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Verhinderungspflege

Wenn ein pflegender Angehöriger die Pflege für einen kurzen Zeitraum nicht sicherstellen kann, kann die Verhinderungspflege beantragt werden – ein professioneller Pflegedienst übernimmt die Pflege.

Die Verhinderungspflege

Wenn Menschen durch ein hohes Lebensalter, einen Unfall oder eine Krankheit pflegebedürftig werden, wünschen sie sich in der Regel, so lange wie möglich zuhause und von vertrauten Menschen gepflegt zu werden. Das gewohnte Umfeld und ein oder mehrere Angehörige, die die Pflege sicherstellen und dem Pflegebedürftigen Gesellschaft leisten, haben einen positiven Einfluss auf dessen Lebensgefühl und -qualität.

Im Rahmen der Pflegestärkungsgesetze hat die Pflegeversicherung u. a. die Verhinderungspflege neu definiert und mit höheren Leistungssätzen an die hohen Anforderungen, die die Pflege an einen Angehörigen stellt, angepasst. Für bis zu sechs Wochen im Jahr können pflegende Angehörige nun eine finanzielle Unterstützung für ihre Abwesenheit beantragen, deren Höhe teilweise sogar unabhängig vom Pflegegrad der pflegebedürftigen Person ist.

Was versteht man unter Verhinderungspflege?

Die ambulante Pflege eines pflegebedürftigen Angehörigen stellt hohe Anforderungen an die pflegende Person und verlangt ihr einiges ab, darunter u. a. das Aufopfern der eigenen Freizeit. Je nachdem, wie hoch der Grad der Pflegebedürftigkeit eines Versicherungsnehmers ist, muss die Pflegeperson täglich einmal oder mehrfach die Versorgung des Pflegebedürftigen sicherstellen. Als Pflegeperson versteht man in diesem Zusammenhang eine Privatperson, die die Pflege nicht erwerbsmäßig durchführt – das kann ein Angehöriger, ein Bekannter oder ein Pflegebeauftragter sein.

Die Verhinderungspflege wird dann von der Pflegeversicherung gezahlt, wenn der pflegebedürftige Versicherungsnehmer schon seit mindestens sechs Monaten von der Pflegeperson gepflegt wird und diese verhindert ist, also z. B. in den Urlaub fährt, eine Dienstreise wahrnehmen muss oder selbst erkrankt ist. Wichtig ist, dass bei der Pflegeversicherung ein Antrag auf Verhinderungspflege gestellt wird – wann dieser eingereicht wird, hat jedoch keinen Einfluss auf die Auszahlung der Verhinderungspflegeleistungen. Auch ein nachträglicher Antrag ermöglicht pflegenden Angehörigen, die Unterstützung für die Verhinderungspflege zu erhalten. Für die Verhinderungspflege kommen verschiedene Personen in Frage, die allerdings unterschiedliche Leistungen von der Pflegekasse erhalten. Bis zum zweiten Grad mit dem Pflegebedürftigen verwandte oder verschwägerte Personen zählen als nahe Angehörige und erhalten geringere Leistungen als eine erwerbsmäßig tätige Pflegekraft oder entfernte Verwandte und Bekannte.

Welche Leistungen umfasst die Verhinderungspflege?

Die Verhinderungspflege zählt zu den Leistungen der Pflegeversicherung, die in jährlichen Summen ausgezahlt und bewilligt wird. Pro Jahr können pflegende Angehörige deshalb maximal 1.612 Euro für die Verhinderungspflege beantragen. Der Zeitraum, der damit abgedeckt werden kann, beträgt höchstens sechs Wochen, also 42 Kalendertage.

Anders als bei anderen Leistungen der Pflegekasse richtet sich die exakte Höhe der Verhinderungspflege nicht nach dem jeweiligen anerkannten Pflegegrad des pflegebedürftigen Versicherungsnehmers, sondern nach der Person, die die Verhinderungspflege für einen pflegenden Angehörigen übernimmt.

Der Maximalbetrag von 1.612 Euro kommt dann zum Tragen, wenn ein professioneller Pflegedienst für den Zeitraum der Verhinderung mit der Pflege beauftragt wird, oder entfernte Verwandte oder Freunde die Pflege übernehmen. Die aufgewendete Zeit wird stundenweise abgerechnet, wobei der Gesamtbetrag auf Jahr gerechnet die 1.612 Euro nicht übersteigen darf.

Springt stattdessen ein anderer naher Angehöriger der pflegebedürftigen Person für die verhinderte Pflegeperson ein, erhält er lediglich das Pflegegeld ausgezahlt, das für den jeweiligen Pflegegrad vorgesehen ist. Auch dieses wird anteilig gezahlt, und zwar im Hinblick auf den jeweiligen Zeitraum der Verhinderungspflege. Insgesamt kann das 1,5-fache des monatlichen Pflegegelds, das für den jeweiligen Pflegegrad vorgesehen ist, in Anspruch genommen werden. Hat die Pflegeperson jedoch besondere Aufwendungen, etwa hohe Fahrtkosten oder einen Verdienstausfall, können die Leistungen auf bis zu 1.612 Euro aufgestockt werden.

Wird das Pflegegeld bei Verhinderungspflege gekürzt?

Im Zuge der Pflegereform und des Pflege-Neuausrichtungs-Gesetzes (PNG) wurde gesetzlich festgelegt, dass das Pflegegeld für den Zeitraum der Verhinderungspflege zu 50 Prozent weitergezahlt wird. Es handelt sich also nicht um eine vollständige Kürzung, jedoch zahlt die Pflegeversicherung auch nicht den gesamten Betrag aus. Umfasst die Verhinderungspflege aber nicht mehr als acht Stunden an zwei aufeinanderfolgenden Tagen, wird das Pflegegeld für den betreffenden Monat in voller Höhe ausgezahlt.

2017-12-21T11:14:42+00:00
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