst einmal grundlegend zwischen der stationären und der ambulanten Pflege unterschieden werden: Unter dem Begriff „Stationäre Pflege“ wird ein fester Platz im Pflegeheim verstanden – hier werden Pflegebedürftige rund um die Uhr betreut und versorgt. „Ambulante Pflege“ dagegen beschreibt die Pflege, die in einem häuslichen Umfeld durchgeführt wird und für die ein ambulanter Pflegedienst oder ein pflegender Angehöriger verantwortlich zeichnet.

Der Umzug in eine Pflegeinstitution bedeutet für viele Pflegebedürftige eine große Umstellung und zudem eine Absage an ein eigenständiges Leben. Aus diesem Grund wünscht sich ein großer Teil der pflegebedürftigen Versicherungsnehmer, dass eine Möglichkeit gefunden wird, wie sie im eigenen Zuhause oder bei Verwandten leben und gepflegt werden können. Allerdings kann nicht jeder Angehörige ohne weiteres die Betreuung eines pflegebedürftigen Familienmitglieds übernehmen – die Versorgung der eigenen Familie und berufliche Verpflichtungen erschweren es, rund um die Uhr vor Ort zu sein und Betreuung, Pflege und Versorgung sicherzustellen. Vor allem Pflegebedürftige, die während der Nacht betreut werden müssen, stellen eine Familie vor eine große Herausforderung.

Was ist eine Nachtpflege-Einrichtung?

Wie regelmäßig ein pflegebedürftiger Versicherungsnehmer tagsüber oder während der Nacht betreut oder medizinisch versorgt werden muss, richtet sich nach seinem Gesundheitszustand. Weil die Notwendigkeit einer nächtlichen Betreuung viele pflegende Angehörige vor ein nur schwer zu lösendes Problem stellt, bieten Pflegeheime und ambulante Pflegedienste die sogenannte Nachtpflege an.

Die Nachtpflege richtet sich an pflegebedürftige Versicherungsnehmer, die trotz ihrer Pflegebedürftigkeit zuhause oder in einem häuslichen Umfeld gepflegt werden, während der Nacht aber besonders aktiv sind oder medizinisch versorgt werden müssen. Für pflegende Familienmitglieder, die sich zuhause um ihren Angehörigen kümmern, bedeutet das schlaflose Nächte und eine starke, zusätzliche Belastung zu ihrem privaten und beruflichen Alltag. Das Angebot der Nachtpflege soll diese pflegenden Angehörigen entlasten, indem es die Versorgung während der Nacht sicherstellt, ohne die Angehörigen in den Pflegebetrieb mit einzubeziehen.

Angeboten wird die Nachtpflege von Pflegeheimen und Institutionen, die speziell auf die Bedürfnisse von Pflegebedürftigen zugeschnitten sind, sowie von ambulanten Pflegediensten. Ein Pflegedienst stellt für die Nachtpflege einen Mitarbeiter zur Verfügung, der sich während der Nacht in der Wohnung des Pflegebedürftigen aufhält und bei Bedarf die medizinische Versorgung, die Begleitung zur Toilette sowie weitere pflegerische Maßnahmen übernimmt. Alternativ kann ein Pflegebedürftiger während der Nacht teilstationär in einem Pflegeheim untergebracht werden.

Für wen ist die Nachtpflege gedacht?

Die Nachtpflege wurde, ähnlich wie die Tagespflege, als Teil der Leistungen der Pflegeversicherung eingeführt, um in erster Linie pflegende Angehörige zu entlasten und ihnen den Alltag mit einem pflegebedürftigen Familienmitglied zu erleichtern. Der Grund dafür ist nachvollziehbar: Weil der demographische Wandel für eine steigende Zahl pflegebedürftiger Senioren sorgt, kann in Deutschland eine flächendeckende Pflege allein durch stationäre Pflegeplätze und ambulante Pflegedienste kaum sichergestellt werden. Pflegende Angehörige bilden daher eine wichtige Säule des staatlichen Pflegesystems und erfahren seit der Pflegereform und den Pflegeneuausrichtungsgesetzen zusätzliche, entlastende Angebote.

