Depression

Depressionen sind bei pflegebedürftigen Menschen keine Seltenheit. Vor allem ältere oder alleinstehende Personen leiden häufig unter den Symptomen des Krankheitsbildes. Davon wird auch die tägliche Pflege beeinflusst.

Pflege und Pflegestufe bzw. Pflegegrad bei Depressionen

In einigen Fällen sind Depressionen der Auslöser, in anderen Fällen ist sie die Folge der Pflegebedürftigkeit. Vor allem ältere Menschen, die aufgrund einer Krankheit oder ihres hohen Lebensalters nicht mehr alleine leben können und auf Hilfe angewiesen sind, zeigen eine Tendenz zu Antrieblosigkeit, Interessenverlust, Niedergeschlagenheit oder sogar Angst. Das alles sind typische Symptome einer Depression – sie stellen sowohl den Betroffenen als auch pflegende Angehörige oder professionelle Pflegekräfte vor eine Herausforderung.
Sorgt der depressive Zustand dafür, dass im Alltag deutlich mehr Pflege und Betreuung als zuvor benötigt wird, lohnt sich ein Antrag auf einen Pflegegrad bei der zuständigen Pflegeversicherung. Liegt bereits ein Pflegegrad (ehemals Pflegestufe) vor, kann eine Höherstufung beantragt werden, um dem Pflegebedürftigen sowie den Pflegepersonen den Alltag zu erleichtern.

Was versteht man unter einer Depression?

Die Depression gehört zu den psychischen Erkrankungen und Beeinträchtigungen, die eine pflegebedürftige Person in ihrem Alltag zusätzlich einschränken können –Menschen, die ohnehin bereits auf Hilfe angewiesen sind, vielleicht ihren Partner oder eine nahestehende Person verloren haben oder immer weiter in die Vereinsamung abgleiten, leiden häufig unter depressiven Symptomen. Die meisten von ihnen sind sich ihrer depressiven Symptomatik jedoch nicht bewusst, sondern nehmen ihre Gemütsschwankungen einfach hin: Die Gemütslage, die in depressiven Phasen oft als Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung oder Angst beschrieben wird, führt dazu, dass die Betroffenen ihre Lust am Leben verlieren, keine Ziele mehr verfolgen und im weiterführenden Stadium sogar alltägliche – und lebenswichtige – Verrichtungen wie Hygiene oder die Nahrungsaufnahme vernachlässigen.

Vor allem bei älteren Menschen werden die Symptome einer beginnenden Depression häufig mit denen einer Demenzerkrankung gleichgesetzt. Hier muss jedoch deutlich und bewusst unterschieden werden, denn die beiden Krankheitsbilder ähneln sich zwar insofern, dass sie im kognitiven bzw. psychischen Bereich angesiedelt sind, jedoch stellen sie vollkommen unterschiedliche Anforderungen an eine Therapie oder die tägliche Pflege.

Die Symptome einer Depression werden in zwei Kategorien eingeteilt, die Haupt- und die Zusatzsymptome. Zu den Hauptsymptomen zählen eine depressive Stimmung (nicht zu verwechseln mit Trauer), Freudlosigkeit und Interessenverlust sowie Antriebsmangel und Ermüdung. Sie werden ergänzt durch die sogenannten Zusatzsymptome, beispielsweise Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, der Verlust von Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl, Schuldgefühle, negative oder pessimistische Gedanken über die Zukunft, Schlafstörungen oder Appetitlosigkeit. In schweren Fällen einer Depression können auch Suizidgedanken und Formen der Selbstverletzung hinzukommen.

Wie wirkt sich eine Depression auf die Pflege aus?

Um einer Depression in der Pflege angemessen und verständnisvoll begegnen zu können, muss eine solche zunächst einmal erkannt werden. Gerade am Anfang einer Depression ist das aber nicht immer leicht, vor allem für pflegende Angehörige. Dabei belastet eine depressive Stimmungslage nicht nur den Pflegebedürftigen selbst, sondern auch den oder die Pflegenden: Werden sie Tag für Tag mit der hoffnungslosen oder ängstlichen Gemütslage, die einer Depression innewohnt, konfrontiert, schlägt auch den Pflegenden eine solche Problemlage häufig aufs Gemüt.

