Diabetes

Eine Diabetes-Erkrankung erfordert die Einnahme von Medikamenten und die Anpassung der Ernährung. Weil Pflegebedürftigen dies häufig schwerfällt, sind Pflegekräfte bei Diabetes-Patienten besonders in der Pflicht.

Pflege und Pflegestufe bzw. Pflegegrad bei Diabetes

Die Diabetes-Erkrankung ist in Deutschland vergleichsweise weit verbreitet und beginnt meist im Kindes- oder Jugendalter. Allerdings können auch ältere Menschen, die ihr Leben lang nicht davon betroffen waren, an der umgangssprachlich als Zuckerkrankheit bekannten Stoffwechselstörung erkranken. Behält man die Symptome verantwortungsbewusst im Auge, passt die Ernährung an und nimmt regelmäßig Medikamente ein, kann man sehr gut mit der Krankheit leben.

Kommt zu der Diabetes-Erkrankung jedoch eine Pflegebedürftigkeit hinzu, fällt es vielen Betroffenen schwer, richtig mit der Krankheit umzugehen. Die Verantwortung, die Krankheit im Griff zu halten und einem Diabetes-Patienten ein weitgehend davon unberührtes Leben zu ermöglichen, geht in diesem Fall häufig auf die Pflegeperson über. Ihr obliegt es, regelmäßig den Blutzuckerspiegel zu messen, die Medikamenteneinnahme zu überprüfen und den Pflegebedürftigen in einer Diabetes-freundlichen Ernährung zu beraten.

Was aber genau verbirgt sich hinter der Diabetes-Erkrankung, die sich in zwei verschiedene Krankheitstypen aufspaltet? Welche zusätzlichen Anforderungen bedeutet Diabetes für die tägliche Pflege? Können Pflegebedürftige mit Diabetes weiterhin zuhause leben und versorgt werden? Und hat die Erkrankung Auswirkungen auf einen eventuellen Pflegegrad (früher Pflegestufe) sowie höhere Leistungen der Pflegeversicherung?

Was ist Diabetes mellitus?

Der medizinische Fachbegriff für Diabetes lautet „Diabetes mellitus“. Viel bekannter jedoch sind die Bezeichnungen „Diabetes Typ 1“ und „Diabetes Typ 2“. Umgangssprachlich wird die Erkrankung als Zuckerkrankheit bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine chronische Stoffwechselerkrankung, die auf einem Mangel an Insulin bzw. Glukose beruht.

Die Ursache des Insulinmangels vom Typ 1 scheint in einer Fehlreaktion des Immunsystems zu liegen: Zellen, die eigentlich für die körpereigene Produktion des Insulins verantwortlich sind, sterben ab. Weil das Insulin auf natürliche Weise nicht mehr hergestellt wird, steigt in der Folge der Blutzuckerspiegel der Betroffenen an. Übersteigt er einen bestimmten Wert, müssen Diabetes-Patienten Insulin spritzen, um den Blutzuckerspiegel manuell zu regulieren. Dieser Diabetes-Typ tritt in einem Großteil der Fälle schon im Kindes- oder Jugendalter auf. Generell empfiehlt es sich, bei jeder Erkrankung Ihre Chancen auf einen Pflegegrad (vormals Pflegestufe) zu prüfen.

Häufiger als Diabetes Typ 1 kommt Diabetes Typ 2 vor. Hier ist es nicht das fehlende Insulin, sondern ein Übermaß an Glukose im Blut, das die Zuckerkrankheit auslöst. Dieser Typ der Diabetes-Erkrankung tritt häufig erst in höherem Alter auf und ist eng mit Faktoren wie Übergewicht, ungesunder Ernährung und mangelnder Bewegung verknüpft. Spezielle Medikamente sowie regelmäßige Bewegung und ein gesunder Lebenswandel helfen dabei, die Erkrankung in den Griff zu bekommen. Anders als beim Typ 1 ist Insulin nur in seltenen Fällen Teil der Behandlung.

Wie wirkt sich Diabetes mellitus auf die Pflege aus?

Eine Diabetes-Erkrankung äußert sich in verschiedenen Faktoren, die den Alltag, je nach Grundkondition und allgemeiner Beeinträchtigung des Betroffenen mehr oder weniger stark einschränkt. Ständiger Durst und starker Harndrang sind ebenso Anzeichen für Diabetes wie dauernde Müdigkeit, trockene Haut und häufige Infekte. Weil die Symptome aber nicht immer direkt als Diabetes erkannt werden, wissen viele Betroffene gar nicht, dass sie an der Erkrankung leiden. Gerade bei älteren Menschen, die zuhause oder in einer Pflegeeinrichtung von Angehörigen oder einem Pflegedienst betreut werden, sind es häufig erst die Beobachtungen der Pflegepersonen, die zu einer ärztlichen Überprüfung auf Diabetes führen und den Betroffenen die entsprechenden Medikamente zugänglich machen.