Die Gründe, warum eine pflegebedürftige Person nicht nur tagsüber, sondern auch in der Nacht von einer Pflegeperson versorgt werden muss, können vielfältig sein. Hiervon sind u. a. Pflegebedürftige betroffen, deren Gesundheitszustand eine regelmäßige Wundversorgung, Verbandswechsel oder andere medizinische Maßnahmen erfordert. Auch Intensivpflege-Patienten sowie Palliativ-Patienten sind darauf angewiesen, dass während der Nachtstunden eine Betreuungsperson anwesend ist.

Einen Spezialfall, der ebenfalls häufig eine nächtliche Betreuung erfordert, stellen Pflegebedürftige mit einer Demenzerkrankung dar. In einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung ist es unerlässlich, dass die Betroffenen weitgehend lückenlos betreut werden. Weil sie einfach das Haus verlassen oder vergessen können, welche Folgen ihr Handeln für sie selbst und andere haben kann, geschieht es leicht, dass sie sich und andere unabsichtlich in Gefahr bringen. Nächtliche Unruhe und Schlaflosigkeit erschweren pflegenden Angehörigen die Betreuung, denn sie müssen auch während der Nacht regelmäßig nach dem Rechten sehen und setzen sich auf diese Weise selbst der Gefahr aus, auf lange Sicht zu erkranken.

Was kostet die Nachtpflege und wer hat Anspruch auf Zuschüsse?

Wie sämtliche Pflegeleistungen, die von der Pflegeversicherung angeboten werden, ist auch die Nachtpflege natürlich mit Kosten verbunden. Diese können sich, je nachdem ob die Nachtpflege zu Hause oder in einer stationären Pflegeeinrichtung durchgeführt wird, stark voneinander unterscheiden. Unabhängig von der Unterbringung entstehen zunächst Kosten für die pflegerische Versorgung sowie eventuelle krankenpflegerische Betreuungsleistungen.

In einem Pflegeheim, wo der Pflegebedürftige während der Nacht teilstationär untergebracht ist, fallen nicht nur Kosten für die medizinische und pflegerische Versorgung, sondern auch für die Unterbringung und die Verpflegung an. Wird der Pflegebedürftige mit einem Fahrdienst zum Pflegeheim und wieder nach Hause gefahren, berechnet die Einrichtung dafür entweder eine Pauschale oder die tatsächlich gefahrenen Kilometer. Weitere einrichtungsspezifische Kosten, die mit eingerechnet werden müssen, sind die sogenannten Investitionskosten, die für die Anschaffung und Instandhaltung der Räumlichkeiten und Einrichtungsgegenstände in Rechnung gestellt werden.

Alternativ kann die Nachtpflege auch zu Hause stattfinden. In diesem Fall wird der Pflegebedürftige stundenweise oder während der gesamten Nacht von einem Mitarbeiter eines ambulanten Pflegedienstes betreut. In diesem Fall stellt der Pflegedienst die tatsächlich geleistete Pflegezeit in Rechnung.

Im Rahmen der Pflegesachleistungen übernimmt die Pflegeversicherung die Kosten für die Nachtpflege, einschließlich des Transports. Sobald ein Pflegebedürftiger Anspruch auf Pflegeleistungen hat – in der Regel entsteht dieser durch die Beantragung und Bewilligung eines Pflegegrads, können Leistungen der Nachtpflege über die Pflegeversicherung abgerechnet werden.

Als übernahmefähige Kosten werden dabei jedoch lediglich und ausschließlich die pflegebedingten Kosten akzeptiert. Diese umfassen die Grundpflege sowie die Krankenpflege, jedoch nicht die Kosten für Unterbringung und Verpflegung oder die Investitionskosten. Transportkosten, die durch einen Fahrdienst der Pflegeeinrichtung entstehen, werden in der Regel übernommen. In ihrer Höhe richten sich die übernahmefähigen Kosten nach der Höhe der Pflegesachleistungen, die für den jeweiligen Pflegegrad vorgesehen sind.

2017-12-21T11:48:27+00:00
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