Manifestiert sich eine Depression in den Gedanken eines Pflegebedürftigen, ohne dass sie behandelt wird, können auch ganz normale alltägliche Verrichtungen von der depressiven Haltung betroffen sein: Betroffene lehnen beispielsweise die Körperpflege ab, wehren sich gegen Kommunikation und Aktivitäten oder verweigern die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme. Das ist nicht nur für alle Beteiligten eine Herausforderung, sondern kann sich auch auf den gesundheitlichen Zustand des Pflegebedürftigen auswirken. Über die hohen Anforderungen an die Pflege hinaus müssen einige Betroffene zudem rund um die Uhr betreut werden – da eine starke Depression von Verzweiflung bis hin zu Selbsttötungsgedanken viele Abstufungen annehmen kann, können sie nicht mehr alleine gelassen werden.

Körperpflege, Bewegung und Nahrungsaufnahme bei Depression

Weil Menschen mit einer Depression oftmals vergessen, auf sich selbst zu achten, kommt der pflegenden Person in diesem Zusammenhang eine wichtige Bedeutung zu. Sie muss nicht nur unterstützend wirken, sondern den Pflegebedürftigen auch motivieren, ein „normales“ Leben zu führen: Dazu gehört, zu einer angemessenen Uhrzeit aufzustehen, sich zu waschen und anzukleiden. Der pflegenden Person kommt somit die Aufgabe zu, den Pflegebedürftigen im Sinne einer „aktivierenden Pflege“ zu motivieren. Dafür nimmt er sich selbst zurück und sollte der pflegebedürftigen Person vor allem nicht alles abnehmen, sondern sie vieles selbst tun lassen.

Motiviert werden müssen Pflegebedürftige mit einer Depression häufig auch zum Essen und Trinken. Appetitlosigkeit ist ein typisches Merkmal einer Depression und resultiert häufig im „Vergessen“ von Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme. Die Pflegeperson muss daher darauf achten, dass ausreichend gegessen und getrunken wird. Verweigert der Pflegebedürftige dies vollständig, sollte ein Arzt hinzugezogen werden.

Kommunikation bei Depression

Mit einer Person, die unter Depressionen leidet, zu kommunizieren, ist zuweilen schwierig bis nahezu unmöglich. Pflegepersonen müssen viel Geduld und Verständnis mitbringen: Menschen mit einer Depression ziehen sich häufig zurück und sprechen gar nicht mehr. Andere dagegen sprechen übermäßig viel, jammern und beklagen sich. Um die Betroffenen nicht in ihrer Hoffnungslosigkeit zu bestätigen, sollten Pflegepersonen ihnen viel Verständnis entgegenbringen und ihre Situation vor allem nicht bewerten. Eine neutrale Haltung und eine gute Beobachtungsgabe dagegen kann Depressive dazu ermutigen, über ihre Gefühle zu sprechen.

Welcher Pflegegrad bei Depression?

Seit im Rahmen des Einstufungsverfahrens für einen Pflegegrad neben körperlichen Erkrankungen auch psychische Problemlagen und kognitive Beeinträchtigungen in die Wertung einbezogen werden, kann die Pflegeversicherung auch bei einer Depression einen Pflegegrad bewilligen. Kommt eine körperliche oder kognitive Behinderung oder Einschränkung hinzu, kann die Depression zudem Auswirkungen auf die Höhe des Pflegegrads sowie der entsprechenden Pflegeleistungen haben.

Welcher Pflegegrad (ehemals Pflegestufe) bei einer Depression im Einzelnen vergeben wird, hängt stark von der individuellen Pflegesituation ab. Jeder Einzelfall muss sorgfältig geprüft und mit dem sogenannten „Neuen Begutachtungsassessment“ der Pflegebegutachtung abgeglichen werden, um eine Einstufung vornehmen zu können. Um eine Einstufung vornehmen zu lassen, können Sie einen Pflegegrad ganz einfach und formlos bei Ihrer zuständigen Pflegeversicherung beantragen.

2018-03-13T10:57:02+00:00
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