In der täglichen Pflege benötigen Pflegebedürftige mit Diabetes mellitus vor allem bei der Körperpflege und beim Essen und Trinken Unterstützung. Auch bei der Bewegung sollten Pflegepersonen zur Seite stehen, um dem Pflegebedürftigen beispielsweise den häufigen Gang zur Toilette zu erleichtern oder sie an regelmäßige Bewegung, z. B. in Form kurzer Spaziergänge, zu erinnern.

Körperpflege bei Diabetes

Bei der Körperpflege ist besondere Sorgfalt walten zu lassen, wenn der Pflegebedürftige unter Diabetes leidet. Die Haut eines Diabetes-Patienten ist oft besonders empfindlich und anfällig für Infektionen. Vor allem die Füße, die für Menschen mit Diabetes grundsätzlich ein Problem darstellen können, müssen mit Sorgfalt behandelt werden: Schon die kleinste Verletzung kann zu großflächigen, schlecht heilenden Wunden führen, da die Krankheit die Wundheilung einschränkt.

Ein zentraler Aspekt der Pflege ist daher eine regelmäßige Fußpflege. Nach dem Waschen müssen die Füße vorsichtig und gründlich abgetrocknet werden. Die Nägel werden rund und kurz gehalten, um Verletzungen durch spitze oder scharfe Kanten zu vermeiden. Um langfristige Folgeerkrankungen zu vermeiden, müssen selbst kleinste Verletzungen gründlich desinfiziert und regelmäßig kontrolliert werden. Neben den Pflegeleistungen eines Pflegegrades (bis 2017 Pflegestufe) können weitere Unterstützungen bei der Krankenkasse geltend gemacht werden (Hilfsmittelverordnung).

Bewegung und Mobilität bei Diabetes

Bewegung kann bei Diabetes-Patienten zu unterschiedlichen Problemen führen: Bewegt sich der Pflegebedürftige intensiv, isst aber zu wenig, kann der Blutzuckerspiegel unter ein gesundes Maß fallen. Anzeichen einer Unterzuckerung sind beispielsweise Unruhe, Zittern, Sehstörungen, Schwindel oder starkes Schwitzen. Ältere Menschen leiden dann häufig unter Verwirrtheit oder Verhaltensstörungen.

Umgekehrt kann die Bewegung selbst eingeschränkt sein, weil die Füße bei einer Diabetes-Erkrankung oftmals einer Sensibilitätsstörung unterliegen. Die Patienten fühlen Schmerzen erst spät – ein drückender Schuh oder ein Steinchen unter dem Fuß können aufgrund der empfindlichen Haut weitreichende Folgen haben.

Viele Diabetes-Patienten leiden zudem unter Sehstörungen und Nervenschädigungen, die eine akute Sturzgefahr zur Folge haben. Das Sturzrisiko lässt sich durch Maßnahmen der Wohnraumanpassungen zwar minimieren, aber nicht gänzlich ausschalten: Haltegriffe und Geländer, eine gute Beleuchtung und das Beseitigen von Stolperfallen sind wichtige Maßnahmen, um dem Pflegebedürftigen eine freie Bewegung im eigenen Zuhause zu ermöglichen. Bereits ab Pflegegrad 1 (früher Pflegestufe 0) können Sie diese Maßnahmen von Ihrer Krankenkasse einfordern und rückerstattet bekommen.

Welcher Pflegegrad (vormals Pflegestufe) bei Diabetes?

Seit Anfang 2017 erhalten Pflegebedürftige einen Pflegegrad (früher: Pflegestufe), wenn ihr Grad der Selbstständigkeit ein eigenständiges Leben nicht mehr möglich macht. Weil eine verminderte Selbstständigkeit starke Auswirkungen auf die Mobilität, die Ernährung und die Körperpflege haben kann, sollten Angehörige eines Pflegebedürftigen mit Diabetes bei der Begutachtung durch den MDK darauf achten, dass sämtliche Einschränkungen, die aufgrund der Diabetes-Erkrankung entstehen, aufgenommen und in die Bewertung einbezogen werden.

Mit einem ausführlichen Pflegetagebuch und einer Auflistung sämtlicher Beeinträchtigungen, die durch den Diabetes sowohl für den Pflegebedürftigen als auch die Pflegeperson entstehen, haben Pflegebedürftige mit Diabetes gute Chancen, einen Pflegegrad (bis 2017: Pflegestufe bei Diabetes) zu erhalten, der ihrem tatsächlichen Pflegebedarf entspricht.

2018-01-23T14:19:29+00:00
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